Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Leonardo Sapienza (Hg.): Papst Paul VI. Segeln im Gegenwind

Im Umfeld der Heiligsprechung von Paul VI. am 14. Oktober 2018 erschien dieses Buch mit Dokumenten aus dem Pontifikat. Sorgfältig kommentiert und erläutert der Herausgeber Leonardo Sapienza, zumeist mit wenigen Worten, einige Aspekte der veröffentlichten Auszüge aus den Schreiben, Predigten und Briefen des Montini-Papstes. Für die Einbettung in den jeweiligen kirchengeschichtlichen Kontext erweist sich diese Vorgehensweise als sehr hilfreich. Die Verehrung, die der Herausgeber dem Papst gegenüber empfindet, ist besonders am Anfang spürbar.

Der Band bietet eine reichhaltige Auswahl von Faksimiles handschriftlicher Aufzeichnungen, ebenso päpstlicher Schreiben, und, kirchengeschichtlich besonders interessant, ein Protokoll des Gespräches von Paul VI. mit Erzbischof Marcel Lefebvre vom 11....

Gianfranco Ravasi: „Adam, wo bist du?“

Bei einem Buch mit dem Titel „Adam, wo bist du?“ wird es niemanden verwundern, dass der Rahmen dieses Buches ein christlicher ist, der – dies der theologischen Provenienz des Autors geschuldet – einen exegetischen Schwerpunkt hat. In diesen Rahmen eingespannt ist die Thematisierung grundlegender anthropologischer Fragestellungen nach der Natur des Menschen, nach der Zuordnung der Geschlechter, nach der Bedeutung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse von der Genetik bis zur Künstlichen Intelligenz, nach der Rolle eines Trans- bzw. Posthumanismus sowie nach den Auswirkungen der omnipräsenten Digitalisierung. Für das Selbstverständnis des Menschen in der Zukunft bedürfen diese Fragestellungen einer Klärung.

Dieser kurze Essay besticht durch die Weite des Themenfeldes wie die Breite der...

Huub Oosterhuis: Alles für Alle

Ende der 1960er gab es eine Zeit, in der die Spätfolgen der lateinischen Liturgie behoben werden sollten. Dabei schossen pastorale „Übersetzer“ von Gebeten und Messtexten, Traktaten und Katechismen aus dem Boden und blühten. So entstand zwischen Bern und Amsterdam ein neuer Sound – und den lieben wir wie seine zahlreichen Autoren, ganz besonders aber Huub Oosterhuis. Kein Krankenbesuch, keine Andacht ohne das kleine Büchlein im Plastikeinband. Und die ganz Mutigen begannen selbst „kreative Liturgien“ zu erproben und „politische Nachtgebete“ zu organisieren.

Angesichts der überdeutlichen nachkonziliaren Defizite erregten Oosterhuis' Texte, wie etwa die Litanei von der Anwesenheit Gottes, die Hoffnung, näher an den Leuten zu sein. Und dann war da noch der besondere Sound of the sixties –...

Thomas Marschler / Klaus von Stoch (Hg.): Verlorene Strahlkraft

 

„Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“. Mit diesen Worten von Don Bosco schließt Martin Dürnberger seine Überlegungen zum „Leidenschaftlichen Zeugnis“ ab. Diese „unaufgeregte Haltung“, für die er wirbt, findet sich in den zehn Aufsätzen zum Glaubenszeugnis in unserer Zeit in unterschiedlichem Maße.

Angekündigt werden kontroverse Standpunkte, die sich um die Frage bewegen, ob die Zukunft des christlichen Glaubens eher in der Rückbesinnung auf die eigene christliche Identität besteht oder in einer Praxis, die entschiedener gesellschaftliche Pluralität und Individualität ernst nimmt. Neben zwei Beiträgen, die sich grundsätzlich mit der Thematik „Glauben“ und „Zeugnis geben“ befassen, thematisieren die übrigen jeweils das Verhältnis zum Islam bzw. zu nichtreligiösen...

Ingolf U. Dalferth: Wirkendes Wort

Ein für die evangelische Theologie dringend notwendiges Buch hat Ingolf U. Dalferth, emeritierter systematischer Theologe der Universität Zürich, geschrieben, das den Blick auf einen sehr sensiblen Punkt des evangelischen Glaubens lenkt. Mit sola scriptura (Allein die Schrift!) ist der Reformation ein Profil erwachsen, das heute kaum noch verstanden wird. Für die einen ist nach der historisch-kritischen Durchsicht der Bibel nur noch ein historisches, kulturell sicher sehr bedeutendes Dokument geblieben; ihnen kommt es sowieso im Glauben mehr auf die eigene persönliche religiöse Erfahrung als auf irgendwelche Bibelverse an. Andere wollen die Bibel erst gar nicht einer scheinbar zerstörerischen Wissenschaft ausliefern und klammern sich an Inspirationstheorien. Der Rückgang der Buchkultur und...

Michael Seewald: Dogma im Wandel

Der historische Wandel stellt für das Selbstverständnis der katholischen Kirche und ihre Dogmatik eine existenzielle Herausforderung dar. Seit dem 19. Jahrhundert versucht das römische Lehramt, die Institution Kirche und ihre Glaubensüberlieferung aus dem Werdegang der Geschichte herauszunehmen und als überzeitliche Gebilde zu promulgieren. Theologen, die in systematischer Form oder mit Blick auf Einzelfragen Wahrheit, Glaube, Evangelium und Dogma geschichtlich interpretieren, geraten unter „Modernismus“- oder „Relativismus“-Verdacht.

Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald hat nun eine äußerst lesenswerte und zugleich lesbare Studie zum Thema Dogmenentwicklung und Dogmenverständnis vorgelegt. Er geht darin nicht nur dem Prozess des Verkeilens von Kirche und Moderne nach, sondern...

Nancy L. Eiesland: Der behinderte Gott

Der von Werner Schüßler übersetzte facettenreiche Titel „Der behinderte Gott“ fasst die zentrale Aussage der mittlerweile leider verstorbenen körperbehinderten Theologin und Bürgerrechtlerin für behinderte Menschen Nancy Eiesland zusammen: Das Symbol des „behinderten Gottes“ soll Menschen mit Behinderung ermöglichen, sich mit diesem Gott zu identifizieren und sich mit der Kirche zu versöhnen.

Jesus Christus fordert die Apostel auf, in den Wundmalen seiner Beeinträchtigung ihre eigene Verbundenheit mit Gott zu erkennen. Seine Wundmale offenbaren Jesus Christus als behinderten Gott. Der gebrochene Körper wird zum Sakrament und Ausgangspunkt ihrer Befreiungstheologie. „Ich erkannte den inkarnierten Christus im Bild jener, die als ‚nicht tragfähig’, als ‚arbeitsunfähig’, als ‚mit fragwürdiger...

Thomas Söding (Hg.): Führe uns nicht in Versuchung.

In dem von Thomas Söding herausgegebenen Band der „Reihe Theologie kontrovers“ geht es darum, wie die sechste Bitte des Vaterunsers „Führe uns nicht in Versuchung“ im Ganzen des Herrengebetes zu verstehen ist. 11 Beiträge namhafter Theologen gehen dieser Frage aus exegetischer, theologischer und pastoraltheologischer Sicht nach, um die Versuchungsbitte dem Menschen von heute in der aktuellen und kontrovers geführten Debatte neu zu erschließen.

Im ersten Beitrag „Um Himmels Willen“ befasst sich der Herausgeber mit der griechischen Textüberlieferung und kommt nach eingehender Prüfung des Begriffs der Versuchung (peirasmos) zu dem Ergebnis, dass es sich dabei nicht um irgendwelche marginalen Versuchungen, sondern um eine Anfechtung handelt, „in der die Liebe zu Gott auf dem Spiel steht und...