Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Knut Wenzel: Die Wucht des Undarstellbaren

„Licht erscheinen die Bilder und lesbar die Zeichen, unzugänglich ist das Absolute, bildlos, zeichenlos. Die Bilder haben ihre Leuchtkraft, die Zeichen ihre Prägnanz, von diesem Grund, der, als ob von ihnen abgewandt, sie mit Bedeutungen beleiht.“ (14) –„An den Bildern, die dazu da sind, wahrgenommen zu werden, erfahren wir uns, nämlich als Wahrnehmende.“ (23)

Mit solch prägnanten Sätzen steckt der für seine schöpferische Sprache bekannte Frankfurter Systematiker Knut Wenzel im Rahmen des „Anwegs“ und der Einleitung zu seiner grundlegenden theologischen Ästhetik – er sprengt den Rahmen der in den letzten Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum eher dünn gesäten „Bildtheologien“ – den Raum ab: Zur Gottesfrage ist damit ebenso Grundlegendes gesagt wie zum Menschen im Angesicht des...

Deutsche Bischofskonferenz: Begegnung mit dem ANDEREN in Dichtung und Kirche

Spätestens mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dessen Konstitution Gaudium et spes erfolgte eine offizielle, ausführliche Reflexion über das Potential von Literatur und Kunst im Kontext von Theologie und Kirche. Bearbeitete die Literatur seit jeher ungefragt und in ihrem eigenen Modus die Existenz des Menschen, die immer auch religiöses Suchen, Zweifeln und schließlich die Gottesfrage mit einschließt, bedurfte es von Seiten der Theologie und Kirche des allgemeinen Aufbruchs der 1960er Jahre, um die Dignität von Poesie und Kunst offiziell anerkennen zu können. Seit dieser Zeit ist im Dialog zwischen Literatur und Theologie, in ihrer beider Rede über Gott, viel geschehen, eine fast unüberschaubare Anzahl an Publikationen ist erschienen und auch institutionell hat das Zueinander dieser...

Julia Knop / Stefanie Schardien: Heute christlich glauben. Der Leitfaden für die Ökumene im Alltag

Auf dem Klappentext des vorliegenden Bandes heißt es im ersten Satz: „Die Ökumene ist weit vorangeschritten.“ Damit wird der Stand der Ökumene richtig beschrieben, allerdings bräuchte es die Vergewisserung über den Stand der Ökumene und erst recht einen Leitfaden für die Ökumene im Alltag nicht, wenn dies schon die ganze Wahrheit wäre. Das Buch reagiert nämlich nicht alleine auf das Bedürfnis, sich über die einenden und trennenden Positionen zwischen evangelischen und katholischen Traditionen zu verständigen. Es reagiert stärker noch auf die gravierenden Veränderungen der kirchlichen Landschaft insgesamt. Insofern könnte der erste Satz des Klappentextes variierend gesagt werden: Die Säkularisierung ist weit vorangeschritten. Es scheint nämlich, als sei dies die Hintergrundfolie des...

Adam Nergal Darski: Beichten eines Ketzers

Lesen Sie unter der Rubrik „Religionskritik“ noch immer Marx, Feuerbach und Freud? Oder darf es auch der mindestens literarisch interessantere Nietzsche sein? „Modern“ sind diese Klassiker der Religions- und Christentumskritik jedenfalls nicht und ihre zeitgenössischen Nachfolger à la Dawkins und Co. sind argumentativ meist wenig spannend. Um wie viel aufregender und zeitgemäßer vor allem in der Lebenswelt von (zum Teil auch älteren) Jugendlichen dürfte da eine Auseinandersetzung mit einer Form der Christentumskritik sein, wie sie plakativer und lauter nicht sein könnte: dem Black Metal. Noch immer ist diese Spielwiese von zum Teil sehr reflektierten, nachdenklichen Menschen nicht im Bewusstsein von Theologen angekommen, wenn es auch, wie von Sebastian Berndt (Gott haßt die Jünger der...

Arnold Angenendt: „Lasst beides wachsen bis zur Ernte ...“

Der emeritierte Münsteraner Kirchenhistoriker Arnold Angenendt ist bekannt für seine religionsgeschichtlich orientierten Zugänge zur Geschichte des Christentums. Daher hat er sich in den letzten Jahren den Konzepten von Ehe, Liebe und Sexualität oder demjenigen des Opfers gewidmet. In seiner jüngsten Monographie geht er nun dem Begriff der Toleranz nach. Der Titel deutet das zentrale Motiv seiner Darstellung an, das neutestamentliche Gleichnis von Unkraut und Weizen, in dem der Grundbesitzer ebendiese Weisung an seine Arbeiter geben lässt (vgl. Mt 13,30).

In der Tat erfuhr dieses Gleichnis über die Jahrhunderte hinweg unterschiedliche Auslegungen und spielte immer wieder eine Rolle in den Diskursen um „Toleranz“. Gut die Hälfte des Buches widmet der Historiker daher dem biblischen Befund...

Julian Nida-Rümelin / Nathalie Weidenfeld: Digitaler Humanismus

Zweifel und Hoffnung, Misstrauen und Euphorie, Zukunftsangst und Heilsversprechen – damit sind jene zwei Kehrseiten benannt, welche die Auseinandersetzungen um das Thema der Digitalisierung heute vielfach prägen. Im aktuellen Diskurs begegnen also Positionen, die sich oftmals als Extreme, d.h. entweder als apokalyptische Sorge oder uneingeschränkte Zusage, entpuppen und damit der Komplexität des gegenwärtigen Wandels kaum gerecht werden. Ausgehend von dieser Beobachtung haben es sich daher Julian Nida-Rümelin und Nathalie Weidenfeld zu ihrem Anliegen gemacht, auf Grundlage eines Dialogs zwischen moderner Popkultur und philosophischer Reflexion einen Gegenentwurf vorzulegen, den sie als „Digitalen Humanismus“ bezeichnen.

Was aber verbirgt sich hinter dem Begriff? Zunächst geht es den...

Ulrike Gerdiken: Kirchenräume (neu) entdecken

Kirchenräume dienen der liturgischen Versammlung christlicher Gemeinden, ebenso auch dem individuellen Beten. Darüber hinaus aber sind Kirchenräume herausgehobene Lernorte. Diese Einsicht hat sich in der Religionspädagogik der vergangenen Jahre zunehmend durchgesetzt. Gerade weil viele Menschen sich nicht mehr regelmäßig in einer Kirche aufhalten und weil christliche Riten und Symbole immer weniger bekannt sind, laden Kirchenräume zur Begegnung mit der vertrauten und zugleich fremd gewordenen Glaubenstradition ein. Ein weiterer Faktor kommt hinzu: Neben der Kirche werden heute auch die Moschee und die Synagoge als Gotteshäuser bewusster wahrgenommen. Dies alles führt zu einem wachsenden Interesse an Kirchenerkundungen, besonders im nicht-gottesdienstlichen Rahmen.

Die Kirchenraumpädagogik...

Michel Remery: Twittern mit Gott

Dieser Jugendkatechismus ist 2018 aus der niederländischen Kirche und der dortigen Johannes-Paul-II.-Bewegung auf den deutschen Markt übernommen worden. Der Autor arbeitet derzeit als nationaler Jugendkaplan in Luxemburg „für Evangelisierung“. Die Verbreitung seines Projektes „Twittern mit Gott“ bildet darin offenkundig eine Kernaufgabe. Das Buch liegt in 20 Sprachen vor und wird verknüpft mit einer Webseite und einer Smartphone-App, die beide als Sprungbrett ins Buch dienen. Titel und Farbschema sind von der Social Media-Plattform Twitter übernommen, die konzeptionell als Trittbrettfahrt zur Jugendlichkeit verwendet wird. Twitter ist bekannt für eine nicht hierarchische Netzwerkarbeit, durch rasche, interaktive Kommunikation und Diskussion – und auch für problematische Ausbreitung von...