Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Klaus von Stosch / Aaron Langenfeld (Hg.): Streitfall Erlösung

Gerade im Gottesverständnis von Christen und Muslime bestehen Unterschiede und Differenzen, die sich vor allem darin zeigen, dass Muslime das trinitarische Gottesverständnis, die Menschwerdung des Sohnes Gottes in Jesus von Nazareth sowie die Erlösung der Menschen durch Jesu Christi Tod und Auferweckung bestreiten und entschieden ablehnen. Der Mensch im Gegenüber zu Gott braucht seitens des Islams nicht den Glauben an eine Erlösung – zumal an eine Erlösung vermittelt durch den Kreuzestod einer in der Geschichte lebenden und handelnden Person. Mit diesen Aussageweisen sind die unverwechselbaren Grunddaten christlicher und koranischer Offenbarung wie auch die Koordinaten des Streitfalls Erlösung im christlich-islamischen Gespräch benannt.

Diese Koordinaten waren Anlass und Grund genug, im...

Michael Landgraf: Fernöstliche Religionen

Holi – das ist ein unter jungen Menschen beliebtes „Farbgefühle Festival“, ein buntes Partyspektakel. Aber nicht doch: „Holi – das ist einer der wichtigsten Feiertage im Hinduismus.“ Das indische Fest zur Ehrung von Gottheiten und zur Begrüßung des Frühlings ist als Kulturfest der Farben nach Deutschland geschwappt. Michael Landgraf greift diese und andere Anverwandlungen und Umdeutungen fernöstlicher Traditionen in unserer Gegenwartskultur auf und nimmt sie zum Ausgangspunkt für eine umfassende und differenzierte Auseinandersetzung mit den Traditionen der fernöstlichen Religionen. Nach dem Motto „Fernost ganz nah“ fordert er Schüler/innen auf, nach Spuren der fernöstlichen Religionen in ihrem Umfeld zu suchen, sie in ihren originären Bedeutungen aufzuspüren und die Verwendung und...

Jan Assmann: Das Oratorium Israel in Egypt von Georg Friedrich Händel

Während der evangelische Theologe Notger Slenczka im vergangenen Jahr den Vorschlag geäußert hat, das Alte Testament aus dem biblischen Kanon zu entfernen, zeigt der Ägyptologe Jan Assmann in immer neuen Anläufen, welch breite Wirkungsgeschichte der alttestamentliche Exodusmythos nicht nur religions-, sondern auch kultur- und individualgeschichtlich entfaltet hat. In seinem großen Werk „Exodus“ (vgl. Eulenfisch 15, 119–123) hat er dies u.a. an Arnold Schönberg, Sigmund Freud und Thomas Mann verdeutlicht, für die jeweils der Blick auf Israel in Ägypten ein identitätsbildendes Schema bereitstellte, um ihre Situation im politischen Exil zu verarbeiten. Dieser gedächtnisgeschichtliche Zugang zum Exodusmythos ist als solcher weniger von dem Wunsch geleitet, historisch zu klären, was es mit dem...

Stefan Knobloch: Lebenszeichen

Es gibt einen Strudel, in den muss man geraten, um etwas zu schaffen: das Nachtmärchen zum Eindämmern, der tolle Run bei der Mathearbeit, das Musiküben ohne Päuschen. Es trägt einen dann. Und der Strudel garantiert, dass ich an der Sache bleibe, nicht abgelenkt werde. Ich werde immer präziser in dem, was ich will. Wer einen solchen Elan erlebt, entdeckt eine Struktur, einen Code und lernt hoffentlich eine Aufmerksamkeit.

Wir befinden uns hier am Arbeitsplatz von Lehrern. Was hier passiert, ist kein Einzelereignis, kein Super-Event, sondern tagtägliche Übung der Lebendigkeit, geradezu ein Ritual. Entdeckt wird, was jetzt dran ist und was das Ding (der Schlaf, die Logik, die Musik) mir wirklich zeigen kann und will. Und jeder Lehrer weiß: Solche Aufmerksamkeit fällt nicht von Himmel, das...

Julia Knop / Magnus Lerch / Bernd J. Claret (Hg.): Die Wahrheit ist Person

Leser sind Austernfischer. Sie durchwühlen schwarzen Wörter-Schlick nach harten Bedeutungen, brechen manches auf und finden nur selten Sinn. Und freuen sich, selbst wenn die Perle nur aus einem kleinen Artikel, nicht einmal einem Originalartikel besteht. Das ist der Fall von „Gestorben für unsere Sünden – Stellvertretung ohne Sühnetod?“ von Hansjürgen Verweyen, eine Serie von klaren Fragen und überzeugenden Antworten der historischen, spirituellen und dogmatischen Art. Es geht um die Frage, ob Jesu freiwillig ertragene Hinrichtung geschuldete Ersatzleistung für das Versagen der Menschen war. Das Antworten geschieht differenziert: Zuerst wird an Texten gezeigt, dass dieses Ersatz-Modell tatsächlich vorhandene Probleme löste, dann wird gezeigt, welche weitertragende Geschichte der...

Eugen Drewermann: Jan Hus im Feuer Gottes

Das Buch beinhaltet ein ausführliches und facettenreiches Gespräch Jürgens Hoerens mit dem Kirchenkritiker Eugen Drewermann. Es ist besonders hilfreich, dass der Gesprächsband anlässlich des Gedenkjahres zum 600. Todestag von Jan Hus erschienen ist. Übersichten im Anhang des Buches zur Biografie von Jan Hus und zur zeitgeschichtlichen Situation im Kontext des Konstanzer Konzils bieten eine anschauliche Orientierung für alle, die mehr wissen und darüber diskutieren möchten.

Wie bei ähnlichen Gesprächsbänden Drewermanns auch liest der Dialog sich leicht. Komplexe historische und theologische Sachverhalte sind verständlich dargeboten und existentiell vertieft. Dadurch regt die Darstellung zur persönlichen historischen und theologischen Beschäftigung mit den aufgeworfenen Fragen an.

An...

Eberhard Schockenhoff: Entschiedenheit und Widerstand

Seit 9/11 ruft der antike Begriff des Martyriums einen neuen Klang hervor, der nicht nur der Politik, sondern auch der Religion eine Unterscheidung der Geister abverlangt. Die Öffentlichkeit will wissen, wie es die Religion mit der Gewalt im Namen der Wahrheit hält. Sie verdächtigt sie, um eines höheren Gutes willen Recht außer Kraft zu setzen und Zwang auszuüben, bis zur blutigen Selbstaufopferung. Der Begriff des Martyriums, der seine historische Semantik im religiösen Feld des Christentums entfaltet hat, erhält eine neue Zuschreibung. Diese Zuschreibung gewinnt ihre Plausibilität wiederum im religiösen Feld: aus Traditionselementen des Islam, die zur Legitimation von Gewalt herangezogen werden.

Das Buch des renommierten Freiburger Moraltheologen Eberhard Schockenhoff versteht sich als...

Sabine Pemsel-Maier / Mirjam Schambeck (Hg.): Keine Angst vor Inhalten!

Der Titel klingt nach „Material-Kerygmatik“. Aber diese Assoziation ist falsch. Die beiden Autorinnen wollen kein religionspädagogisches Roll-back in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, sondern eine Neujustierung des Faches und vor allem des Religionsunterrichts. Die Religionspädagogik der vergangenen Jahrzehnte – so die These des Buches – habe ein beindruckendes Wissen über die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler, ihr Selbstverständnis und ihre religiösen Einstellungen erhoben, aber darüber die didaktischen Fragen nach den theologischen Inhalten und ihrer Aneignung vernachlässigt. Wie Sabine Pemsel-Maier im Eröffnungskapitel zeigt, steht die Religionspädagogik gegenwärtig in der Gefahr, zur „Lebensweltwissenschaft“ zu werden, die die Inhalte des christlichen Glaubens...