Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Simone Husemann / Sabrina Faulstich: Bekannte Unbekannte. Katholische Sakralräume in Wiesbaden

Viele haben genau dies schon lange vermisst: einen quantitativ umfassenden und qualitativ fundierten Überblick über die katholischen Kirchen der hessischen Landeshauptstadt. Einen solchen Kirchenführer der Wiesbadener Sakralräume in chronologischer Reihenfolge liefert das vorliegende Werk in höchst erhellender Weise.

Zwar ist man in den letzten Jahren verstört durch Berichte über die Schließung, Umwidmung, gar Profanierung von Kirchenräumen z.B. in weltliche Bibliotheken, Kletterhallen oder gar Diskos, bedingt durch den Rückgang der Kirchenmitglieder und dem damit verbundenen Abebben der Kirchensteuergelder. Dennoch prägen Gotteshäuser nach wie vor das Städtebild und sind immer noch – von der Wiege bis zur Bahre – Orte der gemeinsamen Liturgie sowie der persönlichen Frömmigkeit. Die...

Marius Schwemmer (Hg.): KulturDiakonie. Chancen für eine Kirche von morgen

Einem Kirchenmusikdirektor aus Passau ist es zu verdanken, dass das Thema Kulturdiakonie bzw. kulturelle Diakonie aus ganz verschiedenen Perspektiven beleuchtet wird: Marius Schwemmer, Ständiger Diakon, Diözesankirchenmusikdirektor und Hochschullehrer, hat einen Sammelband vorgelegt, der kurioserweise mit zwei Untertiteln zu finden ist. Während es in der gedruckten Ausgabe heißt: „Kulturdiakonie. Chancen für eine Kirche von morgen“, ist bei Onlinehändlern auf dem Coverbild (noch) zu lesen: „Kulturdiakonie. Auftrag für eine Kirche von heute.“ Der wohl wieder verworfene Untertitel trifft meines Erachtens sehr viel besser die Dringlichkeit, sich als Kirche mit diesen Fragestellungen zu beschäftigen.

Das Buch vereint Beiträge folgender Autoren: José Tolentino Kardinal Calaça de Mendonça,...

Linda Wolfsgruber: sieben. die schöpfung

Bunt und intensiv – so ist der erste Eindruck, wenn man Linda Wolfsgrubers Buch „sieben. die schöpfung“ aufschlägt. Die gebürtige Südtiroler Malerin und Illustratorin hat eine eigene künstlerische Interpretation des alttestamentlichen Schöpfungshymnus geschaffen. Mit wenig Text und ausdrucksstarken Bildern widmet sie sich jedem der sieben Schöpfungstage in ganz eigener Weise. Während es sich zu Beginn des Buches vor allem um Monotypien handelt, werden diese im Laufe des Buches von Bildern abgelöst, die in Ölkreide-Kratztechnik ausgeführt worden sind. Entsprechend dem Gedicht von der Erschaffung der Welt sind die ersten Bilder rau, fast schon roh. Das Tohuwabohu zu Beginn der Genesis wird dunkel und düster dargestellt; im Laufe der Schöpfung entstehen aus dem Chaos Himmel und Erde, Wasser...

Catrin Misselhorn: Künstliche Intelligenz – das Ende der Kunst?

Das Ende der Kunst wäre eingeläutet, wenn entweder der Künstler als Urheber eines Kunstwerkes obsolet wäre, weil eine maschinelle Intelligenz an seiner statt Objekte hervorbrächte, die von Menschen als Kunst rezipiert würden, oder die Bedeutung von Kunst sich erschöpft hätte, weil Künstler letzte Bilder geschaffen hätten, über die hinaus keine weiteren von Bedeutsamkeit geschaffen werden könnten (Kasimir Malewitsch, Ad Reinhardt, u.a.), oder ein technisch erzeugtes Bild wie eine Photographie das künstlerisch geschaffene bei weitem überträfe oder die Kunst als „Magd“ der Philosophie letztlich dieser die Deutung der Welt allein überlassen müsste (Hegel).

Mit Arthur C. Danto definiert Catrin Misselhorn Kunst als Weltdeutung in Form einer Metapher, die eine Bedeutung transportiere, die sich...

Manuel Trummer: Highway to Hell. Das Satanische im Heavy Metal

Wie die beiden ersten Bände der noch recht jungen Reihe „Metalbook” hebt sich die Veröffentlichung Manuel Trummers bereits durch die äußere Gestaltung angenehm von der sonst im Kohlhammer Verlag üblichen Optik ab. Gleichermaßen hinterlässt das für den Umfang handlich gewählte Format des Buchs einen positiven Eindruck. Es ist ein Buch, das man gerne zur Hand nimmt.

Mit „When Monsters roar and Angels sing” von Hartmut Rosa gelang der Reihe ein äußerst beachtenswerter Auftakt (siehe Rezension von Alexander Schüller in EULENFISCH Literatur 01_2024), der eine gewisse Erwartungshaltung an das vorliegende Werk erzeugt. Mit Blick auf den Klappentext erfährt diese noch eine Steigerung: In „Highway to Hell” befasst sich der Verfasser auf knapp 160 Seiten mit der für die Ideologie und Ästhetik der...

Raphaela Brüggenthies: „Heilge Schwelle“ Der frühe Heine – ein jüdisch-christliches Itinerarium

Wenn man lesend den Kosmos Heinrich Heines (1797-1856) betritt, nähert man sich gleich zwei Welten: einmal der eines der herausforderndsten deutschsprachigen Dichter seiner Epoche, darin ganz und gar individuell und einzigartig; gleichzeitig aber auch dem Leben einer repräsentativen Gestalt, hin- und hergerissen zwischen den Welten des ererbten Judentums und der durch Konversion erschlossenen Welt des (evangelisch geprägten) Christentums.

Dass Heines Konversion kaum einer wirklich religiösen Überzeugung entsprochen hatte, dass er sie umgehend bereuen und später herunterspielen würde, das war bekannt. Auch, dass diese Taufe ihm primär als billet d’entrée zur kulturellen Zugehörigkeit dienen sollte – eine Wunschvorstellung, die sich nicht erfüllen würde –, gehörte zum Allgemeinwissen über...

Cornelia Franz: Goldene Steine. Roman

Im Januar 2024, in dem Jahr, in dem das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland 75 Jahre alt wird und das seit seiner Verabschiedung die Grundlage dafür bildet, dass in diesem Land nach dem Zweiten Weltkrieg und den Gräueltaten der Nationalsozialisten das Leben in Freiheit und Würde möglich ist, erscheint der Jugendroman „Goldene Steine“ von Cornelia Franz.

Der Jugendroman erzählt die Geschichte von Yara (13), Leon (14) und Nikolai (15), die sich zufällig begegnen und die infolge antisemitisch bedingter Konfrontationen mit Rechtsradikalen und deren Auswirkungen eine besondere Freundschaft zueinander entwickeln. Ein verbindendes Element zwischen den Dreien, die in völlig verschiedenen Familiensituationen leben, stellt die unterschiedlich bedingte Einsamkeit in ihren Familien dar und das...

Dietmar Mieth: Ketzerflammen in Paris. Marguerite Porete, Meister Eckhard und die Intrigen der Inquisition. Roman

Meister Eckhart ist in aller Munde, die Begine Marguerite Porete und ihr damaliger Bestseller „Der Spiegel der einfachen Seelen“ stehen dagegen immer noch im Schatten; die historischen und spirituellen Kontexte beider sind nur Fachleuten bekannt. Diesem Notstand hilft dieses originelle Buch ab, informativ und unterhaltsam, nicht ganz leicht zu lesen, weil mit viel Basisinformationen gefüllt, aber im Verlauf immer spannender und sehr ergiebig. Wer Meister Eckharts Denken historisch genauer verstehen will, erfährt viel Neues; und die ekstatische Geist- und Freiheitsmystik der Begine ist allererst noch zu entdecken.

Etienne, der Sohn des Bürgermeisters und Polizeichefs von Paris, als Leutnant in Armee und bei Hofe bestens vernetzt, ist inzwischen als Zisterziensermönch in Südfrankreich...