Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jürgen Hoeren / Winfried Humpert: Hieronymus von Prag

Der Philosoph im Schatten von Jan Hus
Mit einer Einführung von Eugen Drewermann


Die Geschichte des Konzils von Konstanz ist in der allgemeinen Geschichtsschreibung überschattet von der Hinrichtung des Theologen und Kirchenreformers Jan Hus. Mit seinem Namen verbindet sich exemplarisch eine jahrhundertelange, gewaltsame Unterdrückungspolitik im Namen religiöser Wahrheit, die deviante Formen der Wahrheitssuche rigoros ausmerzte. Zu den Querdenkern des späten Mittelalters ist sicherlich auch Hieronymus von Prag zu rechnen, der aufgrund ähnlich kirchenkritischer und reformerischer Thesen wie diejenigen von Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil verurteilt und hingerichtet wurde. Anders als Hus ist Hieronymus von Prag heute jedoch nur noch wenigen ein Begriff aufgrund mangelhaften...

David Gelernter: Gezeiten des Geistes

Ob militärisch, ökonomisch oder allgemein kulturell: Die Dif­fe­renzen zwischen Westeuropa und den USA sind nach wie vor be­trächtlich. Dafür ist dieses Buch ein sehr deutlicher Beleg, denn der US-amerikanische Informatiker David Ge­lernter schreibt in einer Weise über das Bewusstsein, wie es in Europa kaum möglich wäre.

In den USA wird die Leib-Seele-Debatte und die Frage nach dem Bewusstsein eindeutig von materialistisch eingestellten Wis­senschaftlern und Philosophen dominiert. Ihre „Anthropologie“ – wenn wir es so nennen dürfen – orientiert sich am Computer­pa­radigma. Danach wird der Mensch von einem sensoriellen Input bestimmt, der dann im Gehirn gewisse Reprä­sentationen hervor­ruft, die sodann computational ver­arbeitet werden und zu einem motorischen Output führen, der...

Holger Zaborowski: Menschlich sein

Philosophische Essays

Es mag verwundern, dass ein Büchlein, in dem ganz unterschiedliche Essays zum Thema „Menschlich sein“ enthalten sind, ausgerechnet mit einem Essay über „Helden“ beginnt. Der Autor, Philosophie- und Ethikprofessor in Vallendar, ist davon überzeugt, dass jede Zeit von einer Sehnsucht nach Helden geprägt sei, die ihren jeweiligen Zeitgenossen sage, was ihr Leben lebenswert machen könne. Dabei hat Holger Zaborowski durchaus die Schwierigkeit im Blick, die mit der Verwendung des Ausdrucks „Held“ einhergeht. Er plädiert gerade nicht für einen Heroismus, der uns an Tage erinnern lässt, in denen der Held dort verortet wurde, wo Stahl und Blut im Spiel war. Zaborowski möchte vielmehr auf eine Bestimmung des modernen Helden hinaus, der durch seine Entschiedenheit einen...

Stefan Lorenz Sorgner: Transhumanismus

„Die gefährlichste Idee der Welt“!?

Was sich nach den ersten Seiten noch wie Sciencefiction anhört und an „Startreck“, „Bladerunner“ oder an Serien wie „Shadowrun“ erinnert, wird wohl schon für unsere Generation wirklich werden: die Manipulation von Menschen und teilweise Fusion mit der Maschine. Doch während die Labore und Wissenschaftsnetzwerke weltweit erste marktreife Produktlinien entwickeln, stellt sich eine weltverändernde Frage: Wer soll, wer kann dafür bezahlen? Frühere und bestehende ethische Diskurse werden durch diese Frage auf eine völlig neue Qualität geeicht. Bisher ging es in der Menschheitsgeschichte um die Verteilung von Besitz. Menschen sind, ausgenommen vom Besitz, relativ gleich. Es gibt nur geringe Abweichungen zwischen ihren Fähigkeiten, von krankheitsverursachten...

Christof Rapp: Metaphysik

Eine Einführung

Das Buch von Christof Rapp liest sich vergnüglich, denn er gebraucht viele moderne Beispiele, die die auf den ersten Blick trockene Materie mit einem Augenzwinkern darstellen. Alle zentralen Begriffe der Metaphysik werden nach einem allgemeinen Einführungskapitel über die klassischen Anfänge bei Platon und Aristoteles systematisch entwickelt. Die zentralen Fragen lauten: Gibt es eine Wirklichkeit außer/ neben oder über der wahrnehmbaren Wirklichkeit? Existieren Zahlen? Was ist das Seiende oder Existenz? Gibt es Nicht-Existierendes? Was sind Eigenschaften von Dingen, was sind Tatsachen? Wie sind materielle Einzeldinge bzw. Substanzen zu bestimmen? Was ist Kausalität? 

Unter das Vergnügen an den unterhaltsamen Beispielen mischt sich bei der fortschreitenden Lektüre jedoch...

Karsten Weber / Thomas Zoglauer: Verbesserte Menschen

Ethische und technik-wissenschaftliche Überlegungen

Im Zentrum dieses lesenswerten Buches steht die physische und psychische Verbesserung des Menschen, das Enhancement. Im ersten Teil präsentiert Karsten Weber einen guten Überblick über die historische Entwicklung des Cyborg-Programms, angefangen von Norbert Wiener (1948) über die bemannte Raumfahrt zu den modernen medizinischen Leistungssteigerungen zur Kompensation physischer Handicaps durch Prothesen, Implantate und Brain Interfaces, d.h. Schnittstellen zwischen Computer und Gehirn, die die vorher genannten mit Gedankenkraft steuern können. Zudem vermittelt Weber einen informativen Überblick über die psychischen Verbesserungsmöglichkeiten des Menschen, die sich im Bereich der psychoaktiven Drogen, aber auch in der Idee der „moralischen...

Georg Langenhorst: Toter Dekan – Guter Dekan

Mord in der theologischen Fakultät
Kriminalroman


Ein Professor für Kirchenrecht und Dekan der theologischen Fakultät wird heimtückisch in seinem Büro erschossen: Mit „Toter Dekan – Guter Dekan. Mord in der theologischen Fakultät“ zeichnet Georg Langenhorst eindrucksvoll und treffend Skizzen einer theologischen Fakultät. 

Dissertation, Berufungsausschuss, Festschrift und die Frage von Macht und Wahrheit – alles muss irgendwie miteinander zusammenhängen. Zumindest scheint dies Bernd Kellert so, Kriminalhauptkommissar, Mitte 40, ganz Mann von nebenan und mit Universität oder gar Theologie überhaupt nicht vertraut, zu sein. Ausgerechnet er soll den Mord in der theologischen Fakultät aufklären und entdeckt dabei überraschend schnell, dass der Mörder unter den Kollegen des gar nicht mal so...

Wolfgang Vogl: Meisterwerke der christlichen Kunst zu den Schriftlesungen der Sonntage und Hochfeste

Lesejahr A

Meist zu den Evangelien der Sonntage und Hochfeste im Lesejahr A wählt Wolfgang Vogel Bildwerke christlicher Kunst vom Anfang des 3. bis ins 20. Jahrhundert, die sich auf die jeweilige Perikope beziehen. In kurzen, gut lesbaren Essays paraphrasiert er den biblischen Text, entwirft eine biographische Skizze des Künstlers oder Auftraggebers, führt Leserin und Leser in den geistesgeschichtlichen Kontext des Werkes ein und lenkt die Aufmerksamkeit des Betrachters, das Bild beschreibend, auf die Vielfalt der in jedem Detail verborgenen Symbolik. All dies bereichert Vogel mit Zitaten aus Schriften der Kirchenväter und -lehrer und verweist auf andere biblische Referenzstellen, so dass sich auf wenigen Seiten zu jeder Perikope ein konzentriertes kunst- und zeithistorisches, theologisch...