Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin Ramb / Holger Zaborowski: Politik und Religion

Der dritte Band zu den Koordinaten Europas mit dem Titel „Politik und Religion“ enthält 24 Beiträge. Aufgrund dieser Fülle beschränke ich mich auf vier davon.

„Um der Freiheit willen“ lautet der Titel des Mitherausgebers Zaborowski. Darin untersucht der Autor das Verhältnis von Religion und Politik in krisenhaften Zeiten. Am Beispiel Donald Trumps zeigt er, wie Religion sehr gut helfen kann, politische Macht zu rechtfertigen. Und die Vermischung von Religion und Politik etwa in Russland und dem Iran habe für die ganze Welt Konsequenzen. Zaborowski stellt weiter die Frage, welchen Beitrag die Religion in Zeiten der Krise leisten könne. Auf der einen Seite könnten religiöse Kräfte die Krise verschärfen oder hervorbringen, wie an der Skepsis gegenüber der Freiheit des Menschen und dem...

Arnd Henze: Mit Gott gegen die Demokratie. Warum der christliche Nationalismus alle angeht

Auch wenn wir schnell von weltweiten Krisen und politischen Mehrheiten in Deutschland beeindruckt sind, lohnt es sich, gemeinsam mit dem erfahrenen und erfolgreichen Journalisten Arnd Henze einen qualifizierten Blick „über den Großen Teich“ zu werfen, wo Gott, Nation und Macht schon seit Jahrzehnten – in den beiden Amtsperioden von Donald R. Trump verschärft – eine unheilige Allianz eingegangen sind.

Der Theologe Arnd Henze und engagierte evangelische Christ war lange außenpolitischer Redakteur der ARD in den USA und hat bereits mehrfach über die Schnittstelle zwischen (christlicher) Religion und Politik publiziert. Sein aktuelles Buch stand auf der Bestenliste „Sachbuch des Monats“ und hat neben sehr hohen Auflagen eine große öffentliche Aufmerksamkeit erreicht.

Worum geht es? In drei...

Volker Weiß: Katechon. Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart

In diesem kleinen Band geht es um Großes. Um nichts weniger als um das Ende der Welt und wie dieses noch aufgeschoben werden kann. Auf den ersten Blick. Auf den zweiten geht es um knallharte Machtpolitik in Zeiten des neuen Autoritarismus. Um die geschichtstheologische Legitimation eigener politischer Ziele durch die Behauptung, ein von Gott vorherbestimmtes Werkzeug in den bereits angebrochenen Kämpfen der Endzeit dieser Erde zu sein.

Gleich zu Beginn ruft Volker Weiß, Historiker und Autor des Bandes, die biblische Grundlage für dieses apokalyptische Welttheater in Erinnerung, das in unseren Tagen unter rechtspopulistischen wie religiösen Fundamentalisten große Resonanz findet. Es basiert auf 2. Thessalonicher 2, 3-10. Diese wenigen paulinischen Verse aus dem Neuen Testament deuten an,...

Michael Triegel: Malen ist eine Form der Selbsterkenntnis. Gespräche und Essays zur Kunst

Das Portrait von Papst Benedikt XVI. (2010) hat Michael Triegel zu einem bekannten Maler gemacht. Zugleich wurden kritische Fragen gestellt: Kann man heute noch malen wie die Alten Meister? Sind heute noch Motive aus Antike und Christentum relevant? Seine Antwort, ein doppeltes Ja, begründet der belesene und reflektierte Künstler in dem vorliegenden Buch. Darin hat der Herausgeber Matthias Bormuth, Professor für Vergleichende Ideengeschichte, verstreut veröffentlichte und einige noch unveröffentlichte Beiträge zusammengestellt. Gerahmt wird der Band durch zwei Aufsätze, in denen sich Bormuth aus biographischer (11-17) und kulturgeschichtlicher Perspektive (203-225) mit dem umfangreichen Werk Triegels befasst. Aufschlussreich sind die beiden ausführlichen Gespräche zwischen Herausgeber und...

Martin Kirves: Albrecht Dürers Selbstporträt im Pelzrock

Wer kennt es nicht: Albrecht Dürers auf das Jahr 1500 datierte „Selbstbildnis im Pelzrock“? Mit dem an der Schwelle zur Neuzeit entstandenen Ölgemälde – sicherlich eine „Ikone der Renaissance“ (Martin Kirves) – verbinden sich etliche Fragen.

Offensichtlich hat Dürer (1471-1528) von sich eine repräsentative Darstellung geschaffen: Er zeigt sich „im Pelzrock“ – in der Robe des Hohen Rates der Stadt Nürnberg, in den er aber erst 1509 gewählt wurde. Ist sein Selbstporträt dann nicht Ausdruck einer Anmaßung? Oder hat es der Maler zurückdatiert?

Würde es sich um kein „Selbstbildnis“ handeln, sähe man in dem Mann mit segnender rechter Hand aufgrund unseres Bildgedächtnisses Jesus Christus. Dürer stellt sich in der Pose Christi dar. Muss eine solche Selbstinszenierung nicht als Hybris kritisiert...

Manfred Koch: Rilke. Dichter der Angst. Eine Biografie

Um es vorwegzusagen: Unter allem, was bisher zu den bevorstehenden Rilke-Jubiläen (1875 -1926) erschienen ist, sticht dieses Werk heraus. Keineswegs nur Biografie im üblichen Sinn, sondern vielfach auch Werkinterpretation, zudem oft mit überraschenden Querverweisen auf Kultur- und Literaturgeschichte, im Ganzen ein Lesevergnügen voll plastischer Bezüge und ein reichhaltiger Lerngewinn dazu. Das fängt schon mit dem überraschenden Titel an, gilt Rilke doch gewöhnlich als eher ästhetisierend abgehobener Dichter oder quasi religiöser Seelentröster, als bevorzugter Kandidat zudem für Hintersinn und Kalendersprüche. Dass Koch nicht chronologisch mit Rilkes Prager Kindheit beginnt, sondern mit dessen schockierender Großstadterfahrung in Paris, zeigt, wie originell und kenntnisreich er den...

Jenny Valentine: Zwei Seiten eines Augenblicks. Roman

Es ist eine Herausforderung, sich zu einem Roman zu äußern und dabei den interessantesten Moment der Handlung nicht zu benennen und zu deuten. Denn würde das geschehen, wären die Voraussetzungen für das erstmalige Lesen des Romans „Zwei Seiten eines Augenblicks“ von Jenny Valentine völlig andere. Ist es nicht die Aufgabe von Rezensionen, Neugierde bei Unentschlossenen zu wecken, und das Interesse, dieses Buch zu lesen, bei bereits aufmerksam Gewordenen oder Interessierten zu stärken oder auch zu stören? Wie verhält es sich jedoch, wenn die Geschichte einen derartigen Plot-Twist aufweist, der – wenn man sich von der mit Wucht herbeigeführten Erkenntnis, dass das Verständnis des Lesenden sich einer Perspektive auf die Darstellungen bedient hat, die vollständig zu überdenken ist, erholt hat –...

Heribert Körlings: Auf Abwegen. Theopoetische Texte

Wer auf Abwegen unterwegs ist, hat die Orientierung verloren, sich ganz und gar verschätzt und braucht jemanden, der ihn auf den rechten Weg zurück lotst. Ist Heribert Körlings, pensionierter Gymnasiallehrer für Deutsch und Religion in Aachen und Autor mehrerer Bücher über das Werk Eugen Drewermanns, ein solcher Lotse durch den ‚Irrgarten Welt‘? Sein erster Gedichtband verheißt zumindest im Titel, dass er seine Leser auf Abwege führen wird. Aber bringt er sie auch wieder auf den rechten Weg zurück?

Der Untertitel des Buches weist darauf hin, dass die Gedichte allerdings einen anderen, demütigeren Anspruch haben. In vier Abschnitten, die von einem Prolog- und Epilog-Gedicht gerahmt werden, versammelt Körlings „Theopoetische Texte“; das sind Texte, deren Anliegen – der Definition...