Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Simone Hiller / Johannes Gather / Matthias Gronover / Aggi Kemmler: Technik – Leben – Religion

Die vorliegende Arbeitshilfe verbindet konsequent zwei Anliegen miteinander: die Kompetenzorientierung des Berufsschul-Religionsunterrichts (BRU) und die Berücksichtigung der besonderen Gegebenheiten technischer Berufe. Das Autorenteam besteht aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des KIBOR (Katholisches Institut für berufsorientierte Religionspädagogik) in Tübingen. Die besondere fachliche Expertise des Instituts kommt im innovativen Konzept der Arbeitshilfe deutlich zum Tragen.

So werden insgesamt 6 Module für den BRU vorgestellt, die ihren Ausgangpunkt alle in einer konkret beschriebenen Anforderungssituation haben. Die Anforderungssituationen spielen entweder in der privaten oder in der beruflichen Lebenswelt „typischer“ Auszubildender (z.B. im Zusammenhang mit dem Kauf eines neuen...

Edgar Reuber: Jesus als Tatort Gottes

Ein Problem der Arbeit mit biblischen Texten ist, dass sie häufig durch dogmatische Denkmuster und Schablonen dominiert wird. Schriftzeugnisse werden dann zum Steinbruch für systematisch-theologische Auseinandersetzungen. Das schlägt sich nieder bis in religionspädagogische Veröffentlichungen.

Demgegenüber wählt die dreibändige Unterrichtshilfe von Edgar Reuber einen konsequent bibeltheologischen und bibeldidaktischen Ansatz. Der Verfasser, ehemaliger Gymnasiallehrer und Lehrbeauftragter in der Religionslehrerausbildung, legt eine umfassende Sammlung von Unterrichtsentwürfen und Arbeitsmaterialien für den Religionsunterricht in der Sekundarstufe 1 vor.

In allen drei Bänden geht es um Jesus von Nazareth, den Christus, im Zeugnis der synoptischen Evangelien. Der Band 1 enthält...

Ulrich Lüke: Als Anfang schuf Gott … den Urknall

Das Bändchen aus der Reihe „3 x 7 Zusagen des Glaubens“ bietet 21 Texte aus dem Themenbereich Theologie – Frömmigkeit – Naturwissenschaft – Kultur und kombiniert sie mit Fotos. Von diesem Format erwartet man keine breit angelegten Studien, sondern pointierte Formulierungen, die nichtsdestoweniger wohl fundiert sein können. An diesem Anspruch gemessen gelingt Ulrich Lüke erstaunlich viel. Er kennt sich aus in der Kosmologie, in der Theologie sowieso, weiß passende Texte einzubeziehen, darunter weniger bekannte Gedichte wie die „Morgenwanderung“ von Emanuel Geibel. Die Fotos, die im Buch ohne jede Erklärung abgedruckt sind, stehen manchmal in erkennbarem Zusammenhang zu den Texten, manchmal erscheinen sie als Dekoration.

Lüke testet Dialogchancen aus, sucht Brückenschläge zwischen...

Karl Kardinal Lehmann: Toleranz und Religionsfreiheit

Die von Jan Assmann angestoßene Debatte, dass der biblische Monotheismus Gewalt evoziere, dreht sich um die Behauptung, dass der Glaube an einen Gott wegen der darin implizierten religiösen Wahrheitsansprüche den Anderen in der Andersheit seiner Religion nicht gelten lassen könne. Schaut man auf die fanatischen IS-Extremisten, welche den Mord an Anders- bzw. Ungläubigen als Gottes-Dienst betrachten, so ist diese These brennend aktuell.

Anders G.E. Lessings Toleranzdrama Nathan der Weise: Im besten aufklärerischen Ansatz versuchte er, den Wahrheitsanspruch der monotheistischen Religionen zu relativieren, denn alle Religionen seien Illusionen und Projektionen. Wenn sie aber „gleich gültig“ sind, so laufen sie Gefahr, in „Gleichgültigkeit“ abzugleiten. Wen wundert es, dass die deutsche...

Zentralrat der Juden in Deutschland / Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (Hg.): „Lehre mich, Ewiger, Deinen Weg“

In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Haltung der katholischen Kirche zum Judentum deutlich verändert. Antijüdische Stereotype und Vorurteile in Verkündigung und Religionsunterricht wurden weitgehend überwunden. Vor allem aber hat die Kirche anerkannt, dass der Bund, den Gott am Berge Sinai mit Israel geschlossen hat, niemals aufgehoben wurde. Um es mit den Worten von Papst Franziskus zu sagen: „Gott wirkt weiterhin im Volk des Alten Bundes und lässt einen Wahrheitsschatz entstehen, der aus der Begegnung mit dem göttlichen Wort entspringt. Darum ist es auch eine Bereicherung für die Kirche, wenn sie die Werte des Judentums aufnimmt.“ (Evangelii gaudium, Nr. 249)

Schaut man hingegen in unsere Religionsbücher, so erfährt man zwar einiges über jüdische Feste, Speise- und Schabbatgebote,...

Volker Ladenthin : Zweifeln, nicht verzweifeln!

„Der Islam gehört zu Deutschland.“ Vielleicht hat der Urheber dieses Satzes nicht mit den Auswirkungen und Weiterungen gerechnet, die er ausgelöst hat. Gehört der Islam zu Deutschland? Gehört sein Unterricht an deutsche Schulen? Gehört Religion überhaupt in den öffentlichen Raum einer Gesellschaft? Und überhaupt: Gehört Religion zum Menschen?

Diese Fragenkette benennt der Bonner Erziehungswissenschaftler Volker Ladenthin als Auslöser für seinen Essay, in dem er ein deutliches Plädoyer für die religiöse Dimension alles menschlichen Seins ablegt. Sein Fazit vorweg: Religion gehört zum Menschen, weil der Mensch sich der Dynamik, die Religion ausmacht, gar nicht entziehen kann.

Der Gedankengang in Kürze: Die Konstitution des Menschen sorgt dafür, dass er sich schon immer im Raum des...

Wolfgang Huber: Ethik

In der vorliegenden 320 Seiten starken Publikation geht der ehemalige Ratsvorsitzende der EKD den Grundfragen des Lebens von der Geburt bis zum Tod nach. Jedem der 20 Kapitel ist eine Frage zugeordnet, die an der Erfahrungswirklichkeit der Gegenwart ansetzt und diese vor dem Hintergrund einer christlichen Ethik lebensnah und praktisch reflektiert. Auf einen wissenschaftlichen Handapparat wird verzichtet; ausgewählte Belege und Verweise dienen dem interessierten Leser für eine weiterführende thematische Vertiefung; hinzu kommt ein kompaktes Personen- und Sachregister. Der Verfasser wählt für seine Darstellungen einen sehr ansprechenden, fast schon dialogischen Stil, der der Leserin und dem Leser den Eindruck von Unmittelbarkeit und Offenheit vermittelt. Die jeweiligen Kapitel sind in sich...

Daniele Dell’Agli: Aufruhr im Zwischenreich

Daniele Dell’Agli ist ohne Weiteres zuzustimmen: Wir, die Bürgerinnen und Bürger dieses Landes, müssen die Systemfrage stellen und brauchen eine Revolution in unserer Kultur des Alterns und Sterbens: Wir sollten ernsthaft über Menschenrechte im Alter nachdenken, selbstbestimmte Wohn- und Lebensformen am Lebensende ermöglichen, unsere Endlichkeit enttabuisieren, die Medikalisierung der zweiten Lebenshälfte hinterfragen, usf. Im Zuge dessen mag argumentativ über die These des Autors gestritten werden, dass die Individualisierung der Lebensführung und die Einmaligkeit des je eigenen Todes in eine ästhetische Perspektivierung des Sterbens münden müsse, unter der die Abgabe von letalen Substanzen an Suizidwillige letztlich ebenso zu legalisieren ist wie die Tötung auf Verlangen.

Seiner...