Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Petra Bahr: Wie viel Religion verträgt unsere Gesellschaft?

Mit der zum Titel gewordenen Frage bezieht sich die Regionalbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover auf eine Wahrnehmung von Religion, die deren öffentliche Präsenz mit der des Islams gleichsetzt. Und dann ist es zu der Assoziation von Gewalt und Terror nicht weit. Ohne die Gefahr eines religiös motivierten Terrors zu verharmlosen, macht sie mit Recht darauf aufmerksam, dass Fanatismus und Gewalt auch dort lauern, wo unter Berufung auf eine angeblich neutrale Vernunft religiöse Wahrheitsansprüche nicht minder fundamentalistisch zurückgewiesen werden. Hier erkennt sie eine dem Laizismus inhärente Gefahr, die sich historisch im jakobinischen Terror gezeigt habe und im Atheismus eines Richard Dawkins oder Michael Schmidt-Salomon regelmäßig verdrängt werde. Den gleichen...

Rainer Hagencord: Gott und die Tiere

 

Rainer Hagencord ist Leiter des Instituts für Theologische Zoologie in Münster und seit vielen Jahren Vorkämpfer eines Perspektivenwechsels im Umgang mit Tieren. Mit „Gott und die Tiere“ erschien 2018 eine zweite Auflage dieses ursprünglich 2008 erschienenen Werkes, das wiederum eine gekürzte Ausgabe seiner Dissertation von 2004 war, das selbst inzwischen in der 4. Aufl. erschienen ist (2009). Hagencords Grundüberzeugung ist, dass eine falsche Sicht auf das Tier als Gottesgeschöpf auch den Menschen von Gott fortführt; zugleich ist es sein dringendes Anliegen, dem Tier einen Platz als Mit-Geschöpf des Menschen wiederzugeben und es nicht auf seinen Nutzen für den Menschen zu beschränken. Gegenüber René Descartes, bei dem er die endgültige Wandlung des Tieres zum reinen Automaten ohne...

Leonardo Sapienza (Hg.): Papst Paul VI. Segeln im Gegenwind

Im Umfeld der Heiligsprechung von Paul VI. am 14. Oktober 2018 erschien dieses Buch mit Dokumenten aus dem Pontifikat. Sorgfältig kommentiert und erläutert der Herausgeber Leonardo Sapienza, zumeist mit wenigen Worten, einige Aspekte der veröffentlichten Auszüge aus den Schreiben, Predigten und Briefen des Montini-Papstes. Für die Einbettung in den jeweiligen kirchengeschichtlichen Kontext erweist sich diese Vorgehensweise als sehr hilfreich. Die Verehrung, die der Herausgeber dem Papst gegenüber empfindet, ist besonders am Anfang spürbar.

Der Band bietet eine reichhaltige Auswahl von Faksimiles handschriftlicher Aufzeichnungen, ebenso päpstlicher Schreiben, und, kirchengeschichtlich besonders interessant, ein Protokoll des Gespräches von Paul VI. mit Erzbischof Marcel Lefebvre vom 11....

Stephen Hawking: Kurze Antworten auf große Fragen

Albert Einstein war der erste Popstar der Wissenschaftsge­schichte. Er genoss seine Berühmtheit, spielte aber auch mit ihr und war ein regelrechter filou oder sogar ein Clown. Albrecht Fölsing hat in seiner grossartigen Einsteinbiographie diese seine lustige Seite herausgearbeitet. Sie hatte zur Folge, dass Einstein sich über alles und jedes äusserte, aber immer mit einem Au­genzwinkern. Es gibt einige Physiker, die sich auch zu allem äußern, aber ohne die ironische Doppelbödigkeit Einsteins.

Im Wiener Kreis vor 100 Jahren war die „Unified science“ Mode. Weil alles aus Atomen besteht, dachte man, es ließen sich alle Wissenschaften auf die Physik reduzieren. Wer Physik studiert hat, wisse alles. Das glaubt heute niemand mehr. Schon allein die Biologie ließ sich nicht auf die Physik...

Gianfranco Ravasi: „Adam, wo bist du?“

Bei einem Buch mit dem Titel „Adam, wo bist du?“ wird es niemanden verwundern, dass der Rahmen dieses Buches ein christlicher ist, der – dies der theologischen Provenienz des Autors geschuldet – einen exegetischen Schwerpunkt hat. In diesen Rahmen eingespannt ist die Thematisierung grundlegender anthropologischer Fragestellungen nach der Natur des Menschen, nach der Zuordnung der Geschlechter, nach der Bedeutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse von der Genetik bis zur Künstlichen Intelligenz, nach der Rolle eines Trans- bzw. Posthumanismus sowie nach den Auswirkungen der omnipräsenten Digitalisierung. Für das Selbstverständnis des Menschen in der Zukunft bedürfen diese Fragestellungen einer Klärung.

Dieser kurze Essay besticht durch die Weite des Themenfeldes wie die Breite der...

Huub Oosterhuis: Alles für Alle

Ende der 1960er gab es eine Zeit, in der die Spätfolgen der lateinischen Liturgie behoben werden sollten. Dabei schossen pastorale „Übersetzer“ von Gebeten und Messtexten, Traktaten und Katechismen aus dem Boden und blühten. So entstand zwischen Bern und Amsterdam ein neuer Sound – und den lieben wir wie seine zahlreichen Autoren, ganz besonders aber Huub Oosterhuis. Kein Krankenbesuch, keine Andacht ohne das kleine Büchlein im Plastikeinband. Und die ganz Mutigen begannen selbst „kreative Liturgien“ zu erproben und „politische Nachtgebete“ zu organisieren.

Angesichts der überdeutlichen nachkonziliaren Defizite erregten Oosterhuis' Texte, wie etwa die Litanei von der Anwesenheit Gottes, die Hoffnung, näher an den Leuten zu sein. Und dann war da noch der besondere Sound of the sixties –...

Martin Blay / Michael Winklmann (Hg.): Philosophieren über Gott und die Welt mit Calvin und Hobbes

Es gehört zu den elementaren Aufgaben einer modernen Theologie, ihr notwendiges Verhältnis zur Philosophie zu reflektieren und immer wieder neu zu bestimmen. Will der christliche Glaube seinem Anspruch auf allgemeine Rationalität gerecht werden, so müssen neuzeitliche, moderne und postmoderne Philosophien aufgegriffen und für die Theologie erschlossen werden. Diese komplexe Herausforderung führt konsequenterweise dazu, dass die Auseinandersetzung mit philosophischen Fragen ihren festen Ort in den Curricula der Schulen und Universitäten besitzt. Gleichzeitig stellt sich für Verantwortliche in religiösen Lern- und Bildungsprozessen die Frage immer wieder neu, wie philosophische Themen didaktisch ansprechend aufgearbeitet werden können.

Dieses Desiderat war Anlass für die beiden jungen...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Arbeit 5.0 oder Warum ohne Muße alles nichts ist

Der Titel „Arbeit 5.0“ bezieht sich auf diejenige Gestalt der Arbeit, die nach dem kommen wird, was im politischen Jargon „Arbeit 4.0“ heißt und uns gegenwärtig umgibt: der vierten – nämlich digitalen – Revolution unserer Arbeitsverhältnisse. Der Untertitel „Warum ohne Muße alles nichts ist“ erweckt dabei den Eindruck, die Möglichkeit der Muße sei bedroht. Inwieweit sie das ist, machen auf unterschiedliche Weise die 26 Beiträge deutlich, die im Einzelnen angemessen zu würdigen hier nicht möglich ist.

So zeigt ein Teil der hier versammelten Beiträge, dass die Digitalisierung der Arbeit einen enormen Zuwachs an Freizeit bedeuten kann. Und dieser zeitliche Zugewinn kann so weit reichen, dass Menschen ohne entsprechende Qualifikation immer weniger die Chance haben, überhaupt eine Arbeit zu...