Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Erich Garhammer: Und er bewegt sie doch

Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert

Erich Garhammer legt keine Biografie des amtierenden Papstes vor, sondern versucht, die Veränderung von Kirche und Welt durch Franziskus an Beispielen aufzuzeigen. Er mutmaßt, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und schildert dann den Auftritt des neuen Papstes. Länger wird zitiert, wie der neue Papst sich in kurzen Antworten auf kurze Fragen charakterisiert. Auf einige Motive aus dem Interview geht Garhammer näher ein: Die Großmutter Jorge Bergoglios, die Liedform der Milonga, die Rede im Vorkonklave, in der es um die Deutung des II. Vatikanischen Konzils geht, und die Erinnerung an Papst Johannes XXIII. Mehr in die Tiefe gehen Erörterungen über das Verhältnis Jorge Bergoglios zum Jesuitenorden, zur ignatianischen Spiritualität, zum...

Patrick Roth: Die Christus-Trilogie

Kommentierte Ausgabe

Als in den 1990er Jahren drei erzählende Bücher über Christus erschienen, geschrieben von einem deutschen Autor in Los Angeles, da wusste die Literaturkritik nichts Rechtes damit anzufangen. Von „Bibelkrimis" war die Rede und von „Überwältigungsprosa“, gar von „inbrünstigen Heilsgeschichtenerzählungen“. Seit der „religiös musikalischen“ Wende um 2001 ist das anders. Patrick Roths Christus-Trilogie, bestehend aus den Bänden „Riverside" (1991), „Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten" (1993) und „Corpus Christi" (1996), ist ein Masterplan für den „Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten" (Sibylle Lewitscharoff), der sich intensiver als zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur abspielt. Nun ist die Trilogie erstmals in einem Band gebündelt, versehen...

Jan-Heiner Tück / Tobias Mayer (Hg.):Nah – und schwer zu fassen

Im Zwischenraum von Literatur und Religion

Der Wiener Germanist und Theologieprofessor Jan-Heiner Tück hat im Jahre 2016 nach dem Vorbild anderer Poetikdozenturen eine spezifische Poetikdozentur ins Leben gerufen, die sich dem Verhältnis von „Literatur und Religion“ widmen soll. Im Rahmen der Poetik, der Lehre vom Schreiben, geht es den Herausgebern vor allem darum, Einblicke in die Werkstatt von einzelnen Autorinnen und Autoren zu erhalten. Denn Poetikdozenturen sind der Ort, an dem Schriftsteller in ein reflexives Verhältnis zu ihrem Schreiben treten. Der Dichter wird zum Dozenten, um einem interessierten Publikum darzulegen, was ihn zum Schreiben anstachelt, welche Motive ihn bestimmen, welche Quellen und biographischen Erfahrungen in seine Texte einfließen, welchen Traditionslinien er...

Juli Gudehus: Genesis

Die biblische Schöpfungsgeschichte in Zeichen und Wundern

Wir leben in einer Welt voller Piktogramme, Symbole und Zeichen: Kein Produkt ohne Logo, keine Bedienungsanleitung ohne Icons, keine Handynachricht ohne ein Emoji. Man soll schnell visuell begreifen können, worum es geht, wie es funktioniert oder wie wir uns fühlen.

Dieser Ist-Zustand der Menschheit hat die Gestalterin Juli Gudehus schon 1992 zum ersten Mal dazu veranlasst, die biblische Schöpfungsgeschichte allein mit Symbolen, Zeichen und Icons zu illustrieren, die weltweit genutzt werden. Was für eine verrückte und gleichzeitig geniale Idee! 25 Jahre später, also 2017, überarbeitete die „Spezialistin für das Besondere“ ihr Werk nach der aktuellen Übersetzung der Bibel mit vielen neuen Symbolen.

Der Aufbau des Buches ist...

Christoph Wrembek: Judas, der Freund

Du, der du Judas trägst nach Hause, trage auch mich

Vorstellungen über die „letzten Dinge“, über Sünde – Gericht – Erlösung – Hölle, haben die Theologie schon immer in Atem gehalten. Im Blick auf diesen schwierigen, die Alltagserfahrung transzendierenden Themenkreis will uns der Autor eine „Schatzkiste des Glaubens, der Spiritualität und der Lebensgestaltung öffnen“ (74).

Ausgangspunkt für den Jesuitenpater, Priesterseelsorger und Missionar Wrembek sind wohl zum einen Erfahrungen seiner seelsorgerlich-therapeutischen Tätigkeiten, die ihn nur zu oft die krankmachenden Folgen „religiösen Psychoterrors“ (150) gegen unzählige Gläubige erleben ließen, weil die verdammende kirchliche Tradition jenen einreden wollte, Jesu Todesgeschick sei ein Opfer ihrer Schuld. Der andere Ausgangspunkt ist...

Constanze Kleis: Gebrauchsanweisung für Weihnachten

Eine Gebrauchsanweisung hat zum Ziel, einem Nutzer zu erklären, wie ein Produkt oder ein Gegenstand im weitesten Sinne zweckmäßig zu gebrauchen ist. Man fragt sich deshalb etwas verdutzt, wie die Journalistin aus Frankfurt ihren Buchtitel genau verstanden haben möchte. Denn Constanze Kleis schreibt de facto keine Gebrauchsanweisung im Sinne eines Ratgebers. Vielmehr will sie hinter den Bühnenvorhang Weihnachten blicken, um das zu entlüften, was ihr als ausgesprochener Weihnachtsfan daran wichtig erscheint. Ihr Buch ist daher ein klares Plädoyer für Weihnachten! Ein Weihnachten, das zwar aus einem schier endlosen, auch zu kritisierenden. Vielerlei besteht, dessen humaner Kern – eine theologische Reflexion über Weihnachten fehlt – bewahrenswert ist und bleibt.

Im Wesentlichen ist...

Jürgen Heidrich / Johannes Schilling: Martin Luther - Die Lieder

Hohe Anerkennung gebührt den – im besten Sinne humanistisch, musikalisch und theologisch gelehrten – Herausgebern für dieses feinsinnige Werk, in dem ein Stück musikalische Geistesgeschichte eingefangen wurde. Die geistlichen Lieder Martin Luthers, insgesamt 36, sind darin gesammelt, sorgfältig geordnet und kommentiert. Sie seien, heißt es im Nachwort, „gesungene Theologie“, zugleich auch „der konzentrierteste, dichteste, dauerhafteste und wirkmächtigste Ausdruck“ der Theologie Martin Luthers (192). Diese besondere Form der Verkündigung der Frohen Botschaft beginnt um den Jahreswechsel 1523/24 und erreicht 1529 einen vorläufigen Höhepunkt. Luther, mit gutem Beispiel vorangehend, lädt verschiedene Leute zur Mitarbeit ein (Georg Spalatin, Johann Dolzig), sie darum bittend, einen Psalm in ein...

Matthias Theodor Kloft: Dom und Domschatz in Limburg an der Lahn

Aufnahmen von Michael Benecke und Marcel Schawe

Der Limburger Dom, eines der schönsten Gotteshäuser des Landes und Wahrzeichen der Stadt, ist seit fast 200 Jahren immer wieder Objekt der monographischen Darstellung. So könnte leicht der Eindruck entstehen, es sei alles zu dieser Kirche gesagt. Dass dem keineswegs so ist, beweist die neue Publikation über Dom und Domschatz aus der Feder von Matthias Theodor Kloft, der damit eine erweiterte und aktualisierte Neubearbeitung der ersten Auflage von 2006 vorlegt. 

Der Verfasser präsentiert eingangs diverse Domabbildungen, die nicht nur einen Eindruck des Gotteshauses vermitteln, sondern auch viel über die Betrachtungsweise im Laufe der Jahrhunderte aussagen. Er erläutert die historischen Zusammenhänge der Stiftsgründung um 910 und die...