Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jürgen Kaube: Ist die Schule zu blöd für unsere Kinder?

„Nachdenken first.“ Diese Maxime findet sich in Jürgen Kaubes Streitschrift über das Elend und den Glanz der Schule auf Seite 207. Unauffällig und ohne ein Ausrufezeichen. Dabei könnte die schöne Variation eines Wahlslogans als Basso continuo der Betrachtungen des für das Feuilleton zuständigen Herausgebers der FAZ gelten. Denn, so Kaube, mit der Schule können viele Ideale und Programme verknüpft werden. Wenn sich die Schule aber nicht um ihr Kerngeschäft kümmert – um das Denken, das wiederum auf Wissen und Üben basiert – verfehlt sie ihr Thema. Wie begründet der Autor diese nur scheinbar triviale These?

Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis des Buches gibt eine erste Auskunft. Von den vierzehn Kapiteln des Buches sind sechs geläufigen Erwartungen gewidmet, die Kaube als nicht...

Ingolf U. Dalferth: God first

 

Der evangelische Theologe Ingolf U. Dalferth beschäftigt sich mit dem Profil des evangelischen Glaubens und kommt darüber hinaus auf grundsätzliche Fragen des theologischen Denkens zu sprechen. Es handelt sich bei dem Buch um eine Sammlung von Vorträgen und Vorlesungen. Den Auftakt bildet das Thema des Buchtitels: Die Reformation als Revolution. Die Reformation als Revolution „der christlichen Denkungsart“ zu bezeichnen, ist von Immanuel Kant inspiriert, der im Zusammenhang seiner praktischen Philosophie von einer „Revolution für die Denkungsart“ spricht. Doch während bei Kant die Revolution bei uns beginnen muss, liegt nach Dalferth bei den Reformatoren die revolutionäre Aktivität bei Gott. Sie verkündigen eine „spirituelle Revolution“, die Gott für den Menschen herbeiführt. Dalferth...

Hubert Wolf: Zölibat. 16 Thesen

Der Ruf nach einer seit langem schon fälligen Aufhebung der Verpflichtung der katholischen Priester des lateinischen Ritus, ehelos, also zölibatär, zu leben, wird immer lauter. Die Überalterung des Klerus, die abnehmende Zahl der jungen Männer, die sich für ein Leben und Wirken als Priester in den ja vielfach schrumpfenden Gemeinden entschließen, hat die Frage nach den Zugangsbedingungen bereits unausweichlich werden lassen. Zu diesen gehört in unserer römisch-katholischen Kirche seit eh und je die Bereitschaft zu einem ehelosen Leben. Diese Lebensform ist in der jüngsten Zeit erneut und verstärkt in Frage gestellt worden, als publik wurde, dass eine erschreckend hohe Zahl von Priestern sexuell übergriffig geworden sind.

Zu den damit angedeuteten Fragen hat sich nun laut und vernehmlich...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Heimat Europa?

Der diesjährige Begleitband zum Kultursommer Rheinland-Pfalz widmet sich der Frage, „inwiefern Europa als Heimat gedacht werden kann und soll“. Über deren Aktualität muss kein Wort verloren werden. Die 35 Autoren des Sammelbandes suchen mit den unterschiedlichsten Zugängen und Stilmitteln nach Antworten darauf. Ihre Perspektiven sind so vielfältig wie ihr persönlicher Hintergrund. Philosophen und Theologen, Sozialwissenschaftler, Schriftsteller, eine Gewerkschafterin, ein Benediktinermönch, ein Erzbischof, ein Kardinal, ein Fernsehkoch und selbst ein Prinz aus der äthiopischen Kaiserfamilie haben aus ihrer jeweiligen Sicht zu diesem Gemeinschaftswerk beigetragen, eine interessante und vielversprechende Zusammenstellung also. Da den Autoren keine bestimmte Definition von Heimat vorgegeben...

Luzia Schlösser (Hg.): Licht-Zeichen. Die Kunst von Johannes Schreiter

Er hat unzählige farbige Kirchenfenster in ganz Deutschland und weit darüber hinaus geschaffen. Seine „Licht-Zeichen“ sind im Bistum Limburg etwa in Frankfurt – in der Festeburgkirche Preungesheim (1968), in der Kapelle des Rhein-Main-Flughafens (1984) und in der Wahlkapelle des Frankfurter Doms (1993) – sowie in Limburg – in der Marienkapelle des Doms (1976) und jüngst in der Bischofskapelle (2011/12) – präsent. An der Städelschule in Frankfurt wirkt er von 1963 bis 1987 als Professor für freie Malerei und Grafik; seine zur Heimat gewordene Stadt Langen ernennt ihn 2013 zum Ehrenbürger. So ist es nur konsequent, dass das Deutsch Glasmalerei-Museum Linnich dem bald 90-jährigen Johannes Schreiter, der zu den weltweit bedeutendsten zeitgenössischen Glasmalern zählt, eine konzentrierte...

Rudolf Steinberg: Zwischen Grundgesetz und Scharia

Inzwischen muss man von einer Flut von Literatur über den Islam sprechen. Das mit guten Gründen viel diskutierte, in seiner Bewertung und Deutung umkämpfte Thema zieht eine Unzahl echter und selbsternannter Expertinnen und Experten an. Dazu kommt, dass es neben der religionswissenschaftlichen, soziologischen und sicherheitspolitischen nicht zuletzt eine juristische Dimension gibt, die getrennt, aber in ihrem komplexen Zueinander zu betrachten ist.

Rudolf Steinberg, der Autor des hier zu besprechenden Buches, ist bereits von seiner Profession und seiner Lebensleistung unzweifelhaft in seiner Expertise. Als emeritierter Professor für öffentliches Recht und verdienter Universitätspräsident der J. W. Goethe-Universität Frankfurt bringt er die notwendigen Kenntnisse für die im Buch behandelten...

Antje Mickan / Thomas Klie / Peter A. Berger (Hg.): Räume zwischen Kunst und Religion

Mit dem aktuellen Verhältnis von Kunst und Religion befasst sich der vorliegende Sammelband, der die Referate eines Workshops der Universität Rostock im März 2016 dokumentiert. Diesem wiederum liegt ein DFG-Forschungsprojekt zum Thema „Märkte des Besonderen. Religionshybride Netzwerke in Mecklenburg-Vorpommern“ zugrunde. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich die spannende Frage, welche neuen Formen von Religiosität sich im Grenzgebiet von moderner Kunst und traditionellem Glauben beobachten lassen. Denn einerseits bilden sich quasireligiöse Verhaltensweisen im Umgang mit Kunst heraus, andererseits erodieren in der ostdeutschen Provinz Mecklenburg-Vorpommern wie auch anderswo Praktiken kirchennaher Frömmigkeit.

Die Dokumentation enthält grundsätzliche theoretische Überlegungen und gibt...