Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Cornelia Steinfeld (Hrsg.): Die Bibel in Formen und Farben II

Zukunft, das ist der Ausblick, die Vision, die wir alle brauchen: Helle orangefarbene Kreise mit dem göttlichen Funken als weißer Kreis in der Mitte. Das Titelbild der Fortsetzung des Buches „Die Bibel in Formen und Farben“ von Cornelia Steinfeld startet mit unterschiedlichen Farben in die Zukunft: Hell und Dunkel – immer der göttlichen Mitte bewusst.

Es ist die Stärke des Buches, dass unterschiedliche Menschen und Generationen zu Wort kommen. Beim Titelbild sind es die Kinder mit ihren Wünschen und Vorstellungen von ihrer Zukunft, es sind die Wünsche nach Gemeinschaft, Geborgenheit und einer gesunden Natur sowie nach Verständigung und Kompromissen ohne Krieg. Und immer offen die Frage bei jeder der 42 Grafiken: Was siehst Du? Ansichtssache – die Sicht auf die Bilder verbindet. Vielfalt,...

Karl-Josef Kuschel: Weltgewissen. Religiöser Humanismus in Leben und Werk von Thomas Mann

Für Verlage sind Jubiläumsjahre eine willkommene Gelegenheit, die Öffentlichkeit daran zu erinnern, dass ein Autor aus ihrem Programm auch lange nach seinem Tod noch bedeutsam ist. Obwohl Thomas Mann eine solche Erinnerung hundertfünfzig Jahre nach seiner Geburt und siebzig Jahre nach seinem Tod nicht nötig zu haben scheint, sind die Regale der Buchhandlungen derzeit gut gefüllt mit neuen oder neu aufgelegten Büchern, die er selbst geschrieben hat oder die andere über ihn geschrieben haben. Dazu gehört auch das Buch des vielseitig interessierten Theologen Karl-Josef Kuschel, Experte für Theologie der Kultur und des interreligiösen Dialogs, der sich mit seiner Dissertation über Jesus in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur und mit Büchern u.a. über Lessing, Hesse, Rilke und Zweig einen...

Agnethe Siquans / Sigrid Eder (Hg.): Ist die Bibel frauenfeindlich?

Auf die Titelfrage, ob die Bibel frauenfeindlich ist, versuchen insgesamt 39 Kurzbeiträge dieses hochkarätig aus der deutschsprachigen biblischen Genderforschung bestückten Sammelbands eine Antwort zu geben. Keiner dieser Ein- und Überblicke in konkrete biblische Einzelthemen ist länger als acht Seiten. Das kommt einer nicht notwendig theologisch ausgebildeten, aber interessierten Hörerschaft entgegen. Denn die wissenschaftlich gleichwohl differenzierten Beiträge verzichten auf Zitate oder Fußnoten und erleichtern damit einen ersten Zugang zur Thematik. Leserfreundlich ist auch das Corporate Design der Beiträge, die stets folgende Elemente aufweisen: Titel, konkretisierender Untertitel, Einführung in die Thematik, Strukturierung durch Zwischenüberschriften und kurze Textblöcke,...

Marc Wischnowsky / Michaela Veit-Engelmann: Judit. Mit Kopf, Herz und Hand

Die von der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig herausgegebene Reihe „Biblische Gestalten“ ist mittlerweile auf stolze 35 Bände angewachsen. Im aktuellen Band widmet sich das Autorenpaar Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann – beide arbeiten in religionspädagogischen und gemeindepraktischen Kontexten – der Gestalt der Judit und dem nach ihr benannten Buch.

Beide laden ein, sich auf eine Entdeckungsreise zu machen: „Zu entdecken, was in der Bibel von ihr (Judit, d. Verf.) erzählt wird, welche Zeitfragen sich in dieser Geschichte spiegeln und woran sich die unterschiedlichen Bilder dieser faszinierenden Frauengestalt festmachen.“ (14) Dazu führt das Autorenduo die Leserinnen und Leser fundiert und breit, aber keineswegs zu ausladend an die Gestalt der Judit und an das gleichnamige...

Kay Weißflog: Ester. Eine jüdische Königin rettet ihr Volk

Das Buch Ester birgt viele hochaktuelle Aspekte, die eine Lektüre in Schule und Kirche äußerst lohnend machen: Fragen von Schönheitskonzepten und Genderrollen; Bezüge zum gelebten Judentum heute und erschreckend geläufige Muster des Judenhasses schon in der Antike; Erfahrungen von Macht und Ohnmacht, von Willkür und Autokratie, von Gewalt und Gegengewalt – individuell wie auch gesellschaftlich-politisch. Ein Band zu Königin Ester in der Reihe „Biblische Gestalten“ kommt daher zur richtigen Zeit und trägt dazu bei, dieses biblische Buch stärker ins christliche Bewusstsein zu heben. Die Darlegungen von Kay Weißflog folgen dem für die Reihe typischen Dreischritt: In Teil A („Einführung“) werden grundsätzliche Themen und Entstehungsbedingungen des Buches angesprochen. Der umfangreiche Teil B...

Dorothea M. Salzer: Mit der Bibel in die Moderne. Entstehung und Entwicklung jüdischer Kinderbibeln

Seit der Reformation wurden mehr als 1.000 Kinderbibeln in deutscher Sprache gedruckt, ein Trend, der bis heute anhält. Das war bekannt und wurde inzwischen vielfach wissenschaftlich dokumentiert und untersucht. Auch der Befund, dass sich darunter um die 30 explizit jüdische Kinderbibeln befinden, wurde – zumindest in Fachaufsätzen – belegt und analysiert. Was bislang fehlte, war eine gründliche Monographie zum Thema, die neben den zahlreichen christlichen Studien die jüdische Perspektive ins Zentrum rückt.

Diese Studie liegt hiermit vor. Im (ersten Teil) ihrer Habilitationsschrift kann Dorothea M. Salzer weit mehr als 100 solcher Werke nachweisen, angefangen vom in hebräischer Sprache gehaltenen „Buch der Geschichte Israels“, erschienen in Prag im Jahr 1706, bis zur großartigen...

Sandra Huebenthal / Manuel Bonimeier (Hg.): Neue Freundschaft mit dem geliebten Jünger

Die in der Bibel vorgestellten Rollenmuster und Identitätsentwürfe stellen in der Exegese einen zentralen Gegenstand dar, da sie die Rezeptionsgeschichte oft nachhaltig bestimmt haben. In jüngerer Zeit bringt sich eine gedächtnistheoretische Hermeneutik ins Gespräch, die von einem kulturwissenschaftlichen Verständnis von Erinnerung ausgeht und sowohl psychologische als auch soziologische Erkenntnisse berücksichtigt, um den jeweiligen sozialen Gedächtnisrahmen biblischer Identitätsbildungen zu rekonstruieren. Vor allem die Passauer Exegetin Sandra Huebenthal hat diesen Ansatz im Anschluss an Gedächtnistheorien von Maurice Halbwachs bzw. Aleida und Jan Assmann aufgegriffen, um die Evangelien als Zeugnisse kollektiver Erinnerungen und frühchristlicher Identitätsbildung zu lesen.

Es liegt auf...

Martin Meiser: Das Evangelium nach Markus

Zu den unbestrittenen Vorteilen der Kommentarreihe „Neues Testament Deutsch" gehört der Verzicht auf Fußnoten, Begriffe und Zitate in den biblischen Originalsprachen, um einem breiteren Publikum den Zugang zu erleichtern und die Bände insgesamt lesbar zu halten. Den Autor eines solchen Kommentars stellt die Vorgabe vor die Herausforderung, Detailwissen und wissenschaftliche Diskussionen, aber auch abweichende Meinungen und originelle Auslegungen, die man sonst in die Fußnoten verlagern würde, entweder gänzlich zu streichen oder in noch verdaubarer Weise im Haupttext unterzubringen.

Der Saarbrücker Kollege Martin Meiser hat sich für Letzteres entschieden und sein geradezu enzyklopädisches Wissen über das frühe Christentum in kompakter Weise in die Kommentierung des frühesten Evangeliums...