Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Joachim Kunstmann: Subjektorientierte Religionspädagogik

Im letzten Kapitel seines Plädoyers für eine zeitgemäße religiöse Bildung stellt Joachim Kunstmann, Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, anhand eines Stundeneinstiegs exemplarisch dar, wie der subjektorientierte Religionsunterricht in der Praxis aussehen könnte. In den Wochen vor Weihnachten zündet der Lehrer zu Beginn die Kerze eines Adventskranzes an und setzt sich schweigend hinter das Pult. Nach einigen Minuten reagieren die Schüler auf diesen Impuls. Ein Mädchen sagt: „Die Kerze ist so schön“, einem ihrer Mitschüler erscheint das Licht warm und angenehm. Eine weitere Schülerin meint, dieses Licht könne sogar trösten. Andere Schüler haben ähnliche Erfahrungen gemacht.

Dieses Beispiel ist geeignet, um sowohl die Grundzüge als auch die Probleme...

Ingolf U. Dalferth: Wirkendes Wort

Ein für die evangelische Theologie dringend notwendiges Buch hat Ingolf U. Dalferth, emeritierter systematischer Theologe der Universität Zürich, geschrieben, das den Blick auf einen sehr sensiblen Punkt des evangelischen Glaubens lenkt. Mit sola scriptura (Allein die Schrift!) ist der Reformation ein Profil erwachsen, das heute kaum noch verstanden wird. Für die einen ist nach der historisch-kritischen Durchsicht der Bibel nur noch ein historisches, kulturell sicher sehr bedeutendes Dokument geblieben; ihnen kommt es sowieso im Glauben mehr auf die eigene persönliche religiöse Erfahrung als auf irgendwelche Bibelverse an. Andere wollen die Bibel erst gar nicht einer scheinbar zerstörerischen Wissenschaft ausliefern und klammern sich an Inspirationstheorien. Der Rückgang der Buchkultur und...

Armin Nassehi / Peter Felixberger (Hg.): Kursbuch 196: Religion, zum Teufel!

Der Titel „Religion, zum Teufel!“ legt eine falsche Spur, insinuiert er doch eine scharfe Abrechnung mit (dem Erscheinungsbild der) Religion. Den Teufel bekommt der Leser dennoch präsentiert – und zwar von dem Comic-Zeichner Ralph Niese, der in der Mitte des vorliegenden Kursbuches mit seinen frechen, grellen Illustrationen die Karriere Luzifers vom Paradies bis in unsere diabolischen Tage nachzeichnet (93-112).

Allgemein formuliert geht es in den verschiedenen Beiträgen um eine Revision überholter Urteile über und einen neuen Blick auf aktuelle Probleme von Religion, wobei in aller Regel das Christentum und der Islam gemeint sind. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass den kritischsten Beitrag der Theologe Gregor Maria Hoff beigesteuert hat, der unter dem kryptischen Titel „Kirche zu,...

Hans-Joachim Höhn: Ich. Essays über Identität und Heimat

Das Ich steht in der (Spät-)Moderne an jener Stelle, „wo es die Grammatik immer schon hingestellt hat: auf Rang eins.“ Die Versuche des Ichs, sich in sich oder aus sich heraus zu (er-)finden, führt in tiefe Aporien, aus denen der christliche Glaube die Kraft hätte herauszuführen. Diese „Zeitdiagnose“ – unvermeidlich mit dem verpönten „doppelten Maß“: das Evangelium im Licht dieser Zeit, diese Zeit im Licht des Evangeliums verstehen – führt Höhn in vier Themenkreisen durch.

Der erste Themenkreis (Kap. 2) widmet sich der Freiheitsliebe. Worum es dem Menschen heute im Leben geht, ist, dieses als ein „eigenes“ zu leben. Das verlangt, möglichst viele Optionen zu haben. Aber das Offenhalten der Optionen ist von einer selbstaufhebenden Tendenz bestimmt. Erstens muss man sich Optionen leisten...

Christoph Böttigheimer: Sinn(losigkeit) des Bittgebets

Wie lässt sich das Bittgebet vor der Vernunft verantworten? Diese fundamentaltheologische Frage umkreist der renommierte Theologe, Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, in seinem gut strukturierten, sprachlich klaren und aspektreichen Buch.

Vorwort (9-14) und Hinführung (15-36) verorten die Bedeutung des Gebets im Zentrum des Glaubens. Die Überlegungen zum Bittgebet stehen nämlich im Kontext der Frage nach dem Weltbezug Gottes und seinem Handeln; von Anfang an wird so die enge Relation zur Gottesfrage thematisiert.

Der Zusammenhang zwischen Reflexionen über Gott und verschiedenen Aspekten des Bittgebets prägt den Aufbau der folgenden Darstellung. Die vier übersichtlichen, anspruchsvollen, aber flüssig lesbaren Kapitel sind jeweils in Anfragen und Antwortversuche...

Matthias Roser: Religionskritik und die Frage nach Gott

Das Thema Religionskritik hat einen festen Platz im Religionsunterricht der Sekundarstufe II. Im Kontext des Religionsunterrichts meint Religionskritik in erster Linie nicht die Kritik an der Kirche und ihrem Erscheinungsbild, sondern vielmehr die Kritik am vermeintlich widersprüchlichen christlichen Gottesverständnis – Stichwort: Theodizee – sowie die argumentativen Bestreitungen der Existenz Gottes, die mit den Namen Ludwig Feuerbach, dem Begründer der modernen Religionskritik, und den auf ihn aufbauenden Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud verbunden sind. Da in einbändigen (katholischen) Oberstufen-Unterrichtswerken wie „Vernünftig glauben“ oder „sensus Religion“ der Gotteskritik nur einen knappen Raum gewidmet ist, kann der vorliegende, im Format DIN A4 aufgelegte Band,...

Thomas Bauer: Warum es kein islamisches Mittelalter gab

Das kleine im C.H. Beck-Verlag erschienene Buch ist im Kontext der von Thomas Bauer bereits 2011 vorgelegten größeren Studie „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams“ (Insel Verlag) zu lesen. Anders als diese findet sich hier keine systematische Konstruktion einer Kulturtheorie, sondern eine eher episodenhaft um den Begriff des „islamischen Mittelalters“ kreisende Infragestellung unserer gewohnten Wahrnehmungen der Kulturen des Orients in den Jahrhunderten zwischen Spätantike und Moderne. Dies enthebt die Sache ihrer begrifflichen Schwere und stärkt die Lesefreude, zumal der Autor durchaus pointiert formulieren kann und viele gelungene Spitzen gegen unser eigenes kulturelles Selbstverständnis setzt. Wem das Freude macht, der sollte im Anschluss dessen zeitgleich...

Viera Pirker / Maria Juen: Religion – (k)ein Fach wie jedes andere

Wie kann eine Leistungsbeurteilung im Fach Religion geschehen? Darf man eigentlich überhaupt eine Beurteilung vornehmen oder trifft das zu, was im Vorwort unter Bezug auf den österreichischen Religionslehrer und Kabarettisten Stefan Haider zu lesen ist: „Als Religionslehrer habe ich eine sehr enge Beziehung zum Sehr gut. Jesus selbst hat ja gesagt: ‚Sie sollen alle eins sein!’ – und daran halte ich mich natürlich.“

Die Praktischen Theologinnen Viera Pirker (Universität Wien) und Maria Juen (Universität Innsbruck) unternehmen in ihrer empirischen Studie den Versuch, dieses umstrittene Feld zumindest für den Bereich der Oberstufe an allgemeinbildenden höheren Schulen in Österreich auszuleuchten. Grundlage dafür sind Kompetenzraster und -kataloge einerseits sowie Fragenkataloge,...