Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Kurt Remele: Die Würde des Tieres ist unantastbar

Ein merkwürdiges Buch. Wer es so ernst nimmt, wie es geschrieben ist, hat sein letztes Schnitzel gegessen. Der Autor legt eine – vornehmlich christliche – chronique scandaleuse menschlichen Umgangs mit Tieren vor. Das gemeinsame Band der Lebendigkeit mit den Tieren lässt nicht zu, dass Tiere anders behandelt werden, als man selbst behandelt werden möchte. Selbst die Zoohaltung von Tieren ist nicht erlaubt, weil Zoohaltung per se nicht artgerecht ist; Nutztierhaltung schon gar nicht und sie muss langfristig überwunden werden. Vegetarische bzw. vegane Ernährung wird nicht angeraten, sondern soll zur Pflicht erhoben werden. Jegliche Anthropozentrik ist zu überwinden und alles Lebendige ist einzufügen in eine terrestrische Balance fühlender Wesen; der Mensch als Verantwortlicher hat ein...

Konrad Ott: Zuwanderung und Moral

Müssen wir alle Flüchtlinge aus Krisengebieten und alle Migranten, die ein besseres Leben bei uns suchen, in Deutschland aufnehmen? Diese Frage beschäftigt viele Menschen seit der massenhaften Zuwanderung im letzten Jahr zutiefst. Der Philosoph Konrad Ott nimmt die öffentliche Diskussion zum Anlass für eine ethische Analyse und kritische Prüfung der moralischen Argumente für und wider die Aufnahme von Migranten. Seine eigene, zuwanderungsskeptische Position verbirgt er keineswegs. Sie wird nicht nur in der Einleitung deutlich, sondern bestimmt auch die Anlage des Büchleins. Die Rekonstruktion der migrationsethischen Debatte erfolgt nämlich entlang des Max Weber entnommenen Schemas von Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Dabei kommt, wie man weiß, die Gesinnungsethik schlecht weg:...

Andreas Scheib: Philosophie für Theologen

Der Band ist weder eine allgemeine Einführung in die Philosophie mit einem spezifisch theologischen Zugang – einen solchen Zugang zum Handwerk des Philosophierens im Sinne einer Reduktion methodischer Standards kann und darf es, so Andreas Scheib, nicht geben – noch eine Einführung in eine bestimmte philosophische Disziplin, wie etwa in die Religionsphilosophie oder in die Philosophische Gotteslehre – ein Beweis für die Existenz Gottes, so der Verfasser, lässt sich philosophisch nicht führen. Aufgabe dieser Einführung ist es vielmehr, „zunächst an das Philosophische in der Theologie überhaupt heranzuführen, es zu identifizieren und dann, von hier aus, diejenigen Aspekte des Philosophierens sichtbar zu machen, die als Voraussetzung einer wissenschaftlich verfahrenden Theologie relevant...

Bernhard Welte: Das Licht des Nichts

Dieses erstmals 1985 erschienene Buch von Bernhard Welte ist in einer preiswerten und handlichen Fassung außerhalb seiner Gesamtausgabe neu erschienen. Hilfreich ist das Nachwort des Herausgebers Holger Zaborowski, der den Verfasser in seiner philosophie- und theologiegeschichtlichen Bedeutung würdigt. Das schmale Buch hat den Vorzug guter Lesbarkeit, sodass es im Religionsunterricht der Oberstufe als Ganzschrift eingesetzt werden kann. Empfehlenswert ist es, weil es eine Auseinandersetzung mit der Gotteskrise der Moderne auf der Basis einer in sich stimmigen religionsphilosophischen Grundlegung des Theismus enthält.

Es gibt einen Jammer bei vielen hauptamtlichen Kirchenmitarbeitern und verunsicherten Gläubigen über eine (scheinbar) gottlose Welt, gegenüber der man sich nur noch als...

Klaus W. Hälbig: Die Tür zur Gottesschau

Klaus W. Hälbig entwirft um Michael Triegels Augustinus-Retabel eine theologische Summe des trinitarischen Schöpfungs- und Erlösungswerkes – vergegenwärtigt in der Feier der Liturgie der Kirche. In der Liturgie wird Zeit transparent auf Ewigkeit, Geschichte auf das Heilshandeln Gottes. Sie ist jener Resonanzraum, in der das Wort Gottes das Herz der Menschen erreicht, weil sie im Heiligen Spiel die Vernunft über sich hinaus in eine symbolisch vermittelte Anschauung Gottes führt, in der u.a. das Andachtsbild seinen unverzichtbaren Ort hat. Irdische Liturgie als Abbild kosmischer Ordnung und Vergegenwärtigung der Erlösung aller Menschen durch den Abstieg Gottes in unser Fleisch, um unser Fleisch zu Gott zu erhöhen in Menschwerdung, Kreuzestod und Auferstehung Jesu Christi – Hälbig stützt sich...

Gesine Dammel (Hg.): Mein Weihnachtsbild

In diesem reizenden kleinen Buch stellen 22 bekannte weibliche und männliche Schriftsteller, Literaturwissenschaftler, Politiker, Journalisten, Theologen, Philosophen, Schauspieler, Mediziner und Künstler – unter ihnen Martin Mosebach, Friedrich Schorlemmer, Annette Schavan, Christian Lehnert, Hans-Ulrich Treichel, Peter Härtling, Elke Heidenreich, Jutta Richter, Klaus Gallwitz – ihr ganz persönliches Weihnachtsbild vor: Gemälde, Buchmalerei, Comic, Skulptur, Krippen, aber auch Fotos von Menschen oder Alltagsgegenständen. Abseits kunstgeschichtlicher Betrachtung liegt der Focus auf einem bemerkenswerten Detail, das die Verfasser/innen mit Weihnachten verbinden. Es handelt sich also um Begegnungserlebnisse mit Kunstwerken und Menschen, die intellektuell oder emotional, ernst oder...

Max Brod: Der Meister

Neu ist Max Brods Roman „Der Meister“ nicht. 1952 erstmals erschienen, stammt er aus der Feder des einstmals bekannten Vertreters der Prager deutschsprachigen Literatur, der heute oft in Vergessenheit geraten ist oder allenfalls als Herausgeber der Werke Franz Kafkas erinnert wird. Dass er Eingang in die derzeit entstehende Ausgabe ausgewählter Werke Brods gefunden hat, eröffnet erfreulicherweise auch heute einem breiteren Leserkreis die Begegnung mit einer jüdischen Perspektive auf die zentrale Gestalt des Christentums.

Es ist ein Roman, der den biographischen Hintergrund seines Verfassers spüren lässt. Max Brod (1884-1968), 1939 nach Palästina emigriert, schreibt ihn – persönlich wie politisch-gesellschaftlich betroffen – unter dem Eindruck der Shoah und der Staatsgründung Israels. Aus...

Barbara Schreiter: Himmel auf zwei Beinen

Muss sich nicht glücklich schätzen, an den diese Zeilen gerichtet sind: „Deine Liebe wirft ein ‚mehr‘ in mich hinein […] Du bist mir ein Himmel auf 2 Beinen.“ (16) Verfasst hat sie Barbara Schreiter, gerichtet sind sie an ihren Mann, den Maler und Grafiker Johannes Schreiter, der zu den bedeutendsten Schöpfern von Glasfenstern nach dem Zweiten Weltkrieg zählt. Der schmale Band enthält 28 Texte: Gedichte über Liebe, Lebenswege, Weihnachten, Jahreszeiten und eine spirituelle Geschichte. Meist gebrauchtes Substantiv ist das Wort Herz, das durch die Liebe(sworte) eines anderen Menschen oder die plötzlich vernommene Stimme Gottes berührt und verwandelt wird. Durch die Liebe, so der Cantus firmus der Texte, haben wir teil an der göttlichen Liebe.

Eigen ist den Texten ein persönlicher, fast...