Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Alf und Thomas Bayrle: Seniorenfeier

Im zweiten Quartal diesen Jahres richtete das Museum Wiesbaden eine „Seniorenfeier“ aus: Der eine Senior, Thomas Bayrle (geb. 1937), war 1966 noch ein Junior, als eine seiner ersten Ausstellungen am gleichen Ort stattfand; der andere Senior ist sein Vater Alf Bayrle (1900-1982). Ganz unterschiedlich ist beider künstlerischer Werdegang: Während der Vater an der Akademie u.a. bei Franz von Stuck studierte und seine Karriere als Maler nach dem Zweiten Weltkrieg versandete, absolvierte der Sohn nach einer Ausbildung zum Weber ein Studium an der Werkkunstschule in Offenbach, wurde durch seine Professur an der Städelschule von 1975 bis 2005 zu einem einflussreichen local guy und erwarb sich durch Ausstellungen, u.a. bei der Documenta 13 (2012), internationale Reputation.

Thomas Bayrle...

Andreas Mauz / Ulrich Weber (Hg.): „Wunderliche Theologie“

Das Dialogfeld von Theologie und Literatur(-wissenschaft) erweist sich schon seit drei Jahrzehnten als überaus produktive interdisziplinäre Denkwerkstatt (vgl. www.theologie-und-literatur.de). Die jeweils aktuellen geisteswissenschaftlichen Entwicklungen und Strömungen schlagen sich in immer neuen Zugängen, Schwerpunktsetzungen und Bündelungen nieder. Der vorliegende Band fokussiert seine Ausführungen auf „die neuere Literatur der deutschsprachigen Schweiz“ (15), unter anderem deshalb, weil diese bislang theologisch-literarisch eher wenig beachtet wurde, so der Mitherausgeber Andreas Mauz im Vorwort.

Zurückgehend auf ein hochrangig besetztes Symposion im Centre Dürrenmatt in Neuchâtel versammelt der Band glänzend erarbeitete Zugänge aus vielerlei Perspektiven. Nicht alle können hier...

Georges Bernanos: Tagebuch eines Landpfarrers

Der vorliegende Roman, 1936 erstmals erschienen, gehört zu den erfolgreichsten Werken des französischen Romanciers und Essayisten Georges Bernanos und fand nach dem Weltkrieg auch im deutschen Sprachraum eine zahlreiche Leserschaft. Der Autor zählt zu den prominenten Vertretern des Renouveau catholique, einer religiös-literarischen Bewegung in Frankreich, die in der Rückwendung zu einem nach den Vorstellungen der Zeit authentischen Katholizismus die Erneuerung von Literatur und Gesellschaft anstrebte. Die unterschiedlichen Strömungen dieser Bewegung vereinte die Abkehr von einer positivistischen, naturwissenschaftlich-technisch geprägten Kultur, von laizistischen republikanischen Traditionen wie auch von einem erstarrten Dogmatismus innerhalb der Kirche. Diesem Zeitgeist setzten die...

Urs Eigenmann: Dom Hélder CâmaraKarl Vörckel

Es lohnt immer, sich mit Dom Hélder Câmara zu befassen, um die bekannten Stichworte – „Anwalt der Armen“ – noch einmal und detaillierter zu überdenken und um im Zuge des im Jahre 2015 begonnenen Seligsprechungsprozesses Neues zu erfahren. Aber dies ist kein neues Buch, sondern der teilweise Neudruck einer im Jahre 1979 abgeschlossenen Dissertation; über die letzten 20 Jahre im Leben Hélder Câmaras wird also nicht berichtet und nach 1979 erfolgte Veröffentlichungen werden nicht eingearbeitet.

Besonderen Wert legt das Buch auf eine Einteilung der Biografie Câmaras in drei Phasen: (1) Der Kindheit in einem armen, aber bildungsaffinen und recht kirchenfernen Elternhaus, dem Studium und den politische Aufgaben im Auftrag der Kirche (1909-1936), seiner integralistischen und antikommunistischen...

Leonardo Boff / Luigi Zoja: Die Wahrheit ist größer

Leonardo Boff, lateinamerikanischer Theologe, Mitverfasser der Erd-Charta, Träger des alternativen Nobelpreises 2001, unterhält sich mit dem Psychoanalytiker Luigi Zoja über sein „bewegtes Leben und seinen Denkweg“.

Boff stammt, wie er gerne sagt, aus der „Jungsteinzeit“. Italienische Zuwanderer gründeten mitten im brasilianischen Wald Siedlungen, die sich inzwischen zu Städten entwickelt haben. Es ist eine regellose Welt, geprägt von Rassismus gegenüber den „Indigenas“, Brasiliens Ureinwohnern. Loja erzählt von jungen Siedlern, die zum Zeitvertreib mit ihren Flinten auf Indianerjagd gingen. Erst 1988, nach der Militärdiktatur, wurden die Indigenas durch eine neue Verfassung vor Landraub geschützt; aber Boff spricht von „Augenwischerei“, da immer noch viele legale und illegale Praktiken...

Stephan Mokry: Kardinal Julius Döpfner und das Zweite Vatikanum

Der Münchener Kardinal Julius Döpfner (1913-1976) gehörte zu den großen Gestaltern des Zweiten Vatikanischen Konzils. Nach der Lebensbeschreibung aus der Feder des verstorbenen Kirchenhistorikers Klaus Wittstadt war es an der Zeit, eine aus den seit einigen Jahren zugänglichen Akten, besonders zum Konzil, gearbeitete Biographie vorzulegen. Stephan Mokry hat das mit seiner Dissertation meisterhaft geleistet.

Julius Döpfners Sozialisation geschah im kirchlichen Kontext, im Knabenseminar und Priesterseminar in Würzburg sowie vor allem im römischen Germanikum. Später wichtig gewordene Themen wie das allgemeine Priestertum und eine neue Bewertung der Laien als zentralen Teil des „mystischen Leibes“ der Kirche reflektierte er anfanghaft. In John Henry Newman, über den er seine Dissertation...

Volker Leppin: Die fremde Reformation

Im Vorfeld des „Reformationsjubiläums“ 2017 wurde bereits derart viel Wissenschaftliches, Populäres und Unseriöses über Martin Luther und den Ereigniskomplex Reformation publiziert, dass es mutig scheint, noch von einer „fremden“ Reformation zu sprechen. Was damit gemeint ist, erschließt sich aber schon im Untertitel. Denn immer noch scheint ein Geschichtsbild höchst lebendig, das mit Luther den Anbruch der Neuzeit und generell den Bruch mit „dem Mittelalter“ verbindet. Dass dieses Geschichtsbild Risse bekommen hat, ist etwa Reformationshistorikern wie Heiko Augustinus Oberman oder Berndt Hamm zu verdanken, die bereits nachdrücklich auf Kontinuitäten zwischen Spätmittelalter und Reformation hingewiesen haben. Der Tübinger evangelische Kirchenhistoriker Volker Leppin legt im vorliegenden...

Daniela Blum: Der katholische Luther

„Der katholische Luther“ wird uns in dieser Publikation angekündigt, die von Daniela Blum, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen, verfasst wurde. Sie spielt mit dem Titel auf einen der bedeutendsten katholischen Lutherforscher des 20. Jh.s an, Joseph Lortz, der Luther als „Reformkatholiken“ darstellte und durch die Überwindung konfessionalistischer Deutungsschemata für Katholiken neue Zugänge zu Luther eröffnete. Laut Umschlagtext nähert sich das Buch Luther über seine Begegnungen mit „Katholiken“, wobei das „Katholische“ keine Konfessionsbezeichnung, sondern einen „Lebenszusammenhang“ bedeute. Was aber hat das genau zu bedeuten?

Das Buch ist abgesehen von Einleitung und Fazit in drei große Kapitel gegliedert, die „Prägungen“,...