Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Andreas Wollbold: Predigen

Andreas Wollbold, Professor für Pastoraltheologie an der Universität München, ist überzeugt: Eine (gute) Predigt ist eine „Überlebensfrage der Kirche“ (11). Aber wie geht das? Sein Buch ist ökumenisch ausgerichtet und setzt sich kritisch mit den Einsichten evangelischer Predigtlehrer auseinander. Es nimmt den reichen „Erfahrungsschatz“ der (vor-)christlichen Rhetorik in den Blick. Und es bietet eine Mischung aus Denkanstößen und Handlungsimpulsen nach dem Motto „so viel Theorie wie nötig und so viel Praxisnähe wie möglich“ (12).

Aktuelle Umfragen zeigen: Die Predigt hat einen hohen Stellenwert – für die Verkündigung der Kirche wie für die Gläubigen. Sie will wirken und ist doch oft wirkungslos. Das hat kulturelle Gründe, ist aber auch bedingt durch das Unvermögen des Predigers (26-33). Er...

Wolfgang Vogl

In der gleichen Aufmachung wie zum Lesejahr A legt Wolfgang Vogl auch zum Lesejahr B ein Werk vor, das Bild- und Schriftbetrachtung so zusammenführt, dass dem Leser ein exegetisch versiertes und kunstgeschichtlich inspiriertes Kompendium christlichen Glaubens an die Hand gegeben wird. Zeit- und Kunstgeschichte, biblische Exegese, Dogmatik und Philosophie werden erzählerisch so ineinander verschränkt, dass jeder Bereich seine Eigenständigkeit bewahrt und Bezüge enthüllt werden. Das Bild behauptet sich als Kunstwerk und wird nicht einseitig als bloße Illustration des biblischen Textes missdeutet. Die biblischen Motive erhalten durch ihre künstlerischen Verarbeitungen einen Sitz im Leben ihrer Zeit. Die Aufgabe des Lesers, sie für seine Zeit aufzuschlüsseln, überlässt der Autor klug dem...

Johannes Oeldemann: Die Kirchen des christlichen Ostens

Seit Jahrzehnten wächst die Zahl der orthodoxen und orientalischen Christen in Deutschland. Durch die Wanderungswellen seit dem Zweiten Weltkrieg, durch Gastarbeiter und Spätaussiedler, durch Flüchtlinge vom Balkan und dem Nahen Osten, aber nicht zuletzt auch durch Priester aus Indien sind die orthodoxen Kirchen uns nahe gekommen.

Johannes Oeldemann vom Johann-Adam-Möhler-Institut in Paderborn führt kenntnisreich in die Vielfalt der östlichen Kirchen ein. Ausgehend von den Regionen, in denen die östlichen Riten des Christentums präsent sind, stellt er zunächst deren Geschichte vor. Im Nahen und Mittleren Osten ist das Christentum entstanden und hat sich von dort aus nicht nur im Römischen Reich, sondern im Kaukasus und in Persien, im afrikanischen und griechischen Kulturkreis, in Südost-...

Manfred Eder: Kirchengeschichte in Karikaturen

Cartoons und Karikaturen sind aus dem Bild- und Medienzeitalter nicht mehr wegzudenken. Stets sind sie kritisch provozierend und streuen allzu oft Salz in die wunden Gemüter aus Politik und Religionsgemeinschaften. Spätestens seit dem Anschlag auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo wissen wir wieder um die Sprengkraft, die sie entfalten können. Sie fordern schonungslos zur Auseinandersetzung mit der aktuellen Wirklichkeit heraus und verstehen es in zugespitzter Form, über Verknüpfungen mit vergangenen Ereignissen zum Nachdenken über die Gestaltung der Zukunft anzuregen. Sie hermeneutisch zu entschlüsseln, ist daher nicht immer einfach und bedarf einiger Kompetenzen.

Die Geschichtsdidaktik hat dies längst erkannt und nimmt die Karikatur als historische Quelle zunehmend in den...

Dirk Ansorge: Kleine Geschichte der christlichen Theologie

Christliche Theologie steht von ihrem Ursprung her vor einer doppelten Herausforderung. Auf der einen Seite ist sie von der Überzeugung geprägt, dass „Gottes unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen“ wird (Röm 1,20). Auf der anderen Seite gilt sie dem, „was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist“ (1 Kor 2,9). Daraus ergibt sich eine wechselseitige Herausforderung von menschlicher Vernunft und christlichem Offenbarungsanspruch, deren wechselvolle Geschichte im vorliegenden Band nachgezeichnet wird. So beginnt die Darstellung mit der frühen Kirche und endet mit der Vorstellung gegenwärtiger theologischer Ansätze wie z.B. des Freiheitsdenkens bei Thomas Pröpper und seiner Schule, der „Dramatischen...

Dieter Berg: Franziskus von Assisi

Um es gleich vorweg zu sagen: Dieter Berg legt mit seinem neuen Buch eine höchst lesenswerte Biographie des populärsten Heiligen der Christentumsgeschichte vor! Dabei handelt es sich angesichts der Überfülle an Quellen wie an relevanten Studien zum historischen Kontext der Person des Franziskus, nicht zuletzt ebenso an älteren biographischen Entwürfen, um eine ausgewogene, die geschichtlichen Umstände behutsam würdigende Darstellung eines Menschenlebens.

Der Band weist folgende in neun Kapiteln sich entfaltende Organisation auf: Kapitel 1 ist überschrieben mit: „Franziskus – eine biographische Skizze”. Diesem Einstand folgen drei Kapitel, die sich mit den italienischen Verhältnissen des 12. und 13. Jahrhunderts befassen: Kapitel 2 handelt von der „Kirche und religiöse[n]...

Annette Schleinzer: Madeleine Delbrêl

Prophetin einer Kirche im Aufbruch
Impulse für Realisten

Aus unterschiedlichen Perspektiven beschreibt Annette Schleinzer zunächst die aktuelle „Realsituation“ von Kirche und Glaube, um darauf mit Madeleine Delbrêls (1904-1964) „Realismus“– unter dem Motto: Optimismus trifft Pessimismus – zu antworten. Zu Recht verweist die Verfasserin auf die Bedeutung des Blickwinkels und der Einstellung, wenn sie der „Großwetterlage“ von Kirche und Glaube die erfrischende, elanvolle Sicht der „Nachkonzilsprophetin“ entgegensetzt. Das „Gefühl der Niederlage, das uns in unzufriedene und ernüchterte Pessimisten mit düsterem Gesicht verwandelt“ (Papst Franziskus), löst sich auf, wenn man mit Madeleine Delbrêl, der immer bekannter werdenden französischen Mystikerin, Sozialarbeiterin und Schriftstellerin,...

Stephan Goertz / Caroline Witting (Hg.): Amoris laetitia – Wendepunkt für die Moraltheologie?

Die Zahl der Stimmen, die in den letzten drei Jahren zum Nachsynodalen Apostolischen Schreiben von Papst Franziskus „Amoris laetitia“ (AL) zu hören waren, sind ungezählt. Selten hat in jüngerer Vergangenheit ein päpstliches Dokument für so viel Aufmerksamkeit gesorgt wie das Schreiben des Papstes „Über die Liebe in der Familie“. Dies liegt zweifelsohne nicht nur an der Brisanz des Themas: Ehe, Familie, Sexualität, Fragen des Umgangs mit wiederverheiratet Geschiedenen und Suche nach konkreten pastoralen Hilfestellungen angesichts zunehmend pluriformer Lebensbeziehungen. Außerdem lässt der neue Ton des Apostolischen Schreibens aufhorchen, der weniger direkt oder normativ als vielmehr eine subjekt- und situationsorientierte Perspektive in die ethische Bewertung einführt.

Aus den vielen...