Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Edmund Schlink: Die Vision des Papstes

Ein evangelischer Theologe schreibt eine Erzählung, in der er seine Erlebnisse als Beobachter des II. Vatikanischen Konzils (1963-1965) verarbeitet und die er zehn Jahre nach dem Konzil unter einem Pseudonym veröffentlicht. Auf diese Geschichte wird – 50 Jahre nach dem Konzil und zwei Jahre vor dem Höhepunkt der Lutherdekade unter dem Namen des Autors Edmund Schlink (1903-1984) – noch einmal durch eine Neuausgabe – ergänzt um Vor- und Nachworte prominenter Freunde des Autors (Karl Lehmann, Klaus Engelhardt, Horst Schlitter) – aufmerksam gemacht. Zu Recht?

Der Plot der Geschichte könnte funktionieren: Ein Papst versucht nach überstandener Krankheit und bestärkt durch drei Visionen mit aller Macht, die Einheit der getrennten Kirchen herzustellen. Doch der Text einer geplanten Enzyklika wird...

Martin Tamcke: Achtsamkeit in jedem Atemzug

Es klingt einfach, aber sich auf seinen Atem zu konzentrieren will trainiert sein. Zumindest lehren dies viele Meditationsschulen, die an den Anfang einer jeden Übung die bewusste Beobachtung des natürlichen Atemrhythmus stellen: als Schlüssel, der den Zugang zu mehr Achtsamkeit im Blick auf sich, auf seine Gedanken und auf die Mitmenschen eröffnet.

Diesen Ansatz legt auch Martin Tamcke, Professor für Ökumenische Theologie und Orientalische Kirchen- und Missionsgeschichte an der Evangelisch-Theologischen Fakultät Göttingen, der vorliegenden Kleinschrift zugrunde, die erstmals 2007 erschienen ist: Er will, so sagt er es im Nachwort, aus dem großen Meer der ostkirchlichen Tradition einige Tropfen Spiritualität für Wissensdurstige schöpfen und Interesse wecken für den Reichtum des...

Josef Imbach: Die geheimnisvolle Welt der Klöster

Kaum etwas weckt so viel Interesse und ist mit so vielen Vorurteilen belegt wie die Begriffe „Klosterleben“ und „Weltflucht“. Wer sie in einem Atemzug nennt und fragt, was Menschen dazu bewog, sich aus der Welt „zurückzuziehen“ und sich hinter Klostermauern „zu verschanzen“, offenbart damit nicht selten eine vorgefasste Meinung. Auch das vorliegende Buch hat etwas von dieser Vorhersehbarkeit in der Gedankenführung. In elf Kapiteln zeichnet Josef Imbach, der selbst kein Ordenschrist ist, vor allem das frühe und mittelalterliche Mönchtum nach und skizziert geschichtliche Entwicklungslinien anhand ausgewählter Fallbeispiele: Wüstenväter, Entstehung des Mönchtums im Westen, Reformbewegungen, Kreuzzüge, Bettelorden, Gründung der Societas Jesu, Säkularisation.

„Was Klosterküchen nicht...

Jürgen Bärsch: Kleine Geschichte des christlichen Gottesdienstes

Jürgen Bärsch gelingt das Meisterstück, in einem kleinen Band die Entwicklung der Liturgie in ihren verzweigten Ritenfamilien von den Anfängen bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil so spannend zu erzählen, dass im Leser von einem Kapitel zum nächsten das Gespür für die historische Dimension kirchlichen Gottesdienstfeierns wächst. Umbrüche, Krisen und sich wandelnde Mentalitäten erfordern Positionsbestimmungen, was es in dieser und jener Zeit heißt, Christ zu sein, und wie die Kirche ihr Selbstverständnis in ihren Liturgien feiern will. Menschliche Bedürfnisse prägen Form und Inhalt des Gottesdienstes. Liturgien wecken Bedürfnisse und wirken in das alltägliche Leben hinein. Das Sakrale durchdringt das Profane oder bietet ihm Widerstand; das Profane wirkt ein auf das heilige Spiel der...

Bernward Schmidt (Hg.): Kontinuitäten und Brüche

50 Jahre nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil rückt auch das Konzil von Trient, das vor 470 Jahren zu Ende ging, in den Fokus des Interesses. Eine Vortragsreihe und ein Studientag aus Aachen dokumentieren Beiträge, die „Kontinuitäten und Brüche“ in den beiden Konzilien und zwischen ihnen behandeln.

Der einleitende Aufsatz des Aachener Juniorprofessors Bernward Schmidt zeigt auf, dass beide Konzilien nicht nur in sich gesehen werden dürfen, sondern als Teil einer größeren geschichtlichen Entwicklung. Unter historischer Perspektive vertiefen die folgenden Beiträge diese These. Für Patrick Becker ist das Zweite Vatikanum der Aufbruch in die Postmoderne, auch wenn er in nachkonziliaren Verlautbarungen wie „Fides et ratio“ einen Rückschritt sieht. Bernward Schmidt geht dem Kirchenverständnis...

Andreas Holzem: Christentum in Deutschland 1550-1850

Ein wahrhaft monumentales Werk über die Geschichte des Christentums in Deutschland hat Andreas Holzem vorgelegt. Auf 1200 Seiten Text, 150 Seiten Literaturverzeichnis und einem ausführlichen Register behandelt er die Geschichte der christlichen Konfessionen zwischen Reformation und Industrialisierung. Die zehn umfangreichen Kapitel lassen sich den drei Stichworten des Untertitels zuordnen.

Konfessionalisierung ist für den Tübinger Kirchenhistoriker nach wie vor das zentrale Stichwort, unter dem sich die Christentumsgeschichte bis zur Aufklärung theoretisch fassen lässt. Es ist eine politische Kategorie, die zur Bildung von Bekenntnissen und Kirchenverfassungen führte. Die Verchristlichung der Lebenswelten wurde durchgesetzt, notfalls mit Gewalt, wie der Dreißigjährige Krieg und die...

Rolf Decot: Geschichte der Reformation in Deutschland

Klar gegliedert, aus profunder Kenntnis der Quellen und Sekundärliteratur schöpfend und leicht lesbar geschrieben ist das Buch des Mainzer Kirchenhistorikers Rolf Decot über das Reformationszeitalter. In der kaum mehr überschaubaren Vielzahl der Veröffentlichungen im Vorfeld des 500. Jahrestags von Martin Luthers Thesen ist es ein solider Begleiter durch die Themen und Fragestellungen. In zehn Kapiteln entwickelt Decot seine Geschichte.

Zunächst wird die deutsche Reformation in den Kontext der Reformen des späten Mittelalters im kirchlichen und weltlichen Bereich gestellt. Dass er die Frömmigkeit eher unter dem Aspekt der Veräußerlichung darstellt, entspricht einer Forschungsrichtung, die gegenwärtig durch eine positive Wertung der Jahrzehnte um die Wende zur Frühen Neuzeit ergänzt wird.

...

Holger Zaborowski: Andächtig leben

Mit den „Denkanstößen für den Alltag“ von Holger Zaborowski liegt eine in Hardcover gebundene Sammlung von 73 ein- bis eineinhalb Seiten langen Texten vor, der ein knappes Vorwort vorangestellt ist. Überschrieben sind die kurzen Texte mit jeweils einem nominalisierten Verb, das vom „Anfangen“ bis hin zum „Zweifeln“ verschiedensten Aspekten unseres Lebens, „dem vielfältigen Handeln des Menschen“, gewidmet ist. Hierbei werden jeweils vier bis zwölf solcher Denkanstöße unter den Rubriken „Freude und Glück“, „Glauben und Wissen“, „Ruhe und Bewegung“, „Leib und Leben“, „Zeit und Geschichte“, „Sprache und Schweigen“, „Leid und Tod“, „Gott und Mensch“ sowie „Gelassenheit und Besinnung“ zu Blöcken zusammengefasst. Auf diese größeren Abschnitte stimmt jeweils ein ganzseitiges Schwarzweißfoto – ein...