Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Hans-Joachim Höhn: Ich. Essays über Identität und Heimat

Das Ich steht in der (Spät-)Moderne an jener Stelle, „wo es die Grammatik immer schon hingestellt hat: auf Rang eins.“ Die Versuche des Ichs, sich in sich oder aus sich heraus zu (er-)finden, führt in tiefe Aporien, aus denen der christliche Glaube die Kraft hätte herauszuführen. Diese „Zeitdiagnose“ – unvermeidlich mit dem verpönten „doppelten Maß“: das Evangelium im Licht dieser Zeit, diese Zeit im Licht des Evangeliums verstehen – führt Höhn in vier Themenkreisen durch.

Der erste Themenkreis (Kap. 2) widmet sich der Freiheitsliebe. Worum es dem Menschen heute im Leben geht, ist, dieses als ein „eigenes“ zu leben. Das verlangt, möglichst viele Optionen zu haben. Aber das Offenhalten der Optionen ist von einer selbstaufhebenden Tendenz bestimmt. Erstens muss man sich Optionen leisten...

Christoph Böttigheimer: Sinn(losigkeit) des Bittgebets

Wie lässt sich das Bittgebet vor der Vernunft verantworten? Diese fundamentaltheologische Frage umkreist der renommierte Theologe, Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, in seinem gut strukturierten, sprachlich klaren und aspektreichen Buch.

Vorwort (9-14) und Hinführung (15-36) verorten die Bedeutung des Gebets im Zentrum des Glaubens. Die Überlegungen zum Bittgebet stehen nämlich im Kontext der Frage nach dem Weltbezug Gottes und seinem Handeln; von Anfang an wird so die enge Relation zur Gottesfrage thematisiert.

Der Zusammenhang zwischen Reflexionen über Gott und verschiedenen Aspekten des Bittgebets prägt den Aufbau der folgenden Darstellung. Die vier übersichtlichen, anspruchsvollen, aber flüssig lesbaren Kapitel sind jeweils in Anfragen und Antwortversuche...

Matthias Roser: Religionskritik und die Frage nach Gott

Das Thema Religionskritik hat einen festen Platz im Religionsunterricht der Sekundarstufe II. Im Kontext des Religionsunterrichts meint Religionskritik in erster Linie nicht die Kritik an der Kirche und ihrem Erscheinungsbild, sondern vielmehr die Kritik am vermeintlich widersprüchlichen christlichen Gottesverständnis – Stichwort: Theodizee – sowie die argumentativen Bestreitungen der Existenz Gottes, die mit den Namen Ludwig Feuerbach, dem Begründer der modernen Religionskritik, und den auf ihn aufbauenden Karl Marx, Friedrich Nietzsche und Sigmund Freud verbunden sind. Da in einbändigen (katholischen) Oberstufen-Unterrichtswerken wie „Vernünftig glauben“ oder „sensus Religion“ der Gotteskritik nur einen knappen Raum gewidmet ist, kann der vorliegende, im Format DIN A4 aufgelegte Band,...

Thomas Bauer: Warum es kein islamisches Mittelalter gab

Das kleine im C.H. Beck-Verlag erschienene Buch ist im Kontext der von Thomas Bauer bereits 2011 vorgelegten größeren Studie „Die Kultur der Ambiguität. Eine andere Geschichte des Islams“ (Insel Verlag) zu lesen. Anders als diese findet sich hier keine systematische Konstruktion einer Kulturtheorie, sondern eine eher episodenhaft um den Begriff des „islamischen Mittelalters“ kreisende Infragestellung unserer gewohnten Wahrnehmungen der Kulturen des Orients in den Jahrhunderten zwischen Spätantike und Moderne. Dies enthebt die Sache ihrer begrifflichen Schwere und stärkt die Lesefreude, zumal der Autor durchaus pointiert formulieren kann und viele gelungene Spitzen gegen unser eigenes kulturelles Selbstverständnis setzt. Wem das Freude macht, der sollte im Anschluss dessen zeitgleich...

Viera Pirker / Maria Juen: Religion – (k)ein Fach wie jedes andere

Wie kann eine Leistungsbeurteilung im Fach Religion geschehen? Darf man eigentlich überhaupt eine Beurteilung vornehmen oder trifft das zu, was im Vorwort unter Bezug auf den österreichischen Religionslehrer und Kabarettisten Stefan Haider zu lesen ist: „Als Religionslehrer habe ich eine sehr enge Beziehung zum Sehr gut. Jesus selbst hat ja gesagt: ‚Sie sollen alle eins sein!’ – und daran halte ich mich natürlich.“

Die Praktischen Theologinnen Viera Pirker (Universität Wien) und Maria Juen (Universität Innsbruck) unternehmen in ihrer empirischen Studie den Versuch, dieses umstrittene Feld zumindest für den Bereich der Oberstufe an allgemeinbildenden höheren Schulen in Österreich auszuleuchten. Grundlage dafür sind Kompetenzraster und -kataloge einerseits sowie Fragenkataloge,...

Michael Seewald: Dogma im Wandel

Der historische Wandel stellt für das Selbstverständnis der katholischen Kirche und ihre Dogmatik eine existenzielle Herausforderung dar. Seit dem 19. Jahrhundert versucht das römische Lehramt, die Institution Kirche und ihre Glaubensüberlieferung aus dem Werdegang der Geschichte herauszunehmen und als überzeitliche Gebilde zu promulgieren. Theologen, die in systematischer Form oder mit Blick auf Einzelfragen Wahrheit, Glaube, Evangelium und Dogma geschichtlich interpretieren, geraten unter „Modernismus“- oder „Relativismus“-Verdacht.

Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald hat nun eine äußerst lesenswerte und zugleich lesbare Studie zum Thema Dogmenentwicklung und Dogmenverständnis vorgelegt. Er geht darin nicht nur dem Prozess des Verkeilens von Kirche und Moderne nach, sondern...

Christian Lehnert: Cherubinischer Staub

Es ist der siebte Gedichtband des gebürtigen Dresdeners Christian Lehnert, der schon im Titel „Cherubinischer Staub“ die himmlische Dimension zu erkennen gibt, in die seine metrisch und in Reimen gebundenen Gedichte hineinreichen. Neben den Seraphinen gehören die mit ihnen oft in einem Atemzug besungenen Cherubine wohl zu den bekanntesten Engelsgattungen. Heute werden sie allesamt kaum noch ernst genommen, und doch ist in Erinnerung: Unmittelbar nach der Vertreibung des Menschen aus dem Garten von Eden werden in Genesis 3,24 die Cherubine damit beauftragt, den Baum des Lebens vor dem Menschen zu schützen; ihm soll nach seinem Diebstahl vom Baum der Erkenntnis nicht auch noch ein ewiges Leben überlassen werden.

In einem Moment noch weitgehend ungeregelten intensiven Fortschritts durch...

Nancy L. Eiesland: Der behinderte Gott

Der von Werner Schüßler übersetzte facettenreiche Titel „Der behinderte Gott“ fasst die zentrale Aussage der mittlerweile leider verstorbenen körperbehinderten Theologin und Bürgerrechtlerin für behinderte Menschen Nancy Eiesland zusammen: Das Symbol des „behinderten Gottes“ soll Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich mit diesem Gott zu identifizieren und sich mit der Kirche zu versöhnen.

Jesus Christus fordert die Apostel auf, in den Wundmalen seiner Beeinträchtigung ihre eigene Verbundenheit mit Gott zu erkennen. Seine Wundmale offenbaren Jesus Christus als behinderten Gott. Der gebrochene Körper wird zum Sakrament und Ausgangspunkt ihrer Befreiungstheologie. „Ich erkannte den inkarnierten Christus im Bild jener, die als ‚nicht tragfähig’, als ‚arbeitsunfähig’, als ‚mit fragwürdiger...