Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Matteo Ricci: Über die Freundschaft

 

Der italienische Jesuit Matteo Ricci (1552-1610) war ein wichtiger Vermittler zwischen dem Westen und dem Osten, zwischen dem Christentum und dem Konfuzianismus. Sein Orden schickte ihn nach China, wo er ab Ende des 16. Jahrhunderts wirkte und durch seine Kenntnisse in der Mathematik, in der Kartographie und in den Naturwissenschaften, aber auch in Geschichte und Philosophie die dortigen Gelehrten beeindruckte. Ricci wusste um die Rolle der Freundschaft in der Kultur Chinas und widmete sein erstes chinesisches Buch diesem Thema. Seine Zusammenstellung von Zeugnissen über die Freundschaft von klassischen Denkern der westlichen Kultur – von Sokrates, Platon und Aristoteles über Cicero und Seneca bis hin zu christlichen Autoren wie Augustinus oder Ambrosius – sollte seinen chinesischen...

Matthias Gockel mit Oliver Kobold: Sterbehilfe

Der Internist Dr. med. Matthias Gockel ist leitender Oberarzt der Palliativmedizin im Vivantes-Klinikum im Friedrichshain in Berlin. Sie ist die dritte Palliativstation, die er in leitender Funktion betreut – und an den Stellen des Buches, wo Gockel von seinen Gesprächen mit Patientinnen und Patienten berichtet, merkt man diese Erfahrung an. Hier spricht jemand, der sich einem komplizierten, oftmals mit Angst besetzten Thema stellt.

Das Buch ist Teil einer Reihe, in der der Piper-Verlag Orientierung in drängenden gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Themen anbietet. Die Bände, so der Verlag, „kommen sofort auf den Punkt, sind von erfahrenen Autoren geschrieben und sehr gut lesbar – ohne akademischen Ballast“. Das Buch „Sterbehilfe“ besteht deshalb aus vielen kleinen...

Sandra Kostner / Elham Manea (Hg.): Lehren aus 9/11

„Historia magistra vitae“ – dieses perenne Diktum aus der Feder Ciceros mahnt uns, aus der Geschichte Lehren zu ziehen, zumindest um alte Fehler zu vermeiden und dies in gesellschaftspolitisches Handeln einzubeziehen. Zwei Jahrzehnte nach den Terroranschlägen am 11. September 2001 von vier koordinierten Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten auf symbolträchtige Gebäude der westlichen Welt und tausenden unschuldigen Opfern nimmt sich ein Sammelband mit international renommierten Gelehrten und Politikern vor, sich diesem Schreckensereignis bilanzierend zu nähern. Der Fokus der Ausführungen zielt dabei vor allem auf folgende Fragen: Wie reagiert(e) der Westen auf die moslemisch motivierten Anschläge? Was hat der Dschihadismus mit dem Islam, mit dem Koran zu tun – werden...

Helmut Fischer: Eine kurze Geschichte religiöser Weltdeutungen

Helmut Fischer kündigt im Titel eine Geschichte der Weltdeutungen an, im Buch geht es aber ausführlicher um Religionen und Gottesideen. Alles beginnt mit der Herausentwicklung des Menschen aus den Homininen, als deren Hauptmerkmale der Autor den aufrechten Gang, den Gebrauch der Hand und die Entwicklung einer Symbolsprache beschreibt. Die Geburt der Religion sieht er im subjektivischen Paradigma, also in der Frage: Wer hat das bewirkt? Die konkreten Ausformungen der Religion und die Gottesvorstellungen sind für Kulturen vor der Erfindung der Schrift schwer zu definieren, weil wir nur Bilder und Symbole ohne Kommentare haben.

Die Sesshaftigkeit bedeutet den Übergang zu regional eigenständigen Kulturen, von denen Fischer diejenigen näher beschreiben will, die für unsere europäische...

Hubert Frankemölle: Gott glauben – jüdisch, christlich, muslimisch

Titel und Untertitel von Hubert Frankemölles lehrreichem, umfangreichem Buch weisen darauf hin, dass es um das Vertrauen zu Gott, die Glaubenshaltung der Gläubigen, in den drei monotheistischen Religionen geht. Der Autor betrachtet das Gottvertrauen erfahrungsbezogen in historisch-genetischer Perspektive: Auf den Glaubensinhalt bezogen beleuchtet Frankemölle die Entstehung und den Wandel des jeweiligen Gottesbildes in unterschiedlichen sozialen und politischen Kontexten. Deshalb wählt er eine autobiografische Einleitung: „Heute von Gott sprechen“ (Kapitel I). Frankemölle kennzeichnet informativ und anschaulich, basierend auf eigenen Erfahrungen vom Theologiestudium in den 60er Jahren bis heute, beispielhaft unterschiedliche Auffassungen zur Gottesbeziehung, die Entwicklungsstufen in der...

Martin Thurner (Hg.): Eugen Biser. Die Hauptwerke im Diskurs

Dass Eugen Biser (1918-2014) neben Karl Rahner und Hans Urs von Balthasar zu den bahnbrechenden katholischen Glaubensdenkern im Übergang zum 21. Jahrhundert gehört, steht außer Zweifel. Dem Münchner Guardini-Professor (1974-1988) gelang es, mehr als hundert einschlägige Werke zu publizieren sowie landauf, landab durch Vorträge zu Fragen von Religionsphilosophie und Atheismus, Fundamentaltheologie, Medientheorie, Musik, Literatur und Bildender Kunst im Diskurs präsent zu sein. Ist seine Stimme auch in Zukunft vernehmbar? Und wie lässt sich ein Zugang zu seinem enzyklopädischen Werk gewinnen? Um den biserschen Wissenskosmos zu erkunden, startet Martin Thurner mit dem hier vorzustellenden Band eine Sonde, die den Denkraum des Gelehrten vermisst und seine Hauptwerke für Leserinnen und Leser...

Burkhard Liebsch / Bernhard H. F. Taureck: Trostlose Vernunft?

Der Band besteht aus vier Essays, in denen sich die beiden Autoren mit dem 2019 erschienenen Werk von Jürgen Habermas „Auch eine Geschichte der Philosophie“ auseinandersetzen. Unter dem Titel „Geschichtliche Perspektiven ‚heil‘-loser Vernunft“ diskutiert Burkhard Liebsch im ersten Kapitel „Jürgen Habermas‘ implizite Geschichtsphilosophie – und was sie vermissen lässt“ (15-71). Seine Kritik zielt nicht so sehr auf vermeintliche Widersprüche, sondern auf vernachlässigte Aspekte. Die von Habermas ausgeblendete „responsive Ansprechbarkeit des Anderen als eines radikal Anderen“ (56) müsse als Zentrum der ethischen Verpflichtung betrachtet werden. Zurückzuweisen ist der Vorwurf von Liebsch, das Verhältnis von Glauben und Wissen werde von Habermas als „Aneignung des Anderen“ (68) verstanden. Der...

Otfried Höffe: Was hält die Gesellschaft noch zusammen?

Der Grandseigneur der deutschen politischen Philosophie, Prof. Dr. Otfried Höffe, emeritierter Ordinarius für Philosophie an der Universität Tübingen, trägt in einem wissenschaftlichen Essay seine Sichten auf Dynamik und Konflikte unserer aktuellen Gesellschaft zusammen. Der Philosoph Höffe mit seinen Forschungsschwerpunkten in der klassischen griechischen Philosophie und zu Denkern der Aufklärung, vorrangig Immanuel Kant, spannt in seinen Überlegungen einen großen menschheitsgeschichtlichen Bogen zur Erklärung seiner drei Leitfragen: Welche Faktoren halten die westlichen Demokratien trotz erheblicher Gegenkräfte noch zusammen? Welche Faktoren gefährden den Zusammenhalt? Wie überwinden westliche Demokratien die einschlägigen Gefahren?

Zunächst beschreibt Höffe die vormoderne Gesellschaft...