Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Alex Lefrank: Kirche ist paradox

Der Jesuit Alex Lefrank diagnostiziert die Situation der katholischen Kirche in Deutschland. Auf diesen Blick beschränkt er sich. Nur beiläufig kommt er auch auf die Kirche in anderen Ländern und Kontinenten und auf die Kirchen anderer konfessioneller Prägung zu sprechen. Er redet Klartext, wenn er die derzeitige Lage darstellt: Die Gestalt der Kirche, die man gewöhnlich mit dem Begriff „Volkskirche“ umschreibt, ist in einem unübersehbaren und raschen Verfall begriffen. In ihren Ausläufern ist sie noch erfahrbar, und sie bestimmt in den Gemeinden bis heute nicht wenige pastorale Konzepte. Doch angesichts der gegebenen Lage gilt es nun, wirksam nach Auswegen zu suchen. Die einen setzen auf mehr Anpassung an die moderne Lebenswelt und ihre Lebensmaximen, die anderen auf mehr Unterscheidung,...

Karl Gabriel / Christian Spieß / Katja Winkler: Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit?

Vor gut 50 Jahren hat die katholische Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil die Religionsfreiheit anerkannt. Die Autoren untersuchen in ihrem Buch, welche Faktoren zur Wende in der kirchlichen Lehrmeinung geführt haben. Zunächst stellen die Autoren die Textgenese der Erklärung „Dignitatis humanae“ dar. Daran anschließend werden Begriffsklärungen zum Thema Moderne/Religion vorgenommen. Sodann widmen sich die Autoren dem Begriff der Religionsfreiheit und den unterschiedlichen Interpretationen dieses Begriffes. Daran anschließend werden Thesen namhafter Wissenschaftler zu der Frage aufgezeigt, wie die katholische Kirche zur Anerkennung der Religionsfreiheit finden konnte. Auf Grundlage dieser Thesen wird dann ein großes Spektrum von Faktoren aufgezeigt, die den Lernprozess der Kirche...

Peter Wick: Jona

Eine Leiderfahrung von Büchern, die etwas zur Gegenwart sagen möchten, besteht darin, dass sie bereits im Erscheinen von den Zeitereignissen eingeholt und überrollt werden können. Peter Wick konnte beim Abfassen seines Buches noch nicht absehen, welche Flüchtlingsströme im Verlauf der nächsten Zeit nach Europa und speziell Deutschland aufbrechen würden. Allerdings haben sich schon vorher immer wieder genug Flüchtlingsdramen auf demselben Meer ereignet, auf dem ein Jona einmal über Bord musste. Hier stellt es einen glücklichen Schachzug des Autors dar, dass er es von vornherein vermeidet, irgendeinen Bezug zu gegenwärtigen politischen Ereignissen herzustellen, und das Buch Jona ausschließlich als einen biblischen Text behandelt, auch wenn einen das eine oder andere Mal beim Lesen das Gefühl...

Ambrogio Spreafico: Feinde werden Freunde

Der Autor Ambrogio Spreafico ist nicht irgendwer, wenn auch in Deutschland weitgehend unbekannt: Alttestamentler und Bischof, Mitbegründer der respektablen Gemeinschaft Sant‘Egidio. Wir sind also gespannt.

Die Untertitel versprechen Großes: „Der Traum Gottes für die Welt“ soll auf einem „biblischen Weg“ gefunden werden. Wenn ich recht verstehe, wird da eine bestimmte Stimmungslage angekündigt: Es wird besinnlich. Und im Vorwort wird dies noch deutlicher. Tenor sei eine moralische Aussage des Evangeliums: „Allein die Liebe rettet und macht glücklich.“

Interessant wird es, wenn dann biblische Texte selbst zu Wort kommen und ausgelegt werden; denn oft greift hier die alte Magie und die Texte beginnen zu „sprechen“. Der Autor versteckt seine Sachkenntnis nicht und lässt seine Überzeugungen...

Thomas Söding: Nächstenliebe

Kein Gebot wird so sehr mit Jesus und dem Neuen Testament verbunden wie das Gebot von der Nächstenliebe. Sie ist das Zentrum christlicher Ethik. Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding hat diesem wichtigen Thema eine ausführliche Monographie gewidmet, die aus einer Vorlesung im Wintersemester 2013/14 hervorgegangen ist. In zehn Kapiteln verfolgt Söding das Phänomen der Nächstenliebe durch (fast) alle Schriften des Neuen Testaments hindurch. Lediglich der Hebräerbrief und die Johannesoffenbarung seien unergiebig, da diese Texte kein konkretes Interesse an Ethik aufwiesen.

Den Kapiteln, die die Nächstenliebe im Neuen Testament behandeln, sind fünf Kapitel vorangestellt, die zum Thema hinführen bzw. das Konzept der Nächstenliebe problematisieren (Kap. 1), das Wortfeld „Liebe“ bzw. die...

Petra Roedenbeck-Wachsmann / Bernd Vogel: Werkbuch Paulus

Das „Werkbuch“ respektive „Spielbuch“ möchte Paulus und seine (Brief-)Theologie (TEXT) besonders Erwachsenenbildner/innen, Lehrkräften, Prediger/innen, Dozent/innen, Theologiestudierenden sowie allen an der Bibel Interessierten inspirierend und provozierend im Hier und Heute (Kon-TEXT) nahebringen.

Nach einigen kurzen phänomenologischen Betrachtungen – zu Themen wie Paulus als Pharisäer, Christenverfolger, Zeltmacher, Völkerapostel sowie zur Hermeneutik und Methodik – folgen die elf Themenkreise des Gesamtkurses (Mitten ins Herz, Wahrheit, Ins Leben getauft, Religion und Gewalt, Vorbildlich leben, Freiheit, Evangelium und Gebot, Ein Fest in Korinth, „Wer sind wir, dass wir das Gute tun“, Den Tod besiegen, Gottes Gnade für die Welt). Diese zweistündigen Lehr- bzw. Lernstunden sind allesamt...

Arnold Angenendt: Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum

In der römischen Antike sehen wir den berühmten Marcus Tullius Cicero. Er heiratete sechzigjährig ein sechzehnjähriges Mädchen. Und dies war kein Einzelfall. Die Geschichte der Ehe zeigt es deutlich: Die Männer heirateten in der Regel spät, die Frauen oft sehr jung. Noch zu Beginn der Neuzeit sehen wir die Mutter des Künstlers Albrecht Dürer. Sie heiratete mit fünfzehn, hatte achtzehn Kinder, von denen nur drei die Mutter überlebten.

In der vorliegenden Studie geht es um Liebe, Ehe und Sexualität; und zwar nicht nur, wie es im Titel des Buches heißt, „im Christentum“ speziell, sondern „in der Geschichte der Menschheit“ generell. Der Autor, Arnold Angenendt, ist katholischer Priester und international renommierter Kirchenhistoriker. Trotz seiner achtzig Jahre ist er immer noch aktiv:...

Mouhanad Khorchide: Gott glaubt an den Menschen

Das Buch des Münsteraner islamischen Religionspädagogen Mouhanad Khorchide versteht sich als ein engagierter Alternativentwurf des Islam. Und dies gilt in beide Richtungen: Es ist ein kritischer Alternativentwurf des Islam gegenüber anderen Lesarten des Islam, die die Entfaltung des humanistischen Potentials behindern, und ebenso ein islamisch inspirierter gesellschaftlicher Gegenentwurf zu nicht weniger als der generellen Situation der Menschheit, die der Autor in der Gefahr des Antihumanismus sieht. Khorchide denkt nicht zu klein, und so muss man sein Buch als ein Manifest lesen, das der lebendigen Diskussion und den zum Teil heftigen Angriffen auf seine Person entwachsen ist.

Der Charakter des Buches ist jedoch auch noch einmal tiefer in seiner Auffassung des Islam gegründet, in der...