Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Knut Wenzel: Poesie des aufgegebenen Worts

Das Werk eines Fundamentaltheologen und Dogmatikers der Katholischen Theologie – diesen Fachrichtungen ist die Professur Knut Wenzels an der Universität zu Frankfurt zugeordnet – ist gemeinhin ein Kompendium zu philosophisch möglichst stringent begründeten theologischen Theoremen oder Glaubensgewissheiten. Der Titel seines neuen, seit 2019 vorliegenden Buches verweist aber auf eine interdisziplinär ausgreifende Thematik und erzeugt zudem eine erste Irritation mit dem doppeldeutigen Partizip in der Formulierung „des aufgegebenen Worts“: Es beschreibt einerseits die Aufgabe im Sinne der zu erfüllenden Arbeit, Bestimmung oder Pflicht, die mit dem Wort verbunden sein mag, andererseits aber ihr vordergründiges Gegenteil, das resignierte Aufgeben und Fallen- oder Gehenlassen desselben. Eine...

Gerhard Büttner / Larissa Carina Seelbach: Kinder und die großen Antworten

Nach den „großen Fragen“, die in naturwissenschaftlichen wie in theologisch-philosophischen Büchern kindgerecht gestellt und unter Rückgriff auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse beantwortet wurden, möchte das vorliegende Buch die theologischen Fragen der „Kinder und die großen Antworten“ der Kirchenlehrer Augustinus, Anselm von Canterbury und Thomas von Aquin, aber auch die Martin Luthers miteinander vermitteln. Ziel ist es, einerseits einen Schatz an Impulsen für die Gemeindearbeit und die Schule zur Verfügung zu stellen und andererseits Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Dabei kritisieren die Autoren durchaus, dass in den gängigen kindertheologischen – von der modernen Theologie geprägten – Ansätzen insbesondere zwei Defizite erkennbar seien: Im Dienste einer...

Burkhard Hose: Warum wir aufhören sollten, die Kirche zu retten

Mit seinem neuen Buch wirbt der zeitkritische Würzburger Hochschulpfarrer provokativ „für eine neue Vision des Christseins“. Nicht nur als Priester erfährt und hält er die heutige Kirche für tot. Wider jeglichen Klerikalismus plädiert er für Weltbetroffenheit und Geistesoffenheit. Außerhalb der Mauern der Kirche – gerade im Lebensalltag – gebe es mehr Wahrheiten zu entdecken als die kirchliche durch die Jahrhunderte tradierte „Wahrheit“, beispielhaft gefasst in Dogmen. Kirche ist dann wirklich in der Gegenwart angekommen, wenn sie nicht länger Antworten auf nicht gestellte Fragen gibt, sondern vielmehr auf die tatsächlichen Anliegen und Bedürfnisse heutiger Menschen hört. Auf den Punkt gebracht: eine Kirche, die endlich wieder lebendig ist. Diese Überzeugung spiegelt sich schon in der...

Martin Mosebach: Die 21. Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer

Ein bemerkenswerter, aber nur selten thematisierter Aspekt von „Weltoffenheit“ besteht darin, dass die Offenheit gegenüber fremden Einstellungen und Gepflogenheiten häufig umso größer ist, je weiter die betreffende Kultur räumlich oder mental entfernt liegt. So verfolgt der aufgeklärte westliche Tourist mit Neugier und Interesse die Gesänge und Zeremonien der buddhistischen Mönche in dem Bergkloster, an dem er auf seinem Himalaya-Treck vorbeikommt, während er gegebenenfalls im heimischen Umfeld die religiösen Ausdrucksformen seiner christlichen Mitbürger als zu überwindendes Relikt aus der Kindheitsphase der Menschengattung empfindet und dies nach außen bekundet, ohne die Befürchtung hegen zu müssen, der Intoleranz geziehen zu werden. Auch innerhalb christlicher Kreise selbst lässt sich...

Peter Wendt (Hg.): Digital unterrichten

Die Digitalisierung ist in aller Munde. So ist es nicht verwunderlich, dass sich die Schulbuchverlage verstärkt dem Bereich „Digital unterrichten“ widmen wie mit dem vorliegenden Band zum Einsatz von „Apps & Co im Religions- und Ethikunterricht.“ Das Heft verspricht, so der Untertitel, „Fertige Stundenentwürfe“, die den Lernenden neue Erkenntniswege und digitale Handlungskompetenzen ermöglichen sollen.

Der Aufbau ist stringent: Auf meist zwei Seiten pro Unterrichtsidee wird eine Zuordnung des Gegenstandes (beispielsweise Kirchenraumerkundung) der Jahrgangsstufen (5-10) und der digitalen Methode (Video dokumentieren und auswerten) genannt. Es folgen kurze Verweise auf Ziele/Kompetenzen, benötigte digitale Medien, Vorbereitung, Sozialform, Zeitbedarf und Hinweise, worauf bei den meisten der...

Nicole Deitelhoff u.a. (Hg.): Mächtige Religion

Das „Begleitbuch zum Funkkolleg Religion Macht Politik“ behandelt interessante aktuelle Themen und reizt zum Weiterlesen. Die Informationen sind zahlreich und korrekt. Das Kolleg erreicht in Begleitzirkeln ein interessiertes, sonst in der kirchlichen Erwachsenenbildung unerreichbares Publikum. Es dient dem sozialen Diskurs auf effektive Weise. Das alles ist ohne Ironie gesagt, es trifft zu. Was jetzt folgt, betrifft die realen Bedingungen, unter denen eine gute Sache existiert und vielleicht auch nur existieren kann. Denn diese gute Sache ist nicht deshalb gut, weil Religion hier nicht schlecht wegkommt, sondern weil sie – ohne vorhandene Missstände zu verschweigen – Religion fair in das Gespräch der Gesellschaft, auf den Markt der Meinungen bringt. Und da gehört sie hin.

Das Funkkolleg...

Jörg Phil Friedrich: Der plausible Gott

Der Unternehmer und Kolumnist Jörg Phil Friedrich (geboren 1965 in Wolgast, Studium der Physik, der Meteorologie und der Philosophie) befasst sich in diesem Buch mit der seit geraumer Zeit wieder vermehrt publizierten Gottesfrage aus nicht-theologischer und in diesem Fall explizit nicht-gläubiger Perspektive. Er will damit „vor allem für Toleranz werben“ (11) mit dem Argument, dass eine religiöse Weltsicht ebenso plausibel sei wie eine atheistische, ganz im Sinn von Kants erkenntnistheoretischem Grunddilemma (das allerdings an keiner Stelle erwähnt wird), dass die Existenz Gottes weder beweisbar noch widerlegbar sei. Dabei versteht der Verfasser sein Vorgehen weniger apologetisch, schon gar nicht in Bezug auf einen christlichen Gottesglauben, als vielmehr fragend. In den – lesenswerten,...

Georg Langenhorst: Kinderbibel

Die „Kinderbibel“ von Georg Langenhorst und Tobias Krejtschi gehört nicht zu der Gruppe der kleineren Kinderbibeln. Mit ihrem ungefähren Din-A4-Format erinnert sie vielmehr an eine „Hausbibel“, die Eltern oder Großeltern mit ihren (Enkel-) Kindern ansehen und lesen. Das große Format bietet mit rund 200 Seiten Platz für eine größere Anzahl und Vielfalt biblischer Texte als viele andere Kinderbibeln. In der ersten Hälfte finden sich in 6 Kapiteln etwa 60 Texte aus dem Alten, in der zweiten Hälfte in 9 Kapiteln fast ebenso viele Texte aus dem Neuen Testament. Die Texte in zwei Kapiteln des AT und der erste Text des NT haben eine zweiteilige Überschrift (z.B. „Noach und die Arche – Ein neuer Anfang“ oder „Nichts ist dir unmöglich – Nach Hiob 42“). Dadurch erhält der Leser eine erste...