Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Gerhard Lohfink: Die wichtigsten Worte Jesu

Den Verfasser kennt man hierzulande. Er stammt aus dem Bistum, viele Seelsorger verfolgten seine Vorträge, kaum eine theologische Handbibliothek ohne eines seiner zahlreichen Bücher. Da erscheint seine neue Veröffentlichung als ein naheliegender Lückenfüller – nach zahlreichen Titeln über Jesus jetzt: dessen wichtigste Sprüche.

Worum geht es? Gesucht wird nach der authentischen Stimme Jesu in den Traditionstexten. Zu dieser Suche bedient der Verfasser sich der Methoden der Literarkritik; doch greift er weitgehend die festgefahrenen Fragen der wissenschaftlichen Vorgeschichte nicht auf, sondern setzt einen wissenschaftlichen Konsens über bekannte Antworten voraus. Diese konfrontiert er direkt mit den biblischen Belegstellen. In 70 Kapitel werden Logien, also in den Evangelien überlieferte...

Sebastian Maly / Stefan Hofmann: Gott – dreifaltig einer

Das christliche Gottesbekenntnis gibt vielen Zeitgenossen Rätsel auf. Mit der Frage, wie das trinitarische Gottesbild als relevant, inspirierend und den Glauben vertiefend vermittelt werden kann, laden die beiden Autoren, Angehörige des Jesuitenordens, dazu ein, mit ihnen auf die Reise zu gehen. Es geht um Zugänge zu einem Verständnis dieses Geheimnisses in seiner persönlichen, existentiellen Bedeutung.

Den Anfang des Weges bildet die vielstimmige biblische Überlieferung (I.) über den Glauben und die Erfahrungen der ersten Christen: Das Zeugnis des Ersten Testaments vom Bundes- und Schöpfergott konkretisiert und vertieft sich in der Hoffnung auf Jesus Christus und seinen Weg. In seinem den Tod überwindenden Leben ist er zu Gott vorausgegangen. Seinen heiligen Geist erfahren die ersten...

Benjamin Dahlke / Cornelia Dockter / Aaron Langenfeld (Hg.): Christologie im Horizont pneumatologischer Neuaufbrüche

 

Das Dogma von der Dreifaltigkeit stellt die Grundlage des christlichen Glaubens dar. Dabei ist die Lehre von der Trinität als solcher (trinitas immanens) nur sinnvoll, um die Selbstmitteilung Gottes an uns („ökonomische Trinität“) auszusagen: Die Offenbarung Gottes besteht darin, uns Anteil an seinem dreifaltigen Leben zu geben. Die Menschen bekommen durch das sie in Anspruch nehmende Wort Gottes, das in Jesus Fleisch geworden ist (vgl. Joh 1,14), „im Heiligen Geist Zugang zum Vater“ (vgl. Vat. II, DV 2). Das Wort Gottes wird im Glauben als Wort Gottes erkannt, wobei der Glaube selbst Frucht des Heiligen Geistes ist. Glaube ist nicht Leistung des Menschen, sondern Gabe Gottes.

Den hier nur angedeuteten komplex-komplizierten Zusammenhängen von Christologie und Pneumatologie im Kontext...

Boris Groys: Philosophie der Sorge

Wer sich der „Philosophie der Sorge“ des deutsch-russischen Philosophen und Kunstkritikers Boris Groys widmet, wird in Sphären „hoher Luft“ entführt. In zwölf Kapiteln überfliegt dieser Essay verschiedene Gedankenlandschaften von Nietzsche über Hegel, Foucauld, Kojève, Caillois, Heidegger, Arendt bis Bogdanov. Wie die Aufzählung schon erkennen lässt, sind die Diskurspartner bis auf Hannah Arendt männlich. Und so wundert es nicht, dass die konkrete, überwiegend weibliche Sorgepraxis in Krankenhäusern, Altenheimen und anderen sozialen Einrichtungen nicht in den Blick kommt. Selbst das 10. Kapitel mit der Überschrift „Unter dem Blick der Putzfrau“ wirft keinen Blick auf die Frauen am unteren Sockel der genderhierarchischen Sorgepyramide, sondern beschäftigt sich mit dem Museum als...

Carlo Leget: Wie wir erfüllt leben und gut sterben können

Wer bin ich und was will ich wirklich? Wie gehe ich mit dem Leiden um? Wie kann ich mich verabschieden? Wie schaue ich auf mein Leben zurück? Worauf kann ich hoffen? Hinter diesen Fragen stehen fünf große Lebensthemen: Autonomie, Leiden, Abschied, unerledigte Dinge und Hoffnung. Carlo Leget, seit 2012 Professor an der Universeit voor Humanistiek in Utrecht (Stifungslehrstuhl Palliative Care, finanziert von der Association Hospicezorg Nederland), setzt sich seit Jahren mit ihnen auseinander.

Leget ist von Haus aus katholischer Theologe, er promovierte an der Katholisch-Theologischen Universität in Utrecht mit einer Arbeit zu Thomas von Aquin; dessen Logik und systematische Durchdringung beeinflusst den Aufbau dieses hochinformativen Buches. Leget hat jahrelange Lehrtätigkeit als...

Franz Josef Wetz: Tod, Trauer, Trost

Sicherlich kennen viele den Kalauer: „Kommt ein Skelett zum Arzt, sagt der Arzt: Sie hätten früher kommen sollen!“ Der Mediziner-Witz weist mit makabrem Humor auf die vital unverzichtbare Vorsorgepflicht in körperlichen Belangen hin; für verantwortungsvoll-reifes Menschsein bedarf es darüber hinaus der weisen Vor-Sorge für die geistig-psychischen Perspektiven, vor allem im Blick auf die letzte Wirklichkeit des menschlichen Lebens: auf den eigenen Tod und den Tod der anderen. Diesem Problemkomplex gelten wesentlich Lehre und Veröffentlichungen des Philosophen und Ethikers Franz Josef Wetz (geb. 1958), der, u.a. nach langen Lehrjahren bei O. Marquard in Gießen, jetzt Philosophieprofessor an der Pädagogischen Hochschule in Schwäbisch Gmünd ist. Wetz sieht seine Aufgabe dabei nicht nur im...

Philipp Felsch: Wie Nietzsche aus der Kälte kam

Zwar sei das Bild der geldgierigen, von antisemitischen Obsessionen beherrschten Elisabeth Förster-Nietzsche, die ihren „geisteskranken Bruder“ vermarktet und verkauft hätte, „einer differenzierteren Einschätzung“ gewichen, schreibt Philipp Felsch. Aber der Autor zeigt in seiner Einleitung auch, wie es unter Elisabeths Einfluss dazu kommen konnte, dass seine Philosophie vom NS-Staat derart vereinnahmt wurde, dass der italienische „Duce“ 1943 eine Nietzsche-Gesamtausgabe mit der Widmung geschenkt bekam: „Adolf Hitler seinem lieben Benito Mussolini“.

Tatsächlich war es „die Schwester“, der es gelang, das Weimarer Nietzsche-Archiv völlig zu kontrollieren und zu einer „nationalen Pilgerstätte“ auszubauen. Mit der Publikation des „Willens zur Macht“ (1901) – nur ein Jahr nach Nietzsches Tod –...

Anna Puzio: Über–Menschen

Man kann ohne Übertreibung sagen, dass wir in einer Epoche der Übertechnisierung leben. Technik schafft Verfügbarkeit und Macht und wer Macht hat, will immer noch mehr. Macht ist eine Art von Rauschgift. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Technisierung auch den Menschen erfassen würde, nicht in dem trivialen Sinn, dass wir über Brillen und Herzschrittmacher verfügen, sondern so, dass wir den Körper des Menschen technologisch aufrüsten, um ein effizienteres Modell des herkömmlichen Menschen herzustellen, als eine höhere Stufe der Evolution. Das ist die Idee des sog. Transhumanismus (TH) der, von den USA ausgehend, auch bei uns mehr und mehr von sich reden macht. Die Vorstellung ist, dass wir den Menschen technologisch aufrüsten könnten, um Krankheit, Alter und Tod zu besiegen.

 

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