Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Georg Röwekamp: Christen in der Region Gaza. Eine vergessene Geschichte

Gaza hat eine lange und bewegte christliche Geschichte, darauf macht Georg Röwekamp in seiner kurzweiligen und informativen Monographie „Christen in der Region Gaza: Eine vergessene Geschichte“ eindrücklich aufmerksam. Er hat eine allgemein verständliche und dennoch ausgesprochen akademische Einführung im rechten Augenblick vorgelegt, die über die vielen historischen, kunstgeschichtlichen, religionswissenschaftlichen und theologischen Details hinaus eine Hilfe zum Verständnis des Gaza-Konflikts und des Krieges gibt.

Die dazu erforderliche Expertise bringt der Autor reichlich mit: Er war Geschäftsführer und theologischer Leiter der Biblische Reisen GmbH, Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) in Jerusalem und Leiter des Pilgerhauses des DVHL in Tabgha am See...

Frank Griffel: Den Islam denken. Versuch, eine Religion zu verstehen

 

Ein bekanntes Vorurteil, das immer wieder vor allem in den Medien begegnet, ist die Aussage, dass der Islam weder eine Reformation noch eine Aufklärung durchgestanden hätte wie das Christentum. Daraus folge, dass der Islam immer noch im Mittelalter stecken geblieben sei, was vor allem die Anwendung der Scharia in Saudi-Arabien mit ihren ausgesprochen gewalttätigen Körpersprachen sowie der terroristische Dschihadismus zeigen. Ebenso sei der sogenannte Politische Islam eine folgerichtige Erscheinung im Westen, der sich gegen die emanzipatorischen Potenziale der (Spät-)Moderne richte und dagegen die Herrschaftsform des Kalifats setzte, das weltlich-staatliche und zugleich sakrale Macht beinhaltet. Der Islam, so der durchgängige Tenor, sei ein Modernitätsverlierer, der aber diese pejorative...

Christian Wiese / Joachim Valentin / Doron Kiesel (Hg.): Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Kompendium

Unter den markanten und lesenswerten aktuellen Publikationen zum Thema nimmt der hier vorzustellende Band eine profilierte Position ein: Auf 720 Seiten bekommen die Leserinnen und Leser durchweg fundierte und multipositionale Einblicke in zentrale Themenfelder und Ebenen des jüdisch-christlichen Dialogs. Eine vollständige Übersicht wird nicht angestrebt, die einzelnen Beiträge liefern vielmehr tiefergehende Analysen, systematische Reflexionen oder bedenkenswerte Ausblicke. Das Kompendium geht auf eine Tagung im Mai 2018 zurück und behält Elemente der Tagung bei: Die Themen werden meist aus jüdischer und christlicher (wobei katholische und protestantische Stimmen zu Wort kommen) Perspektive beleuchtet, mitunter erfolgen auch verschiedene Kommentierungen zu einem Leitbeitrag.

Allgemeine...

Dorothea M. Salzer: Mit der Bibel in die Moderne. Entstehung und Entwicklung jüdischer Kinderbibeln

Seit der Reformation wurden mehr als 1.000 Kinderbibeln in deutscher Sprache gedruckt, ein Trend, der bis heute anhält. Das war bekannt und wurde inzwischen vielfach wissenschaftlich dokumentiert und untersucht. Auch der Befund, dass sich darunter um die 30 explizit jüdische Kinderbibeln befinden, wurde – zumindest in Fachaufsätzen – belegt und analysiert. Was bislang fehlte, war eine gründliche Monographie zum Thema, die neben den zahlreichen christlichen Studien die jüdische Perspektive ins Zentrum rückt.

Diese Studie liegt hiermit vor. Im (ersten Teil) ihrer Habilitationsschrift kann Dorothea M. Salzer weit mehr als 100 solcher Werke nachweisen, angefangen vom in hebräischer Sprache gehaltenen „Buch der Geschichte Israels“, erschienen in Prag im Jahr 1706, bis zur großartigen...

Walter Homolka: Krieg und Frieden im Judentum

Das nach der Schoa größte Massaker an Juden am 7. Oktober 2023 in Israel führte zu einer Re-Traumatisierung der Juden in aller Welt; um die Geiseln aus der Hand der Hamas zu befreien, kam es zu einem Krieg gegen die Terrororganisation. Angesichts dieser Geschehnisse beleuchtet Walter Homolka in seinem Buch „Krieg und Frieden im Judentum“ chronologisch den „Schalom-Gedanken“ Israels, denn das Streben nach Frieden ist fest im Vorbild der Propheten, Philosophen und Rabbinen verwurzelt.

Der Autor beginnt mit der Frage: „Gibt es einen gerechten Krieg?“ Hierzu zieht er sowohl das Buch Deuteronomium Kap. 20 heran, in welchem sich Regeln für eine „adäquate“ Kriegsführung finden, als auch das Buch Leviticus Kap. 26, in welchem die altisraelitische Friedensvorstellung deutlich erkennbar wird.

Im...

Dorothea Weltecke: Die drei Ringe. Warum die Religionen erst im Mittelalter entstanden sind

Dorothea Weltecke lehrt Europäische Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer jüngst erschienenen Monografie präsentiert sie die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der transreligiösen und transkulturellen Phänomene des Mittelalters. Sie entwirft darin eine transreligiöse und transkulturelle Geschichte der Religionen Afroeurasiens im Zeitraum „zwischen Antike und Neuzeit“ (11) und macht damit ein alternatives Angebot zu traditionellen eurozentristischen religions- und kirchenhistorischen Entwürfen des Mittelalters. Das geschieht beispielsweise dann, wenn Weltecke die Kirche des Ostens in den Blick nimmt und ihre Angehörigen in der Quellenarbeit zu Wort kommen lässt. Christen gab es im Mittelalter eben auch in Asien und...

Mouhanad Khorchide: Ein Muslim auf dem Jakobsweg

Mouhanad Khorchide berichtet von seiner staunenswerten Reise auf dem Weg nach Santiago de Compostela. Überrascht die Leserschaft heute, dass ein gläubiger Muslim dorthin aufbricht? Der Theologe, in Osnabrück als Professor für Islamische Religionspädagogik tätig, sammelt Erfahrungen, die gläubige Menschen religionsübergreifend verbinden. Eine solche Pilgerfahrt ist zugleich ein Aufbruch in die Fremde, mitunter sogar ein existenzielles Wagnis, so dass Khorchide vor Beginn der Reise seiner Mutter versichert, dass er Muslim bleiben werde.

Der Theologe sucht nach Berührungspunkten zwischen den Religionen und weiß sogar die Trinität in ein islamisches Verständnis behutsam einzubetten. Er versteht die Dreifaltigkeit als einen „symbolischen Ausdruck der Vielfalt Gottes“, denn Gott sei ein...

Konfuzius: Gespräche. Neu übersetzt und kommentiert von Hans van Ess

Hans van Ess, Professor für Sinologie an der LMU München, legt mit diesem Buch eine Neuübersetzung des am zweithäufigsten übersetzten chinesischen Buches vor: der „Gespräche“ (Lunyu) des Konfuzius. Eine solche sei aus mehreren Gründen geboten: Zum einen seien die Übersetzer „bis zum 2. Weltkrieg fast durchweg christliche Missionare“ gewesen, weshalb damit eine – nicht zutreffende – „christliche, zum Teil humanistische Begrifflichkeit“ bis in die heutige Zeit vorherrsche. Zum anderen lieferten die neueren Übersetzungen „fast ausnahmslos keine wirklich neuen Erkenntnisse“, sondern spiegelten vielmehr die „persönlichen Vorlieben der Übersetzer“ wider. Überdies sei Lunyu – entgegen der bisherigen Annahme – kein „aus weitgehend unzusammenhängenden Sentenzen“ bestehendes Werk, sondern bis ins...