Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Walter Homolka: Der Jude Jesus

Das Buch ist mehr als nur eine Bestandsaufnahme und Kommentierung der verschiedenen christlichen und jüdischen Auseinandersetzungen mit der Person Jesu. Dem Autor geht es darum, alte Vorbehalte abzubauen und neue Wege der Aussöhnung aufzuzeigen. Diese können aber erst dann beschritten werden, wenn die tiefe Verortung des Jesus von Nazareth im Judentum den Christen deutlicher gemacht wird. Der Leser ist zunächst erstaunt, wenn er die vorangestellte Widmung liest. Sie gilt Christian Stückl, dem Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele. Eine solche Ehrung ist außergewöhnlich, waren es doch gerade die Passionsspiele, die sich seit ca. 300 Jahren eines subtilen und teilweise sogar offenen Antijudaismus bedient haben. Rabbiner Homolka, der Christian Stückl den Abraham-Geiger-Preis 2020 für...

Michael Blume: Verschwörungsmythen

In dem Film „Fletchers Visionen“ von 1997 deckt Jerry Fletcher (Mel Gibson) zusammen mit der Staatsanwältin Alice Sutton (Julia Roberts) eine ungeheure Verschwörung auf: Die CIA hat Menschen mit Hilfe von illegalen Experimenten zur Bewusstseinskontrolle gezielt zu Mördern ausgebildet, die in ihrem Auftrag unliebsame Zeitgenossen töten. Jerry Fletcher ist einer dieser Killer. Was den Film sehr spannend macht, ist nicht nur seine rasante Handlung, sondern auch, dass Jerry Fletcher in dem Film glaubhaft weiteren Verschwörungstheorien einen hohen Wahrheitsgehalt verleihen kann, die als moderne Sagen oder Legenden im kollektiven Bewusstsein gespeichert sind, wie z.B. die Versetzung des Trinkwassers mit Drogen durch die Regierung oder die Chemtrails.

Was dem Film „Fletchers Visionen“ einen...

Hans Peter Duerr: Diesseits von Eden. Über den Ursprung der Religion

Bekannt wurde der Ethnologe Hans-Peter Duerr (geb. 1943) durch sein Buch „Traumzeit. Über die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation“ (1978). Ich hatte damals dieses Buch verschlungen und war entsprechend gespannt auf sein Alterswerk. Es umfasst 751 Seiten, 472 Seiten Text, 129 Seiten Anmerkungen und 142 Seiten Literaturangaben und andere Nachweise bzw. Register.

Vorweg: Bemerkenswert ist an dem Buch, dass der Untertitel „Über den Ursprung der Religion“, was eine begriffliche Aufarbeitung betrifft, eigentlich bedeutungslos ist. Vielleicht habe ich einige Seiten übersehen, aber im Hinblick auf eine begriffliche Auseinandersetzung mit Religionstheorie(n) im weitesten Sinne habe ich insgesamt ungefähr 21 Seiten mit einschlägigen, oft nur wenige Sätze umfassenden Argumentationen gefunden...

Mouhanad Khorchide: Gottes falsche Anwälte

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“. Wie die beiden Zeilen aus Herrmann Hesses Gedicht „Stufen“ zeigt, scheint es eine Konstante im Menschen zu geben, die dazu führt, Anfänge zu idealisieren, vor allem, wenn man die Anfänge nicht selbst erlebt hat und aus einer bestimmten historischen Ferne auf sie schaut. Dann ist immer von der „guten alten Zeit“ die Rede, in der alles besser und schöner war als in der Gegenwart. Letztendlich können Anfänge zu ungeheuer großen Projektionsflächen werden, in denen alles das hineinreflektiert wird, was man in der Gegenwart schmerzlich zu vermissen meint. Dieser Befund der Idealisierung des Anfangs trifft besonders auf Religionen und ihre sogenannten Stifter zu.

Die nachfolgende historische Entwicklung wird...

Michael Stausberg: Die Heilsbringer

Im Zusammenhang der Weltausstellung 1893 in Chicago fand das erste Weltparlament der Religionen statt. Es dauerte 16 Tage, insgesamt wurden 216 Vorträge gehalten. Der Religionswissenschaftler Michel Strausberg nimmt dieses Ereignis, dem er eine globale Bedeutung beimisst, zum Anlass und zeitlichen Ausgang seiner Globalgeschichte der Religionen im 20. Jahrhundert. Sein 20. Jahrhundert endet mit den Terroranschlägen in New York am 11. September 2001. Was beim Weltparlament der Religionen in Chicago zum ersten Mal in die Weltöffentlichkeit trat, war, Strausberg zufolge, Religion als Kategorie neben anderen Kategorien der Wirtschaft, Politik, Geschichte, Wissenschaft usw. Erstmals traten (nur sehr wenige) Vertreterinnen und (sehr viele) Vertreter unterschiedlichster Religionen zusammen und...

Karl Erich Grözinger: Jüdisches Denken. Theologie – Philosophie – Mystik

Mit „Meinungen und Richtungen im 20. und 21. Jahrhundert“ ist jetzt der fünfte und letzte Band von Karl Erich Grözinger „Jüdisches Denken. Theologie, Philosophie und Mystik“ erschienen. Das monumentale Standardwerk beginnt mit der Bibel (Band 1) und schließt mit der Jüdischen Philosophie im 21. Jahrhundert (Band 5). Unter „Jüdischem Denken“ versteht Grözinger allerdings nicht nur die Philosophie im engeren Sinn, sondern auch das theologische und mystische, das politische und das konfessionelle Denken, kurz jede Art von Denken, in der das Judentum seine Quellen, seine Aufgaben, seine Existenz durchdacht hat.

Der Verfasser geht in der Regel monographisch vor und präsentiert Denker (in Band 5 auch Denkerinnen) und Werke. Wobei er immer wieder die drei Gegenstände der metaphysica specialis...

Thorsten Dietz: Gott in Game of Thrones

Die äußerst wirkmächtige und hochgelobte Fernsehserie „Game of Thrones“ beruht auf der fast abgeschlossenen Romanreihe „A Song of Ice and Fire“ (Das Lied von Eis und Feuer) von George Raymond Richard Martin (*1948). Die räumliche Grundkonstellation, innerhalb der die Romanfiguren agieren, ist eine Region namens „Westeros“, in der die zeitliche Erstreckung der Sommerzeiten unsicher ist und immer ein unübersehbar langer Winter droht. Deshalb lautet der Leitspruch der den Norden von „Westeros“ verwaltenden Lords: „Der Winter naht“. Die Handlung spielt wesentlich im Bereich dieses Kontinents „Westeros“, auf demdie „Sieben Königslande“ um Vorherrschaft und Macht im Schatten des sie verbindenden „Eisernen Thrones“ mit wechselnder Intensität konkurrieren bzw. kämpfen. Im Vorwort erläutert...

Perry Schmidt-Leukel: Wahrheit in Vielfalt

Perry Schmidt-Leukel ist Professor für Religionswissenschaft und Interkulturelle Theologie an der Universität Münster. 2015 hielt er an der Universität Glasgow als erster Deutscher seit fünfundzwanzig Jahren die international renommierten Gifford Lectures. Es sei erwähnt, dass William James in Edinburgh 1901/02 seine Gifford Lectures hielt, die anschließend als Buch unter dem Titel „The Varieties of Religious Experience" veröffentlicht wurden und das bis heute als eines der einflussreichsten Werke in der Religionsforschung gilt.

Das vorgelegte Werk „Wahrheit in Vielfalt. Vom religiösen Pluralismus zur interreligiösen Theologie" geht sowohl auf seine Gifford Lectures (2015) als auch auf seine Vorlesungsreihe an der Zhejiang University in Hangzhou (China) (2014) zurück. Wie dem Buchumschlag...