Die in der Bibel vorgestellten Rollenmuster und Identitätsentwürfe stellen in der Exegese einen zentralen Gegenstand dar, da sie die Rezeptionsgeschichte oft nachhaltig bestimmt haben. In jüngerer Zeit bringt sich eine gedächtnistheoretische Hermeneutik ins Gespräch, die von einem kulturwissenschaftlichen Verständnis von Erinnerung ausgeht und sowohl psychologische als auch soziologische Erkenntnisse berücksichtigt, um den jeweiligen sozialen Gedächtnisrahmen biblischer Identitätsbildungen zu rekonstruieren. Vor allem die Passauer Exegetin Sandra Huebenthal hat diesen Ansatz im Anschluss an Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs bzw. Aleida und Jan Assmann aufgegriffen, um die Evangelien als Zeugnisse kollektiver Erinnerungen und frühchristlicher Identitätsbildung zu lesen.
Es liegt auf...








