Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jens Balzer: Pop und Populismus

Der Titel des Buches des Journalisten Kolumnisten Jens Balzer verspricht mehr, als das Werk letztlich halten kann, nämlich eine Auseinandersetzung mit dem Modethema „Populismus“, worunter er die Polarisierung unserer gegenwärtigen Gesellschaft fasst (12). Stattdessen haben wir es mit einem Großessay zu tun, der gelegentlich so wirkt, als seien verschiedene Kolumnen zu einem Buch zusammengefügt worden. Ihr verbindendes Thema: Popmusik, hier nicht verstanden im Sinne eines Genres, sondern schlicht im Sinne populärer, aktueller Musik. Das heißt, es dreht sich einmal um deutschen Hip-Hop und die Echoverleihung, um Heimatrocker wie Andreas Gabalier oder Frei.Wild und auch um die britische Band Planningtorock, bei der man sich wird fragen dürfen, ob sie zum beschriebenen Genre gehört. Inhaltlich...

Anton G. Leitner (Hg.): Der Himmel von morgen. Gedichte über Gott und die Welt

„Der Himmel von morgen“ – mit dieser poetischen, einem Gedicht entnommenen Zeile hat der Autor und Verleger Anton G. Leitner seine Gedichtsammlung überschrieben. Die 100 Gedichte von 91 bekannten und weniger bekannten zeitgenössischen Dichterinnen und Dichtern drehen sich – so der reichlich dehnbare Untertitel – um „Gott und die Welt“. Zu finden sind Gedichte unterschiedlicher Länge, zumeist ungereimt, aber auch höchst formvollendete wie das Sonett „Böhmisches Wegekreuz“ (111) von Christian Lehnert; außerdem hat der Herausgeber lautmalerische und Bildgedichte berücksichtigt. Der Vielfalt der dichterischen Formen entspricht die Vielfalt der aufgegriffenen Themen.

Dass Gott längst nicht mehr das Maß aller Dinge ist, führt Richard Dove in seinem Gedicht – wirklich ein Gedicht? – „Gott gemäß...

Knut Wenzel: Die Wucht des Undarstellbaren

„Licht erscheinen die Bilder und lesbar die Zeichen, unzugänglich ist das Absolute, bildlos, zeichenlos. Die Bilder haben ihre Leuchtkraft, die Zeichen ihre Prägnanz, von diesem Grund, der, als ob von ihnen abgewandt, sie mit Bedeutungen beleiht.“ (14) –„An den Bildern, die dazu da sind, wahrgenommen zu werden, erfahren wir uns, nämlich als Wahrnehmende.“ (23)

Mit solch prägnanten Sätzen steckt der für seine schöpferische Sprache bekannte Frankfurter Systematiker Knut Wenzel im Rahmen des „Anwegs“ und der Einleitung zu seiner grundlegenden theologischen Ästhetik – er sprengt den Rahmen der in den letzten Jahrzehnten im deutschsprachigen Raum eher dünn gesäten „Bildtheologien“ – den Raum ab: Zur Gottesfrage ist damit ebenso Grundlegendes gesagt wie zum Menschen im Angesicht des...

Deutsche Bischofskonferenz: Begegnung mit dem ANDEREN in Dichtung und Kirche

Spätestens mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und dessen Konstitution Gaudium et spes erfolgte eine offizielle, ausführliche Reflexion über das Potential von Literatur und Kunst im Kontext von Theologie und Kirche. Bearbeitete die Literatur seit jeher ungefragt und in ihrem eigenen Modus die Existenz des Menschen, die immer auch religiöses Suchen, Zweifeln und schließlich die Gottesfrage mit einschließt, bedurfte es von Seiten der Theologie und Kirche des allgemeinen Aufbruchs der 1960er Jahre, um die Dignität von Poesie und Kunst offiziell anerkennen zu können. Seit dieser Zeit ist im Dialog zwischen Literatur und Theologie, in ihrer beider Rede über Gott, viel geschehen, eine fast unüberschaubare Anzahl an Publikationen ist erschienen und auch institutionell hat das Zueinander dieser...

Adam Nergal Darski: Beichten eines Ketzers

Lesen Sie unter der Rubrik „Religionskritik“ noch immer Marx, Feuerbach und Freud? Oder darf es auch der mindestens literarisch interessantere Nietzsche sein? „Modern“ sind diese Klassiker der Religions- und Christentumskritik jedenfalls nicht und ihre zeitgenössischen Nachfolger à la Dawkins und Co. sind argumentativ meist wenig spannend. Um wie viel aufregender und zeitgemäßer vor allem in der Lebenswelt von (zum Teil auch älteren) Jugendlichen dürfte da eine Auseinandersetzung mit einer Form der Christentumskritik sein, wie sie plakativer und lauter nicht sein könnte: dem Black Metal. Noch immer ist diese Spielwiese von zum Teil sehr reflektierten, nachdenklichen Menschen nicht im Bewusstsein von Theologen angekommen, wenn es auch, wie von Sebastian Berndt (Gott haßt die Jünger der...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Heimat Europa?

Der diesjährige Begleitband zum Kultursommer Rheinland-Pfalz widmet sich der Frage, „inwiefern Europa als Heimat gedacht werden kann und soll“. Über deren Aktualität muss kein Wort verloren werden. Die 35 Autoren des Sammelbandes suchen mit den unterschiedlichsten Zugängen und Stilmitteln nach Antworten darauf. Ihre Perspektiven sind so vielfältig wie ihr persönlicher Hintergrund. Philosophen und Theologen, Sozialwissenschaftler, Schriftsteller, eine Gewerkschafterin, ein Benediktinermönch, ein Erzbischof, ein Kardinal, ein Fernsehkoch und selbst ein Prinz aus der äthiopischen Kaiserfamilie haben aus ihrer jeweiligen Sicht zu diesem Gemeinschaftswerk beigetragen, eine interessante und vielversprechende Zusammenstellung also. Da den Autoren keine bestimmte Definition von Heimat vorgegeben...

Luzia Schlösser (Hg.): Licht-Zeichen. Die Kunst von Johannes Schreiter

Er hat unzählige farbige Kirchenfenster in ganz Deutschland und weit darüber hinaus geschaffen. Seine „Licht-Zeichen“ sind im Bistum Limburg etwa in Frankfurt – in der Festeburgkirche Preungesheim (1968), in der Kapelle des Rhein-Main-Flughafens (1984) und in der Wahlkapelle des Frankfurter Doms (1993) – sowie in Limburg – in der Marienkapelle des Doms (1976) und jüngst in der Bischofskapelle (2011/12) – präsent. An der Städelschule in Frankfurt wirkt er von 1963 bis 1987 als Professor für freie Malerei und Grafik; seine zur Heimat gewordene Stadt Langen ernennt ihn 2013 zum Ehrenbürger. So ist es nur konsequent, dass das Deutsch Glasmalerei-Museum Linnich dem bald 90-jährigen Johannes Schreiter, der zu den weltweit bedeutendsten zeitgenössischen Glasmalern zählt, eine konzentrierte...