Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Wolf Biermann: Mensch Gott!

In seinem literarischen Werk kommt Wolf Biermann immer wieder auf Gott zu sprechen. Pünktlich zu seinem 85. Geburtstag sind in der renommierten Bibliothek Suhrkamp Lieder und Gedichte zur Gottesthematik von den 1960er Jahren bis in die jüngste Gegenwart erschienen, die, in acht Abschnitte aufgeteilt, von erhellenden biografischen Vorbemerkungen eingeleitet werden. Um einen Eindruck von der poetischen Verve dieses Sprachschöpfers zu bekommen, soll er ausführlich selbst zu Wort kommen. Vergegenwärtigen wir uns zunächst einige Stationen seines Lebens, um seine pointierten Aussagen zu Gott und Mensch biografisch kontextualisieren zu können.

Geboren wurde der Dichter in Hamburg am 15. November 1936 „in einer jüdischen Kommunistenfamilie“ (13). Die Mutter Emma war Maschinenstrickerin und...

Sergio Ramirez: Sara. Roman

Sergio Ramirez bringt, wie bereits der Buchtitel verspricht, aus der Perspektive der Ahnfrau Sara alle wichtigen Stationen ihrer Lebensreise mit Abraham zur Sprache. Jedoch schwingt in Saras biographischem Erzählen stets Rebellion gegen ihren Mann und seinen Gott mit, da er niemals die Anordnungen des Höchsten hinterfragt. Der Autor versteht es, die biblischen Textvorlagen um Fiktives, kulturhistorisch Erforschtes zum Alltag der Ahneltern zu erweitern. Er erzählt in der für lateinamerikanische Schriftsteller urtümlichen Farbigkeit und einer zuweilen dem Phantastischen zuneigenden Fabulierfreude. Bisweilen kommentiert sein auktorialer Erzähler mit unterschwelligem Humor das Geschilderte und verknüpft es mit weiteren biblischen Geschichten bis hin zu Leben und Sterben Jesu von Nazareth. Der...

Helga Schubert: Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten

Die letzte und titelgebende der 29 Geschichten des neuen Buches von Helga Schubert „Vom Aufstehen“ war bereits zu einem Stück Literaturgeschichte geworden, als das gleichlautende Buch im vergangenen Jahr erschien: 40 Jahre nachdem die Schriftstellerin und Psychologin vom DDR-Regime daran gehindert worden war, einer Teilnahme am jährlichen Wettbewerb um den hoch angesehenen Ingeborg-Bachmann-Preis zu folgen, wurde sie als 80-Jährige 2020 erneut nach Klagenfurt eingeladen und ging als Siegerin hervor – mit eben dieser anrührenden, lakonischen Schilderung, die um die Schmerzpunkte ihres Lebens kreist.

Dabei sind die biographischen Auswirkungen des sozialistischen Totalitarismus, die minimalistisch, hoch präzise skizziert werden, gleichsam im äußeren Kreis der Leiderfahrungen angesiedelt, im...

Mouez Khalfaoui / Jean Ehret (Hg.): Islamische Theologie in Deutschland

Am 29. Januar 2010 veröffentlichte der Wissenschaftsrat der Bundesrepublik Deutschland die „Empfehlungen zur Weiterentwicklung von Theologien und religionsbezogenen Wissenschaften an deutschen Hochschulen“. Darin wird ausdrücklich betont, dass ein großer Bedarf für die Ausbildung von Religionspädagoginnen und -pädagogen für den islamischen Religionsunterricht und von Religionsgelehrten für die Arbeit in den bestehenden Moscheegemeinden existiert. Im Zuge der „Empfehlungen“ des Wissenschaftsrates wurden sukzessive Zentren, Institute und Seminare für islamische Theologie an deutschen Hochschulen eingerichtet.

Nach über 10 Jahren ist es an der Zeit, einen Blick auf die Landschaft der islamischen Theologie in Deutschland zu werfen und Bilanz zu ziehen. Dieses Anliegen haben explizit die...

Karl Josef Kuschel / Shahid Alam: Goethe und der Koran

Seit Katharina Mommsens Buch „Goethe und die arabische Welt“ von 1988 ist Karl Josef Kuschels Werk ein zweiter Versuch, in einer Monografie Goethes Verhältnis zur Welt des Orients zu erhellen. Als ausgezeichneter Kenner des interreligiösen Dialogs legt Kuschel den Akzent auf Goethes Beziehung zum Propheten Mohammed und zum Koran, während der allgemeine kulturhistorische Horizont am Rande bleibt.

In einem ersten Teil des Buches stellt Kuschel sämtliche Texte zusammen, die der Dichter innerhalb eines halben Jahrhunderts, von 1772 an bis zur endgültigen Gestalt des „West-östlichen Divans“ 1827, mit Anspielungen auf den Koran und auf den Propheten des Islams geschaffen hat. Die frühesten Zeugnisse sind Auszüge aus dem Koran, die Goethe überwiegend aus D. F. Megerlins Koran-Übersetzung „Die...

Jürgen Werbick: Gegen falsche Alternativen

Jürgen Werbicks neues Buch beinhaltet in acht etwa gleich langen, thematisch und systematisch miteinander verknüpften Kapiteln Ausführungen über zentrale Themen des christlichen Glaubens. Der Autor gibt zunächst (3-16) einen konzisen Überblick über die unterschiedlichen Aspekte einer teilnehmenden, teilenden Theologie, die in den folgenden Kapiteln (17-226) anschaulich entfaltet werden. Das Buch schließt mit einem sehr klaren Ausblick (227-230): Der Theologe plädiert dafür, im Vertrauen auf Gottes Lebensbegleitung, seine Gnade, das Verurteilen hinter sich zu lassen und so konkret wie möglich etwas miteinander anzufangen.

Das 1. Kapitel kennzeichnet die Perspektive der folgenden: Statt sich auf ein dualistisches Entweder-oder zu fixieren, geht es darum, über wichtige gemeinsame Erfahrungen...

Kurt Kardinal Koch: Wohin geht die Ökumene?

Um den heutigen Stand des ökumenischen Anliegens in der Welt zu beurteilen, bedarf es eines größeren Überblicks. Wer könnte ihn auf katholischer Seite qua Amt besser haben als der jetzige Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen Kurt Kardinal Koch? Es war sicher zu erwarten, dass der Kardinal eine eher konservative Sicht und Einschätzung der Situation vorlegen würde. Das ist auf keinen Fall zu bemängeln. Die Ökumene steht immer in der Gefahr, Einheit zu verkündigen, wo in Wahrheit noch keine besteht. Das für den evangelischen Rezensenten tiefere Problem dieses Buches liegt darin, dass die konservative Sicht der Ökumene sich in der Weise kundtut, dass die katholische Wahrheit als den theologischen Einsichten der anderen Kirchen überlegen angesehen und bisweilen...

Oliver Wurm / Andreas Volleritsch (Hg.): Das Neue Testament als Magazin

Die Bibel ist das am häufigsten gedruckte Buch der Welt. Sie liegt in zahllosen Übersetzungen, Auflagen und Ausgaben vor. Doch manchmal muss man auch alten – aber keinesfalls veralteten – Wein in neue Schläuche gießen, damit er die Menschen erneut oder ganz andere, neue Menschen erfreut. Diese Ausgabe des Neuen Testaments – nicht der gesamten Bibel – versucht genau dies, indem sie die neutestamentlichen Bücher in Magazinform zugänglich macht. Ein Makeover der Bibel für heutige Menschen mit ihren Seh- und Lesegewohnheiten.

In einem Heft fast in der Größe von DIN A4 kann man nun die Evangelien, die Apostelgeschichte, die verschiedenen Briefe und die Apokalypse des Johannes lesen – grafisch äußerst ansprechend gestaltet. Ergänzt werden die Texte durch Infografiken über das Christentum und...