Die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“
Anzuzeigen ist eine kleine Kostbarkeit, eine Veröffentlichung, die ein bibliophiles Kunstbuch und eine nützliche Hilfe zugleich ist. Es handelt sich um eine Einführung in die künstlerische Gestaltung des neuen „Gotteslob“. Autor ist der Würzburger Diözesanbischof Friedhelm Hofmann, der sich auch als Kunsthistoriker einen Namen gemacht hat und als Vorsitzender der Kommission „Gemeinsames Gebet- und Gesangbuch der Deutschen Bischofskonferenz“ die Neuausgabe des „Gotteslob“ verantwortet. Entstanden ist ein Werk von „europäischem Rang“, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilte, zugleich aber auch ein „Gesamtkunstwerk“, bei dem die künstlerische Gestaltung eine hohe Priorität hatte, wie Friedhelm Hofmann im Vorwort schreibt....
Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt
Die literarische Gattung der „Streitschrift“ erlebt einen Boom. Sozial engagierte Menschen schreiben Texte, in denen sie auf Missstände aufmerksam machen und zur Verbesserung anregen wollen. Oft sind solche Texte ganz bewusst einseitig gehalten – es gilt einzig und allein die Provokation. Den Lesern soll ein emotionales Geständnis abgerungen und eine impulsive Reaktion abgenötigt werden: nur selten findet sich konstruktive Kritik, die angewendet werden kann. Deshalb werden die Verfasser, die zwar in der Regel vom Fach sind, als Schwätzer, Nörgler, Schlechtmacher und Großmäuler tituliert, die man nicht ernst zu nehmen braucht.
Als ein solches „Großmaul“, als „Werbefuzzi“ und „Besserwisser“, outet sich der Autor Erik Flügge gleich zu Beginn: Er...
Vermittler der Reformation
Eine Biographie
Sein Leben lang hat sich der Leiter der Melanchthon-Forschungsstelle der Heidelberger Akademie der Wissenschaften mit dem langjährigen Weggefährten Martin Luthers beschäftigt. Die überarbeitete Neuauflage seiner 1997 erschienenen Biographie zieht die Summe seines Lebenswerks.
Philipp Melanchthon, geboren 1497 im nordbadischen Bretten, schloss seine Studien in Pforzheim, Heidelberg und Tübingen als Siebzehnjähriger mit dem Magister-Titel ab. 1518 wurde er Griechisch-Professor an der Universität Wittenberg, der er bis zu seinem Tod treu blieb. Sein Lehrgebiet erweiterte sich bald um Philosophie und biblische Vorlesungen. Melanchthon war Reformer der Universität Wittenberg und anderer Hochschulen, Berater für Städte, in denen die lutherische...
Herausgegeben und kommentiert von Dietrich Korsch
Große Texte der Christenheit Bd. 1
Eine der drei großen theologischen Programmschriften Martin Luthers aus dem Jahr 1520 handelt vom Menschen in seiner Gottesbeziehung. Die programmatischen ersten Sätze sind in ihrer Dialektik und Einfachheit entwaffnend: „Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“
Pünktlich zum Reformationsjahr legt nun der emeritierte Marburger Systematische Theologe Dietrich Korsch eine Neuausgabe von Luthers Freiheitsschrift vor. In der von ihm und Johannes Schilling verantworteten Reihe „Große Texte der Christenheit“ ist das die Nummer 1 – auch das eine programmatische Entscheidung.
Geboten wird...
95 x Nachdenken über Reformation
Einen besonderen Weg der Annäherung an Martin Luther und die Aktualität der Reformation des 16. Jahrhunderts wählt der Studienleiter der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt. Alf Christophersen suchte in Anlehnung an die 95 Thesen Luthers 95 Sätze aus dessen Werken aus und gab sie zur Interpretation und Aktualisierung an bekannte Persönlichkeiten aus der evangelischen Kirche sowie der katholischen und jüdischen Ökumene. Jeweils zwei Sätze sollten die Autorinnen und Autoren auslegen.
Herausgekommen ist eine bunte Mischung von Zugängen zu Luther und der reformatorischen Theologie, die in sechs Kapitel eingeteilt sind: Die Kraft des Wortes und der Musik – Der gefährdete Mensch und die Gnade Gottes – Evangelium, Gesetz und Gericht – Die Lebenswirklichkeit...
Kreativität aus Vulnerabilität am Beispiel der Ordensgründerin Antonia Werr (1813-1868)
Katharina Ganz, Generaloberin der „Dienerinnen der heiligen Kindheit Jesu“, legt mit ihrer pastoraltheologischen Dissertation eine Studie über die Gründerin ihrer Gemeinschaft vor. Sie bleibt aber nicht bei der Biographie stehen, sondern zeigt auf, wie die emanzipatorischen Bemühungen von Antonia Werr (1813-1868) für Kirche und Ordensleben von heute fruchtbar gemacht werden können.
Nachdem im ersten Kapitel (15-69) die Quellenlage und die historischen Kontexte für den Ordensaufbruch des 19. Jahrhunderts erörtert werden, führt Katharina Ganz im zweiten Kapitel (71-263) unter ausführlicher Verwendung des schriftlichen Nachlasses in das spannende Leben Antonia Werrs ein. „Im Spannungsfeld von Macht,...
Lateinisch/Deutsch
Mit Quellen zum Ablassstreit, herausgegeben von Johannes Schilling
In der Bücherflut zum Reformationsjubiläum fehlte bislang etwas Wesentliches: eine leicht zugängliche Ausgabe zentraler Texte rund um Luthers Ablassthesen – einschließlich der Thesen selbst. Zwar herrscht an wissenschaftlich fundierten Lutherausgaben kein Mangel, angefangen von der Weimarer Ausgabe bis hin zur neuesten zweisprachigen Studienausgabe stehen die Texte in bester Qualität zur Verfügung. Doch wohin greift, wer sich weder mit wissenschaftlichen Apparaten belasten noch auf die schnell verfügbaren Texte aus dem Internet zurückgreifen möchte, deren Zuverlässigkeit niemand garantiert?
Der emeritierte Kieler Kirchenhistoriker Johannes Schilling gibt darauf mit dem vorliegenden Bändchen eine...
Der Göttinger Kirchenhistoriker Thomas Kaufmann hat schon eine beachtliche Zahl an Überblickswerken über die Reformation und Martin Luther vorgelegt und ist offensichtlich im Vorfeld von 2017 ein gefragter Autor. Seine Darstellung bei Reclam ist sehr knapp gehalten und daher eine Einführung für eilige Leser. Das Konzept des Bandes folgt dem der Reihe C.H. Beck Wissen, wo bereits ein Bändchen Kaufmanns über Luther und eine seit etlichen Jahren bestens etablierte und in mehreren Auflagen erschienene Einführung in die Reformation von Luise Schorn-Schütte vorliegt.
Zum Verständnis von Kaufmanns Zugang zur Reformationsgeschichte ist seine Definition hilfreich: Reformation versteht er als „die Summe jener politisch-rechtlichen Prozesse in den Städten und Ländern Lateineuropas, die das...








