Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Laura Swan: Die Weisheit der Beginen

Das gängige Schlagwort vom patriarchalischen Christentum verdeckt völlig, welch emanzipatorische Initiativen und Impulse darin bisher schon am Werk waren – angefangen mit der Übernahme des israelitischen Bekenntnisses zur Gottebenbildlichkeit jedes Menschen und deren christologischer Vertiefung. Dass deshalb Frauen und Männer in Christus gleichwürdig sind, ist eine höchst bedeutsame, ja revolutionäre Perspektive, die sich in der bisherigen Geschichte des Christentums vielfältig konkretisiert hat – in der Würdigung der Witwen z.B. in der alten Kirche, in der Geschichte der Orden, in der kirchenrechtlichen Durchsetzung der Ehe als Vertrag unter Gleichberechtigten und nicht zuletzt in Gestalt jener großen Frauenbewegung, die mit der Lebensform der Beginen verbunden ist. Was da Anfang des 13....

Henrike Lähnemann / Eva Schlotheuber: Unerhörte Frauen

Die beiden Mittelalterforscherinnen Henrike Lähnemann (Lehrstuhlinhaberin an der Faculty of Medieval and Modern Languages der University of Oxford) und Eva Schlotheuber (Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) geben mit vorliegender Publikation einen spannenden Einblick in das Alltagsleben norddeutscher Frauenklöster (Braunschweig, Lüneburg, Celle) im Spätmittelalter. Die beiden Autorinnen greifen auf Informationen und einmalige Quellen zurück, die bislang unbekannt und in diesem Sinne „unerhört, ungehört“ waren: eine Briefsammlung der Benediktinerinnen aus dem Kloster Lüne, Andachtsbücher, Weltkarten, Wandteppiche sowie die Tagebuchaufzeichnungen einer anonymen Zisterzienserin aus dem Heilig-Kreuz-Kloster bei Braunschweig, datiert auf die...

Thomas Brose: Zwischenbilanz. Von Aquin bis Zweifel

Der zum 60. Geburtstag von Thomas Brose zusammengestellte Band bringt eine Auswahl von Arbeiten aus dem Werk dieses Philosophen und Theologen. Er versammelt Texte verschiedener Genres, von kurzen feuilletonistischen Artikeln, etwa zum Werbespruch eines Möbelhauses mit Hinleitung zum „metaphysischen Obdach“, über Rezensionen und Würdigungen anlässlich von Jubiläen bis zu längeren Essays. Die in unterschiedlichste Richtungen ausgreifenden Texte lassen aber bald ihr inneres Band und ihren besonderen Wert erkennen, es ist der Blick des „Berliner Diasporakatholiken“, der aus der „Erfahrung in einem militant-atheistischen Umfeld“ auf Religion, Philosophie, Politik und Gesellschaft schaut und seine Schlüsse zieht. Diesen besonderen Blick, den Brose beim Schriftsteller Günter de Bruyn konstatiert,...

Hartmut Rosa: When Monsters Roar and Angels sing. Eine kleine Soziologie des Heavy Metal

Muss man Hartmut Rosa vorstellen? Notwendig erscheint es nicht. Seit Jahren gehört er zu den gefragtesten Gesprächspartnern im deutschsprachigen Raum. Denn er gilt als jemand, der sich auch ohne das Sicherheitsnetz des Soziologenjargons souverän zu bewegen weiß, bei Bedarf aber auf akademische Sprachkonventionen zurückzugreifen vermag. Längst sind seine Bücher, auch und gerade die seitenstärksten, zu Impulsgebern für Politik und Wissenschaft geworden – nicht zuletzt für die Theologie. Einige ihrer Titel, zuletzt „Unverfügbarkeit“, haben geradezu den Rang geflügelter Worte gewonnen, mit denen man sich zu verstehen gibt, dass man den Geist unserer Zeit auf den Begriff zu bringen weiß. Und dennoch muss man Hartmut Rosa hier vorstellen. Bisher dürfte nämlich nur den wenigsten bekannt sein,...

Karl Rahner: Glaube und Kultur. Zu Literatur, Musik und Kunst

Karl Rahner (1904-1984) darf aus vielen Gründen als der bedeutendste und einflussreichste katholische Theologe des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden. Rahner, der von sich selbst sagte, sein Leben sei das normale und durchschnittliche Leben eines mitteleuropäischen Bürgers ohne besondere Bekehrungserlebnisse oder fromme Heldentaten, folgte dem Leitmotiv seines Jesuitenordens „Gott in allen Dingen finden.“ Als Konzilsberater trug er wesentlich zu einer dogmatischen Bestimmung des Wesens der Kirche bei, formulierte ein positives Verhältnis zu anderen Religionen und einer pluralistischen Gesellschaft; kurzum zu einer säkularen Wirklichkeit, wie sie sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer weiter ausgebildet hatte.

In einer Zeit, in der Theologie und Kirche besorgt darum waren, wie mit den...

Andreas Bieringer: Gottesdienst in der Literatur

Das spannungsreiche Dialogfeld von Theologie und Literatur wurde in den letzten Jahrzehnten wissenschaftlich intensiv ausgeleuchtet. Eine Dimension blieb dabei jedoch bislang fast durchgängig außen vor: die Frage, wie sich die liturgische Praxis der (katholischen) Kirche literarisch in der Gegenwartsliteratur niederschlägt.

Die vorliegende Habilitationsschrift des in St. Georgen lehrenden Liturgiewissenschaftlers Andreas Bieringer schließt diese Lücke in beeindruckender Form. Nicht nur, dass sie zentrale Werke im Blick auf „Gottesdienst in der Literatur“ (so der Titel der Untersuchung) sichtet und deutet, sie konzipiert darauf aufbauend zudem den „Entwurf einer kultursensiblen Liturgiewissenschaft“ (so der Untertitel). In diesem Spektrum soll sie „einen Beitrag zur theologischen bzw....

Christoph Beuers / Jochen Straub: Die Farben des Glaubens. Die Sakramente

Das vorliegende Buch bringt in einfacher Sprache ein im religionspädagogischen Bereich eher selten thematisiertes Thema nahe: die sieben Sakramente. Gleich zu Beginn wird in der „Einladung“ erklärt, dass Sakramente ein Geschenk sind – genauer gesagt ein „Beziehungs-Geschenk“ –, denn „Gott will mit uns zusammenkommen“. Jedes Sakrament wird mit Hilfe einer Farbe eingeführt, denn „Sakramente bringen Farben ins Leben“. Von der Farbe Blau für die Taufe, bis zum Rot für das Sakrament der Ehe entsteht ein bunter Regenbogen, denn „Der Regenbogen ist das erste Sakrament von Gott“.

Besonders ansprechend finde ich, dass ausgehend von den Sinnen korrelativ an das Sakrament herangeführt wird. So werden zu Beginn ganzheitliche Erfahrungen vermittelt. Es beginnt immer mit: „Ich sehe“ und „Ich fühle“....

Esther Göbel / Helmut Jansen: Die Bibel in Sketchnotes

Dieses Buch enthält Auslegungsideen für die Sonntagsevangelien sowie Visualisierungen der Text- und Erklärungselemente. In verlinkten Videos kann man die Entstehung der Zeichnung aus der Auslegung auf YouTube miterleben. „Sketchnote“ bezeichnet die Visualisierung eines Textes mit Skizzen, Texten und Strukturen in zweidimensionaler Anordnung.

Die Texte und Visualisierungen, die Esther Göbel und Helmut Jansen erarbeiten, nutzen verschiedene Herangehensweisen. Übertragen in die moderne Welt wird Jesus „Influencer“ genannt, seine Jünger sind „Follower“ und der geheilte Aussätzige „twittert fröhlich durch alle Gassen“. Mentales Chaos wird gezeichnet als Wirbel moderner Kommunikationsmittel, eine Idee als modernes Leuchtmittel. Zu den Auslegungen gehört die Erklärung von Sachverhalten, etwa...