Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Michael Heymel: Die Johannesoffenbarung heute lesen

 

Das Buch von Michael Heymel lädt ein, es zur Hand zu nehmen und mit ihm die Offenbarung des Johannes kennenzulernen: Es hat eine gefällige Größe, ist nicht so umfänglich, dass man es sich als Einstiegslektüre für das Kennenlernen der Offenbarung des Johannes nicht selbst zutrauen würde. Und – was man schon bei einem ersten Querlesen feststellt: Es ist gut lesbar.

Die Reihe «bibel heute lesen», zu der dieses Buch gehört, hat das erklärte Ziel, fundiert einzuführen, welche Spuren ein biblisches Buch in Theologie, Musik, Literatur und Kunst hinterlassen hat, ohne dass dabei dezidiertes theologisches Fachwissen vorausgesetzt würde. Dem entsprechend zäumt Michael Heymel das Pferd gewissermaßen von hinten her auf und skizziert Stationen der Wirkungsgeschichte der Offenbarung des Johannes und...

Walter Faerber: Visionen gegen die Monster

Die Offenbarung des Johannes fristet innerhalb der Liturgie und noch vielmehr innerhalb des Religionsunterrichtes und der pastoralen Praxis ein Schattendasein. Und wenn, dann wird dieses Beispiel neutestamentlicher apokalyptischer Literatur meist als ein Endzeit-Text gelesen. Völlig zu Unrecht, aber auch völlig nachvollziehbar. Denn der Reichtum ihrer Bilderwelt, ihrer Symbolik und ihrer innerbiblischen Bezüge hat nicht nur eine äußerst breit gefächerte Wirkungsgeschichte gezeitigt, sondern kann verstörend, ja abschreckend wirken. Daher verdient Walter Faerber Respekt, dass er als Pastor einer evangelischen Gemeinde bei Hannover und engagierter Unterstützer von Fresh X die Herausforderung nicht gescheut und die Texte der Johannes-Offenbarung in die Liturgie eingebunden und in Predigten...

Markus Schiefer Ferrari: Exklusive Angebote

 

Seit der 2008 in Kraft getretenen UN-Behindertenrechtskonvention wird in vielen gesellschaftlich wie wissenschaftlich relevanten Bereichen die Forderung nach Inklusion verstärkt reflektiert. Ein noch andauernder Prozess der Bewusstseinsschärfung und Perspektivenerweiterung lässt sich auch für die Theologie und all ihre Praxisfelder konstatieren. Das Buch „Exklusive Angebote“ des Koblenzer Neutestamentlers Markus Schiefer Ferrari greift bisherige Erfahrungen und Anstöße den Umgang mit biblischen Texten betreffend auf und macht sie fruchtbar für das besonders sensible Themenfeld biblischer Heilungsgeschichten: Inwieweit führt die Rezeption von Heilungswundern als Hoffnungsgeschichten von einer „heilen Welt“, inwieweit führen auch biblische Erzählungen selbst in ihrer kulturprägenden Kraft...

Christian Brüning / Robert Vorholt: Die Frage des Bösen

Der vorgelegte Themenband der Neuen Echter Bibel zur „Die Frage des Bösen“ hält, was der Klappentext verspricht: „Auf überschaubarem Raum und in verständlicher Sprache zeigen ausgewiesene Fachleute, was das Alte und das Neue Testament in den wesentlichen Fragen des Glaubens zu sagen haben“ – auch wenn Christian Brüning in seinem Fazit klar zusammenfasst, dass es sich bei der Frage des Bösen, zumindest in der Bibel, nicht um eine wesentliche Frage des Glaubens handelt.

Um zu diesem Fazit zu kommen, analysiert er im ersten Teil des Buches die Frage nach dem Bösen aus Sicht des Alten Testaments. Er gliedert seine Ausführungen in vier Teile; zuerst werden die Wirklichkeit und der Ursprung des Bösen beleuchtet, dann das Verhältnis von Gott und dem Bösen und zuletzt die Frage der Bewältigung...

Georg Langenhorst: Auferweckt ins Leben

Ostern löst Eiertänze bei Theologen aus. Sie sehen sich vor dem Dilemma, einerseits den in der Bibel und in einer zweitausendjährigen Tradition bezeugten Glauben an die Auferstehung Jesu Christi bewahren zu wollen, während andererseits ihre aufgeklärte Vernunft mit dem Wissen um dessen mythischen Hintergrund ihren Glauben auf die Probe stellt. Georg Langenhorst ist sich dieses Dilemmas bewusst. Da die nicht mehr als historisch wahr geglaubten Mythen zur Literatur werden, sucht er mit dem literaturwissenschaftlichen Instrumentarium heutiger Textanalyse eine ansatzweise Auflösung dieses Dilemmas. Um es vorwegzunehmen: Überzeugend gelingt ihm dies nicht.

„Real – aber un(be)greifbar“, lautet seine Lösung. „ Alle österlichen Erzählungen ... erzählen von etwas, das sich der Sprache und dem...

Peter Brown: Der Schatz im Himmel

 

Der Untertitel dieses Buches verspricht nichts weniger als einen tiefen und detaillierten Einblick in jene entscheidende Epoche der Spätantike, in der das pagane römische Reich von dem abgelöst wurde, was wir wahlweise Christentum, Kirche oder Abendland nennen – eine bis heute prägende, aber vielleicht gerade untergehende, mindestens 1500-jährige Epoche europäischer Geschichte.

Die zu beschreibenden Abläufe würden den Einsatz komplexer soziologischer, theologischer, ökonomischer und historiographischer Instrumente verlangen. Doch Peter Brown, der renommierteste (Kirchen-)Historiker für die Antike weltweit, dämpft solche allein schon durch den stattlichen Umfang des Bandes genährte Erwartungen mit seinem Haupttitel „Der Schatz im Himmel“ und dem einleitenden Zitat aus Mt 19,21-26: Es...

Willibald Bösen: Für uns gekreuzigt?

 

In seinen Werken „Der letzte Tag des Jesus von Nazaret. Was wirklich geschah" (1994) und „Auferweckt gemäß der Schrift. Das biblische Fundament des Osterglaubens" (2006) hat sich der Verfasser bereits mit der Thematik seines neuesten Buches „Für uns gekreuzigt? Der Tod Jesu im Neuen Testament" befasst – und sich mit seinen didaktisch gut präparierten Abbildungen in der exegetischen Fachwelt einen guten Ruf erworben.

Die Thematik des irdischen, historischen, verkündenden Jesus und die Auferweckung/Auferstehung des geglaubten, verkündigten Jesus Christus „für uns" (lateinisch: pro nobis) wird im hessischen „Kerncurriculum gymnasiale Oberstufe. Katholische Religion“ in der Qualifikationsphase im Themenfeld Q1.2 „Die Auferstehung Jesu: Hoffnung über den Tod hinaus" bibeltheologisch...

Gerd Häfner: Anstößige Texte im Neuen Testament

Historisch-kritische Bibelexegese und gläubige Bibellektüre – geht das zusammen? Sowohl von Gläubigen als auch von Bibelkritikern wird dies immer wieder bestritten. Gerd Häfner beweist mit seinem Buch aber das Gegenteil. Eine historisch-kritische Betrachtung der Bibel verhindert keineswegs die gläubige Lektüre, sondern erweitert vielmehr die Perspektive und schärft den Blick. Häfners Aufhänger sind gerade die Texte, die vor allem von den „neuen Atheisten“ gerne als Argument gegen die Bibel und den biblischen Gott vorgebracht werden – die fragwürdigen, anstößigen und manchmal regelrecht skandalösen Texte des Neuen Testamentes.

Der Autor unterscheidet dabei vier typische Verständnisschwierigkeiten, die im Zusammenhang mit biblischen Texten auftreten können: 1. Verständnisschwierigkeiten auf...