Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Peter Schäfer: Die Schlange war klug

„Die Hebräische Bibel und ihre rabbinische Deutung erweisen sich als Schlüssel zur Beantwortung der Frage, woher wir kommen und wohin wir gehen.“ Zu diesem Schluss gelangt der emeritierte Professor für Judaistik (an der Freien Universität Berlin und der Princeton University) und ehemalige Direktor des Jüdischen Museums Berlin Peter Schäfer in seinem bemerkenswerten Buch „Die Schlange war klug. Antike Schöpfungsmythen und die Grundlagen des westlichen Denkens“ in dessen letztem Satz. Auch wer die These des Autors, dass das Konzil von Trient den augustinischen Ansatz einer „im biologisch-genealogischen Sinne vererbten Sünde“ als freiheitsnegierendes Faktum dogmatisiert habe, in dieser Schärfe nicht teilen will, liest das Werk des Berliner Gelehrten mit größtem Gewinn. Der starke Gegensatz,...

Peter Trummer: Auferstehung jetzt – Ostern als Aufstand

 

Peter Trummer gibt in seinem klar strukturierten, flüssig lesbaren Buch mit 33 kurzen Kapiteln originelle Denkanstöße, um die christliche Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu zu verstehen und umzusetzen.

Der Einleitung über die sonntägliche Feier der Auferstehung und ihre Konsequenzen (Kapitel 1) folgen Ausführungen über die Passion Jesu (Kapitel 2 – 21): Anschaulich führt Trummer die äußeren Ereignisse und das Handeln beteiligter Personen, Freunde beziehungsweise Gegner Jesu vor Augen. Darüber hinaus erläutert der Autor die unterschiedlichen neutestamentlichen Deutungen der Passion kenntnisreich und differenziert. So macht er in ihrem jeweiligen Kontext die theologische und existentielle Innenseite des Geschehens plausibel. Kritisch muss Trummer dabei feststellen: Allzu lange und...

Hans-Georg Gradl: Die Offenbarung des Johannes

Die Erfahrung, dass eine Lektüre schwer verdaulich sein kann, findet sich in der Offenbarung des Johannes im wahrsten Sinn des Wortes. Das Büchlein, das der Seher auf der Insel Patmos auf Geheiß des Engels buchstäblich verspeisen soll, bekommt ihm schlecht (Offb 10, 9-11). Nicht wenigen Leserinnen und Lesern liegt das letzte Buch des Neuen Testamentes aufgrund seiner rätselhaften und gewaltsamen Szenerie ähnlich schwer im Magen – und das nicht nur zu unserer Zeit. Bereits der bekannte Maler und Buchdrucker Lucas Cranach der Ältere wählte 1522 für die Illustration von Luthers Septembertestament bedrohliche und zum Teil verstörende Bilder, die die Rezeption der Apokalypse maßgeblich beeinflusst haben. Das „Buch mit sieben Siegeln“ aus der Johannesoffenbarung ist so nicht zuletzt für dessen...

Thomas Söding: Das Evangelium nach Markus

Kommentare zu biblischen Büchern fallen gattungsmäßig in die Sparte der theologischen Nachschlagewerke. Kaum jemand liest einen exegetischen Kommentar von A bis Z, sondern man konsultiert üblicherweise verschiedene Exemplare der Spezies gezielt zu einer bestimmten Perikope oder Fragestellung. Wie schlecht diese Herangehensweise sein kann, zeigt der neue Kommentar zum Markusevangelium vom Thomas Söding, kürzlich emeritierter Professor für Neues Testament an der Universität Bochum, Vizepräsident des Synodalen Weges und theologischer Berater der Weltsynode. Mit seinem Kommentar kehrt Söding fast 40 Jahre nach seiner Dissertation zum Glaubensverständnis des Markusevangeliums, zu seiner „ersten exegetischen Liebe“, zurück und fügt hinzu, die „Arbeit am Kommentar hat sie nicht erkalten lassen,...

Thomas Hieke / Konrad Huber (Hg.): Bibel um-gehen

Die Herausgeber Thomas Hieke und Konrad Huber, beide Professoren in Mainz, sind überzeugt: „Wer seine Reserven gegenüber dir Bibel aufgibt, der … taucht hinein ins volle Leben und darf sich überraschen lassen.“ (13) Weil manche dieser Überraschungen aber nicht nur angenehm sind, wollen sie zum Umgang mit solchen „provokativen und irritierenden Texten“ helfen: Man solle solche Texte nicht vermeiden, sondern sie stattdessen sorgfältig lesen und auch aus ihrem jeweiligen Kontext und historischen Umfeld heraus verstehen lernen.

Nach einer Einleitung werden in 37 kurzen Kapiteln 20 Texte aus dem AT und 17 aus dem NT von ebenso vielen Fachleuten erklärt. Alle Autorinnen und Autoren haben zumindest promoviert, die meisten lehren im akademischen Kontext, vor allem an katholischen Fakultäten....

Sandra Huebenthal: Gedächtnistheorie und Neues Testament

Überraschenderweise gab es vor dieser „methodisch-hermeneutischen Einführung“ kein Lehrbuch, das die neutestamentlichen Texte mit Blick auf eine Gedächtnistheorie auslegt. Sandra Huebenthal schließt diese Lücke.

Die Verfasserin gliedert ihr Lehrbuch in drei Teile. Im ersten Teil (13–135) geht es um die hermeneutischen Grundlagen für einen kulturwissenschaftlich-gedächtnistheoretischen Zugang, der es ermöglicht, neutestamentliche Texte als Artefakte kollektiver Gedächtnisse, ähnlich wie Momentaufnahmen frühchristlicher Identitätsbildungsprozesse, zu lesen (25). Huebenthal stellt drei Formen kollektiver Gedächtnisse heraus: 1. Das „soziale Gedächtnis“, das von dem Tod der Träger ausgelöst wird und zeitlich begrenzt zwei Generationen dauert, von unterschiedlichen Perspektiven gekennzeichnet...

Ursula Ulrike Kaiser: Neutestamentliche Exegese kompakt

Die von Ursula Ulrike Kaiser im Vorwort skizzierte Ausgangslage, es gebe „schon genügend Exegesebücher auf dem Markt“, stimmt skeptisch gegenüber dem Mehrwert eines weiteren exegetischen Methodenbuchs zum Neuen Testament. Die seit 2019 an der TU Braunschweig lehrende Professorin für Biblische Theologie betritt jedoch mit ihrem Lehrbuch „Neutestamentliche Exegese kompakt“ Neuland mit der systematischen Integration von jüngsten hermeneutischen und technologischen Umwälzungen innerhalb der exegetischen Fachkultur.

So ist der Arbeit mit neuester Bibelsoftware nicht nur ein eigenes Kapitel gewidmet, sondern es finden sich im gesamten Buch QR-Codes, die Lesende sofort mit E-Books oder Websites versorgen, die für das jeweilige Thema nützlich sind. Der innovative Ausgriff auf das Genre...

Barbara Janz-Spaeth / Hildegard König / Claudia Sticher: Zeigt Euch!

Das Gesicht der Frau auf dem Cover ist profillos, eines aber fehlt ihr nicht: Ein Mund, der es ihr ermöglicht zu sprechen, zu erzählen, (an-) zu klagen, zu loben und zu singen. Eben das wird den biblischen Frauen in diesem vielseitigen Porträtband durch die Autorinnen ermöglicht: Ihnen wird eine Stimme gegeben, die ihnen die (zumindest überwiegend) männlichen Autoren der biblischen Texte nicht gewährt haben, indem sie sie zu namenlosen Statistinnen degradierten. Dass weibliche Perspektiven auf Gott und Welt damit zu kurz kommen, ist nicht nur für die Menschen biblischer Zeiten problematisch. Was solche Verdeckungen bewirken, kann in der für Frauen prekären Wirkungs- und Auslegungsgeschichte an unzähligen Beispielen nachvollzogen und gegenwärtig immer noch erfahren werden. Dabei sind diese...