Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Philipp Hübl: Moralspektakel. Wie die richtige Haltung zum Statussymbol wurde und warum das die Welt nicht besser macht

Seit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten im November 2024 hat sich die Welt an eine neue Tonart gewöhnen müssen: Öffentliche Äußerungen des Präsidenten und seiner Putztruppe sind an Grobianismus und Schamlosigkeit kaum zu überbieten. Der höfliche Kammerton im diplomatischen Verkehr ist vulgärer Umgangssprache gewichen. Man fragt sich immer wieder, warum dieses aggressive Dominanzverhalten beim Großteil der amerikanischen Wählerschaft immer noch anzukommen scheint.

Philipp Hübl gibt mit seinem Begriff des „Moralspektakels“ eine mögliche Begründung für diese Faszination an die Hand. Obwohl er zunächst die eher linke woke Cancel-Culture eines wirkmächtigen intellektuellen Milieus im Blick hatte, erfasst seine Begriffsprägung auch die neue Politik des republikanischen...

Wolfgang Kemp: Irgendwie so total spannend. Unser schöner neuer Sprachgebrauch

Der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp, der, inspiriert durch zahlreiche Beobachtungen zum Sprachgebrauch, an seine schon 2022 in der FAZ vorgetragene Sprachkritik (12) anschließt, legt mit diesem kleinen Buch einen Essay vor: In drei Teilen konstatiert, kommentiert und kritisiert er folgende Phänomene heutiger v.a. gesprochener Sprache an Beispielen: die neue Nutzung von Partikeln, Sprachräson und Adjektiven.

Unter den Partikeln, deren Nutzung der Autor v.a. in Podcasts (des DLFs) untersucht, würden Worte wie „irgendwie“, „ein Stück“, „sozusagen“, gepaart mit „Wohlfühl- und Wertschätzungssignalen“ („Ich bin ganz bei Dir“) als „Streicheleinheit“ für den Gesprächspartner neben ihren Gegenteilen „absolut“, „total“ (8) genannt – „Umgehungsdeutsch“ (31) neben „Ultra-Deutsch“ (29) als „Jargon der...

Friedrich Schweitzer: Lernen im Religionsunterricht

Friedrich Schweitzers „Lernen im Religionsunterricht" ist ein grundlegendes Werk für alle, die sich mit der Didaktik und Theorie des Religionsunterrichts beschäftigen. Der Autor, einer der führenden (evangelischen) Religionspädagogen im deutschsprachigen Raum, entwickelt darin ein innovatives Konzept des religiösen Lernens, das über traditionelle Wissensvermittlung hinausgeht.

Sein Ansatz zeichnet sich durch eine entwicklungsorientierte, subjektzentrierte und dialogische Perspektive aus. Er betont insbesondere die Bedeutung eines lebenslangen, dynamischen Lernprozesses, der sich an den individuellen Erfahrungen und Fragen der Schülerinnen und Schüler orientiert. Statt vorgefertigte Antworten zu liefern, plädiert er für einen Religionsunterricht, der Raum für persönliche Fragen, Zweifel...

Katja Boehme: Interreligiöses Begegnungslernen

Zur Monographie von Katja Boehme liegen mittlerweile zwei ausführliche Rezensionen vor. Eine ausgezeichnete Besprechung von Johannes Lähnemann ist in der Zeitschrift für Pädagogik und Theologie erschienen (ZPT 72/2 [2024] 197-201). Die ebenfalls sehr solide Besprechung von Stefanie Lorenzen in der Theologischen Literaturzeitung (Jg. 149, Nr. 5 [2024] 441-443) ist als Zweitveröffentlichung im Internet frei zugänglich: Böhme, Katja, Interreligiöses Begegnungslernen: Grundlegung einer fächerkooperierenden Didaktik von Weltsichten: Freiburg im Breisgau, 2023. Die hier folgende Rezension beschränkt sich daher darauf, den Ort des zu besprechenden Buches in den neueren Fachpublikationen zu bestimmen und nach seinem Anschaffungswert für Religionslehrerinnen und -lehrer zu fragen.

Die umfängliche...

Georg Röwekamp: Christen in der Region Gaza. Eine vergessene Geschichte

Gaza hat eine lange und bewegte christliche Geschichte, darauf macht Georg Röwekamp in seiner kurzweiligen und informativen Monographie „Christen in der Region Gaza: Eine vergessene Geschichte“ eindrücklich aufmerksam. Er hat eine allgemein verständliche und dennoch ausgesprochen akademische Einführung im rechten Augenblick vorgelegt, die über die vielen historischen, kunstgeschichtlichen, religionswissenschaftlichen und theologischen Details hinaus eine Hilfe zum Verständnis des Gaza-Konflikts und des Krieges gibt.

Die dazu erforderliche Expertise bringt der Autor reichlich mit: Er war Geschäftsführer und theologischer Leiter der Biblische Reisen GmbH, Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) in Jerusalem und Leiter des Pilgerhauses des DVHL in Tabgha am See...

Frank Griffel: Den Islam denken. Versuch, eine Religion zu verstehen

 

Ein bekanntes Vorurteil, das immer wieder vor allem in den Medien begegnet, ist die Aussage, dass der Islam weder eine Reformation noch eine Aufklärung durchgestanden hätte wie das Christentum. Daraus folge, dass der Islam immer noch im Mittelalter stecken geblieben sei, was vor allem die Anwendung der Scharia in Saudi-Arabien mit ihren ausgesprochen gewalttätigen Körpersprachen sowie der terroristische Dschihadismus zeigen. Ebenso sei der sogenannte Politische Islam eine folgerichtige Erscheinung im Westen, der sich gegen die emanzipatorischen Potenziale der (Spät-)Moderne richte und dagegen die Herrschaftsform des Kalifats setzte, das weltlich-staatliche und zugleich sakrale Macht beinhaltet. Der Islam, so der durchgängige Tenor, sei ein Modernitätsverlierer, der aber diese pejorative...

Jörg Ernesti: Der Vatikan. Geschichte, Verfassung, Politik

Im Frühjahr 2025 war es wieder zu erleben: Der Tod eines Papstes und die Wahl seines Nachfolgers sind globale Ereignisse. Sie bremsen die Tagespolitik, bringen Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen und entflammen ein hohes Interesse an den Abläufen im Vatikan, an ihrer Symbolik und an ihrer Deutung. Hat der Papst auch nur wenig politische Macht, gilt er doch weit über den binnenkirchlich-katholischen Raum hinaus als Autorität. Der vorliegende Band hätte also zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen können – beabsichtigt oder nicht, das Timing von Autor und Verlag war perfekt.

Der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Papsttums und der päpstlichen Diplomatie, vorwiegend im 20. Jahrhundert, und hat in der letzten Zeit...

Martin Kaufhold: Die abendländische Christenheit im Mittelalter

Auf der Suche nach historischen Einführungs- oder Überblickswerken zu einer bestimmten kirchengeschichtlichen Epoche stößt man noch allzu häufig auf Bücher, die altbekannte Themen mit nur wenigen neuen Einsichten präsentieren. Dazu gehören im Hinblick auf das Mittelalter vor allem die sogenannte Germanenmission, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, Entwicklungen in der Ordensgeschichte, Kreuzzüge und Verfolgung von „Häretikern“ sowie das Verhältnis zu Judentum und Islam. Mit einer gewissen Geschlechtersensibilität wird normalerweise auch die Frauenmystik beleuchtet. Umso mehr überrascht das neue Buch „Die abendländische Christenheit im Mittelalter“ von Martin Kaufhold, das sich in vielerlei Hinsicht wohltuend von der Masse vergleichbarer Darstellungen abhebt. Es erhebt den...