Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Rolf Schieder: Hegels Gott. Eine Provokation

Der evangelische Theologe Rolf Schieder war von 2002 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2018 Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Leiter des „Program on Religion and Politics“ und als Herausgeber der „Berliner Reden zur Religionspolitik“ beschäftigt er sich seit über 25 Jahren auf prominente Weise mit der Frage nach der gesellschaftlichen Rolle von Religion in den säkularen und demokratischen Gesellschaften der Gegenwart. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur auf den ersten Blick überraschend, wenn Schieder mit einem Buch über die spekulative Philosophie Hegels in Erscheinung tritt. Denn er verortet seine Auseinandersetzung mit Hegel im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher und religionspolitischer Debatten. Schieder...

Benedikt Paul Göcke: Gott existiert

Die von dem menschlichen Denken unabhängige Existenz Gottes ist für Benedikt Paul Göcke von so entscheidender Bedeutung für den christlichen Glauben, dass er es unternimmt, einen eigenen Gottesbeweis zu entwickeln.

Vorbereitend wird darauf hingewiesen, dass das Denken des Menschen immer schon auf einen weltanschaulichen Hintergrund verweist, in dem metaphysische Aussagen eine entscheidende Rolle spielen, deren Gültigkeit in Frage gestellt werden kann und die deshalb auch veränderbar sind. Der Zugang zur Bewährung von Auffassungen von der Wirklichkeit ist die wissenschaftliche Tätigkeit. Das Ziel dieser Tätigkeit, die Wahrheit, verstanden als Übereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit, ist aber selbst mittels der Wissenschaft nicht hinreichend erreichbar, da der Mensch keinen „neutralen“...

Johannes Thome: Immanuel Kant. Philosoph der Vernunft

Johannes Thome, Direktor der psychiatrischen Klinik der Universität Rostock, unternimmt es, auf 40 Seiten in das Werk Immanuel Kants einzuführen. Das Büchlein endet mit dem Appell, Immanuel Kant zu lesen, den der Autor zugleich durch die Warnung konterkariert, der Philosoph wirke „abgehoben und schwer verständlich“.

Warum man sich diese schwere Kost antun soll, begründet Thome mit den Schlagworten, Kant habe eine Philosophie der Vernunft, der Freiheit und des Friedens entworfen und damit die Fragen der Erkenntnistheorie, der Ethik, der Religionsphilosophie und der Anthropologie bearbeitet. Er hebt hervor, dass Kant mit seinem Leser in einen Dialog tritt, um uns den Weg zum Selbstdenken zu zeigen. So verteidigt er ihn zuletzt gegen die Kritik der russisch-amerikanischen Philosophin Autorin...

Julian Baggini: Wie die Welt denkt. Eine globale Geschichte der Philosophie

Unser alltägliches Handeln, Sprechen und Denken ist von ideengeschichtlichen Voraussetzungen bestimmt, die uns oftmals nicht bewusst sind. Das betrifft unser Denken hier im traditionell so bezeichneten Westen wie in anderen Gegenden der Welt. Der britische Philosoph Julian Baggini nennt die Voraussetzungen des Denkens Sedimentschichten – und er möchte sie mit seiner Globalgeschichte der Philosophie sichtbar machen und damit ein Fenster zur dazugehörigen Kultur aufmachen. Dabei bedient er sich sowohl der Lektüre der Klassiker der jeweiligen Kontinentalphilosophien. Er führt aber auch persönliche Interviews. Herausgekommen ist eine breit angelegte Skizze, die in groben Zügen erahnen lässt, wie die Welt denkt. Skizze deshalb, weil der Anspruch einer Globalphilosophie völlig vermessen ist. Das...

Ottmar Fuchs: Momente einer Mystik der Schwebe

Der emeritierte Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs gehört sicher zu den profiliertesten Vertretern seiner Zunft. Wer sich von diesem Altmeister pastoraltheologischer Reflexion ein abgeklärtes, nach jahrzehntelangem Lehren und Forschen gereiftes Werk erwartet, wird sich wundern. Anstelle von denkerischer Systematik gibt es „Momente“, anstelle von reflexiver Theologie gibt es „Mystik“, anstelle von Sicherheit im Glauben gibt es „Schwebe“. Dabei geht Fuchs ganz in der Manier seines Faches vor, er analysiert die „Welt von heute“, die – so der Untertitel –allerdings ein „Leben in Zeiten des Ungewissen“ darstellt.

Gezwungenermaßen hat das Buch eine Reihenfolge von sieben Kapiteln, die sich immer wieder aufeinander beziehen und so ein „schönes Durcheinander“ (13) bilden. Zu den denkerischen...

Ellen D. Fischer (Hg.): Simone Weil – Religiöse Schriften

Für alle, mindestens die, die pädagogisch tätig sind, könnten Simone Weils „Betrachtungen über den rechten Gebrauch des Schulunterrichts und des Studiums im Hinblick auf die Gottesliebe“ eine besondere Quelle der Inspiration sein. Pointiert schreibt die gestandene Philosophielehrerin über ihr Lebensthema, die absichtslose Aufmerksamkeit als Bedingung (und Ankunft) aller wahren Erkenntnis: „Ja, in dieser Hinsicht ist die Betrachtung der eigenen Dummheit vielleicht noch förderlicher als die Betrachtung der Sünde.“ (42) Unbedingte intellektuelle Redlichkeit lautet das Gebot, konkret heißt das: klare Begrifflichkeit, luzide Argumentation und selbstkritisches Bewusstsein im Blick auf Größe und Grenze der menschlichen Vernunft. „Die Präzision des Vokabulars war für Simone Weil ein moralisches...

Jan-Heiner Tück: Minima Theologica. Spuren des Heiligen heute

Mit vierzig Miniaturen im Geiste einer experimentellen Theologie stellt sich der katholische Theologe Jan-Heiner Tück explizit in die methodische Nachfolge des atheologischen Philosophen Theodor W. Adorno. Eingefasst sind diese durch ein „Vorspiel“ und ein „Nachspiel“, Letzteres als Anmerkung zum Brief von Papst Franziskus über die Literatur. Während des amerikanischen Exils gab Adorno in seiner „Minima Moralia“ dem nach Auschwitz beschädigten Leben Ausdruck: Ein „richtiges Leben im Falschen“ sei unmöglich, so sein berühmtes Fazit. Reflexion ist die dem Denken verbleibende Aufgabe im Sinne der mit Max Horkheimer entworfenen Kritischen Theorie, da alles Affirmative dialektisch gebrochen werde, d.h. die Neigung zu seinem Umschlag ins Gegenteil enthalte. Den so geläuterten Anspruch an die...

Jutta Nymphius: Pollys Post. Mit Illustrationen von Volker Friedrich

Vor 93 Tagen ist Pollys Großmutter gestorben. Polly fragt sich, ob ihre Großmutter wohl im Himmel ist und was das eigentlich bedeutet, hatte sie ihr doch versprochen, immer bei ihr zu sein. Als Polly zu ihrem neunten Geburtstag, den sie ohne ihre geliebte Großmutter verbringen muss, einen großen Herzluftballon geschenkt bekommt, beschließt sie, einen Brief in den Himmel zu schicken in der Hoffnung, dass sich ihre Großmutter meldet. Tatsächlich geschieht etwas sehr Überraschendes – sie bekommt Antwort.
Bald merkt Polly jedoch, dass die Briefe, die sie nun regelmäßig erhält, gar nicht von ihrer Großmutter stammen können. Sie ist enttäuscht und traurig: „Jetzt ist die ganze Welt kaputt!“ (37f). Jedoch haben ihr die Briefe, obwohl sie nun weiß, dass jemand anderes sie geschrieben haben muss,...