Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Hermann-Josef Frisch: Der Koran für Christen

Die Quelle und gleichsam das Fundament des Islam ist der Koran. Als die Urkunde der Offenbarung Gottes ist der Koran, dem Propheten Muhammad durch den Engel Dschibrîl (Gabriel) Wort für Wort vermittelt, für die Muslime das ungeschaffene Wort Gottes, die Mitte und das Zentrum des Islam. Der Koran ist für die Muslime in Leben, Lehre und Kult eine allumfassende Glaubens- und Lebensordnung. Als Heilige Schrift gehört der Koran den Muslimen, weil er aber als Schrift jüdisches und christliches Erinnerungsgut in sich birgt, kann der Koran Nichtmuslimen nicht gleichgültig sein. Unter Beachtung dieses Kontextes weist die aktuelle Koranforschung nach, dass der Korantext mehr denn je als ein wichtiges Vermächtnis der Spätantike an Europa geachtet werden muss.

Wer die Muslime und den Islam verstehen...

Hubert Frankemölle: Vater im Glauben?

Für die drei Buchreligionen Judentum, Christentum und Islam ist die Gestalt Abrahams von grundlegender und besonderer Bedeutung. Die Berufung auf Abraham als den „Vater des Glaubens“ wird in den Dokumenten zum interreligiösen Dialog und in der interreligiösen Begegnung immer wieder benannt und besonders hervorgehoben. Aber ist Abraham für Juden, Christen und Muslime wirklich der gemeinsame Vater im Glauben?

Diese Frage treibt den im christlich-jüdischen Dialog wie im Trialog (Judentum, Christentum und Islam) hoch- und wertgeschätzten Neutestamentler Hubert Frankemölle in seiner neuesten Publikation um. Nach einem Vorwort lotet der Verfasser zunächst den Raum des umfassenden Themas aus und benennt sodann die methodologische Verortung wie die methodologischen Grunddaten seines Vorhabens,...

Lorenz Just: Mohammed

Der Autor der vorliegenden Biografie des Propheten des Islams ist ein studierter Islamwissenschaftler und findet – soweit das Internet dafür auskunftsfähige Indizien liefern kann – seine Berufung in der Literatur. Die Freude am Erzählen, sogar am Erdichten, merkt man dieser Mischung aus Quellenzitaten, erzählten Filmsequenzen, Dichtung und islamwissenschaftlichem Grundlagenreferat an.

Lorenz Just nähert sich dem Thema mit wohlwollendem Interesse, ohne persönlich voreingenommen zu sein, und im besten Sinne naiv. Er beschreibt, was aus heutiger Perspektive der Rechtfertigung, der Begründung aus den historischen Umständen oder der kritischen Deutung bedürfte – wie Muhammads Kriegsführung oder sein Umgang mit den Angehörigen anderer Religionen. Er blendet die gesamte Debatte um die...

Christoph Markschies: Gottes Körper

Der Titel befremdet. Gott hat natürlich keinen Körper, sondern ist reiner Geist nach der Lehre sämtlicher monotheistischer Religionen. Doch halt: Nach christlichem Verständnis hat er sich inkarniert und wird in der Kunst dargestellt. Und die griechisch-römische Religion? Zeus/Jupiter hat diverse Halbgötter gezeugt – wie denn, wenn nicht mit einem Körper? Der Professor für antikes Christentum der Humboldt Universität Berlin Christoph Markschies hat also kein abseitiges, sondern ein zentrales Thema der Religionsgeschichte und Frömmigkeit aufgegriffen und enzyklopädisch bearbeitet.

In sieben Kapiteln stellt er kundig und umfassend den Körper Gottes nach dem Ende der Antike, in der jüdisch-christlichen Bibel und bei den frühen christlichen Theologen, bei antiken Götterstatuen, im Verhältnis...

Reiner Sörries: Ein letzter Gruß

Nach „Alternative Bestattungen“ im Fachhochschulverlag Frankfurt, nach „Ruhe sanft. Eine Kulturgeschichte des Friedhofs“, ebenfalls im Verlag Butzon & Bercker erschienen, und wie in zahlreichen weiteren Schriften rund um die Sepulkralkultur verabschiedet Reiner Sörries mit „Ein letzter Gruß“ Friedhof und Grab in ihrer überkommenen Gestalt bzw. Verbindlichkeit und interpretiert die „neue Vielfalt der Bestattungs- und Trauerkultur“ in zwölf Kapiteln.

In seinem neuesten Sachbuch ist hierbei die These leitend, dass die gesellschaftlichen Megatrends auch die Sterbe- und Trauerkultur fundamental beeinflussen und insbesondere das Konzept der Diversity dazu geeignet erscheint, den rasanten Wandel der Abschiedskultur in den vergangenen dreieinhalb Jahrzehnten zu erklären. Nicht mehr der Gedanke...

Wolfgang Baum: Negativität als Denkform

Der Ausdruck „negative Theologie“ ist gängig. Bei einer Offenbarungsreligion, als welche der biblische Monotheismus gerne bezeichnet wird, wirkt er oft irritierend, so, als sei damit die Offenbarung, die doch als etwas Großartiges, Schönes und Positives empfunden wird, wieder ein­kassiert worden. Wer Wolfgang Baums bemerkenswerte und luzide Studie zur „Negativität als Denkform“ durchgearbei­tet hat, muss allerdings zu der Überzeugung kommen, dass mit der negativen Theologie das eigentliche Wesen dieses Monotheismus getroffen ist.

Baum rekonstruiert zunächst die Religionsgeschichte des biblischen Gottesglaubens, die sich als „se­kundäre Religion“ (Jan Assmann) aus dem polytheistischen Umfeld herausarbeitet. „Dies sind die Worte“, so beginnt im hebräischen Original das Buch Deuteronomium....

Gerhard Lohfink: Im Ringen um die Vernunft

Der vorliegende Sammelband enthält Beiträge, die allesamt von einer Überzeugung getragen sind, die prägend für die Theologie von Papst Benedikt XVI. geworden ist: dass nämlich die wechselseitige Herausforderung von Glaube und Vernunft beide Instanzen vor ihren Pathologien bewahren kann. So bleibt der Verfasser nicht bei der Feststellung stehen, dass gerade in den Katastrophen des 20. Jahrhunderts eine entwurzelte Vernunft denjenigen Umschlag von Aufklärung in Gewalt und Mord vollzieht, der schon während der Französischen Revolution sich im Tugendterror Robespierres angebahnt hat. Er sieht genauso deutlich, dass erst die genannte Freilassung der Vernunft dem Glauben dazu verholfen hat, den Reichtum seines biblischen Ursprungs zu erfassen.

Dies führt zu einer Entdeckung, der eine erste...

Tomás Halík: Ich will, dass du bist

Tomás Halík hat sich seit einigen Jahren als theologischer Schriftsteller auf dem deutschen Buchmarkt etabliert. Der ehemalige tschechische Untergrundpriester und Havel-Freund, der Philosoph, Soziologe, Mystiker und Psychotherapeut besitzt eine der wenigen Stimmen von Gewicht, die aus dem Gebiet des ehemaligen Ostblocks in Sachen Religion und Spiritualität auch bei uns im Westen Gehör finden. In seinen Grübeleien, Reflexionen und Meditationen Geduld mit Gott und Nachtgedanken eines Beichtvaters sowie Nicht ohne Hoffnung (vgl. Eulenfisch Literatur 1/2015) variiert er wie auch in seiner Autobiographie All meine Wege sind dir vertraut ein einziges Grundthema: Wie finde ich nach dem Zusammenbruch der Metaphysik, in einem Zeitalter des Agnostizismus und Atheismus, des säkularen Humanismus, aber...