Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Gerd Häfner: Anstößige Texte im Neuen Testament

Historisch-kritische Bibelexegese und gläubige Bibellektüre – geht das zusammen? Sowohl von Gläubigen als auch von Bibelkritikern wird dies immer wieder bestritten. Gerd Häfner beweist mit seinem Buch aber das Gegenteil. Eine historisch-kritische Betrachtung der Bibel verhindert keineswegs die gläubige Lektüre, sondern erweitert vielmehr die Perspektive und schärft den Blick. Häfners Aufhänger sind gerade die Texte, die vor allem von den „neuen Atheisten“ gerne als Argument gegen die Bibel und den biblischen Gott vorgebracht werden – die fragwürdigen, anstößigen und manchmal regelrecht skandalösen Texte des Neuen Testamentes.

Der Autor unterscheidet dabei vier typische Verständnisschwierigkeiten, die im Zusammenhang mit biblischen Texten auftreten können: 1. Verständnisschwierigkeiten auf...

Horst Klaus Berg: Gottes Wort braucht keinen Vormund

Wege zur selbstständigen Auslegung der Bibel

Berg legt ein Handbuch vor, das „eigensinnigen“ (11) Bibelleserinnen und Bibellesern Methoden zur Hand geben will, um selbstständig biblische Texte aufzuschließen und als Kraftquelle für Glaube und Leben nutzbar zu machen. Er gliedert sein Handbuch in zwei Teile; der erste ist eine ausführliche Hinführung zu den Auslegungskonzepten, die im zweiten Teil vorgestellt und an Gen 3 durchgespielt werden. In der Hinführung erläutert Berg die grundsätzliche Hermeneutik, mit der man biblischen Texten begegnen sollte, und stellt verschiedene Barrieren vor, die sich dem/der selbstständigen Bibelleser/in in den Weg stellen. Dabei setzt er sich durchgehend und sehr kritisch mit Luthers Rechtfertigungslehre auseinander, die er grundlegend kritisiert.

Die...

Juli Gudehus: Genesis

Die biblische Schöpfungsgeschichte in Zeichen und Wundern

Wir leben in einer Welt voller Piktogramme, Symbole und Zeichen: Kein Produkt ohne Logo, keine Bedienungsanleitung ohne Icons, keine Handynachricht ohne ein Emoji. Man soll schnell visuell begreifen können, worum es geht, wie es funktioniert oder wie wir uns fühlen.

Dieser Ist-Zustand der Menschheit hat die Gestalterin Juli Gudehus schon 1992 zum ersten Mal dazu veranlasst, die biblische Schöpfungsgeschichte allein mit Symbolen, Zeichen und Icons zu illustrieren, die weltweit genutzt werden. Was für eine verrückte und gleichzeitig geniale Idee! 25 Jahre später, also 2017, überarbeitete die „Spezialistin für das Besondere“ ihr Werk nach der aktuellen Übersetzung der Bibel mit vielen neuen Symbolen.

Der Aufbau des Buches ist...

Thomas Söding: Das Christentum als Bildungsreligion

Der Impuls des Neuen Testaments

Thomas Söding zeigt mit seinem Buch „Das Christentum als Bildungsreligion – Der Impuls des Neuen Testaments“ die Wichtigkeit der Bildungsidee im Christentum von Beginn an auf. Bei Griechen und Römern war Bildung ein hohes Gut – und der jüdische und jesuanische Glaube konnte sich dank der Begegnung mit diesen Kulturen weiterentwickeln. 

Die Frage nach dem Verhältnis von Glauben und Bildung steht im Mittelpunkt des ganzen Buches. Dabei ist es für den Autor zweifelsfrei klar, dass unser Glauben Bildung braucht: „Ein Glauben, der auf mangelnde Bildung setzt, wäre von vorneherein als Ideologie entlarvt.“ (20) Und Bildung bedarf der theologisch getränkten Reflexion, denn die Bildungsfrage beinhaltet verschiedene religiöse Dimensionen. So ist beispielsweise die...

Josef Zemanek: Das Vater-Unser

Diese Untersuchung des christlichen Grundgebets gliedert sich in drei Teile: Der erste Teil behandelt die Textgrundlage: Hier werden verschiedene Überlieferungen (Matthäus, Lukas und gleichwertig die Redequelle Q) verglichen. Zemanek rekonstruiert daraus eine hebräische und eine aramäische Fassung. Ebenfalls analysiert er zwei lateinische Traditionen und die Textfassung der russisch-orthodoxen Liturgie. Er erarbeitet Grundvoraussetzungen eines für ihn wahrscheinlichen Ursprungstextes, analysiert die Struktur des Vater-Unsers und vergleicht die Ergebnisse mit drei zeitgleichen jüdischen Gebeten. Abschließend untersuchtder Autor die Textfassungen des Vater-Unsers in ihrem jeweiligen Kontext in der Redequelle Q, Matthäus und Lukas.
 
Auf dieser Grundlage analysiert der Heiligenkreuzer Dozent...

Thomas Hieke / Benedict Schöning: Methoden alttestamentlicher Exegese

unter Mitarbeit von Sonja Dussel und Franziska Rauh

Der Titel des vom Mainzer Alttestamentler Thomas Hieke und seinem Mitarbeiter Benedict Schöning herausgegebenen Buches verrät nicht die ganze Wahrheit über den Inhalt. Wer eine nüchterne Auflistung der exegetischen Methoden erwartet, aufgelockert von allfälligen Beispielen, wird enttäuscht werden. Das Buch verrät – und man ist geneigt zu sagen: Gott sei Dank! – durchgehende seine Wurzeln, nämlich die Lehr- und Lernerfahrungen der Autoren.

Damit bin ich gleich bei einem Punkt, der diesen von der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft publizierten Band so sympathisch macht: die durchgängig zu erfahrende Praktikabilität des Buches. Die Modularisierung der Studiengänge hat insbesondere für Lehramtsstudierende dazu geführt, dass der Erwerb...

Thomas Söding: Die Bibel für alle

Ziemlich unbemerkt von einer größeren Öffentlichkeit ist Ende letzten Jahres die revidierte Einheitsübersetzung (EÜ) erschienen. Fast 40 Jahre nach der Erstausgabe liegt nun eine auf Fehler hin überprüfte und neuere exegetische Erkenntnisse berücksichtigende Neuübertragung beider Testamente vor, eine katholische Übersetzung, die gleichwohl überkonfessionelle Bedeutung beanspruchen darf. Das Büchlein des renommierten Neutestamentlers Thomas Söding bietet eine hervorragende Einführung in die Besonderheiten der Übersetzung und macht zugleich mit den Eigenheiten von Bibelübersetzungen im Allgemeinen vertraut. In neun Abschnitten erfährt man alles Wichtige zur Geschichte, den Anliegen, Schwierigkeiten, Schwächen und Stärken der neuen Einheitsübersetzung, auch wie die Bibel aufgebaut ist, welche...

Matthias Köckert: Abraham Ahnvater – Vorbild – Kultstifter

Ein ausführliches Buch über Abraham und seine Nachwirkung könnte kaum aktueller sein in einer Zeit, in der die großen Weltreligionen so eng aufeinander rücken wie heute. Dennoch bleibt der Stoff so gewaltig, dass seine Bewältigung immer nur unter einem besonderen Aspekt geschehen kann. Ein wesentliches Anliegen von Matthias Köckert ist es, die von Abraham handelnden biblischen Texte vor allem in ihrer individuellen Gestalt zur Sprache zu bringen und alle weiteren Beobachtungen und Überlegungen darauf aufzubauen. Die individuelle Gestalt der Texte hat aber vor allem ein literarisches Ansehen, und so treten bei diesem Ansatz religions- und traditionsgeschichtliche Betrachtungsweisen, die auch hätten interessieren können, etwas in den Hintergrund. Die rezipierende Frömmigkeitsgeschichte...