Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Batlogg: Jesus begegnen

Andreas Batlogg hat ausgehend von der Jesus-Meditation der ignatianischen Exerzitien ein sehr persönliches Buch geschrieben über die Möglichkeit, Jesus in diesem Leben zu begegnen. Worum es geht?

Der Buchtitel suggeriert drei Hauptteile. Aber der Autor macht etwas anderes: In 33 Kapiteln kommen unterschiedliche Erfahrungsfelder zur Sprache, mal geht’s um Suchbewegungen, mal um Finderglück und mal um Bekennermut. Andreas Batlogg, geboren 1962, ist seit 1985 Jesuit, und das Erbe des Ignatius von Loyola (1491-1556), der Jesuitenorden mit seiner besonderen Betonung der „Gesellschaft Jesubilden den Raum, in dem er sich bewegt. Batlogg versteht das Ordenssymbol IHS – Iesus Habemus Socium – nicht exklusiv, sondern über die Konfessionsgrenzen hinaus als Einladung an alle, die sich auf Jesus...

Peter Handke: Das zweite Schwert

Der „Maigeschichte“ von Peter Handke ist ein Bibelzitat aus dem Lukasevangelium (Lk 22,36-38) vorangestellt, das im Kontext der Passionsgeschichte Jesu überliefert und mit dem eschatologischen Verweis überschrieben ist: „Die Stunde der endzeitlichen Entscheidung". Jesu Anweisung an seine Jünger, für den Erlös eines Mantels ein Schwert zu kaufen, mag bei seinen Gefolgsleuten die irrige Annahme erhärten, dass der Errichtung des messianischen Reiches eine mit Waffen auszutragende Entscheidungsschlacht vorangehen werde. Als die Jünger Jesus darauf hinweisen, dass sie im Besitz von zwei Schwertern seien, antwortet ihr Rabbi: „Genug davon!“ (Übersetzung: Jerusalemer Bibel, Freiburg 12. Aufl. 1985.) In der Einleitung zu Handkes Erzählung wird der Lukasvers mit den Worten: „Das genügt!" übersetzt...

Michaela Kopp-Marx, Martin W. Ramb und Holger Zaborowski (Hg.): Die Christus-Trilogie zwischen Bibel, Traum und religiöser Erfahrung

Ein Geheimtipp! So wurde 1991 der erste Band der Christustrilogie von Patrick Roth, die Novelle „Riverside“, unter christlichen Lesern und Leserinnen weitergegeben. Mittlerweile, 30 Jahre später, gibt es eine breite Roth-Rezeption im deutschen Sprachraum und speziell in der Theologinnenwelt – nicht zuletzt dank der vielfältigen Initiativen von Martin Ramb, Holger Zaborowski und dem Eulenfisch. Die Anziehungskraft Roths liegt aber auch darin begründet, dass der gebürtige Karlsruher, der lange Jahre in Los Angeles gelebt hat und nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt ist, ein ungemein sympathischer Mensch ist, der sich mit Offenheit und Neugier auf Tagungen und Lesungen dem Gespräch aussetzt, wie man aufgrund des lebendigen Fotos auf dem Cover des vorliegenden Buches ahnen kann. Wenn man...

Gemeinde Oberammergau (Hg.): Passionsspiele. Oberammergau 2022

Pünktlich zur Premiere der 42. Passionsspiele am 14. Mai 2022 hat die Gemeinde Oberammergau dieses gut gestaltete und exzellent bebilderte Buch veröffentlicht. Im Mittelpunkt stehen die eindrücklichen Aufnahmen von Birgit Gudjonsdottir, die mitten hinein in das dramatische Geschehen zoomt, das der Theaterbesucher ja nur aus der Distanz verfolgen kann. Die Kamerafrau und Fotografin dokumentiert jede der zwölf „Vorstellungen“ und die zwölf „Lebenden Bilder“, die typologische Szenen aus dem Alten Testament nachstellen; ihren Farbaufnahmen sind die entsprechenden biblischen Texte vorangestellt. Dabei wird der aufmerksame Betrachter rasch bemerken, dass nicht nur die Rolle des Jesus zweifach besetzt ist. Ergänzt wird der opulente Bildteil (10-141) durch eine informative Chronik der...

Bernd Kollmann: Martin Luthers Bibel

Um es gleich vorwegzusagen: Dieses Buch ist absolut lesenswert und sehr ansprechend gestaltet, ein schönes Geschenk für alle, die sich für das Thema Bibel interessieren. Leider passen Titel und Inhalt nicht ganz zueinander. Für denjenigen, der vor dem Kauf keinen Blick in das Inhaltsverzeichnis werfen konnte, könnte es dann beim Lesen eine gewisse Enttäuschung geben. Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers ist zwar das Hauptthema, aber nach einem kurzen Einstiegskapitel wird zunächst sachkundig und sehr ausführlich die Vorgeschichte geschildert (Kap. 2-6). Dabei geht es z.B. um die Entstehung der Bibel allgemein, Septuaginta und Vulgata, den Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks. Das alles gehört zum Thema „Bibel“, kommt aber in dieser Breite unter dem Titel „Martin Luthers...

Martina Steinkühler: Die Mädchenbibel. Mit Illustrationen von Angela Gstalter

 

Martina Steinkühler ist keine Unbekannte, wenn es um die Elementarisierung der Bibel geht. Die evangelische Religionspädagogin verfasst seit vielen Jahren Unterrichtsmaterialien, Bibelgeschichten, Schulbücher und Kinderbibeln mit dem bibeldidaktischen Konzept: „Subjektiv, deutlich und offen. Erzählend Gott zur Sprache bringen.“ Sie regt dazu an, sich die Geschichten „auszuleihen“ und sie zu erzählen, weil es etwas Wichtiges mitzuteilen gibt, das auch jenseits der Intention und Pragmatik der biblischen Geschichte liegen kann. Der Klappentext der Mädchen-Bibel verspricht denn auch: „Ein faszinierender und spannender Einblick in die Welt der Bibel – aus der Sicht von Mädchen und Frauen“ und im Prolog heißt es: „Es wird Zeit, die Bibel aus ihrer Sicht zu erzählen. Es werden die vertrauten...

Klaus Bäumlin: Die Urgeschichte (Genesis 1-11)

„Noch nie war die Zukunft so ungewiss wie heute. Sie ist tödlich bedroht. Die Menschheit steht am Abgrund ihrer bisherigen Geschichte.“ – Mit diesem Zitat beginnt Klaus Bäumlin seine Interpretation der Urgeschichte Gen 1-11; es stammt von A.M. Klaus Müller aus dessen Buch „Die präparierte Zeit“. Bei der Lektüre dieser eröffnenden Worte ist mir angesichts der brennenden Aktualität dieser Worte aufgrund der Ereignisse in der Ukraine ein eiskalter Schauer über den Rücken gelaufen. Selten haben mich Worte in einem theologischen Buch so angesprochen und zugleich auf die Lektüre des Buches neugierig gemacht, das ich mit Begeisterung „verschlungen“ habe. Klaus Bäumlin, ein schweizerischer evangelisch-reformierter Theologe und Pfarrer, hat die Gabe, biblische (Ur-!)Texte wissenschaftlich fundiert...

Georg Langenhorst: Altes Testament und moderne Literatur

Auf die Frage nach dem für ihn wichtigsten Buch der Weltliteratur antwortete Bertolt Brecht: „Sie werden lachen, die Bibel!" Diesem Urteil würde sich sicher auch Georg Langenhorst anschließen, Professor für Didaktik des katholischen Religionsunterrichts und Religionspädagogik an der Universität Augsburg. Denn er ist  durch zahlreiche Veröffentlichungen als Fachmann zum Thema Bibel und moderne Literatur ausgewiesen und hat als Autor von Kriminalromanen seine persönliche Affinität zum literarischen Geschäft gezeigt. In der vorliegenden Veröffentlichung geht es ihm darum, die bleibende Wirkkraft alttestamentlicher Motive, Personen und Sprachformen in der deutschsprachigen Literatur, vor allem des 20. und 21. Jahrhunderts, aufzuzeigen. In acht Kapiteln, die jeweils zentrale und über den Kreis...