Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Sandra Huebenthal / Manuel Bonimeier (Hg.): Neue Freundschaft mit dem geliebten Jünger

Die in der Bibel vorgestellten Rollenmuster und Identitätsentwürfe stellen in der Exegese einen zentralen Gegenstand dar, da sie die Rezeptionsgeschichte oft nachhaltig bestimmt haben. In jüngerer Zeit bringt sich eine gedächtnistheoretische Hermeneutik ins Gespräch, die von einem kulturwissenschaftlichen Verständnis von Erinnerung ausgeht und sowohl psychologische als auch soziologische Erkenntnisse berücksichtigt, um den jeweiligen sozialen Gedächtnisrahmen biblischer Identitätsbildungen zu rekonstruieren. Vor allem die Passauer Exegetin Sandra Huebenthal hat diesen Ansatz im Anschluss an Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs bzw. Aleida und Jan Assmann aufgegriffen, um die Evangelien als Zeugnisse kollektiver Erinnerungen und frühchristlicher Identitätsbildung zu lesen.

Es liegt auf...

Martin Meiser: Das Evangelium nach Markus

Zu den unbestrittenen Vorteilen der Kommentarreihe „Neues Testament Deutsch" gehört der Verzicht auf Fußnoten, Begriffe und Zitate in den biblischen Originalsprachen, um einem breiteren Publikum den Zugang zu erleichtern und die Bände insgesamt lesbar zu halten. Den Autor eines solchen Kommentars stellt die Vorgabe vor die Herausforderung, Detailwissen und wissenschaftliche Diskussionen, aber auch abweichende Meinungen und originelle Auslegungen, die man sonst in die Fußnoten verlagern würde, entweder gänzlich zu streichen oder in noch verdaubarer Weise im Haupttext unterzubringen.

Der Saarbrücker Kollege Martin Meiser hat sich für Letzteres entschieden und sein geradezu enzyklopädisches Wissen über das frühe Christentum in kompakter Weise in die Kommentierung des frühesten Evangeliums...

Judith König: Die basileia tou theou im Markusevangelium

Die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu stellt unbestritten die Mitte von Jesu Verkündigung und Wirken dar. Entsprechend umfangreich ist ihre Forschungsgeschichte. Vorliegende Monographie, die 2022 an der Universität Regensburg als Dissertationsschrift angenommen und für die Publikation leicht überarbeitet wurde, bedarf daher einer guten Begründung.

Für Judith König liegt sie in der Verbindung von narratologischer Analyse und einer Hermeneutik der Körperlichkeit. Beide sind inzwischen in der atl. wie in der ntl. Exegese etablierte Zugänge, die der Literarizität und Vorstellungswelt der biblischen Schriften zweifellos entsprechen. Mit bemerkenswerter Souveränität skizziert die Autorin einführend die narratologisch-theologische Erforschung der Evangelien, den exegetischen Befund zum „Reich...

Jacob Thiessen: Einleitung in das Neue Testament. Ein Lehrbuch

Die Einleitungswissenschaft ist eine exegetische Spezialdisziplin. Sie greift einerseits aus christlicher Binnenperspektive auf das Neue Testament als Kanon aus, blickt andererseits aber aus einer Außensicht auf ihre antiken Entstehungskontexte, d.h. sie nimmt sowohl eine emische als auch eine etische Perspektive ein. Die Einleitungswissenschaft ist es also gewohnt, ständig die Lesebrille zu wechseln, scheint sich dessen aber nicht immer bewusst zu sein. Entsprechend steht bei der Beantwortung der Fragen nach Datierung und Verfasserschaft in verschiedenen Kontexten einiges auf dem Spiel. In der katholischen Kirche waren diese Fragen lange Zeit Sache des Lehramts. Doch innerhalb der zeitgenössischen Exegese steht und fällt mancher hermeneutische Zugang mit der angenommenen Datierung der...

Amy-Jill Levine / Marc Zvi Brettler: Hebräische Bibel und Altes Testament

Das Buch von Amy-Jill Levine und Marc Zvi Brettler „Hebräische Bibel und Altes Testament – Warum Juden und Christen Texte unterschiedlich lesen“ führt ein in die Welt der Bibel – aber in welche? Völlig zu Recht eröffnen beide ihr Werk mit grundsätzlichen Klärungen und Fragestellungen. Was heißt es, Bibel zu lesen? Was ist eigentlich die Bibel, wie funktioniert Auslegung und was bedeutet es, wenn sie in einer spezifischen Gemeinschaft erfolgt? Gibt es jüdische und christliche Bibeln? Hier finden Lesende eine bibelhermeneutische Grundlegung, die viele Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte bündelt und zugleich die amerikanisch(-jüdische) Perspektive durchscheinen lässt, die im Buch immer mal wieder aufblitzt und eine Bereicherung der genuin deutschsprachigen Darstellungen sein kann....

Andreas Schüle: Das Jesajabuch heute lesen

Wenn doch alle exegetischen Kommentare so wären! Dieses Lesefazit soll diese Rezension einleiten und die abschließende Beurteilung vorwegnehmen. Dem Autor Andreas Schüle gelingt mit seiner Jesajakommentierung die Quadratur des Kreises, indem er einen wissenschaftlich-aktuellen UND verständlichen Kommentar zu Jesaja vorlegt. Dieses hochkomplexe atl. Prophetenbuch, das zu den „höchsten Bergen des AT“ (14) gehört, in verständlicher und zudem wissenschaftlich aktueller und angemessener Weise zu kommentieren, ist eine literarische und theologische Glanzleistung. Jede Leserin und jeder Leser erhält Einblick in die geschichtlichen Hintergründe des Jesajabuches, in die Textproduktion und komplexen Überarbeitungen bzw. Erweiterungen. Zentrale theologische Inhalte werden ebenso vermittelt wie...

Konrad Schmid: Das Exodusbuch heute lesen

Das Exodusbuch ist sicher eines der bedeutendsten Bücher im Alten Testament, da in ihm die zentralen Grunderfahrungen, die Befreiung durch Gott aus Sklaverei und die Wegführung in die Freiheit, thematisiert werden.

Konrad Schmid hat als Autor die Herausforderungen zu bewältigen, verständlich und zugleich knapp in das Exodusbuch einzuführen und mit seiner Auslegung eine breite interessierte Leserschaft mit den Ergebnissen der komplexen Exodusforschung zu erreichen, die vor allem nach der Bedeutung der biblischen Botschaft für heute fragt. Eine Einzelauslegung des Exodusbuches ist aufgrund des begrenzten Umfangs der Buchreihe unmöglich; daher sind die Schwerpunktsetzung und das Konzept bei dieser Kommentierung umso wichtiger. Beides gelingt dem Autor und macht das Buch zu einer spannenden...

Erwin Möde: Heuschrecken und wilder Honig. Johannes der Täufer – eine tragische Heilsgeschichte

Der Autor führt in seinem gut lesbaren, auch zur Meditation einladenden Buch die zentralen Aspekte der Lebensgeschichte, des Auftrags, der Tragik und der heilsgeschichtlichen Bedeutung Johannes des Täufers originell und anschaulich vor Augen. Erwin Mödes spirituelle, meditative Perspektive ermöglicht es, frei von wissenschaftlicher Distanz und belastenden Fußnoten, die Dynamik im Auftreten des Täufers, in seiner Begegnung mit Jesus und in dem ihn ereilenden tragischen Ende so darzustellen, dass dem heutigen Leser jeweils deren existentielle Bedeutung erschlossen wird. Die schrittweise Annäherung geschieht als vorsichtige, vielschichtige Spurensuche.

Das mit dem Titel des Buches assoziierte gängige Bild des rigorosen Asketen vom Jordan, des schonungslosen Pragmatikers mit seinem Ruf zur...