Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Anselm Grün / Leonardo Boff: neu denken – eins werden

Mit dem vorliegenden Buch widmen sich der Benediktinermönch Anselm Grün und der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff der Frage, wo und wie Gott zu finden und zu erfahren ist. Sie nähern sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und mit anderen Schwerpunkten, gelangen in der gegenseitigen Lektüre aber zu ähnlichen Ergebnissen und Ansichten.

Im ersten Teil betrachtet zunächst Anselm Grün das Göttliche in uns: „Wir können Gott nicht spüren, wenn wir uns nicht selber spüren. Wir können zu Gott keine Beziehung aufbauen, wenn wir zu uns selbst keine Beziehung haben.“ Anhand verschiedener Autoren (z.B. Platon, Augustinus, verschiedene Kirchenväter, Mystiker, C.G. Jung, Alfred Delp, Teilhard de Chardin etc.) stellt Grün unterschiedliche Zugänge vor, um dem Göttlichen in mir...

P. Ulrich Faust OSB (Hg.): Die Benediktsregel

Die unter dem Namen des hl. Benedikt von Nursia überlieferte Regel gehört zu den prägenden Texten des christlichen Abendlandes. Nicht nur in kirchlichen Kreisen, sondern auch als Orientierungsmaßstab für Manager und Führungskräfte findet sie bis heute Anklang. Dass der Reclam-Verlag in seinem bewährten Kleinformat eine zweisprachige Ausgabe vorlegt, ist zu begrüßen. Die konsequent parallele Anordnung von lateinischem Originaltext und deutscher Übersetzung erleichtert das Studium, die Lectio und Meditatio der Regel.

Ein Nachwort aus der Feder des renommierten Benediktinerhistorikers Ulrich Faust führt in die Geschichte der Regel ein. Faust hält an einem historischen Kern der Dialoge Gregors des Großen als einzigem Zeugnis für das Leben Benedikts fest. Die Regula Benedicti sieht er in der...

Gregor Weigand: Interreligiöses Lernen im Katholischen Religionsunterricht der gymnasialen Oberstufe

Einen Kurs im Fach Katholische Religion zum Abitur führen, in dem fast ein Fünftel muslimische Schülerinnen und Schüler sitzen? Eine besondere Herausforderung für den Lehrer, aber auch für die Lernenden. Wie das im Rahmen der vorgeschriebenen Themen des Lehrplans mit sich ergebenden interreligiösen Bezügen funktionieren kann, beschreibt Gregor Weigand in seinem Praxisbericht. Darin wird deutlich, dass es ihm vor allem um die Wahrnehmungen der Gemeinsamkeiten der Religionen geht. In den von ihm immer wieder religionssensibel initiierten interreligiösen Lernprozessen sieht er ein Modell, eine Vision für eine multireligiöse Zukunft in Deutschland.

Eine kleine Schwierigkeit für die eigene Arbeit mit dem Praxisbuch ist, dass es auf Grundlage des Lehrplans Katholische Religion des Hessischen...

Anselm Grün / Ahmad Milad Karimi: Im Herzen der Spiritualität

„In der Begegnung haben wir erfahren, dass im Gespräch zwischen den Religionen, über alle theologischen Differenzen hinweg, die Spiritualität das eigentlich Verbindende ist.“ Dieser Klappentext lässt aufhorchen, weil er Optimismus bezüglich eines ehrlichen christlich-islamischen Dialoges verbreitet, der in den letzten Jahren beträchtlich geschwunden ist, und weil das Wort „Mystik“ fehlt, das sonst ebenso gerne wie ungenau als wohlfeile Brücke zwischen den Religionen gehandelt wird. Man horcht auf, weil hier zwei namhafte Gelehrte beider Religionen sich offenbar life (das zeigen die Bilder auf dem Buchdeckel), vor allem aber in einer ernsthaften textlichen wechselseitigen Bezugnahme tatsächlich soweit begegnet sind, wie man sich in der unüberwindlichen Differenz zweier monotheistischer...

Angela Kaupp (Hg.): Pluralitätssensible Schulpastoral

Wen will ich und wen kann ich mit meinen Angeboten der Schulpastoral erreichen? Wie stellt sich die Schülerschaft in ihrer Diversität an meiner Schule dar? Welche Unterstützung braucht sie wirklich? Was kann ich mit anderen Playern initiieren? Diese und andere W-Fragen stehen oft zu Beginn oder in Reboot-Phasen der Konzeptionierung von Schulpastoral an. Und meistens müssen die Antworten aufgrund eigener Erfahrungen und Reflexionen gefunden werden, da die Schulpastoral in der Praxis stattfindet und lebendig ist, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Rahmenbedingungen und Inhalten allerdings gerade erst begonnen hat.

Das vorliegende Buch entstand nach einer Konferenz mit gleichem Titel, die im Jahr 2016 an der Universität Koblenz-Landau stattgefunden hat. Ziel der Herausgeberin...

Peter Brown: Der Preis des ewigen Lebens

Spannend kann er erzählen – und ist immer für Überraschungen gut: Der irische Historiker Peter Brown begibt sich auf eine Reise in die Jenseitsvorstellungen des Christentums zwischen dem dritten und siebten Jahrhundert. Seine These: Die Christen dieser Jahrhunderte hätten einander nicht verstanden, wenn sie über ihr künftiges Schicksal miteinander geredet hätten. Das hat mit Theologie, mehr noch mit kulturellen Gegebenheiten zu tun.

Bei Tertullian (um 200) waren die Seelen vor dem Jüngsten Gericht in einer Art Wartezustand. Die Märtyrer hingegen als christliche Elite kamen direkt in den Genuss der Anschauung Gottes. Die Zeitreise Browns endet im 7. Jahrhundert bei Julian von Toledo. Für ihn sieht das Jenseits eher wie ein „Stadtmarathon“ (32) aus. Manche erreichen ihr Ziel sehr schnell,...

Karlheinz Ruhstorfer (Hg.): Christologie

 

Mit vorliegendem Buch möchte der Herausgeber „eine gleichermaßen aktuelle und fundierte wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Person Jesu von Nazareth auf einem ersten Reflexionsniveau“ (12) bieten. Diese Vorgabe haben die Autoren des Bandes eingelöst. Sinnvollerweise hält sich auch diese „Christologie“ an die vielfach bewährte Aufteilung in zwei biblische Teile sowie einen historischen und einen systematischen Teil.

Oliver Dyma geht den messianischen Erwartungen im Alten Testament nach (15-68). Als besondere Ausdrucksformen für Israels Hoffnung auf die Durchsetzung der Königsherrschaft Gottes können sie innergeschichtlich oder eschatologisch gedacht werden (15). Grundgelegt sind sie in der Königstheologie und -ideologie im Bannkreis der davidischen Dynastie, deren faktischer...