Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Hans-Dieter Mutschler: Halbierte Wirklichkeit

Warum der Materialismus die Welt nicht erklärt

Die Naturwissenschaft allein bietet verlässliche Wahrheit und ist so zum Maß aller Dinge geworden. Jede Aussage über die Welt, über uns und selbst über Gott muss vor ihren Richtstuhl treten (oder gezerrt werden). Was nicht im Einklang mit ihr ist, wird verworfen. Aber immer weniger kann bestehen: Ihr nüchtern objektiver Blick zeigt die Welt als eine kausal durchgängig geordnete, letztlich rein materielle Wirklichkeit, in der es keinen Raum für Phänomene anderer Art gibt. Der Geist und die Seele des Menschen, unsere Freiheit, aber natürlich auch Gott sind bloße Traumgespinste, die christlichen Glaubensüberzeugungen können keinen berechtigten Wahrheitsanspruch erheben. 

So kann man eine weit verbreitete Überzeugung in der heutigen Kultur...

Holger Brülls (Hg.): Markus Lüpertz - Neue Fenster für die Gützer Kirche

„Kunst kennt keine Provinz“ – so der Malerfürst Markus Lüpertz. Wir sind in der Provinz, im Dorf Gütz bei Landsberg, wenige Kilometer östlich von Halle. Im Zentrum die Kirche: ein im Kern romanischer Bau des 12. Jahrhunderts mit querrechteckigem Turm; in der Spätgotik kam der dreiseitige Polygonalchor hinzu; Ende des 18. Jahrhunderts folgte eine Barockisierung. Anfang des 20. Jahrhunderts erhält der Chor farbige, schon damals eher altmodische Buntglasfenster in historistischem Stil. Mitte der 1950er Jahre beginnt ein Abstieg, der sich nach Sturmschäden und Vandalismus rasant beschleunigt, so dass die Landeskirche die Dorfkirche von Gütz, in der 1540 die Reformation eingeführt wurde, 1972 aufgibt. 1997 endlich die Wende: Der Förderverein Gützer Kirche e.V. schaut nicht länger weg, sondern...

Volker Gerhardt: Der Sinn des Sinns

Versuch über das Göttliche

Dieses Buch des renommierten Berliner Philosophen Volker Gerhardt (geboren 1944) hat mir von seinen ersten Zeilen an Unbehagen bereitet. Nicht in erster Linie wegen seiner ermüdend mäandernden Geschwätzigkeit. Vielmehr wegen etwas anderem: Es beschwört in Zeiten des Fragmentarischen und des Perspektivischen das eine große Ganze.

In dem Gefühl, das Freud kritisch als das „Ozeanische“ beschrieben hat (Das Unbehagen in der Kultur), findet es seinen Trost. Es versteht darunter etwas, das es in die Begriffe „Entsprechung“, „Korrelation“, „Korrespondenz“, „Ineinander“ oder „Verschränkung“ fasst. In der Verschränkung von Glauben und Wissen, von Selbst und Welt, von Gefühl und Verstand, von Leben und Tod, von Individualität und Universalität vernimmt es den „Sinn des...

Hildegard Kretschmer: Wie Jona vom Wal verschluckt wurde

Berühmte Maler erzählen die Bibel

Die Autorin, eine erfahrene Kunstpädagogin, führt größeren Kindern (und uns) vor Augen, wie „berühmte“ Maler vom 15. bis zum 18. Jahrhundert einzelne biblische Erzählstoffe aufgenommen und mit ihrem Pinsel auf der Bildfläche geflissentlich veranschaulicht haben. Die Reihenfolge der Motive folgt der kanonischen Ordnung – vom Schöpfergott bis zu Johannes auf Patmos. Je eine Doppelseite für zwanzig Vorkommnisse aus dem Alten Testament und für zweiundzwanzig zum Leben Jesu. Das farbige Bild immer auf der Blickfangseite rechts, so groß wie möglich, links Zusammenfassungen der entsprechenden Erzählung, dazu Bildausschnitte, mit wohldosierten Sehanleitungen, Erläuterungen und Fragen. Ein bedenkenswerter Versuch, mit einem Minimum an fachtheologischer Reflexion...

Katja Boehme: Madeleine Delbrêl

Poetin, Sozialarbeiterin, Missionarin und Prophetin – diese Attribute versuchen das Leben und Schaffen Madeleine Delbrêls zu umschreiben. Anlässlich ihres 50. Todestags am 13.10.2014 wurde das Gedenken an sie wieder stärker. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dieser ungewöhnlichen Frau, die als Pionierin einer missionarischen Pastoral bzw. eines profilierten Laienapostolates gelten kann, wie es erst im 2. Vatikanischen Konzil anerkannt und rezipiert wurde. Auch das Denken und Handeln Papst Franziskus‘ trägt zu einer erneuten Beschäftigung mit ihr bei, da er durchaus ähnliche Handlungsmotive und den missionarischen Einsatz für die Armen fordert. Madeleine Delbrêl hat sich ganz der Sorge um die Armen, in ihrem Fall der Arbeiterschaft in Ivry, verschrieben.

Zu ihrem Gedenken...

Martha C. Nussbaum: Politische Emotionen

Eigentlich wollte ich eine Rezension zu Martha Nussbaums neuem Buch schreiben. Eine ganz normale. Ich hatte vor, sie gegen ihre Kritikerin Eva Illouz zu verteidigen (vgl. Die Zeit Nr. 42/2014, 55), weil Letztere Ersterer kurz nach Erscheinen des Buchs 2014 im Prinzip vorwarf, bei dem Projekt, die soziale Gerechtigkeit durch Liebe zu fördern, Emotionen nicht wie sie selbst als institutionelle, sondern als psychologische Größe zu benutzen. Warum sollte man nicht anders denken dürfen – dachte ich und dabei lag eine Vorentscheidung zu Nussbaums Gunsten in der Luft. Mir kam vor, es sei durchaus legitim, eine gute Gesellschaftsordnung mit guten Gefühlen verbinden zu wollen – genauso, wie sich die Krise der aktuellen Gesellschaft mit Unbehagen breitmacht. 

Und dann kam mir das Leben dazwischen....

Annette Schleinzer: Die Liebe ist unsere einzige Aufgabe

Das Lebenszeugnis der Madeleine Delbrêl

Poetin, Sozialarbeiterin, Missionarin und Prophetin – diese Attribute versuchen das Leben und Schaffen Madeleine Delbrêls zu umschreiben. Anlässlich ihres 50. Todestags am 13.10.2014 wurde das Gedenken an sie wieder stärker. Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dieser ungewöhnlichen Frau, die als Pionierin einer missionarischen Pastoral bzw. eines profilierten Laienapostolates gelten kann, wie es erst im 2. Vatikanischen Konzil anerkannt und rezipiert wurde. Auch das Denken und Handeln Papst Franziskus‘ trägt zu einer erneuten Beschäftigung mit ihr bei, da er durchaus ähnliche Handlungsmotive und den missionarischen Einsatz für die Armen fordert. Madeleine Delbrêl hat sich ganz der Sorge um die Armen, in ihrem Fall der Arbeiterschaft in Ivry,...

Matthias Kopp: Franziskus im Heiligen Land

Päpste als Botschafter des Friedens: Paul VI – Johannes Paul II – Benedikt XVI – Franziskus

Die vier Papstreisen der modernen Päpste bilden ein faszinierendes Einzelthema. Matthias Kopp stellt es ohne Parteinahme dar, wenn er nur die Geschichte der päpstlichen Fahrten erzählt und die Geschichte Palästinas ausspart; diese Beschränkung ist bei solch kontroverser Thematik sinnvoll. So wird aus 50 Jahren einer sehr speziellen Geschichte das dargestellt, was die beteiligten vier Päpste gemacht und gesagt haben. Am Ende steht die Episode Franziskus 2014. Ein road movie der Diplomatie-Faction.

Das Webmuster heißt wachsende Nähe. Entstanden ist das Buch in mühsamer Sammlerarbeit, zusammengetragen nach ungesagten Kriterien. Die Quellen sind offensichtlich Reisepläne, Bulletins und vatikanische...