Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Robert N. Bellah: Der Ursprung der Religion

Das Buch beginnt mit Hans Joas’ vorzüglicher Einleitung in die Biografie und das Denken im Themenkreis einer „Globalgeschichte der Religion“ (XIX) des bekannten Religionssoziologen Robert Bellah. Dann kommt der Autor selbst zu Wort. Bellah bezieht sich in seiner differenzierten Erarbeitung des begrifflichen Instrumentariums seiner Darstellung der Religiosität der „Achsenzeit“ (1. Jahrtausend vor Christus) immer wieder auf andere Autoren, deren Bedeutung für sein Denken er würdigt. Wenn ich im Folgenden seine grundlegenden Denkfiguren skizziere, dann verzichte ich der Übersichtlichkeit willen außer bei Zitaten auf Namensnennungen.

Bellah geht im ersten Schritt von der Voraussetzung aus, dass am Beginn der Religion die Erzeugung von dauerhaft wirkenden „Stimmungslagen und Motivationen“ (9)...

Frank van der Velden: Narrative religiöser Diversität aus dem Nahen Osten und Nordafrika

Der Begriff „Narrativ“ hat Konjunktur. Die Suche über Google findet ihn in über 600 aktuellen Nachrichten. Zu den Narrativen gehören die Selbsterzählungen, durch die ein Kollektiv ein Bild von sich selbst entwirft. Frank van der Velden übernimmt von dem amerikanischen Historiker Hayden White (1928-2018) den Begriff des „Chronotope“, den der russische Literaturwissenschaftler Michail Bachtin (1895-1975) in die Erzähltheorie eingeführt hat, um zum Ausdruck zu bringen, dass in einer Erzählung Ort und Zeit nicht unabhängige, objektive Kategorien sind, sondern die Zeit durch den Raum gegliedert und der Raum durch die Zeit mit Sinn erfüllt wird. Wie durch Rückprojektion die Selbsteinordnung eines Kollektivs in Form einer Vorgeschichte zum Ausdruck kommt, kann anhand des „Chronotope“ der...

Elisa Klapheck: Zur politischen Theologie des Judentums

Elisa Klapheck lehrt an der Universität Paderborn; sie gibt die Buchreihe „Machloket“ heraus, in der Streitschriften zu gesellschaftspolitischen Fragen erscheinen, und sie ist Rabbinerin in Frankfurt und gehört dort dem „egalitären Minjan“ an. „Minjan“ ist die Zehnzahl, die im Judentum erforderlich ist, um eine Gemeinde zu bilden, „egalitär“ bezieht sich darauf, dass in liberalen Gemeinden nicht nur die Männer, sondern auch die Frauen gezählt werden. Weiter möchte ich auf Klaphecks Position in innerjüdischen Debatten nicht eingehen und auch nicht die sieben Aufsätze der Reihe nach wiedergeben, sondern mich auf Kerngedanken konzentrieren, die im Buch wiederholt auftauchen und die mir besonders aufschlussreich erscheinen.

Rehabilitation Kains: „Da wandte sich der Ewige zu Abel und seinem...

Perry Schmidt-Leukel: Das himmlische Geflecht. Buddhismus und Christentum – ein anderer Vergleich

Perry Schmidt-Leukel ist Professor für Religionswissenschaft und interkulturelle Theologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er ist Autor zahlreicher Werke zur Theologie der Religionen und Experte für Buddhismus und Christentum. Im Jahr 2015 hielt er an der Universität Glasgow (Schottland) als erster Deutscher seit fünfundzwanzig Jahren die international renommierten Gifford Lectures und zählt zu den bedeutendsten Religionswissenschaftlern und Theologen der Gegenwart.

Das von Perry Schmidt-Leukel vorgelegte Werk „Das himmlische Geflecht.

Buddhismus und Christentum – ein anderer Vergleich" ist eine anspruchsvolle religionstheologische Anwendung des von ihm entwickelten neuartigen Ansatzes der „fraktalen Interpretation“ religiöser Vielfalt, die von ihm als Antwort auf die...

Klaus von Stosch: Einführung in die Komparative Theologie

Die Komparative Theologie ist eine im englischen Sprachraum von Theologen wie David B. Burell und dem Jesuiten Francis X. Clooney entwickelte Methode des theologischen Religionsvergleichs. Besonders Ulrich Winkler und Klaus von Stosch haben diese Methode im deutschen Sprachraum in den letzten 10 bis 15 Jahren bekannt gemacht, auch wenn es die Sache bereits avant la lettre gab. Die Komparative Theologie bedient sich dabei auch der vergleichenden Religionswissenschaft, versteht sich aber dezidiert als bekenntnisgebundene theologische Disziplin. Sie ist eine Form der Theologie der Religionen, will aber bewusst religionstheologische Metadebatten und Makromodelle wie Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus hinter sich lassen, weil diese der Komplexität und inneren Vielfalt der Religionen...

Merdan Güneç / Andreas Kubik / Georg Steins (Hg.): Macht im interreligiösen Dialog

Die Frage der Macht in religiösen Kontexten ist gegenwärtig hochaktuell. Der reale Machtverlust der beiden Großkirchen in vielen europäischen Gesellschaften auf Grund diverser Faktoren auf der einen Seite und die machtvolle Zunahme von Extremismen, auch religiöser, in einigen Teilen der Welt auf der anderen Seite beschreiben sehr verkürzt das Feld. Dazu kommt die Forderung vieler katholischer Gläubiger, mehr Einfluss und Macht in ihrer Kirche zu bekommen (Stichwort: Synodaler Weg) im Sinne einer gleichberechtigten Partizipation, so dass eine Egalität zwischen Klerikern und sogenannten Laien hergestellt wird.

Es war nur eine Frage der Zeit, dass die Machtfrage im Bereich des interreligiösen Dialogs auch gestellt wird, zumal sie schon seit längerer Zeit virulent immer mitlief, wenn ein...

Wolfgang Reinbold: Koran und Bibel. Ein synoptisches Textbuch für die Praxis

Wolfgang Reinbold, apl. Professor an der Fakultät für evangelische Theologie der Universität Göttingen, hat beim renommierten Vandenhoeck & Ruprecht Verlag ein inhaltsstarkes – und mit 966 Seiten und einem Gewicht von mehr als 1700 Gramm sehr voluminöses – „synoptisches Textbuch für die Praxis“ vorgelegt. Daher sollen sowohl der Inhalt als auch die Praxistauglichkeit des Buches besprochen werden, wobei sich ein Vergleich mit den üblichen Synopsen biblischer und koranischer Texte anbietet, die sich in der Praxis gut bewährt haben. Hierzu greife ich auf das beim Katholischen Bibelwerk 2007 in zweiter Auflage erschienene Textbuch „Von Adam bis Muhammad: Bibel und Koran im Vergleich“ von Stefan J. Wimmer und Stephan Leimgruber zurück.

Während Wimmer/Leimgruber thematisch geordnete Texte aus...

Monika Tworuschka: Angst am Drachenfels. Jugendkrimi gegen Gewalt

Die Jugendlichen Zahra, Lena, Firas, Leila, Sebastian und Adil planen einen gemeinsamen Ausflug zum Drachenfels und eine Schifffahrt auf dem Rhein. Durch die Verkettung verschiedener Ereignisse kommen sie den Vorbereitungen für ein Attentat auf die Spur. Um das Unglück zu verhindern, agieren sie alle auf ihre ganz eigene Weise mutig miteinander.

Der Roman stellt auf gut verständliche und prägnante Weise die kulturellen und religiösen Hintergründe der aus Syrien geflohenen jugendlichen Muslime Zahra, Adil, Firas und Leila vor und zeigt sie im Kontext des Zusammenseins mit ihren in Deutschland neu gefundenen Freunden Lena und Sebastian. Viele Episoden beschreiben religiöse Praktiken von Muslimen und erklären deren Entstehung und Bedeutung. Somit werden in die immer spannender werdende...