Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Peter Trummer: Auferstehung jetzt – Ostern als Aufstand

 

Peter Trummer gibt in seinem klar strukturierten, flüssig lesbaren Buch mit 33 kurzen Kapiteln originelle Denkanstöße, um die christliche Botschaft von Kreuz und Auferstehung Jesu zu verstehen und umzusetzen.

Der Einleitung über die sonntägliche Feier der Auferstehung und ihre Konsequenzen (Kapitel 1) folgen Ausführungen über die Passion Jesu (Kapitel 2 – 21): Anschaulich führt Trummer die äußeren Ereignisse und das Handeln beteiligter Personen, Freunde beziehungsweise Gegner Jesu vor Augen. Darüber hinaus erläutert der Autor die unterschiedlichen neutestamentlichen Deutungen der Passion kenntnisreich und differenziert. So macht er in ihrem jeweiligen Kontext die theologische und existentielle Innenseite des Geschehens plausibel. Kritisch muss Trummer dabei feststellen: Allzu lange und...

Jan-Heiner Tück: Crux. Über die Anstößigkeit des Kreuzes

Das Kreuz bzw. die Kreuzigung Jesu entziehen sich der theologischen Systematik. Diese pointierte Aussage bestimmt die Struktur des Buches und das Vorgehen des Autors: In 24 Versuchen beleuchtet Jan-Heiner Tück die unterschiedliche Bedeutung des Kreuzes sowie mit der Kreuzigung verbundene Bewertungen und Unterstellungen in verschiedenen geschichtlichen Situationen. Die einzelnen Beiträge bilden ein anregendes Kaleidoskop. Sie provozieren die geistige Auseinandersetzung und die geistliche Vertiefung.

Die anschauliche, zum Teil illustrierte, komplexe Darstellung ist historisch orientiert. Sie berücksichtigt in den einzelnen übersichtlichen Kapiteln von der Antike bis zur Gegenwart zunächst mythologische und philosophische Kontexte als Voraussetzung zum Verständnis von „Crux“: Odysseus am...

Otfried Höffe: Ist Gott demokratisch?

Das Verhältnis zwischen Religion und Demokratie war in der jungen Bundesrepublik aufgrund der grundgesetzlich verbrieften Religionsfreiheit und der religiösen und weltanschaulichen Neutralität des Staates lange Zeit weitgehend unproblematisch. Und doch erscheint diese Phase heute, nach Jahrzehnten der Auseinandersetzung mit dem islamistischen Terrorismus, dem Erodieren von Wertvorstellungen und religiösen Bindungen im Umfeld christlicher Konfessionen sowie dem Auftreten eines invektiven neuen Atheismus als eine Ausnahmesituation im Verlauf eines abendländischen Konfliktverhältnisses. In den letzten fünf Jahrhunderten standen sich vielerorts Politik und Religion sogar feindselig gegenüber, wie Otfried Höffe konstatiert. Obwohl der moderne Verfassungsstaat gerade in Deutschland eine...

Ingolf U. Dalferth: Die Krise der öffentlichen Vernunft

„Auf der Flucht vor der öffentlichen Auseinandersetzung erreicht dieser oder jener die Freistatt einer privaten Tugendhaftigkeit. Aber er muß seine Augen und seinen Mund verschließen vor dem Unrecht um ihn herum. Nur auf Kosten eines Selbstbetruges kann er sich vor der Befleckung durch verantwortliches Handeln reinerhalten. Bei allem, was er tut, wird ihn das, was er unterläßt, nicht zur Ruhe kommen lassen. Er wird entweder an dieser Unruhe zugrunde gehen oder zum heuchlerischsten Pharisäer werden.“ So schrieb Bonhoeffer in seiner „berühmten Rechenschaft an der Wende zum Jahre 1943“ – Dokument einer unerbittlich selbstkritischen Gewissenserforschung „nach 10 Jahren“, also seit Hitlers Machtergreifung. „Wer hält stand?“ und „Sind wir noch brauchbar?“, lautet die Gretchenfrage. (Widerstand...

Alois Prinz: Franz von Assisi

Biografien sind „in“. Autorinnen und Autoren, die sich mit dem Leben bekannter Persönlichkeiten – historischer wie aktueller – auseinandersetzen, antworten auf ein latentes Bedürfnis vieler Menschen nach Orientierungsmodellen in einer zunehmend orientierungslosen Welt. Auch die Religionspädagogik widmet sich nach Jahrzehnten einer Abwehr überhöhter Heiligenmodelle wieder dem „Lernen an Biografien“.

Umso erfreulicher ist es, dass dabei auf einen größer werdenden Schatz an geeigneten Texten und Materialien zurückgegriffen werden kann, zu dem die neueste Biografie von Alois Prinz zu Franz von Assisi zweifelsohne dazugehört. Ganz dem Beispiel Luise Rinsers folgend, die Franz von Assisi in ihrem ebenso lesenswerten Jugendroman „Bruder Feuer“ (1975) als Gründer einer Kommune ins 20. Jahrhundert...

Marcel Albert (Hg.): Handbuch der benediktinischen Ordensgeschichte

Im Umfeld aktueller kirchlicher Krisenstimmung ist auch die „Ordenskrise“ präsent. Zugleich bringen sich Ordensleute aber in den Synodalen Weg und andere Reformdebatten ein und zeigen, wie Kirchesein anders gehen könnte. Weniger kirchennahen Zeitgenossen mag ein Besuch in einem Kloster – vielleicht abgesehen von Hofladen und Brauerei – wie der Eintritt in eine andere Welt vorkommen. Zugleich erfahren viele Menschen auf der Suche nach spiritueller Lebensgestaltung und Work-Life-Balance Klöster als Sehnsuchts- oder zumindest Andersorte mit einer besonderen Ausstrahlung. Benediktiner- und Benediktinerinnenabteien von Ettal bis Maria Laach, von Frauenchiemsee bis Eibingen sind geschichtsträchtige und zugleich lebendige Orte der Suche nach Gott und nach dem Ausgleich von Aktion und...

Elmar Salmann (Hg.): Die Regel Benedikts als fremder Gast. Vier Lesarten

Die Priorin aus Eibingen, Jüngste im Bunde, zusammen mit dem Ältesten, dem Theologieprofessor aus Gerleve, altersmäßig dazwischen der Abt aus Plankstätten und der Ordenshistoriker aus Gerleve – sind vier biografisch und beruflich höchst unterschiedliche Persönlichkeiten aus der benediktinischen Familie und haben vier Lesarten. Was sie eint und ihr Dialogwerk attraktiv macht, ist natürlich das Schöpfen aus der immer noch kräftig sprudelnden Quelle – die Benediktsregel ist ja nach der Bibel wohl deren wirkmächtigste Auslegung: „Höre,“ lautet die Musik beider. Was wäre die Christenheit und Europa ohne diesen großen Basistext christlicher Spiritualität, der hier jeweils auf der linken Seite im Wortlaut abgedruckt und rechts dann in vierstimmigen Deutungen knapp beleuchtet wird. Das...

Helga Schubert: Der heutige Tag. Ein Stundenbuch der Liebe

Helga Schubert wurde 1940 in Berlin geboren, in der DDR als Literatin diskriminiert, und 2020 für eine Geschichte des Vorgängerbuches „Vom Aufstehen“ mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet. Im neuen Titel erstaunt das aus der Zeit gefallene „Stundenbuch“, das üblicherweise täglich wiederkehrende Texte klösterlicher Gebete und Gesänge enthält. In der Tat: Die titellosen, oft nur wenige Seiten langen Kapitel öffnen intime Räume einer täglichen Routine. Diese besteht hier in keinem verbalisierten Gotteslob, sondern in den Beschwernissen des Alltagslebens eines hochbetagten Paares – geschildert aus der Perspektive der pflegenden, über 80-jährigen Icherzählerin, die weitestgehend mit der Autorin identisch ist. Ein erneuter Ansatz, das Alter und seine Gebrechen literarisch aus der...