Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin Thurner (Hg.): Eugen Biser. Die Hauptwerke im Diskurs

Dass Eugen Biser (1918-2014) neben Karl Rahner und Hans Urs von Balthasar zu den bahnbrechenden katholischen Glaubensdenkern im Übergang zum 21. Jahrhundert gehört, steht außer Zweifel. Dem Münchner Guardini-Professor (1974-1988) gelang es, mehr als hundert einschlägige Werke zu publizieren sowie landauf, landab durch Vorträge zu Fragen von Religionsphilosophie und Atheismus, Fundamentaltheologie, Medientheorie, Musik, Literatur und Bildender Kunst im Diskurs präsent zu sein. Ist seine Stimme auch in Zukunft vernehmbar? Und wie lässt sich ein Zugang zu seinem enzyklopädischen Werk gewinnen? Um den biserschen Wissenskosmos zu erkunden, startet Martin Thurner mit dem hier vorzustellenden Band eine Sonde, die den Denkraum des Gelehrten vermisst und seine Hauptwerke für Leserinnen und Leser...

Andreas Batlogg: Jesus begegnen

Andreas Batlogg hat ausgehend von der Jesus-Meditation der ignatianischen Exerzitien ein sehr persönliches Buch geschrieben über die Möglichkeit, Jesus in diesem Leben zu begegnen. Worum es geht?

Der Buchtitel suggeriert drei Hauptteile. Aber der Autor macht etwas anderes: In 33 Kapiteln kommen unterschiedliche Erfahrungsfelder zur Sprache, mal geht’s um Suchbewegungen, mal um Finderglück und mal um Bekennermut. Andreas Batlogg, geboren 1962, ist seit 1985 Jesuit, und das Erbe des Ignatius von Loyola (1491-1556), der Jesuitenorden mit seiner besonderen Betonung der „Gesellschaft Jesubilden den Raum, in dem er sich bewegt. Batlogg versteht das Ordenssymbol IHS – Iesus Habemus Socium – nicht exklusiv, sondern über die Konfessionsgrenzen hinaus als Einladung an alle, die sich auf Jesus...

Joel F. Harrington: Meister Eckhart

 

Anzuzeigen ist eine neuere Biographie über Meister Eckhart, geschrieben von einem amerikanischen Historiker für europäische Geschichte speziell des 16. Jahrhunderts, gut beworben und mit großen Absichten; dargestellt werden soll „Der Mönch, der die Kirche herausforderte und seinen eigenen Weg zu Gott fand“.

Fragen wir zunächst, was wir vom Meister Eckhart kennen. Texte, mehr nicht, nicht einmal eine ungebrochene Tradition seiner Werke. Texte können etwas bedeuten. Was können wir über einen solchen Text sagen? Etwa wie er entstanden ist: Ein Spitzentheologe und Verwaltungsspezialist hält um 1300 eine Predigt im Deutsch seiner Zeit. Eine Zuhörerin schreibt mit, so genau, dass selbst sprachliche Feinheiten wie Dialoge, völlige Neuschöpfungen, philosophische Spitzensätze, selbst „Wendungen...

Volker Leppin: Ruhen in Gott. Geschichte der christlichen Mystik

Um es vorwegzusagen: Wer sich bündig und qualifiziert über christliche Mystik in ihrer Geschichte informieren will, ist hier bestens bedient; flüssig geschrieben, kenntnisreich und trotz konventioneller Gliederung nicht ohne Originalität, schlicht ein Lesegewinn und zudem ein Reader zum Nachschauen. Hier liegt in der Kürze der Zeitraffung von ganzen 2000 Jahren die Würze eines lichten Durchblicks durch viele Räume und nicht wenige Fenster. (Für eine ausführliche Gesamtdarstellung bleibt freilich Bernhard McGinns mehrbändiges Werk „Die Mystik im Abendland“ einschlägig.) Nun mehr im Detail.

Alles hängt natürlich vom leitenden Vorverständnis von „Mystik“ ab – einem Abstraktum, das erst im 17. Jahrhundert in Umlauf kam und heutzutage mit dem bestimmten Artikel als freischwebende,...

Bernd Kollmann: Martin Luthers Bibel

Um es gleich vorwegzusagen: Dieses Buch ist absolut lesenswert und sehr ansprechend gestaltet, ein schönes Geschenk für alle, die sich für das Thema Bibel interessieren. Leider passen Titel und Inhalt nicht ganz zueinander. Für denjenigen, der vor dem Kauf keinen Blick in das Inhaltsverzeichnis werfen konnte, könnte es dann beim Lesen eine gewisse Enttäuschung geben. Die Bibel in der Übersetzung Martin Luthers ist zwar das Hauptthema, aber nach einem kurzen Einstiegskapitel wird zunächst sachkundig und sehr ausführlich die Vorgeschichte geschildert (Kap. 2-6). Dabei geht es z.B. um die Entstehung der Bibel allgemein, Septuaginta und Vulgata, den Humanismus und die Erfindung des Buchdrucks. Das alles gehört zum Thema „Bibel“, kommt aber in dieser Breite unter dem Titel „Martin Luthers...

Christian Lehnert: Ins Innere hinaus. Von den Engeln und Mächten

Christian Lehnert ist mit seinen bei Suhrkamp veröffentlichten Gedichtbänden bekannt geworden. Der evangelische Pfarrer, Librettist und Liturgiewissenschaftler hat, ebenfalls bei Suhrkamp, nach Essays über Paulus (2013) sowie über Kult und Gebet (2017) mit „Ins Innere hinaus“ (2020) einen weiteren Prosaband vorgelegt. Die dreiundsechzig Texte – manche nur eine Seite, andere über 10 Seiten lang – schauen auf die Natur und die eigene Biografie, befassen sich mit Musik, (Ausdrucks-)Tanz und bildender Kunst, beziehen sich auf Religionswissenschaft, Liturgie, Theologie und Philosophie oder legen Bibeltexte aus. Die Prosastücke sind nur locker über Leitworte miteinander verknüpft. Diese Form hängt mit dem Inhalt zusammen, den der Untertitel „Von den Engeln und Mächten“ (später kommen die...

Carlo M. Martini: Die Flügel der Freiheit

Im Jahr 2008 leitete der schwer an Parkinson erkrankte Kardinal Carlo Maria Martini ein letztes Mal Exerzitien in Ariccia. Die Meditationen zum Brief des Apostels an die Gemeinde sind sensible Vertiefungen des Glaubens. Das letzte Buch des 2012 verstorbenen früheren Mailänder Erzbischofs wirkt wie das geistliche Vermächtnis eines liebevollen Seelsorgers, demütigen Priesters und weitherzigen Theologen. Martini begleitet sanft und geduldig die Hörerschaft und uns als Lesende heute mit Gedanken und Betrachtungen zum Römerbrief. Er bezeugt die Spuren des Evangeliums und lässt die Frohbotschaft hell aufleuchten. Mit einfachen Worten spricht Martini über die Schönheit des Glaubens. Er ermutigt dazu, sich Gott anzuvertrauen. Dazu erinnert er auch an die letzten Gespräche des heiligen Augustinus...

Michael N. Ebertz: Entmachtung. 4 Thesen zu Gegenwart und Zukunft der Kirche

Die Soziologie steht seit jeher im Verdacht, das Spiel um des Kaisers Kleider nicht mitzumachen, sondern die Dinge beim Namen zu nennen: Rolle, Beziehung, Macht, kulturelles Kapital, Eigeninteresse, Inklusion und Exklusion. Organisationen auf Interessen und Funktionsbeziehungen hin zu untersuchen kann symbolisch aufgeladene Systeme in die Krise stürzen – allerdings nur dann, wenn diese ihre Legitimation ohnehin schon eingebüßt haben, machtverschleiernde Metaphern des Commitments nur noch Kopfschütteln auslösen und Zynismus sowie Fluchttendenzen unübersehbar geworden sind.

Der katholische Theologe und Soziologe Michael Ebertz beschäftigt sich schon seit langem mit dem schwindenden Macht- und Drohpotenzial der Amtskirche sowie der schleichenden Erosion von Loyalitäten diesseits und jenseits...