Der Untertitel des essayistischen Werks weist daraufhin, was Lesende in diesem Buch erwartet: einerseits eine grundständig-recherchierte, kritisch-ordnende Auseinandersetzung mit gesellschaftswirksamem, zum Teil gefährlichem, zumindest dem Gegenstand nicht angemessenem (Halb-)Wissen zur Bibel ‒ andererseits auch die persönliche Glaubensperspektive eines freikirchlichen Journalisten mit abgeschlossenem Theologiestudium, der seine(n) Beruf(ung) selbst so beschreibt: „‚Am Anfang war das Wort, wurde Mensch und wohnte unter uns‘ (Joh. 1). Ich will in Rede und Schreibe (…) kommunizieren, was das praktisch bedeutet.“ Während es wissenschaftlicher Theologie oft nicht gelingt, Inhalte aus ihrem Elfenbeinturm an die (Außen-)Welt zu vermitteln, kann dem Autor das Kompliment gemacht werden, mit...
Ein österreichischer Philosoph i.R veröffentlicht wieder einmal und mit Verve etwas Neues. Doch welch seltsames Buch! Es will beruhigen: „Sei ruhig, unruhiges Herz“ – freilich regt es sich und den Leser auf, ja will so gegen den Zeitgeist kämpfen. Es behauptet religiöse Standards als bedeutsam – und gleichzeitig als unverstehbar; und der Text will bilderstark deren Realität als Erfahrung evozieren und grundlegen, will dem Leser die Augen öffnen. Strasser kombiniert Quietismus und Kritik falscher Verständnismuster. Es ist verwirrend.
Der Autor legt los mit einer Einübung in bescheidenste Verhältnisse: Die seien „immer ziemlich anders und genau gleich“. Dabei kann es nicht bleiben. Jetzt wird ein dialektisches Fliegengitter aufgebaut. Die sokratische kritische Einstellung, bestenfalls um...
In seiner 52. Ausführung überrascht uns „der blaue reiter“ mit einer der Religionsphilosophie gewidmeten Ausgabe, die insbesondere Religionslehrerinnen und Religionslehrer anspricht. Entlang der Seiten begegnen die grundlegenden Fragen, ob Religionsunterricht in einer sich zu der Säkularisierung hingezogenen Gesellschaft immer noch sinnvoll sein und ob Religion für das Individuum und die Gemeinschaft weiterhin eine verbindliche Bedeutung haben kann. So ist es kein Zufall, dass der Chefredakteur Siegfried Reusch bereits auf der ersten Seite der 1917 von Max Weber „gepredigten“ Entzauberung der Welt durch das wissenschaftliche Wissen eine „beständige Wiederverzauberung der Welt“ gegenüberstellt als Motto dessen, was in den unterschiedlichen Beiträgen zur Sprache gebracht wird, und als...
Die „Herolde der Autonomie auf den theologischen Lehrstühlen“, unterzieht der Autor dieses Bandes, der als Kantkenner ausgewiesene Theologe und Philosoph Engelbert Recktenwald, einer gründlichen Kritik und legt damit zugleich eine umfassende philosophische Bestimmung des Autonomiebegriffs vor.
Die Denkfigur, an der sich die theologische Richtung der „Autonomiestreiter“ orientiert, ist tief im Zeitgeistigen verankert. Konstruktivismus setzt an die Stelle objektiver Erkenntnis einen Vorgang, mit dem sich Wirklichkeit unter dem Einfluss sozio-kultureller Faktoren im Bewusstsein erst bildet – bis hin zur fluiden Vorstellung vom eigenen Geschlecht. Der damit einhergehende Relativismus wird auf das moralische Urteilen übertragen. Zeitlos gültige Normen gibt es nicht, sodass der korrigierende...
Was kann ich von einer „Philosophie der Zwecklosigkeit“ erwarten? Eine Erklärung, warum alles zwecklos ist, oder eine kritische Auseinandersetzung mit dem Streben nach der Erfüllung von Zwecken. Letzteres ist hier der Fall.
Michael Hampe entwickelt in der Form einer „autobiographischen Philosophie“ Möglichkeiten, sich selbst zu denken und den Menschen in seinem Welt-, besonders Gesellschaftsbezug und in seiner Endlichkeit zu begreifen. Bezugnehmend auf eigene biographische Ereignisse werden eine Vielzahl von Fragen gestellt und Denkmöglichkeiten entwickelt, die andeuten, in welcher Richtung der Standpunkt des Autors liegen könnte.
Hampe beginnt mit den Grundvollzügen „Unterscheiden“ und „Bewerten“. Diese erweitern sich und differenzieren sich mit Hilfe des Lernens von Sprache innerhalb...
Der Herausgeberband „Oase des Glücks“ trägt den Titel eines Textes von Eugen Fink, einem Philosophen und Erziehungswissenschaftler aus der Schule Husserls und Heideggers. Die mit 22 Seiten knappe, aber dichte Schrift von Fink ist den darauf bezugnehmenden 15 Deutungen vorangestellt, die sich den Gedanken zu einer „Ontologie des Spiels“, so der Untertitel, nähern wollen.
Der Haupttitel ist etwas irreführend, denn nur kurz geht Fink darauf ein, wie das Spiel als „Oase des Glücks“ zu verstehen ist. Er scheint damit einen Bezug zum damaligen Zeitgeist der Technikkritik herstellen zu wollen, zum „vom Lärm der Maschinen durchtosten Jahrhundert“, in dem das Spiel eine „‚Oase‘ angekommenen Glücks in der Wüstenei unseres sonstigen Glücksstrebens und tantalischen Suchens“ sei. Nun ist zwar richtig,...
An anderer Stelle habe ich das Markusevangelium unlängst als „Evangelium für Erwachsene“ bezeichnet. Es beginnt weder mit einem Jesuskind noch werden die Leser vom Erzähler durch die Erzählung geführt, sondern es setzt nahezu unvermittelt ein. Der erwachsene Jesus ist kurz nach seiner Taufe mit einer traumatischen Erfahrung konfrontiert: Der Täufer wurde ausgeliefert (und hingerichtet). Die Situation am Anfang des Markusevangeliums gleicht in unheimlicher Weise der Frage, die dessen offenes Ende aufwirft: Ist mit dem Boten auch die Botschaft gestorben? Wie gehen die Jünger damit um, dass Jesus nicht mehr bei ihnen ist? Delegitimiert der Kreuzestod die Botschaft vom Gottesreich und von der Allmacht Gottes, wenn Jesus sich am Kreuz von Gott verlassen weiß? Doch: Fürchtet Euch nicht – „Markus...
„Christliche Identität – was ist das?“ Mit keiner geringeren Frage eröffnet Gerhard Gäde sein neues Buch zu den Ich-bin-Worten des Johannesevangeliums. Als ehemaliger Professor für Dogmatik in Rom mit Gastprofessuren in Palermo und Lugano ist der mittlerweile an der LMU München lehrende Priester, Seelsorger und Hochschullehrer ausgewiesener Experte für Fragen der christlichen Glaubenslehre.
Ausgewiesenes Ziel des Buches ist es, „anzuregen, tiefer zu verstehen, wer wir als Christinnen und Christen sind“ (7). Die ursprünglich als benediktinischer Exerzitienkurs konzipierten Meditationen nähern sich also den johanneischen Ego-Eimi-Worten aus einer dezidiert christlichen Innenperspektive, wenn Gäde vorab betont: „Wir sind Kinder Gottes. Das ist unsere Identität, unser Selbstverständnis, das...








