Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Renz: Gott und die Religionen

In der theologischen Diskussion der letzten 30 Jahre hat sich für die verschiedenen religionstheologischen Modelle ein Dreierschema herausgebildet: Während der Exklusivismus außerhalb der eigenen Religion keine Wahrheit anerkennt und der Inklusivismus in anderen Religionen immerhin Elemente der eigenen Wahrheit wahrzunehmen bereit ist, scheint allein der Pluralismus einen ernsthaften Dialog mit anderen Religionen zu ermöglichen. Bekannt und in manchen Religionsbüchern präsent ist als Beispiel für Letzteren das aus dem Buddhismus stammende Bild von den Blinden, die bei dem Versuch, die Umrisse eines Elefanten zu ertasten, immer nur dessen Teile erfassen. Demgegenüber zeigt der Verfasser des vorliegenden Buches, dass dieses Bild, das uns im Unterschied zu den Blinden den ganzen Elefanten...

Almut-Barbara Renger: Buddhismus

Almut-Barbara Renger ist als Professorin für Antike Religion und Kultur an der Freien Universität Berlin tätig. Sie hat 2016 den Band „Erleuchtung. Kultur- und Religionsgeschichte eines Begriffs“ (Herder Verlag) herausgegeben. Nun hat sie ein kleines, aber feines Bändchen in der Reihe „Reclam 100 Seiten“ über den Buddhismus veröffentlicht.

Die Autorin will einen Beitrag dazu leisten, den Pluralismus und die Lebendigkeit der buddhistischen Traditionen sowie die westliche Konstruktion „des“ Buddhismus aufzuzeigen. Sie legt ihr Anliegen offen und erklärt ihr Ziel: „Mit dem Folgenden möchte ich dazu anregen, einseitige westliche Ansichten über ‚den‘ Buddhismus als ‚Religion, die eigentlich keine Religion‘ ist, zu hinterfragen.“ Die Autorin bietet so eine durch ihre persönlichen Interessen und...

Martin Goodman: Die Geschichte des Judentums

Alle reden von 1.700 Jahren jüdischerPräsenz auf dem Gebiet Deutschlands, doch was es tatsächlich heißt, sich en detail mit der Geschichte des Judentums in seiner Breite und Tiefe auseinanderzusetzen, ahnt, wer den voluminösen, von Susanne Held exzellent und gut lesbar aus dem Englischen ins Deutsche übersetzten Band des namhaften Professors für Jüdische Studien in Oxford Martin Goodman aufschlägt.

In fünf sinnvollen, nicht im strengen Sinn chronologisch gegliederten Teilen („Ursprünge“, „Die Interpretation der Tora“, „Die Herausbildung des rabbinischen Judentums“, „Autorität und Reaktion“ und „Die Herausforderungen der Moderne“) werden tatsächlich 4.000 Jahre jüdischer Geschichte unter klarer Reflexion auf die wichtigsten Quellen und ihre Zuverlässigkeit sowie die Wahrnehmung der seit...

Jens Schröter: Jesus. Leben und Wirkung

Unvergleichliche Faszination, Inspiration und Irritation seit zweitausend Jahren: Mit diesen Begriffen umreißt Jens Schröter, Professor für Neues Testament und antike christliche Apokryphen an der Humboldt-Universität Berlin, die immense Wirkung Jesu von Nazareth. Angesichts dieser Wirkungsgeschichte, aber auch der unzählbaren vorhandenen Jesus-Bücher ist es eine Kunst für sich, so knapp, präzise und in verständlicher Sprache über das historisch Gesicherte zum Leben Jesu zu informieren. Der Autor legt dabei vorab wohltuend die Selektivität und Perspektivität einer jeglichen historischen Darstellung offen. Dazu gehört Transparenz hinsichtlich seiner eigenen Verortung als (west)europäischer Wissenschaftler zu Beginn des 21. Jahrhunderts, der auf der Grundlage historisch-kritischer...

Walter Homolka: Der Jude Jesus

Das Buch ist mehr als nur eine Bestandsaufnahme und Kommentierung der verschiedenen christlichen und jüdischen Auseinandersetzungen mit der Person Jesu. Dem Autor geht es darum, alte Vorbehalte abzubauen und neue Wege der Aussöhnung aufzuzeigen. Diese können aber erst dann beschritten werden, wenn die tiefe Verortung des Jesus von Nazareth im Judentum den Christen deutlicher gemacht wird. Der Leser ist zunächst erstaunt, wenn er die vorangestellte Widmung liest. Sie gilt Christian Stückl, dem Spielleiter der Oberammergauer Passionsspiele. Eine solche Ehrung ist außergewöhnlich, waren es doch gerade die Passionsspiele, die sich seit ca. 300 Jahren eines subtilen und teilweise sogar offenen Antijudaismus bedient haben. Rabbiner Homolka, der Christian Stückl den Abraham-Geiger-Preis 2020 für...

Michael Blume: Verschwörungsmythen

In dem Film „Fletchers Visionen“ von 1997 deckt Jerry Fletcher (Mel Gibson) zusammen mit der Staatsanwältin Alice Sutton (Julia Roberts) eine ungeheure Verschwörung auf: Die CIA hat Menschen mit Hilfe von illegalen Experimenten zur Bewusstseinskontrolle gezielt zu Mördern ausgebildet, die in ihrem Auftrag unliebsame Zeitgenossen töten. Jerry Fletcher ist einer dieser Killer. Was den Film sehr spannend macht, ist nicht nur seine rasante Handlung, sondern auch, dass Jerry Fletcher in dem Film glaubhaft weiteren Verschwörungstheorien einen hohen Wahrheitsgehalt verleihen kann, die als moderne Sagen oder Legenden im kollektiven Bewusstsein gespeichert sind, wie z.B. die Versetzung des Trinkwassers mit Drogen durch die Regierung oder die Chemtrails.

Was dem Film „Fletchers Visionen“ einen...

Hans Peter Duerr: Diesseits von Eden. Über den Ursprung der Religion

Bekannt wurde der Ethnologe Hans-Peter Duerr (geb. 1943) durch sein Buch „Traumzeit. Über die Grenzen zwischen Wildnis und Zivilisation“ (1978). Ich hatte damals dieses Buch verschlungen und war entsprechend gespannt auf sein Alterswerk. Es umfasst 751 Seiten, 472 Seiten Text, 129 Seiten Anmerkungen und 142 Seiten Literaturangaben und andere Nachweise bzw. Register.

Vorweg: Bemerkenswert ist an dem Buch, dass der Untertitel „Über den Ursprung der Religion“, was eine begriffliche Aufarbeitung betrifft, eigentlich bedeutungslos ist. Vielleicht habe ich einige Seiten übersehen, aber im Hinblick auf eine begriffliche Auseinandersetzung mit Religionstheorie(n) im weitesten Sinne habe ich insgesamt ungefähr 21 Seiten mit einschlägigen, oft nur wenige Sätze umfassenden Argumentationen gefunden...

Mouhanad Khorchide: Gottes falsche Anwälte

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben“. Wie die beiden Zeilen aus Herrmann Hesses Gedicht „Stufen“ zeigt, scheint es eine Konstante im Menschen zu geben, die dazu führt, Anfänge zu idealisieren, vor allem, wenn man die Anfänge nicht selbst erlebt hat und aus einer bestimmten historischen Ferne auf sie schaut. Dann ist immer von der „guten alten Zeit“ die Rede, in der alles besser und schöner war als in der Gegenwart. Letztendlich können Anfänge zu ungeheuer großen Projektionsflächen werden, in denen alles das hineinreflektiert wird, was man in der Gegenwart schmerzlich zu vermissen meint. Dieser Befund der Idealisierung des Anfangs trifft besonders auf Religionen und ihre sogenannten Stifter zu.

Die nachfolgende historische Entwicklung wird...