Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Gerd Lindner (Hg.): Sakulowski. Weltbild

 

Ein irritierendes Titelbild voller emotionaler Wucht – besser gleich wegsehen oder doch hinschauen? Wer genauer hinsieht, wird mit dem Antlitz eines bärtigen Mannes konfrontiert, der ihn mit weit aufgerissenem Mund anzubrüllen scheint und mit beiden Augen, das rechte halb, das linke weit geöffnet, fixiert. Warum fletscht er seine Zähne? Ist er wütend – warum? Ist er empört – worüber? Quälen ihn Schmerzen – welche? Will er sein Gegenüber vertreiben – oder im Gegenteil seine Hilfe einfordern? Solche Uneindeutigkeiten fordern den Betrachter heraus – und lenken den Blick auf die außerordentliche Qualität der Zeichnung. Über dem Schreienden stehen die Worte „Sakulowski. Weltbild“: Wer ist „Sakulowski“ – und was meint „Weltbild“?

Horst Sakulowski ist Thüringer. 1943 in Saalfeld geboren,...

Holger Zaborowski: Tragik und Transzendenz

Nicolaus Cusanus (1401-1464) schreibt: „Außerhalb des Denkbaren wird nichts gedacht. Alles Denkbare im Denken ist das Denken selber. Es wird also verbleiben nichts als das reine Denken selbst, das nicht denken kann, daß etwas außerhalb des Denkbaren existiert.“ Dieses Denken könnte man auf den ersten Blick neuzeitlich nennen, es könnte von Fichte oder Hegel stammen. Doch gibt es hier einen grundlegenden Unterschied, der das mittelalterliche vom neuzeitlichen Denken scheidet. Es ist die selbstverständliche Anerkennung der heilsgeschichtlichen Bedeutung des Offenbarungsgehaltes der Bibel.

Holger Zaborowski setzt in seiner Spurensuche nach dem metaphysisch Transzendenten bzw. nach seiner auf es verweisenden Leerstelle in der Gegenwartsliteratur mit der Frage nach „Mythos, Religion und...

Eva Willebrand: Literarische Texte in Religionsbüchern

 

„Misstraut gelegentlich euren Schulbüchern! Sie sind nicht auf dem Berg Sinai entstanden, meistens nicht einmal auf verständige Art und Weise, sondern aus alten Schulbüchern, die aus alten Schulbüchern entstanden sind, die aus alten Schulbüchern entstanden sind. Man nennt das Tradition. Aber es ist etwas ganz anderes.“ Pointiert fordert Erich Kästner in seiner „Ansprache zum Schulbeginn“ einen kritischen und mündigen Umgang mit Schulbüchern. Eva Willebrand, Theologin und Germanistin, hat in einer umfangreichen und quellenkundigen Studie einen ebensolchen Umgang mit Religionsbüchern im Sinne Kästners gewagt. Dabei gilt das Forschungsinteresse ihrer von Georg Langenhorst betreuten Dissertation der Verwendung von literarischen Texten in Religionsbüchern. Die Autorin zeichnet in historischer...

Wolfgang Vogl

In der gleichen Aufmachung wie zum Lesejahr A legt Wolfgang Vogl auch zum Lesejahr B ein Werk vor, das Bild- und Schriftbetrachtung so zusammenführt, dass dem Leser ein exegetisch versiertes und kunstgeschichtlich inspiriertes Kompendium christlichen Glaubens an die Hand gegeben wird. Zeit- und Kunstgeschichte, biblische Exegese, Dogmatik und Philosophie werden erzählerisch so ineinander verschränkt, dass jeder Bereich seine Eigenständigkeit bewahrt und Bezüge enthüllt werden. Das Bild behauptet sich als Kunstwerk und wird nicht einseitig als bloße Illustration des biblischen Textes missdeutet. Die biblischen Motive erhalten durch ihre künstlerischen Verarbeitungen einen Sitz im Leben ihrer Zeit. Die Aufgabe des Lesers, sie für seine Zeit aufzuschlüsseln, überlässt der Autor klug dem...

Erich Garhammer: Und er bewegt sie doch

Wie Papst Franziskus Kirche und Welt verändert

Erich Garhammer legt keine Biografie des amtierenden Papstes vor, sondern versucht, die Veränderung von Kirche und Welt durch Franziskus an Beispielen aufzuzeigen. Er mutmaßt, warum Benedikt XVI. zurückgetreten ist, und schildert dann den Auftritt des neuen Papstes. Länger wird zitiert, wie der neue Papst sich in kurzen Antworten auf kurze Fragen charakterisiert. Auf einige Motive aus dem Interview geht Garhammer näher ein: Die Großmutter Jorge Bergoglios, die Liedform der Milonga, die Rede im Vorkonklave, in der es um die Deutung des II. Vatikanischen Konzils geht, und die Erinnerung an Papst Johannes XXIII. Mehr in die Tiefe gehen Erörterungen über das Verhältnis Jorge Bergoglios zum Jesuitenorden, zur ignatianischen Spiritualität, zum...

Patrick Roth: Die Christus-Trilogie

Kommentierte Ausgabe

Als in den 1990er Jahren drei erzählende Bücher über Christus erschienen, geschrieben von einem deutschen Autor in Los Angeles, da wusste die Literaturkritik nichts Rechtes damit anzufangen. Von „Bibelkrimis" war die Rede und von „Überwältigungsprosa“, gar von „inbrünstigen Heilsgeschichtenerzählungen“. Seit der „religiös musikalischen“ Wende um 2001 ist das anders. Patrick Roths Christus-Trilogie, bestehend aus den Bänden „Riverside" (1991), „Johnny Shines oder Die Wiedererweckung der Toten" (1993) und „Corpus Christi" (1996), ist ein Masterplan für den „Botschaftsverkehr zwischen Oben und Unten" (Sibylle Lewitscharoff), der sich intensiver als zuvor in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur abspielt. Nun ist die Trilogie erstmals in einem Band gebündelt, versehen...

Jan-Heiner Tück / Tobias Mayer (Hg.):Nah – und schwer zu fassen

Im Zwischenraum von Literatur und Religion

Der Wiener Germanist und Theologieprofessor Jan-Heiner Tück hat im Jahre 2016 nach dem Vorbild anderer Poetikdozenturen eine spezifische Poetikdozentur ins Leben gerufen, die sich dem Verhältnis von „Literatur und Religion“ widmen soll. Im Rahmen der Poetik, der Lehre vom Schreiben, geht es den Herausgebern vor allem darum, Einblicke in die Werkstatt von einzelnen Autorinnen und Autoren zu erhalten. Denn Poetikdozenturen sind der Ort, an dem Schriftsteller in ein reflexives Verhältnis zu ihrem Schreiben treten. Der Dichter wird zum Dozenten, um einem interessierten Publikum darzulegen, was ihn zum Schreiben anstachelt, welche Motive ihn bestimmen, welche Quellen und biographischen Erfahrungen in seine Texte einfließen, welchen Traditionslinien er...

Juli Gudehus: Genesis

Die biblische Schöpfungsgeschichte in Zeichen und Wundern

Wir leben in einer Welt voller Piktogramme, Symbole und Zeichen: Kein Produkt ohne Logo, keine Bedienungsanleitung ohne Icons, keine Handynachricht ohne ein Emoji. Man soll schnell visuell begreifen können, worum es geht, wie es funktioniert oder wie wir uns fühlen.

Dieser Ist-Zustand der Menschheit hat die Gestalterin Juli Gudehus schon 1992 zum ersten Mal dazu veranlasst, die biblische Schöpfungsgeschichte allein mit Symbolen, Zeichen und Icons zu illustrieren, die weltweit genutzt werden. Was für eine verrückte und gleichzeitig geniale Idee! 25 Jahre später, also 2017, überarbeitete die „Spezialistin für das Besondere“ ihr Werk nach der aktuellen Übersetzung der Bibel mit vielen neuen Symbolen.

Der Aufbau des Buches ist...