Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Liborius Olaf Lumma: Feiern im Rhythmus des Jahres

Eine kurze Einführung in christliche Zeitrechnung und Feste

Kalender ordnen die Zeit, bringen die Abfolge der Jahreszeiten mit dem Lebensrhythmus des Menschen in Einklang und erlauben ein Erinnern und Sich-Orientieren anhand wichtiger Ereignisse in der Geschichte. Liborius Olaf Lumma zeichnet präzise und verständlich die historische Entwicklung europäischer Kalendersysteme im vorchristlichen und christlichen Europa nach, gestützt auf Mond- und Sonnenumläufe oder in der Kombination beider. Die Entwicklungsschritte vom julianischen zum gregorianischen Kalender und der dadurch neu entfesselte Streit der abendländischen Kirche mit denen des Morgenlandes um den Termin des Osterfestes – des Dreh- und Angelpunkts des liturgischen Kirchenjahres – legt er in seiner die Identität der Ostkirchen...

Hubert Wolf: Konklave

Detailliert und kenntnisreich beschreibt Hubert Wolf die Entwicklung der Papstwahl im Laufe der Jahrhunderte. Sieben Leitfragen markieren seine Durchblicke. Die Wähler waren ursprünglich Klerus und Volk von Rom; seit 1059 sind es – mit Ausnahme der Besonderheit des Konstanzer Konzils – die Kardinäle. Papst kann ebenfalls nur ein Kardinal werden. Nachdem im Mittelalter die Papstwahl an verschiedenen Orten stattgefunden hatte, ist seit der Frühen Neuzeit die Sixtinische Kapelle der Platz für die Papstwahl – unter dem Jüngsten Gericht Michelangelos und mit immer stärkerer Sakralisierung. Aus verschiedenen Möglichkeiten der Wahl hat sich seit 1179 die Zweidrittelmehrheit als unabdingbar herausgestellt, die durch Skrutinien, also schriftliche Abgabe der Stimmen, erhoben wird. Über Jahrhunderte...

Volker Reinhardt: Pontifex

Die Geschichte der Päpste. Von Petrus bis Franziskus

Mit einer monumentalen Geschichte der Päpste überschreitet der Schweizer Historiker Volker Reinhardt seine bisherigen Forschungsgebiete um ein Vielfaches. Hervorgetreten durch Arbeiten zum Renaissancepapsttum und Biographien aus der Zeit des 15. und 16. Jahrhunderts, wagt er sich an eine Gesamtdarstellung von 2000 Jahrhunderten kirchlicher Institutionengeschichte. 

Die 14 ungefähr gleich langen, doch sehr unterschiedliche Zeiträume abdeckenden Kapitel reichen von „Legenden, Uranfänge und erste Machtkämpfe“ bis „Schwankende Haltungen zur Gegenwart“. Reinhardt schreibt als Historiker. Theologische Auseinandersetzungen interessieren ihn vor allem dann, wenn sie für die Beurteilung der politischen Haltung eines Pontifex relevant sind....

Thomas Kaufmann / Martin Keßler (Hg.): Luther und die Deutschen

Stimmen aus fünf Jahrhunderten

Schon wieder ein Luther-Buch – werden manche seufzen. Thomas Kaufmann, renommierter Reformationshistoriker aus Göttingen, hat zusammen mit dem ebenfalls in Göttingen wirkenden Kirchengeschichtler Martin Keßler eine lesenswerte Anthologie mit Aussagen zu Martin Luther zusammengestellt. Sie reichen von den Zeitgenossen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Leider fehlen Luther-Deutungen aus den letzten 30 Jahren und damit die aktuellen Luther-Bilder.

Das Spektrum ist weit. Es reicht von der ersten Generation der Reformatoren (Friedrich Myconius und Philipp Melanchthon) über Repräsentanten der Luther-Orthodoxie, des Pietismus und der Luther-Interpretation in Aufklärung und im Revolutionszeitalter bis zu den nationalprotestantischen Theologen des 19. und 20....

Bernd Rill: Was Luther angerichtet hat

Was hat Luther da nur angerichtet! So möchte man einigermaßen verwundert ausrufen, wenn man vom Titel ausgehend auf das Inhaltsverzeichnis des vorliegenden Buches blickt: Denn hier wird nicht weniger als ein Panorama der deutschen Geschichte des 16. bis 20. Jahrhunderts aufgemacht – von der Reformation und der folgenden Konfessionalisierung, über den Dreißigjährigen Krieg, Aufklärung, Säkularisation, das vielfältige 19. Jahrhundert bis hin zum Nationalsozialismus und zum Zweiten Vatikanischen Konzil mit seinen Folgen. Dem Vorwort des Verfassers nach soll es in diesem Buch darum gehen, die Langzeitfolgen der Reformation darzustellen – nur: Wofür in diesem Gebirge an Themen soll Luther verantwortlich sein? Man dürfte also erwarten, dass jeweils die Verbindungslinien zur Reformation gezogen...

Horst Junginger: Religionsgeschichte Deutschlands in der Moderne

Ob Reformationsjubiläum, Integrationspolitik, Antisemitismus oder auch Äußerungen von Religionsvertretern zur Homo-Ehe: Zahlreiche Anlässe sorgen dafür, dass Religion trotz schwindender Kirchenbindung und religiöser Praxis in der Bevölkerung ein viel und vor allem emotional diskutiertes Thema bleibt.

Zur Versachlichung der gegenwärtigen Debatten zur Stellung der Religion in der deutschen Gesellschaft will das Überblickswerk des Religionswissenschaftlers Horst Junginger beitragen, das in der Reihe „Geschichte kompakt“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt erschienen ist. Diese religionsgeschichtliche Einführung verfolgt das Ziel, den „dynamischen Entwicklungscharakter religiösen Wandels“ (9) des 19. und 20. Jahrhunderts von einer fast durchgängig christlichen Gesellschaft...

Thomas Frings: Aus, Amen, Ende?

So kann ich nicht mehr Pfarrer sein

Mit seinem Text „Kurskorrektur“ hat Thomas Frings im vergangenen Jahr für Aufsehen gesorgt. Darin begründet der von mehrheitskatholischer Servicementalität gefrustete Münsteraner Priester seinen Abschied aus der Gemeindeleitung und seinen vorläufigen Rückzug in ein Kloster. Was lag näher, als diesem eingängigen Statement ein Buch hinterherzuschieben, das die dort in elementarisierter Form dargestellten Gründe für die Amtsaufgabe eingehender ausführt. Frings tut dies – und er tut dies ohne Häme gegenüber Sakramentennippern und Generalvikariaten. Und er steuert – das durfte auch erwartet werden – die eine oder andere Anekdote aus dem pastoralen Notstandsgebiet bei: Eine Firmbewerberin und ihre Mutter hatten sich mit Frings zu einem Gesprächstermin nach...

Guido Kreppold: Die Verwaltung des Untergangs

Bereits Ende der 1970er Jahre sah der Theologe Eugen Biser die Krise der Kirche darin begründet, dass sie nicht fähig sei, „dem Menschen von heute auf seine Sorgen verstehend einzugehen, seinem vielfach frustrierten Glücksverlangen entgegenzukommen und ihm in seiner Überforderung, Vereinsamung und Lebensangst einen Raum des Aufatmens, der Solidarität und der Geborgenheit zu bieten.“ Wie sieht es vier Jahrzehnte später aus? Sind Kirche und Klöster immer noch damit beschäftigt, ihren Untergang zu verwalten, statt die Zukunft zu gestalten?

Guido Kreppold ist seit 60 Jahren Kapuzinermönch und seit über 50 Jahren Priester. Seine Beobachtungen entspringen nicht einem Außenblick auf Kirche und Kloster oder dem Neulingseifer des Anfangs. Er hat den Wandel von einer sakralen Volkskirche zu einer...