Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Patrick Grasser: Religion inklusiv unterrichten

Patrick Grasser, Religionspädagoge und Referent für Inklusion und heterogene Lerngruppen am Religionspädagogischen Zentrum Heilbronn, gliedert seine als empirische religionspädagogische Praxisreflexion angelegte Dissertation in einer übersichtlichen Weise. Dabei stellt er die systematische Befragung von Lehrkräften in den Vordergrund. Sein Ziel ist es, deren Rückmeldungen zu versachlichen, nach wissenschaftlichen Kriterien zu bearbeiten und im Hinblick auf die Frage „Wie sollte sich eine inklusive und diversitätssensible Religionspädagogik weiterentwickeln?“ Schlüsse für die Praxis abzuleiten.

In der Einleitung stellt der Autor fest, dass ein gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung ohne ausreichende fachliche, finanzielle und personelle Ressourcen nicht sinnvoll...

Mirjam Schambeck: Von Gott, Jesus, Religionen und so

Eines vorweg: Titel, Titelbild und bisherige Veröffentlichungen der Autorin ließen schon vermuten, dass das Buch für Religionslehrkräfte und Verantwortliche in Studium und Ausbildung lesenswert sein wird. Es ist so!

Ausgehend von der COACTIV-Studie, in der Indikatoren für die Qualität von Mathematikunterricht bestimmt wurden, setzt sich Frau Prof. Dr. Schambeck in einem ersten theoretischen Teil ausführlich mit der Adaption und Weiterentwicklung des COACTIV-Kompetenzmodells für die Professionalisierung von Religionslehrkräften auseinander. Dieser Teil des Buches wird vermutlich von Kolleginnen und Kollegen im Alltagsgeschäft eher quergelesen und vom Ergebnis her betrachtet. Sehr lesenswert ist dieser Teil für alle, die verantwortlich sind für angehende Religionslehrkräfte in Studium,...

Heinz Schilling: Das Christentum und die Entstehung des modernen Europa

 

Sieben Männer „von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ wählte man, um die tägliche Versorgung der Witwen zu gewährleisten (Apg. 6, 1-7). Diese Szene dürfte eine der ersten sein, die von der Verflochtenheit der christlichen Gemeinschaft mit der „Welt“ Zeugnis ablegt. Eine Religion, die den Menschgewordenen ins Zentrum rückt, kann nicht vom Wort allein leben. Jesu wunderbare Maxime „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers, und Gott, was Gottes ist (Mt. 22, 21), gibt dabei die Richtung vor, die Mühen der Ebene ersetzt sie nicht. So bietet die Kirchengeschichte in puncto „Nähe und Ferne“ zu Gesellschaft und Macht reichhaltigstes Anschauungsmaterial. Heinz Schilling, emeritierter Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit und renommierter Luther-Biograph, blickt in seiner Studie auf den Beitrag...

Klaus Unterburger: Kirchengeschichte der Frühen Neuzeit

Eine kompakte und kompetenzorientierte Einführung in die Kirchengeschichte der Frühen Neuzeit zu schreiben, dieses Ziel hat sich Klaus Unterburger mit dem vorliegenden Buch gesetzt. Er wird seinem Ziel in gelungener Weise gerecht. Auf knapp 160 Seiten gliedert er sein Werk in elf meist kurze Kapitel, die in prägnanter Weise die wichtigsten Themen der Epoche vom Beginn der abendländischen Glaubensspaltung um 1500 bis zur Großen Säkularisation um 1800 behandeln. Schwerpunkte bilden dabei die Reformation und ihre direkten Folgen (Kap. 2–5) sowie die Zeit der Aufklärung und der Französischen Revolution (Kap. 9–11).

Die Darstellung zu Martin Luthers Leben und Werk (Kap. 2) überzeugt in der notwendigen Kürze. Dabei weist Unterburger auf die Legendenhaftigkeit der Erzählungen vom...

Christine Christ-von Wedel: Die Bibel in Geschichten

Christine Christ-von Wedel ist von Haus aus Historikerin mit besonderer Expertise im Bereich Humanismus und Reformation. Dass sie in einem höchst umfangreichen Werk Nacherzählungen von rund 180 biblischen Geschichten anbietet, ist die Frucht eines jahrzehntelangen Engagements der Pfarrersfrau in Sonntagsschule und Kindergottesdienst. Ihr Wunsch ist es, in der (bewusst aufrechterhaltenen) Vielfalt der Geschichten das Wirken des einen Gottes in der Welt erfahrbar zu machen. Durch das Einbinden theologisch wichtiger Begrifflichkeiten („Erbarmen“, „Gnade“, „Sünde“ etc.) möchte das Buch die spätere Lektüre des Originaltextes vorbereiten.

Die Kapitel zu den Geschichten des Alten Testaments (21-488) reichen von den Urgeschichten bis hin zum Buch Jona und sind meistens nach Personen benannt. Die...

Cornelia Steinfeld: Die Bibel in Formen und Farben

Zwei Kreise, ein gefährlich spitzes Dreieck und feine farbliche Differenzierungen in Weiß, Schwarz, Rot und Pastellbraun. Mehr braucht es ganz offenbar nicht, um die Erzählung von Kain und Abel buchstäblich auf den Punkt zu bringen. Cornelia Steinfelds Buch „Die Bibel in Formen und Farben“ hält genau das, was der Titel verspricht: In klarer Farb- und Formensprache visualisiert die Grafikdesignerin 40 ausgewählte Erzählungen aus dem Alten und Neuen Testament, indem sie diese mit den elementaren Mitteln des Designs auf das Wesentliche reduziert.

Das ist gleichermaßen so genial wie ungewohnt. Schließlich haben wir uns – gewissermaßen mit dem Segen des Zweiten Konzils von Nicäa (787) – in unseren Sehgewohnheiten an die gegenständlichen, figürlichen bisweilen sogar realistischen Darstellungen...

Holger Dörnemann / Stephan Leimgruber: Sexuelle Bildung aus christlicher Perspektive

Der christlichen Sexualethik und -pädagogik besonders in katholischer Prägung eilt der Ruf voraus, sie sei veraltet und zuweilen sogar bigott. Das vorliegende Werk „Sexuelle Bildung aus christlicher Perspektive“ der beiden Religionspädagogen Holger Dörnemann und Stephan Leimgruber lässt diesen voreiligen Schluss jedoch nicht zu. Die in zwei grobe Teile unterteilbaren neun Kapitel des Buches zeigen die unausgeschöpften Potentiale einer christlichen Sexualpädagogik auf, die sich auf einen interdisziplinären Austausch einlässt und aus ihr heraus Perspektiven für die praktische Arbeit entwickelt.

Während sich der erste Teil den theologischen Argumentationsgrundlagen aus anthropologischer, biblischer und systematisch-theologischer Perspektive nähert und diese in einer „emanzipatorische[n]...

Philippa Rath / Burkhard Hose (Hg.): Frauen ins Amt!

2021 publizierte Sr. Philippa unter dem Titel „Weil Gott es so will“ 150 Lebenszeugnisse von katholischen Frauen, die eine Berufung zum Priester- oder Diakonenamt bei sich wahrnehmen, in der katholischen Kirche diesen Berufungen aber nicht Folge leisten können. Dieses Buch wurde mehrfach aufgelegt und ist als authentisches Zeugnis, wie viele von der Kirche nicht genutzten Charismen von Frauen es gibt, anzusehen. Durch die Lektüre dieses Buches fühlten sich zahlreiche Männer herausgefordert, sich mit den Frauen, deren Berufungen nicht gelebt werden können, zu solidarisieren. Die Frage nach der Stellungnahme der Männer stellt sich, weil in den gegebenen Strukturen der Kirche nicht die Frauen selbst, sondern die in den leitenden Positionen der Kirche befindlichen Männer die Diskriminierung...