Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Peter Moore: Die Neuerfindung der Religion

Der Titel des Werkes ist höchst ambitioniert. „Reinventing Religion“, so heißt es im englischen Original, und der Leser merkt rasch, dass es dem Autor weniger darum geht, das so altehrwürdige wie komplexe System „Religion“ tatsächlich „neu zu erfinden“, als vielmehr darum, es zu revitalisieren, Spreu vom Weizen zu trennen.

Für Peter Moore (*1945), der vier Jahrzehnte lang Religionswissenschaft in Kent lehrte, lässt sich Religion nur zum Preis einer irreführenden Einfachheit auf eine Formel bringen. Gleichwohl reagiere, so seine Annahme, jede religiöse Gemeinschaft auf Erfahrungen des Heiligen und Transzendenten. Die Weise dieser Reaktion profiliere dann eine Religion. Näherhin entdeckt Moore vier essentielle Dimensionen: Erleben, Praxis, Theorie, Institution. Bevor er diese und andere...

Robert N. Bellah: Der Ursprung der Religion

Das Buch beginnt mit Hans Joas’ vorzüglicher Einleitung in die Biografie und das Denken im Themenkreis einer „Globalgeschichte der Religion“ (XIX) des bekannten Religionssoziologen Robert Bellah. Dann kommt der Autor selbst zu Wort. Bellah bezieht sich in seiner differenzierten Erarbeitung des begrifflichen Instrumentariums seiner Darstellung der Religiosität der „Achsenzeit“ (1. Jahrtausend vor Christus) immer wieder auf andere Autoren, deren Bedeutung für sein Denken er würdigt. Wenn ich im Folgenden seine grundlegenden Denkfiguren skizziere, dann verzichte ich der Übersichtlichkeit willen außer bei Zitaten auf Namensnennungen.

Bellah geht im ersten Schritt von der Voraussetzung aus, dass am Beginn der Religion die Erzeugung von dauerhaft wirkenden „Stimmungslagen und Motivationen“ (9)...

Bénédicte Jeancourt-Galignani / Li-An / Laurence Croix: Jesus. Sein Leben als Comic

Suchen Sie einen Weg, biblische Geschichten in einer Form zugänglich zu machen, die näher an der Lebenswelt ihrer Schülerinnen und Schüler ist? Sie haben Anime- und Zeichentrickausgaben der Bibel ausprobiert und es gab technische Probleme oder die Konzentration erreichte schnell Grenzen? Fiel es Ihnen schwer, die für eine Unterrichtsstunde entscheidenden Stellen im Video wiederzufinden? Vielleicht ist das, was Sie für ihr Lehrvorhaben suchen, eine kopierbare Version des Neuen Testaments als Comic.

Das Buch „Jesus – Sein Leben als Comic“ bietet auf 103 Seiten die zentralen biblischen Geschichten von Lk 1,39f, dem Besuch Marias bei Elisabeth bis Mt 28,20 zur Versicherung Jesu, bis zum Ende der Welt bei den Christen zu sein. Der Zeichenstil ist französisch inspiriert und erinnert an die...

Andreas Steinhöfel / Melanie Garanin: Völlig meschugge?!

Für ihre Graphic Novel „Völlig meschugge?!“ erhielten der Autor Andreas Steinhöfel und die Illustratorin Melanie Garanin den katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis 2023 der Deutschen Bischofskonferenz. Der 1962 geborene Andreas Steinhöfel studierte Anglistik, Amerikanistik und Medienwissenschaften, arbeitet als Übersetzer und schreibt Kinder- und Jugendbücher. Er ist der Autor der bekannten Romanreihe um „Rico und Oskar“. Melanie Garanin, Jahrgang 1972, studierte Zeichentrickfilm und arbeitet als freiberufliche Illustratorin, Animatorin und Kinderbuchautorin.

Die Graphic Novel erzählt die Geschichte der Freundschaft von Charly, Benny und Hamid, die gemeinsam eine Klasse besuchen. Charly ist überzeugte Umweltaktivistin und Veganerin, Bennys Hobby ist Basketball und Hamid zeichnet...

Martin Schäuble: Godland. Dein ewiges Leben hat einen Preis. Roman

„Lade dich hoch ins sorgenfreie Godland. Lebe glücklich und ewig“ – so lautet der Werbe-Slogan des Uploadkonzerns „Godland“. Die Protagonistin des dystopischen Jugendromans „Godland – Dein ewiges Leben hat einen Preis“ von Martin Schäuble ist die 15-jährige Yolanda. Sie lebt nach den Klimakriegen mit ihrem Vater Jesper und ihren Freunden auf einer Serverinsel mitten im Ozean. Die Reichen sind alle „godline“ – sie führen upgeloadet nach „Godland“ ein sorgloses und ewiges digitales Leben. Diejenigen, die sich wie Yolanda die Digitalisierung ihres Bewusstseins nicht leisten können, müssen hart auf der Serverinsel arbeiten. Unter der Kontrolle der Künstlichen Intelligenz „Godmother“ haben sie das Funktionieren der Supercomputer, die die virtuellen Welten erzeugen, zu gewährleisten. Wenn sie...

Kathrin Gies: Anthropologie des Alten Testaments

Der Mensch ist und bleibt – um eine Formulierung aus dem Beginn von Thomas Manns Joseph-Tetralogie „Joseph und seine Brüder“ aufzugreifen – ein „unauslotbares Geheimnis“. Das lassen auch die Texte des Alten Testaments deutlich werden und Kathrin Gies unternimmt mit ihrem kürzlich erschienenen Band „Anthropologie des Alten Testaments“ den Versuch, an einigen ausgewählten Passagen gewissermaßen das Senkblei in die Textwelt hinab zu senken, um wenigstens anzudeuten, wie die Frage nach dem Menschen in den alttestamentlichen Texten reflektiert wird. Mal erzählerisch, mal poetisch, mal offenkundig, mal implizit.

Auf eine überblickshafte Verortung der anthropologischen Frage im Kontext exegetischer Forschung und Literatur, in der Kathrin Gies sowohl auf den Klassiker Hans Walter Wolff als auch...

Rüdiger Haude: Als Adam grub und Eva spann

Werden biblische Texte außerhalb des gewohnten theologischen Zirkels analysiert, ergeben sich oft ungewohnte Perspektiven. Eine solche bietet auch Rüdiger Haude, Privatdozent für historisch orientierte Kulturwissenschaften an der RWTH Aachen mit dem Forschungsschwerpunkt „Politische Anthropologie“. Sein besonderes Interesse gilt der Erforschung der kulturellen Bedingungen eines herrschaftsfreien Zusammenlebens – durchaus in der Intention, ein solches auch als Alternativentwurf für die Gegenwart zu avisieren. Bereits der Titel seines Buches greift ein herrschaftskritisches Sprichwort aus dem 14. Jh. auf, das zur Zeit der Bauernkriege die Legitimation adliger Grundherrschaft in Anknüpfung an die biblischen Ureltern in Frage stellte: „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“...

Holger Gzella: Aramäisch. Weltsprache des Altertums

In Lehre und Forschung theologischer Fakultäten in Deutschland spielt die aramäische Sprache eine nur untergeordnete Rolle. Man weiß zwar, dass einige wenige Passagen der jüdischen Bibel in Aramäisch verfasst sind und dies die Sprache Jesu und der Targume gewesen ist. Ansonsten bleibt das Aramäische Spezialisten vorbehalten. Es ist daher umso verdienstvoller, dass der katholische Theologe, Alttestamentler und Semitist Holger Gzella neben seinen zahlreichen Spezialstudien zur aramäischen Sprachwelt nun eine umfassende kulturgeschichtlich orientierte Gesamtdarstellung der aramäischen Sprachgeschichte von den Anfängen bis in die Gegenwart vorgelegt hat. Er knüpft damit an seine früheren in Englisch und Niederländisch publizierten Bücher über die Geschichte des Aramäischen an und fokussiert...