Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Magnus Striet: Alte Formeln – lebendiger Glaube

Wie der Titel des vorliegenden Werkes ankündigt, versucht der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet die „alten Formeln“ des überlieferten Glaubensbekenntnisses für einen lebendigen Glauben der Gegenwart neu zu erschließen. Aus nachvollziehbaren Gründen ist ihm angesichts der heutigen kosmologischen und evolutionsbiologischen Kenntnisse der Glaube an einen paradiesischen Urzustand der Menschheitsgeschichte nicht nachvollziehbar. Genauso wenig nachvollziehbar ist ihm die Vorstellung einer Ursünde, die von Adam auf die Menschheit übergegangen ist. Vielmehr sei der Mensch zuallererst das Ergebnis einer Millionen Jahre währenden Evolutionsgeschichte, das allerdings mit der Fähigkeit ausgestattet sei, durch Akte der Freiheit zur Natur – seiner inneren wie auch der äußeren – in ein...

Tomáš Halík: Traum vom neuen Morgen. Briefe an Brückenbauer

Der tschechische Soziologe und Theologe Tomáš Halíkgehört sicher zu den produktivsten Autoren der Gegenwart. Der im Untergrund geweihte Priester entzieht sich dabei gängigen Etikettierungen. Seine Werke sind gleichermaßen akademisch fundiert wie spirituell orientiert. So ist auch der „Traum vom neuen Morgen“ beides zugleich. Halík wählt dabei die literarische Gattung des Briefes, wobei er methodisch sich an C.G. Jungs „aktive Imagination“ anlehnt. In zwölf Briefen kommuniziert er Visionen und Träume von einer Zukunft der Kirche an einen fiktiven Papst Raphael. Der Papst seiner Träume ist nicht nur die oberste Lehrautorität der Kirche, sondern auch „geistiger Begleiter, Mystagoge, Hirte und Diener aller geistig offenen, durstigen und suchenden Menschen – sei es innerhalb der religiösen...

Dietmar Mieth: Jede Wende – ein Anfang

Wie der biblische Katechet des Evangeliums, hinter dem sich vielleicht „Matthäus“ selber versteckt, holt der Nestor katholischer Moraltheologie und Sozialethik aus der Schatzkammer seines langen Forschens und Lehrens Altes und Neues hervor (vgl Mt 13,52). In dieser eindrucksvollen Lebensernte werden schon bekannte Texte zusammen mit zahlreichen neuen präsentiert, teils nur entlegen, teils noch gar nicht veröffentlicht, teils länger und grundlegend, teils skizzenhaft und auf konkrete Anlässe bezogen. Das ist deshalb bedeutsam, weil Mieth zweifellos einer der kreativsten deutschen Ethiker der letzten 50 Jahre ist – zeitlebens vorbildlich im Bemühen, christliche Glaubensperspektiven mit aktuellen Lebens- und Überlebensfragen in einen argumentativen Korrelationszusammenhang zu bringen. Weder...

Florian Baab: Wie die Dampfmaschine das Fegefeuer löschte. Eine Reise in die katholische Welt von gestern

Was ist eigentlich katholisch? In den vergangenen Jahren hat sich diese Frage zumindest für den deutschsprachigen Katholizismus mit einiger Dringlichkeit gestellt. Blicke in katholische Vergangenheiten scheinen da durchaus angebracht. Auf ein oft vernachlässigtes Sujet blickt Florian Baab in seinem Büchlein. Er fragt darin nach katholischen Mentalitäten zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Vorabend der NS-Diktatur, einer Phase, die im Rückblick als „gute alte Zeit“ verklärt wurde.

Der Autor strebt dabei keine Gesamtdarstellung an, sondern liefert ein schmales und gut lesbares Büchlein, das Einblicke und Anstöße zur weiteren Reflexion zu geben vermag. Als strukturierende theoretische Grundlage dienen die Überlegungen des Soziologen Norbert Elias zur Zivilisation, was auf den...

Dorothea Weltecke: Die drei Ringe. Warum die Religionen erst im Mittelalter entstanden sind

Dorothea Weltecke lehrt Europäische Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer jüngst erschienenen Monografie präsentiert sie die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der transreligiösen und transkulturellen Phänomene des Mittelalters. Sie entwirft darin eine transreligiöse und transkulturelle Geschichte der Religionen Afroeurasiens im Zeitraum „zwischen Antike und Neuzeit“ (11) und macht damit ein alternatives Angebot zu traditionellen eurozentristischen religions- und kirchenhistorischen Entwürfen des Mittelalters. Das geschieht beispielsweise dann, wenn Weltecke die Kirche des Ostens in den Blick nimmt und ihre Angehörigen in der Quellenarbeit zu Wort kommen lässt. Christen gab es im Mittelalter eben auch in Asien und...

Otfried Höffe: Die hohe Kunst des Verzichts. Kleine Philosophie der Selbstbeschränkung

In Zeiten gesellschaftlicher Debatten über Klimawandel, Artensterben und Rohstoffmangel sind Bücher über Askese und Selbstbeschränkung im Trend und notwendig. Hierzu passt auch die von Otfried Hilfe formulierte „Kleine Philosophie der Selbstbeschränkung“, die er unter dem Titel „Die hohe Kunst des Verzichts“ veröffentlicht hat.

Mit der Rede von der „hohen Kunst“ deutet der Autor an, dass er den Begriff des Verzichts von seinem negativen, moralisierenden Image befreien möchte. Höffe beschreibt verschiedene Verzichtsmuster, die aufzeigen, dass das Verzichtenkönnen eine anthropologische Grundfähigkeit des Menschen ist, die einen großen Teil seiner kulturellen Leistung erklärt. Besonders eindrücklich gelingt ihm dies mit dem Hinweis auf die Verzichte, die Menschen in Rechtsstaaten in Kauf...

Josef Kraus: Im Rausch der Dekadenz. Der Westen am Scheideweg

Bestseller-Autor Josef Kraus, Gymnasiallehrer, Psychologe, Träger des Bundesverdienstkreuzes und Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbandes, ist einer größeren Öffentlichkeit als Schöpfer des Begriffs „Helikopter-Eltern“ bekannt geworden. Äußerte er sich in den ersten Jahren nach seiner Pensionierung als Oberstudiendirektor eines bayerischen Gymnasiums vornehmlich zu Bildungsfragen, so hat er sich mittlerweile ein Expertenwissen erworben, das ihn dazu befähigt, auch zu gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, verteidigungs- und allgemeinpolitischen Fragen dezidiert und kompetent Stellung zu nehmen. In seinem jüngsten Werk schlägt sich seine Belesenheit und Kenntnis der westlichen (Geistes-)geschichte in über 300 Fußnoten nieder, die sich auf Denker wie zum Beispiel Oswald Spengler, Arnold...

Birgit Kelle: Ich kauf mir ein Kind

In der Debatte, ob in Deutschland das Verbot der Leihmutterschaft aufgeweicht oder ganz aufgehoben werden sollte, vertritt die Publizistin Birgit Kelle in ihrem Buch eine klar ablehnende Position. Dies verdeutlicht schon der Titel ihres Buches „Ich kauf mir ein Kind. Das unwürdige Geschäft mit der Leihmutterschaft“ sowie das Bild des Covers: ein an einem Babyfuß hängendes Preisschild. Das mit Leidenschaft, ja mit heiligem Zorn geschriebene Werk geht das Thema Leih- bzw. Mietmutterschaft nicht streng systematisch, dafür mit zahlreichen pointierten Formulierungen an, die den Leser emotional packen, aber keineswegs manipulieren.

Die Autorin argumentiert nicht theologisch, ihr Wertefundament lässt sich jedoch nahtlos mit einer katholischen Ethik in Einklang bringen. Inmitten einer in ihren...