Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Merkt: Rund um den Tod. Wie der Tod christlich wurde

Wie die griechisch-römische Welt christlich wurde, ist das zentrale Thema in „Rund um den Tod“ von Andreas Merkt. Dieser kirchengeschichtliche Beitrag untersucht drei Themenbereiche aus der Zeit der Spätantike: Zunächst wendet sich Merkt der Bestattungskultur, den Gräbern, ihren Inschriften, Friedhöfen und Friedhofsbesuchen zu. Er informiert über Katakomben, Totenfeiern und die jahrtausendealte Tradition der Mähler, Picknick am Grab. Mitunter wurde ausschweifend „viel gegessen, getrunken und gesungen, manchmal tanzten sogar Frauen auf den Gräbern – zum Leidwesen der Bischöfe“ (37), die dieses Treiben als gefährlich und heidnisch betrachtet haben sollen. Da die Gläubigen an Riten und den Friedhöfen als Ort praktizierten Glaubens festhielten, wurden zunehmend in der Nähe oder über...

Topoi und Netzwerke der religiösen Rechten. Verbindende Feindbilder zwischen extremer Rechter und Christentum

Der vorliegende Sammelband stellt sich der Frage, inwieweit religiös konnotierte Feindbilder als Kitt internationaler Netzwerke dienen, indem sie die Kohäsionskräfte zwischen den unterschiedlichen extrem rechten Bewegungen in Russland, den USA und in Deutschland verstärken.

Blickpunkt Russland: Regina Elsner analysiert in ihrem lesenswerten Beitrag zur „Russisch-Orthodoxen Kirche im Netzwerk globaler rechts-konservativer Kräfte“ (27-44), wie die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK) den Angriffskrieg gegen die Ukraine zum ‚cultural war‘ erklärt. Sie zitiert dazu den Moskauer Patriarchen Kyrill in einem 2024 publizierten Nakaz (Instruktion): „Aus spiritueller und moralischer Sicht ist die spezielle Militäroperation ein heiliger Krieg, in dem Rußland und sein Volk den einheitlichen spirituellen...

Klaus von Stosch: Trinitätstheologie. Grundlegung und interreligiöse Perspektivierung

Johann Baptist Metz spottete einmal über den trinitätstheologischen Entwurf seines Kollegen Jürgen Moltmann, dieser kenne das Innenleben Gottes besser als das seiner Frau. Auf ähnliche Weise konnte sich Karl Rahner über trinitätstheologische Konzepte echauffieren, die ihm zur göttlichen Eingeweideschau gerieten. Gelte es doch, Gott als Geheimnis zu denken.

Nun darf die Beschwörung der Geheimnishaftigkeit Gottes nicht dazu führen, das Denken abzustellen, und das wollte zweifellos keiner der beiden Theologen sagen. Umso mehr stellt sich die Frage, bis zu welchem Punkt das Denken sich durch den Glauben an den dreifaltigen Gott herausfordern lässt. Dieser Frage nachzugehen ist in besonderer Weise Klaus von Stosch qualifiziert. Als Vertreter einer komparativen Theologe weiß er nicht nur um die...

Sebastian Gäb: Die Philosophie des Buddha. Eine Einführung

Mit „Die Philosophie des Buddha. Eine Einführung“ legt Religionsphilosoph Sebastian Gäb eine kompakte, systematisch angelegte Einführung in zentrale Lehrgehalte des frühen Buddhismus vor. Als utb-Studienbuch konzipiert, richtet sich das Werk primär an Studierende im Grundstudium der Philosophie und Religionswissenschaft. Der Fokus liegt, dem Titel entsprechend, auf der philosophischen Rekonstruktion der Lehre des Buddha und nicht auf religionsgeschichtlicher oder sozialhistorischer Kontextualisierung.

Der Aufbau ist klar strukturiert. Nach einer knappen historischen Einordnung folgen Kapitel zu den Vier Edlen Wahrheiten, zu dukkha, anatta, Karma, Meditation sowie zu späteren Traditionsbildungen und zur Rezeption im Westen. Didaktisch überzeugt der Band durch sprachliche Präzision und...

Maya C. Klinger: Wie ein Foto unser Leben rettete. Die wahre Geschichte der Familie Mandil

Maya Klinger erzählt in ruhiger und sensibler Weise, ohne in unangemessene Sentimentalität zu verfallen, aus der Ich-Perspektive des fünfjährigen Gavra Mandil die Geschichte seiner Familie zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Es handelt sich um die Darstellung der realen Erlebnisse der Familie Mandil, die nach dem Einmarsch der Deutschen in Jugoslawien zur Flucht aufgrund drohender Deportation gezwungen ist. Dabei gelingt es Maya Klinger in kindgerechter, Empathie schaffender Sprache, die Ängste und Sorgen Gavras spürbar werden zu lassen, der nicht versteht, warum Judesein lebensgefährlich geworden ist und er mit seiner Familie die Heimat verlassen muss. Die Schrecken des Krieges werden nicht detailreich geschildert, jedoch ist eindeutig nachzuvollziehen, dass die Angst vor den deutschen...

Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Studienhandbuch für Lehre und Praxis

Publikationen zum christlich-jüdischen Dialog sind in den vergangenen Jahren zahlreich erschienen; einige wurden auch im Eulenfisch besprochen. Das von Christian M. Rutishauser, Barbara Schmitz und Jan Woppowa herausgegebene Studienhandbuch „Jüdisch-christlicher Dialog. Ein Studienhandbuch für Lehre und Praxis“ reiht sich in dieses Genre ein. Es will den gegenwärtigen Stand des Gesprächs zwischen Judentum und Christentum systematisch darstellen und Impulse für Lehre und Praxis geben. Die Vielzahl profilierter Autorinnen und Autoren zeigt den wissenschaftlichen Anspruch des Bandes und ermöglicht fachkundige Orientierung. Dem Charakter eines Studienhandbuchs entsprechend erfolgt diese Rezension aus zwei Perspektiven: aus der eines lehrenden Theologen mit pastoraler Erfahrung im...

Mouhanad Khorchide: Ohne Judentum kein Islam. Die verleugnete Quelle

Seit einigen Jahren ist in Deutschland die Diskussion um den so genannten „importierten Antisemitismus“ entbrannt, der in bestimmten politischen Kreisen auch gerne mit „dem Islam“ ursächlich in Verbindung gebracht wird. In diesem Kontext nimmt Mouhanad Khorchide das schwierige Thema „Judentum und Islam“ in seiner historischen wie aktuellen Spannbreite auf. Dabei bemüht sich das Buch durchgängig um eine für Nicht-Fachleute verständliche Sprache, so dass sich sowohl das für die Lektüre notwendige fachliche Vorwissen als auch der kritische Apparat der Anmerkungen in Grenzen halten.

Aus Sicht eines islamischen Theologen beschreibt Khorchide die historischen Beziehungen zum Judentum an Beispielen theologischer Nähe und geübter Toleranz bis hin zu Beispielen religiöser Ablehnung und...

Über Jesus Christus sprechen im Religionsunterricht heute Theologische Grundlagen – Ökumenische Orientierungen – Didaktische Perspektiven

 

„Wer ist Jesus Christus?“ oder „In welchem Verhältnis steht er zu Gott?“ Diese und weitere Fragen nach Jesus (als) Christus und Sohn Gottes sind so alt wie das Christentum selbst und bilden seit jeher den Ausgangspunkt christlicher Reflexions- und Profilierungsbemühungen. Die frühen Christen hatten um diese Fragen nach der Identität des jüdischen Wanderpredigers lange gerungen und teils hitzig gestritten, bis die ersten Ökumenischen Konzilien – allen voran das Konzil von Nizää – durch ihre Lehrentscheidungen erstmals eine ebenso verbindliche wie bis heute überkonfessionell verbindende Klarheit geschaffen haben.

Wenn aber (bzw. falls) Schülerinnen und Schüler heute im Religionsunterricht (RU) nach Jesus Christus fragen, sind ihre Anfragen weniger dogmatischer als vielmehr individueller...