Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jan-Heiner Tück, Uta Heil (Hg.): Nizäa – Das erste Konzil

Zunächst einmal ist bei diesem (Jubiläumsjahr-)Sammelband der Hinweis wichtig, dass das Glaubensbekenntnis von Nizäa die wesentliche Grundlage für das Konzil von Chalkedon liefert, dessen Glaubensbekenntnis das „einzige Glaubensbekenntnis ist, das von der römisch-katholischen, evangelischen und orthodoxen Christenheit gemeinsam geteilt wird“ (9).

Es gibt allerdings auch einen anderen wesentlichen Grund. Die mit dem Konzil von Nizäa erstmals explizit kirchlich-gemeinschaftlich formulierte Lehre, dass Jesus von Nazareth als der Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, ist eine geistesgeschichtliche Zäsur. Auf der einen Seite wird die (auf den Mittelmeerraum bezogene) antike ontotheologische Selbstverständlichkeit, dass Gott leidensfrei sei, aufgehoben. Auf der anderen Seite trennt sich...

Justus Geilhufe: Gott und die Schönheit. Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft

Es sticht ins Auge, das Büchlein in leuchtendem Pink, mit dem Neugierde weckenden Titel „Gott und die Schönheit“. Und auch der Untertitel macht Lust, hineinzulesen: „Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft“. Justus Geilhufe, promovierter evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer in Sachsen, macht sich in seinem Essay auf die Suche: nach Gott, dem Glauben, der Schönheit. Sie führt ihn durch denkbar unterschiedliche Gegenden und Milieus, irgendwo zwischen Technoclub und Kloster. Was auf den ersten Blick diametral entgegengesetzt steht, ist die Basis für einen Roadtrip, der in der Taufe seines Freundes Matej mündet.

Kennengelernt haben sich der Journalist und der Theologe bei einer Recherche für einen Artikel über die Zeit der Wende, Ostdeutschland und wie Christen diese Zeit...

Bernd Stegemann: Was vom Glauben bleibt. Wege aus der atheistischen Apokalypse

Die Zahl philosophischer, soziologischer und kulturwissenschaftlicher Analysen zu Religion und Glaube wächst stetig. Trotz einer säkularen Fokussierung geht es oft nicht mehr um eine religionskritische Abrechnung mit dem Christentum zugunsten eines humanistischen Fortschritts, sondern um den möglichen positiven Beitrag von Religion für Individuum und Gesellschaft. In diese Linie reiht sich auch das vorliegende Buch von Bernd Stegemann ein, der als Professor für Dramaturgie und Kultursoziologie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin tätig ist. Insbesondere der Untertitel lässt aufhorchen. Denn mit „atheistischer Apokalypse“ wird gerade das seit der Aufklärung sich ausbreitende säkulare Zeitalter etikettiert. Stegemann schreibt als katholisch geprägter „Ungläubiger über...

Ralf Frisch: Gott. Ein wenig Theologie für das Anthropozän

Die „Selbstverwandlung der Theologie in eine Art archäologische Wissenschaft des einstmals Geglaubten“ (50), weil „Gott vielen Theologinnen und Theologen schlicht nicht geheuer“ ist (56), setzt „die Zukunft der Theologie und die Zukunft der evangelischen Kirche“ aufs Spiel (53). Dieses Buch eines protestantischen Theologieprofessors – das der katholische Rezensent durchaus als ökumenisch empfindet – ist ein Einspruch gegen einen „theologisch-moralischen Streichelzoo“ (97), welcher Gottes ungeheuerliche Herrlichkeit aus dem Gottesbild verbannt und ihn damit menschengerecht depotenziert. Unter diesen Vorzeichen sucht das vorliegende Buch, die (evangelische) Theologie von Karl Barth her gegen ihre Selbstrelativierungen – als Anthropologie, als Moral, als Sentimentalität – im Anthropozän in...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Freiheit und Menschenwürde

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Wir verdanken diese Erklärung der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Es ist heute selbstverständlich geworden, über Würde und Freiheit zu reden, und der Wert der Freiheit ist wohl schon immer bekannt gewesen. So spricht Don Quijote zu seinem Knappen: „Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen. (…) Für die Freiheit wie für die Ehre darf und muß man das Leben wagen.“

Der Kultursommer 2024 in Rheinland-Pfalz stand unter dem Motto „Freiheit und Menschenwürde“. Am gleichnamigen Begleitband der Herausgeber Martin W. Ramb und Holger Zaborowski beteiligten sich siebzehn Beitragende aus den Bereichen Philosophie,...

Barbara Bleisch: Mitte des Lebens. Eine Philosophie der besten Jahre

Die Schweizer Philosophin Barbara Bleisch stellt sich die Frage, welche Gedanken sich zur Lebensmitte formulieren lassen – so beschreibt sie die Motivation für Ihr Buch im Interview mit der TAZ am 18. Dezember des letzten Jahres. Ihr Motiv ist einerseits persönlicher Natur, da sie sich selbst in dieser Phase befindet (zum Zeitpunkt des Interviews war sie 52 Jahre alt). Andererseits ist ihr Interesse fachlich bedingt: Die Philosophie beschäftigte sich seit der Antike vielfach mit Alter, Gebrechlichkeit und nahendem Tod sowie in jüngerer Zeit mit Kindheit und Jugend, thematisierte aber bis auf sehr wenige Ausnahmen die mittleren Jahre kaum. Zudem sind diese durch die Rede von der Midlife-Crisis etwas in Verruf geraten, welche häufig die Anfälligkeit dieser Phase für Bedauern, Reue,...

Veronika Bachmann (Hg.): Ich bin doch da. Herausforderung Demenz

Der vorliegende Sammelband begegnet der Herausforderung Demenz aus spiritueller, theologischer und ethischer Perspektive und gibt praktische Hilfestellungen im Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen bezüglich ihrer spirituellen und religiösen Bedürfnisse. Er stellt eine demenzielle Erkrankung in den Kontext der pastoralen Arbeit der Pfarreien, die idealerweise „Orte der Krisenprophylaxe und Resilienzförderung“ (199) sind, was einen sehr hohen Anspruch darstellt. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: Medizinische und psychosoziale Grundlagen, Demenz im Fokus von Spiritual Care, Ethik und Theologie und ein ausführlicher Teil mit Praxishilfen, der den Schwerpunkt bildet.

Im ersten Teil, der komplett von Irene Bopp-Kistler, der renommierten Züricher...

Helmut Bachmaier/ Bernd Seeberger: Religiosität im Alter

Der vorliegende Sammelband liefert einen eindrucksvollen Überblick und unterschiedliche Perspektiven auf die Frage nach Religion, Spiritualität und Glaube in Kontext des Alterns. Er stellt die noch selten hergestellte Verbindung zwischen Theologie bzw. Religionssoziologie und Gerontologie her und eröffnet daher neue Perspektiven und Zugangsweisen zur Religiosität im Alter.

Zunächst stellt Peter Gross unter dem Titel: „Wiederkehr der Religion? Verlängerte Lebenszeit – Verlust der Ewigkeit“ grundsätzlich die Frage nach dem Stellenwert der Religion in der modernen Gesellschaft, deren heilsgeschichtliches Programm Markt und Demokratie ist. Durch die gewonnene Autonomie muss jeder seine Erlösung selbst in die Hand nehmen. Nicht die Religion im Sinne des christlichen Glaubensbekenntnisses kehrt...