Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Wolfgang Treitler: Jesus, Josefs Sohn. Der Messias als Tor des Bundes

Schon der erste Satz dieser umfangreichen Studie zeigt, dass es dem Autor nicht um theologische Glasperlenspiele geht: „In den vergangenen drei Jahrzehnten trafen mich mehrmals Augen von Überlebenden der Schoa.“ Die Verfolgungsgeschichte der Juden, die in der Schoa kulminierte, bleibt auf den folgenden 900 Seiten präsent, auch wenn Wolfgang Treitler, der in Wien Fundamentaltheologie betreibt, zuvörderst die christliche Spitzenaussage – Jesus ist der Christus, Messias und Sohn Gottes – zu bedenken sucht. Dieses Bekenntnis wurde zum unterscheidend Christlichen, zum Ausgrenzenden auch. Vor allem gegenüber den Juden, die post Christum keine messianische Wende zu erkennen vermochten, das Bekenntnis somit nicht teilten; die zudem recht bald als Antichristen, als „Gottesmörder“ gar, diffamiert...

Wie kommt der Religionsunterricht zu seinen Inhalten?

Lange Zeit galten Lehrplanfragen im Religionsunterricht als vernachlässigenswert. In der Regel bestimmten Lehrkräfte weitgehend selbst, welche Inhalte mit Blick auf ihre Adressaten zu verhandeln waren. Erst im Gefolge von PISA wurde der regulierende Wert von Fachgruppen und schuleigenen Lehrplänen entdeckt. Allerdings blieb eine inhaltliche Neuorientierung des Faches aus, stand doch nun in erster Linie der Outcome im Fokus. In der Regel begnügten sich deshalb die Lehrplaner damit, den etablierten Mix aus christlichen Kerninhalten, aus lebensweltlichen und gesellschaftlichen Themen mit Operatoren zu versehen, was weder zu einer Konzentration des Fachlichen beitrug noch die Frage klärte, was in einer zunehmend sich entchristlichenden Gesellschaft eigentlich als religionsbezogene Bildung...

Hans Mendl (Hg.): Religion erleben: Praxisband Sekundarstufe

Darf ich mit Schülerinnen und Schülern in der Unterrichtseinheit „Rede von und mit Gott“ das Credo beten? Können im Religionsunterricht (RU) Psalmen rezitiert, Moscheen besucht und Klassengottesdienste gestaltet werden? Oder ist dies für einen zeitgemäßen und ansprechenden Religionsunterricht nicht sogar geboten, um Schülerinnen und Schülern einen authentischen Einblick sowohl in die eigene Konfession als auch in andere Religionen zu vermitteln?

Hans Mendl, Herausgeber dieser Beitragssammlung, nimmt in dieser Debatte einen ebenso eindeutigen wie differenzierten Standpunkt ein, den er im Vorwort und in der Einführung zu dem Sammelband plausibel entfaltet: Zum einen betont er ebenso wie bereits im ersten Band von „Religion erleben: Praxisband. Grundschule“ auch in seinem zweiten Band, der...

Niklas Günter / Annika Möller / Sönke Zankel: Religionsdidaktik konkret. 7 x 7 Fragen zur Praxis des RU

Wer die obigen Angaben nicht genau genug gelesen hat, sei noch einmal darauf vergeweisen – diese Rezension stellt kein Buch, sondern 49 Karten vor. Allerdings, dies darf vorab schon gesagt werden: Kartenlektüre kann lohnend sein. Die Autorengruppe hat nämlich ein spannendes Werk erstellt, dass sich sieben Bereichen des Religionsunterrichts widmet und dabei den Fokus insgesamt sehr deutlich auf die Unterrichtspraxis setzt.

Folgende sieben sogenannte Blickwinkel werden beleuchtet: 1) Konzeptionelles und Grundsätzliches, 2) Rechtsgrundlagen, 3) Unterrichtsvorbereitung, 4) Praxis, 5) Schülerinnen und Schüler, 6) Religionslehrkraft und 7) Herausforderungen. Zu jedem Bereich gibt es dann 7 Fragen, sodass sich der Titel „7 x 7“ entsprechend erklärt.

Die Fragen haben grundsätzlichen Charakter...

Jürgen Werbick: Christentum – kann das weg?

Dieser Band stellt eine Sammlung von Einzelbeiträgen dar, die je für sich lesbar sind. Gemeinsam ist ihnen die Auseinandersetzung mit dem, was Jürgen Werbick im Untertitel die „Kirchenerschöpfung“ nennt, und es spricht für ihn, dass er nicht in den Chor derer einstimmt, für die sich die Kirche auf das Thema „Missbrauch“ reduziert, sondern seine Diagnose tiefer ansetzt.

So ist dem Autor die Gegenwart durch ein „innerkirchliches Schisma“ geprägt, das die Kirche horizontal durchzieht. In ihrer institutionell verfassten Gestalt erscheint diese Kirche ihm als ein System der Macht, das mit dem Gestus des Wahrheitsbesitzes auftritt und die Glieder dessen zu disziplinieren beansprucht, was Paulus den organischen „Leib Christi“ nannte. Die Bestimmung des Menschen als Sünder breche dabei das...

Eugen Drewermann / Heribert Körlings: Aus der Liebe leben. Ein Gespräch mit Heribert Körlings über Leben und Tod

„Kann der Glaube glücklich machen?“ Das ist nur eine von etlichen Fragen, die Eugen Drewermann in einem neuen Gesprächsband aus der im Patmos-Verlag erscheinenden Reihe „Eugen Drewermann antwortet jungen Menschen“ (bisher 2021: „Gott, wo bist Du?“ und 2023: „Das Geheimnis des Jesus von Nazareth“) gestellt bekommt. Die Frage ist keine Frage, von der bloß anzunehmen wäre, dass sie einen 17-Jährigen beschäftigen könnte. Sie stammt tatsächlich von einem jungen Menschen und wurde Eugen Drewermann am 16. März 2023 zum ersten Mal gestellt, als er zu Besuch im Aachener Kaiser-Karls-Gymnasium war, um unter dem Motto „Was kommt auf uns zu?“ mit Schülerinnen und Schülern aus Religions- und Philosophiekursen der Sekundarstufe II zu sprechen. Heribert Körlings, pensionierter Lehrer am...

Hildegard Huwe / Miriam Penkhues: Das Geheimnis des Pilgerns

„Noch ein Buch übers Pilgern? Gibt es da eigentlich noch Neues zu erzählen?“ Bereits seit einigen Jahren, spätestens aber seit Hape Kerkelings Erfolgsbuch „Ich bin dann mal weg!“ aus dem Jahr 2006, boomt das Pilgern. Ob der Jakobsweg nach Santiago de Compostela als „Klassiker“ oder Wege in heimischen Gefilden, das spirituelle Gehen haben viele Menschen für sich entdeckt – oder probieren es zumindest aus. Mit der steigenden Beliebtheit sind zahlreiche Bücher erschienen, die als Ratgeber, Erlebnisbericht oder Reiseführer Tipps geben rund ums Pilgern. Doch was ist eigentlich das Besondere an dieser Form des Unterwegsseins? Was zeichnet sie aus? Gibt es etwas genuin Christliches daran?

Antworten auf diese Fragen kann man in Hildegard Huwes und Miriam Penkhues‘ Buch „Das Geheimnis des...

Katharina von der Gathen / Anke Kuhl: Radieschen von unten

Ein buntes Buch über den Tod für neugierige Kinder – so lautet der Untertitel des Sachbuches „Radieschen von unten“. Es ist in der Tat ein farbenfrohes und kreatives Buch, das es vermag, sich in ansprechender, kindgerechter und empathischer Weise mit Interessantem, Wissenswertem, Tröstendem und Ermutigendem rund um das Lebensende auseinanderzusetzen.

Zwischen den Buchdeckeln, auf deren Innenseiten diverse Synonyme für das Wort „Sterben“ aufgelistet sind, finden sich kindgerechte, sprachsensible und neugierig machende Darstellungen in unterschiedlichen Textgattungen über das Ende von Lebewesen, das Sterben der Menschen, Beerdigungsrituale, Formen des Trauerns und der Umgang der Lebenden mit den Toten in fünf überaus vielfältig und klug gestalteten Kapiteln.

Das Zusammenspiel zwischen...