Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin Goodman: Die Geschichte des Judentums

Alle reden von 1.700 Jahren jüdischerPräsenz auf dem Gebiet Deutschlands, doch was es tatsächlich heißt, sich en detail mit der Geschichte des Judentums in seiner Breite und Tiefe auseinanderzusetzen, ahnt, wer den voluminösen, von Susanne Held exzellent und gut lesbar aus dem Englischen ins Deutsche übersetzten Band des namhaften Professors für Jüdische Studien in Oxford Martin Goodman aufschlägt.

In fünf sinnvollen, nicht im strengen Sinn chronologisch gegliederten Teilen („Ursprünge“, „Die Interpretation der Tora“, „Die Herausbildung des rabbinischen Judentums“, „Autorität und Reaktion“ und „Die Herausforderungen der Moderne“) werden tatsächlich 4.000 Jahre jüdischer Geschichte unter klarer Reflexion auf die wichtigsten Quellen und ihre Zuverlässigkeit sowie die Wahrnehmung der seit...

Georg Langenhorst: „In welchem Wort wird unser Heimweh wohnen?"

Einer Anekdote zufolge habe der berühmte liberale Theologe Adolf von Harnack beim Einrichten einer Bibliothek gesagt: „Die Dogmatik stellen wir zur schönen Literatur." Was im 19. Jahrhundert irritierend wirken musste, ist vor dem Hintergrund einer säkularisierten Moderne und einer selbstkritischen Theologie plausibler geworden. Die Annäherung von Theologie und Literatur hat Forschungsschwerpunkte mit eigenen Periodika, Sammelbänden und einem gewaltigen Ausstoß an einschlägiger Literatur hervorgebracht. Zu den prominentesten Autoren in dieser Grenzregion gehört der Augsburger Religionspädagoge (und nebenberufliche Krimiautor) Georg Langenhorst, der in der vorliegenden Veröffentlichung eine Zwischenbilanz dieser Forschungen zieht und die deutschsprachige Gegenwartsliteratur auf religiöse...

Roland Knillmann / Michael Reitemeyer (Hg.): Menschliche Gesellschaft 4.0

 

Eine Welt, in der die Digitalisierung alles und der Mensch nichts mehr selbst bestimmen muss, schildern Knillmann und Reitemeyer direkt zu Beginn; dabei bedienen sie sich eines Auszuges aus QualityLand, dem Buch von Marc-Uwe Kling, das eine dystopische Welt aufzeigt. Die Herausgeber des Sammelbandes betrachten dies als Warnung und nehmen daher die menschliche Gesellschaft 4.0 in den Blick. Grundlage für die im Buch enthaltenen Aufsätze ist eine Fachtagung, die im Juli 2019 vom Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V. und dem Ludwig-Windhorst-Haus, der Katholischen Sozialen Akademie des Bistums Osnabrück, initiiert wurde. Dabei sollte das Zentrum der Tagung (und damit des Buches) die Frage sein, wie Christen mit den digitalen Perspektiven umgehen und sich hierzu beraten lassen. Vier...

Jürgen Moltmann: Auferstanden in das ewige Leben

Michel de Montaigne hat 1580 in einem bekannten Essay über den Tod nachgedacht. Philosophieren heiße, so der Denker, sterben lernen. Verschafft die Philosophie eine Art geistigen Schutz gegenüber der Angst vor dem Tod? Der christliche Glaube lädt ein, der Hoffnung zu vertrauen, die über den Tod hinausreicht. Dennoch muten viele Worte über das ewige Leben schal an. Oft schenkt die theologisch versierte Rede den Hinterbliebenen nur wenig Trost.

Über Hoffnung hat der evangelische Theologe Jürgen Moltmann oft nachgedacht. Abstrakt und schwerblütig, wie aus einem Oberseminar, klingt die Frage: „Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ Behutsam wie eindringlich präzisiert Moltmann darum: „Nachfrage: Nach wessen Tod?“ So grenzt er sich von der philosophischen Denkweise ab, die zu einer gewissen...

Martin Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Zeichnung und Verantwortung

 

Ausstellungskataloge sprechen eine bestimmte Klientel an: Menschen, die eine Ausstellung besucht haben, gerne besucht hätten oder dies beabsichtigen, Menschen, die die Künstler hinter den Werken bereits kennen und ihr Wissen vertiefen möchten oder auch eine breit interessierte Leserschaft, die – zufällig oder thematisch suchend – diesen 79-seitigen ansprechenden Katalog mit ca. 50 Seiten Abbildungen in die Hände bekommt. Der Ausstellungskatalog ist eine Würdigung ausgewählter Werke des zeitgenössischen, renommierten Künstler-Duos Alexandra Kardinar und Volker Schlecht mit Künstlernamen „Drushba Pankow“ (russisch, übersetzt in etwa: „Freundschaft in Pankow“).

Im Jahr 2020 gewannen sie den 3. Platz in der Kategorie „Book und Editorial Illustration“ des „European Design Award“ für ihre so...

Friedrich Schorlemmer: Die schöne Kraft des Glockenseils. Gespräche mit Hans-Dieter Schütt

Friedrich Schorlemmer, geboren 1944, ist evangelischer Theologe, Schriftsteller, vielfach engagierter Bürgerrechtler und gehörte zu den prominentesten Protagonisten der Opposition, die in der DDR die Wende von 1989 herbeigeführt haben. Der Erziehung in einem evangelischen Pfarrhaus verdankt er seine christliche Prägung, die ihn in Widerspruch zur atheistischen Staatsdoktrin der DDR brachte. Er studierte Theologie, war Studentenpfarrer in Wittenberg, lehrte als Dozent am Evangelischen Predigerseminar und war Prediger an der Schlosskirche in Wittenberg. Sein politisches Engagement zeigt er als Mitglied der Friedens-, Menschenrechts- und Umweltbewegung und wurde über die Grenzen der DDR hinaus bekannt durch seine Aktion „Schwerter zu Pflugscharen“, bei der er anlässlich des Kirchentages 1983...

Alina Pfeifer: Himmel trifft Erde. Über Gott und meine Welt. Poetry Slam

Alina Pfeifer gibt in ihrem Buch „Himmel trifft Erde. Über Gott und meine Welt“ vielfältige Einblicke in ihre gegenwärtigen wie vergangenen Lebenssituationen und emotionalen Verfassungen. Dazu nutzt sie, wie der Untertitel sagt, die Kunstform des Poetry-Slams. Beschreibungen des Inneren und Äußeren, Auseinandersetzungen mit existenziellen Fragen über das menschliche Sein und die persönliche Auslegung von philosophischen Themen der Freiheit, des Glücks und des schönen Lebens werden auf 159 Seiten anschaulich.

Ergänzend zu den Texten gibt es – signalisiert mit einem entsprechenden Symbol – Videoverweise mit dem Text als Gesprochenem auf ihrem eigenen YouTube-Kanal. Dies hat besonders bei der Form des Poetry-Slams den Vorteil, dass der Slam als solcher nicht in seinen Buchstaben, sondern aus...

Christoph Böttigheimer: Die Reich-Gottes-Botschaft Jesu

Die Botschaft Jesu vom Reich Gottes, um dessen Kommen die Christen im Vater unser beten, hat zentrale Bedeutung. Sie steht aber in der kirchlichen Verkündigung und im christlichen Glaubensleben am Rand als die „verlorene Mitte“. Der Untertitel des Buches überrascht, fordert heraus und motiviert zur Lektüre. Christoph Böttigheimers gut verständliche, eingängige Darstellung besteht aus vier übersichtlichen, klar strukturierten, plausibel miteinander verknüpften Teilen.

Abschnitt A, Botschaft Jesu (17-89) bildet das bibeltheologische Fundament: In seiner Predigt verkündigt und in seinem Handeln vergegenwärtigt Jesus, woraus er selbst lebt, die Nähe Gottes als Beziehungswirklichkeit menschlichen Miteinanders. Weil es sich dabei nicht um Herrschen, sondern um eine von Gottes Gegenwart...