Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Dirk Sager: Das Amosbuch heute lesen

Die Reihe „bibel heute lesen“ des Theologischen Verlags Zürich bietet einem breiteren Adressatenkreis fundierte theologische Zugänge zu einem biblischen Buch mit besonderer Berücksichtigung von Zeugnissen der Auslegungs- und Rezeptionsgeschichte und der Zielperspektive einer heutigen Fruchtbarmachung der jeweiligen biblischen Botschaft. Für das Buch Amos hat Dirk Sager, Professor für Altes Testament an der Theologischen Hochschule Elstal, eine ebenso übersichtliche wie vielseitige Einführung in dieser Reihe vorgelegt.

Sukzessive erschließt er die Großabschnitte der Amosschrift im Sinne eines literarisch inszenierten Gerichtsprozesses (vgl. 35 und die Kapitelüberschriften: Am 1,3-2,16: Anklage; Am 3-6: Disputation; Am 7-9: Urteil). Eine solche dramatische Darbietung erinnere als eine Art...

Klaus Scholtissek: Das Johannesevangelium

„Die Johannesforschung der letzten drei bis vier Jahrzehnte ist von weitreichenden Um- und Neuaufbrüchen geprägt.“ (8) Das neue Lehrbuch von Klaus Scholtissek scheint sich mit seinem ersten Satz in die zahlreichen Publikationen zur johanneischen Forschungsgeschichte einzureihen. In „Das Johannesevangelium. Ein Arbeitsbuch zu innovativen Forschungsperspektiven“ beschreitet der Jenaer apl. Professor für Neues Testament jedoch ungewohnte Wege, indem er unmittelbar mit der Darstellung und Diskussion innovativer hermeneutischer und methodischer Zugänge zum Johannesevangelium beginnt. Wer einen Forschungsüberblick über einflussreiche Modelle der Johannesentstehung erwartet, wird hier nicht fündig. Der Autor weist der klassischen johanneischen Literarkritik nur noch einen Platz in der...

Martin Ebner: Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten

Mit dem Büchlein „Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten. Wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten und was wir daraus lernen können“ führt der emeritierte Bonner Neutestamentler die argumentative Linie fort, die er in „Braucht die Katholische Kirche Priester? Eine Vergewisserung aus dem Neuen Testament“ (2022) begonnen hat: Hier geht es stärker um die Frage von Gemeindeorganisation und Gemeindeleitung, doch das zentrale Thema ist auch dieses Mal die Frage, ob es das Amt braucht und wie sich die Katholische Kirche durch Rekurs auf die Praxis früher Jesusnachfolger, die sich in neutestamentlichen Texten spiegelt, verändern und weiterentwickeln könnte.

In vier Kapiteln geht Ebner unterschiedliche Facetten frühchristlicher Sozialisations- und Organisationsformen ab: „Das Panorama...

Jean Zumstein: Das Unservater heute lesen

 

Ist nicht längst alles zum Vaterunser gesagt? Kann man von einem kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Buch neue Einsichten erwarten? Ja!

Jean Zumstein, der emeritierte Neutestamentler und Experte des Matthäusevangeliums aus Zürich, schafft es. Er fesselt mit seiner wissenschaftlich fundierten und zugleich geistlich in die Tiefe gehenden Auslegung des zentralen Gebets des Christentums, den Verstand und das Herz für das Beten der Worte Jesu neu zu öffnen. Auf schlichte und verständliche Weise, klar strukturiert und leitend, nimmt er seine Leserschaft auf die Entdeckungsreise.

Seine Einleitung, die er mit „Eine neu zu entdeckende Botschaft“ überschreibt, ist kein leeres Versprechen. Zumstein skizziert den Aufbau und die Intention seines Buches. Sogleich führt er zu den wesentlichen...

Rainer Oberthür: Die Kinderbibel. Eine Entdeckungsreise

Wer geht nicht gerne auf eine Reise? Auf eine Entdeckungstour in acht Stationen und vier Zwischenhalts wird mitgenommen, wer sich mit Rainer Oberthür durch seine Kinderbibel auf den Weg macht. Der Wegweiser ist dabei die Frage: Gibt es Gott wirklich?

Der Schwerpunkt der Reise liegt bei dieser Bibelausgabe für Kinder im Alten Testament, oder besser gesagt im „Ersten“ Testament, um bei der Sprache des Autors zu bleiben. Vorgestellt werden Bibelstellen, in denen Menschen Gott in den verschiedensten Weisen begegnen: Mose, Hiob und Ruth sind ebenso vertreten wie Adam und Eva. Eingebettet in erklärende Begleittexte werden die Lesenden an die Bibelgeschichten herangeführt. Die farbliche Gestaltung des jeweiligen Abschnittes verdeutlicht, in welchem Text man gerade unterwegs ist. Die Erklärungen...

Gute Nachricht. Geschichten von Jesus für Kinder fair erzählt

Jesus war Jude. Darüber besteht Einigkeit. Doch was bedeutet das für Christinnen und Christen? Für das christliche Selbstverständnis – und vor allem für das Verständnis der Geschichten, die über Jesus erzählt werden?

Wer in Schule und Gemeinde mit Kindern und Jugendlichen neutestamentliche Texte liest und bespricht, steht rasch vor der Herausforderung, diese angemessen zu kontextualisieren. Das gilt insbesondere deshalb, weil sich – bis in die jüngste Vergangenheit – in Büchern und Predigten hartnäckig bestimmte Dichotomien halten: Dem vermeintlich zornigen Gott des sogenannten Alten Testaments wird der liebende Gott des Neuen Testaments gegenübergestellt. „Alt“ und „Neu“ fungieren dabei als Kategorien, die eine Ablösung suggerieren. Hinzu kommen Darstellungen des Judentums, die häufig...

Johanna Haberer: Bibel

Auf genau 100 Seiten bietet Johanna Haberer eine knappe und gut verständliche Einführung in zentrale biblische Themen, von denen einige bereits auf dem Cover aufgeführt sind. Das Büchlein ist in zehn Kapitel gegliedert; im Anhang befinden sich Lektüre-, Hör-, Film- bzw. Serientipps sowie eine gedichtartige Aufstellung der einzelnen Bücher der Bibel.

Im ersten Kapitel beschreibt die evangelische Theologin und Journalistin die Entstehung der Bibel als Schriftensammlung, wobei sie die „menschliche Lesart“ und die große Bedeutung der biblischen Schriften für die kulturelle Vielfalt und das Zusammenleben hervorhebt. Eine Grafik mit einem Zeitstrahl zur Entstehung der biblischen Bücher rundet das Kapitel auf anschauliche Weise ab. Im nächsten Kapitel betont die Verfasserin die Unverfügbarkeit...

Stefan Müller / Antje Herzog (Illustrationen): der kleine jesus

Nach einer kritischen Sichtung der Leben-Jesu-Forschung seiner Zeit stellte Albert Schweitzer einst fest, dass das ideale Jesusbild dem idealen Männerbild seiner Zeit verdächtig ähnlich sah. Diese Beobachtung machten auch unzählige andere Forscherinnen und Forscher, sodass es scheint, jede Generation finde in den Quellen genau den Jesus, den sie dort suche.

Da die historische Jesusforschung in der Zeit der Aufklärung als Korrektiv der vermeintlich vereinnahmenden und einseitig verzerrenden kirchlichen Verkündigung an den Start gegangen ist, wohnt der (historischen) Jesusforschung häufig ein pädagogisch-aufklärerischer Impetus inne. Es geht ihr darum, die Gläubigen davor zu bewahren, der kirchlichen Verkündigung mit ihren christologischen Dogmen allzu unkritisch Glauben zu schenken. Mit...