Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Georg Röwekamp: Christen in der Region Gaza. Eine vergessene Geschichte

Gaza hat eine lange und bewegte christliche Geschichte, darauf macht Georg Röwekamp in seiner kurzweiligen und informativen Monographie „Christen in der Region Gaza: Eine vergessene Geschichte“ eindrücklich aufmerksam. Er hat eine allgemein verständliche und dennoch ausgesprochen akademische Einführung im rechten Augenblick vorgelegt, die über die vielen historischen, kunstgeschichtlichen, religionswissenschaftlichen und theologischen Details hinaus eine Hilfe zum Verständnis des Gaza-Konflikts und des Krieges gibt.

Die dazu erforderliche Expertise bringt der Autor reichlich mit: Er war Geschäftsführer und theologischer Leiter der Biblische Reisen GmbH, Repräsentant des Deutschen Vereins vom Heiligen Lande (DVHL) in Jerusalem und Leiter des Pilgerhauses des DVHL in Tabgha am See...

Jörg Ernesti: Der Vatikan. Geschichte, Verfassung, Politik

Im Frühjahr 2025 war es wieder zu erleben: Der Tod eines Papstes und die Wahl seines Nachfolgers sind globale Ereignisse. Sie bremsen die Tagespolitik, bringen Staatsoberhäupter und Regierungschefs zusammen und entflammen ein hohes Interesse an den Abläufen im Vatikan, an ihrer Symbolik und an ihrer Deutung. Hat der Papst auch nur wenig politische Macht, gilt er doch weit über den binnenkirchlich-katholischen Raum hinaus als Autorität. Der vorliegende Band hätte also zu keinem günstigeren Zeitpunkt erscheinen können – beabsichtigt oder nicht, das Timing von Autor und Verlag war perfekt.

Der Augsburger Kirchenhistoriker Jörg Ernesti beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Papsttums und der päpstlichen Diplomatie, vorwiegend im 20. Jahrhundert, und hat in der letzten Zeit...

Martin Kaufhold: Die abendländische Christenheit im Mittelalter

Auf der Suche nach historischen Einführungs- oder Überblickswerken zu einer bestimmten kirchengeschichtlichen Epoche stößt man noch allzu häufig auf Bücher, die altbekannte Themen mit nur wenigen neuen Einsichten präsentieren. Dazu gehören im Hinblick auf das Mittelalter vor allem die sogenannte Germanenmission, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, Entwicklungen in der Ordensgeschichte, Kreuzzüge und Verfolgung von „Häretikern“ sowie das Verhältnis zu Judentum und Islam. Mit einer gewissen Geschlechtersensibilität wird normalerweise auch die Frauenmystik beleuchtet. Umso mehr überrascht das neue Buch „Die abendländische Christenheit im Mittelalter“ von Martin Kaufhold, das sich in vielerlei Hinsicht wohltuend von der Masse vergleichbarer Darstellungen abhebt. Es erhebt den...

Jan-Heiner Tück, Uta Heil (Hg.): Nizäa – Das erste Konzil

Zunächst einmal ist bei diesem (Jubiläumsjahr-)Sammelband der Hinweis wichtig, dass das Glaubensbekenntnis von Nizäa die wesentliche Grundlage für das Konzil von Chalkedon liefert, dessen Glaubensbekenntnis das „einzige Glaubensbekenntnis ist, das von der römisch-katholischen, evangelischen und orthodoxen Christenheit gemeinsam geteilt wird“ (9).

Es gibt allerdings auch einen anderen wesentlichen Grund. Die mit dem Konzil von Nizäa erstmals explizit kirchlich-gemeinschaftlich formulierte Lehre, dass Jesus von Nazareth als der Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, ist eine geistesgeschichtliche Zäsur. Auf der einen Seite wird die (auf den Mittelmeerraum bezogene) antike ontotheologische Selbstverständlichkeit, dass Gott leidensfrei sei, aufgehoben. Auf der anderen Seite trennt sich...

Bernd Stegemann: Was vom Glauben bleibt. Wege aus der atheistischen Apokalypse

Die Zahl philosophischer, soziologischer und kulturwissenschaftlicher Analysen zu Religion und Glaube wächst stetig. Trotz einer säkularen Fokussierung geht es oft nicht mehr um eine religionskritische Abrechnung mit dem Christentum zugunsten eines humanistischen Fortschritts, sondern um den möglichen positiven Beitrag von Religion für Individuum und Gesellschaft. In diese Linie reiht sich auch das vorliegende Buch von Bernd Stegemann ein, der als Professor für Dramaturgie und Kultursoziologie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin tätig ist. Insbesondere der Untertitel lässt aufhorchen. Denn mit „atheistischer Apokalypse“ wird gerade das seit der Aufklärung sich ausbreitende säkulare Zeitalter etikettiert. Stegemann schreibt als katholisch geprägter „Ungläubiger über...

Ralf Frisch: Gott. Ein wenig Theologie für das Anthropozän

Die „Selbstverwandlung der Theologie in eine Art archäologische Wissenschaft des einstmals Geglaubten“ (50), weil „Gott vielen Theologinnen und Theologen schlicht nicht geheuer“ ist (56), setzt „die Zukunft der Theologie und die Zukunft der evangelischen Kirche“ aufs Spiel (53). Dieses Buch eines protestantischen Theologieprofessors – das der katholische Rezensent durchaus als ökumenisch empfindet – ist ein Einspruch gegen einen „theologisch-moralischen Streichelzoo“ (97), welcher Gottes ungeheuerliche Herrlichkeit aus dem Gottesbild verbannt und ihn damit menschengerecht depotenziert. Unter diesen Vorzeichen sucht das vorliegende Buch, die (evangelische) Theologie von Karl Barth her gegen ihre Selbstrelativierungen – als Anthropologie, als Moral, als Sentimentalität – im Anthropozän in...

Veronika Bachmann (Hg.): Ich bin doch da. Herausforderung Demenz

Der vorliegende Sammelband begegnet der Herausforderung Demenz aus spiritueller, theologischer und ethischer Perspektive und gibt praktische Hilfestellungen im Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen bezüglich ihrer spirituellen und religiösen Bedürfnisse. Er stellt eine demenzielle Erkrankung in den Kontext der pastoralen Arbeit der Pfarreien, die idealerweise „Orte der Krisenprophylaxe und Resilienzförderung“ (199) sind, was einen sehr hohen Anspruch darstellt. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: Medizinische und psychosoziale Grundlagen, Demenz im Fokus von Spiritual Care, Ethik und Theologie und ein ausführlicher Teil mit Praxishilfen, der den Schwerpunkt bildet.

Im ersten Teil, der komplett von Irene Bopp-Kistler, der renommierten Züricher...

Helmut Bachmaier/ Bernd Seeberger: Religiosität im Alter

Der vorliegende Sammelband liefert einen eindrucksvollen Überblick und unterschiedliche Perspektiven auf die Frage nach Religion, Spiritualität und Glaube in Kontext des Alterns. Er stellt die noch selten hergestellte Verbindung zwischen Theologie bzw. Religionssoziologie und Gerontologie her und eröffnet daher neue Perspektiven und Zugangsweisen zur Religiosität im Alter.

Zunächst stellt Peter Gross unter dem Titel: „Wiederkehr der Religion? Verlängerte Lebenszeit – Verlust der Ewigkeit“ grundsätzlich die Frage nach dem Stellenwert der Religion in der modernen Gesellschaft, deren heilsgeschichtliches Programm Markt und Demokratie ist. Durch die gewonnene Autonomie muss jeder seine Erlösung selbst in die Hand nehmen. Nicht die Religion im Sinne des christlichen Glaubensbekenntnisses kehrt...