Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Christian Danz: Einführung in die Theologie Martin Luthers

Einführungen sind beliebt, aber sie zu schreiben, birgt ein gewisses Risiko in sich. Sie stehen in der Gefahr, dem Leser das Gefühl zu geben, er wüsste nun schon alles Wesentliche, obwohl er allenfalls einen ersten Überblick erhalten hat. Aber der Leser könnte auch im Gegenteil den frustrierenden Eindruck bekommen, er müsse noch Dutzende weitere Bücher lesen, um überhaupt im Thema ‚drin‘ zu sein.

Bei dem Thema Luther beide Gefahren zu umschiffen, ist dem Autor Christian Danz gut gelungen. Wer seine Einführung liest, bekommt einen kundigen Über- und Einblick in die wesentlichen Entscheidungen der Theologie Luthers. Ebenso werden die Quellen und weitere Literatur zum Lutherstudium genannt und angehenden Lutherforschern wichtige Informationen zusammengestellt, die ihnen den Einstieg in ihre...

Jean-Marc Aveline: Christsein als Heilsdialog

Mit dem Essay „Christsein als Heilsdialog. Gottes Mission für die Menschen“ gewährt der Autor, Kardinal Jean-Marc Aveline, Erzbischof von Marseille, einen Einblick in sein Glaubens-, Kirchen- und Amtsverständnis. Aveline ist Vorsitzender der Französischen Bischofskonferenz. Sein deutscher Amtskollege Bischof Georg Bätzing ist Verfasser des Geleitwortes, worin er Avelines Beitrag würdigt, eine dialogische Kirche des dritten Jahrtausends zu denken.

Herausgeber des Bandes ist der Freiburger Fundamentaltheologe Michael Quisinsky. Er bietet den Lesenden zu Beginn einen informativen „Crash-Kurs“ als Grundlage, indem er die Historie der Französischen Kirche im Hinblick auf ihre Missionsgeschichte sowie das theologische Denken Avelines einordnet, bevor dieser selbst zu Wort kommt.

Der Kardinal...

Martin Ebner: Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten

Mit dem Büchlein „Mitreden, mitentscheiden, mitgestalten. Wie sich frühchristliche Gemeinden organisierten und was wir daraus lernen können“ führt der emeritierte Bonner Neutestamentler die argumentative Linie fort, die er in „Braucht die Katholische Kirche Priester? Eine Vergewisserung aus dem Neuen Testament“ (2022) begonnen hat: Hier geht es stärker um die Frage von Gemeindeorganisation und Gemeindeleitung, doch das zentrale Thema ist auch dieses Mal die Frage, ob es das Amt braucht und wie sich die Katholische Kirche durch Rekurs auf die Praxis früher Jesusnachfolger, die sich in neutestamentlichen Texten spiegelt, verändern und weiterentwickeln könnte.

In vier Kapiteln geht Ebner unterschiedliche Facetten frühchristlicher Sozialisations- und Organisationsformen ab: „Das Panorama...

Stefan Hartmann: Mosaike eines Lebens. Autobiographisches Zeugnis eines Theologen

Eine Selbstbiographie, die es in sich hat. Hier beschreibt ein ehemaliger katholischer Priester sein bisheriges, gut siebzigjähriges Leben: Kindheit, Studium, Beruf und seine späte Heirat. Doch wer eine chronologische Darstellung erwartet, wird enttäuscht. Hartmanns Buch ist, wie der Titel andeutet, eine Komposition aus Fragmenten. Als Theologe, der den Diskurs um sein Priesteramt und seine Vaterschaft hautnah erlebte, setzt er sein Leben nicht neu zusammen. Vielmehr teilt er es offen, aber erzählerisch aus verschiedenen Perspektiven mit. Der geschichtstheologische Ansatz Hans Urs von Balthasars wird deutlich: Das „Ganze im Fragment“ wird in seinen Ab- und Aufbrüchen existenziell aufgegriffen.

Dabei nutzt er die Metapher des Mosaiks, das siebenfach präsentiert wird. „Mosaik 1“ beginnt auf...

Christian Heidrich: Warum ich ein Christ bin

Der Gymnasiallehrer, Theologe und Übersetzer Christian Heidrich, 1960 in Bierawa/Polen geboren, legt eine lebendige kleine Bekenntnisschrift vor, die alles andere ist als ein fundamentalistisches Manifest. Dem Leser flattert schon im Vorwort der Sperling einer Parabel entgegen: Der kleine Vogel fliegt in eine warme beleuchtete Festhalle hinein und kurze Zeit später mit ungewissem Ziel in die unbekannte Dunkelheit wieder hinaus. Diese Metapher der Fragilität und Kürze des menschlichen Lebens wurde König Edwin von Northumbria vor mehr als 1400 Jahren als Entscheidungshilfe während seines Zögerns bei der Konversion zum Christentum erzählt, um deutlich zu machen: Die galiläische Religion würde einem ‚etwas mehr an Gewissheit‘ Raum geben.

In drei Großkapiteln – „Die Gabe“, „Bürger wie...

Jean Zumstein: Das Unservater heute lesen

 

Ist nicht längst alles zum Vaterunser gesagt? Kann man von einem kleinen, auf den ersten Blick unscheinbaren Buch neue Einsichten erwarten? Ja!

Jean Zumstein, der emeritierte Neutestamentler und Experte des Matthäusevangeliums aus Zürich, schafft es. Er fesselt mit seiner wissenschaftlich fundierten und zugleich geistlich in die Tiefe gehenden Auslegung des zentralen Gebets des Christentums, den Verstand und das Herz für das Beten der Worte Jesu neu zu öffnen. Auf schlichte und verständliche Weise, klar strukturiert und leitend, nimmt er seine Leserschaft auf die Entdeckungsreise.

Seine Einleitung, die er mit „Eine neu zu entdeckende Botschaft“ überschreibt, ist kein leeres Versprechen. Zumstein skizziert den Aufbau und die Intention seines Buches. Sogleich führt er zu den wesentlichen...

Isabelle Dolezalek (Hg.): Fenster für bewegtes Licht // Window for moving light

Am 7. April 2024 wurden im Chor des Greifswalder Doms St. Nikolai neue Fenster eingeweiht; am 5. September wurde der 250. Geburtstag des in Greifswald geborenen Malers, Grafikers und Zeichners Caspar David Friedrich gefeiert. Welcher Zusammenhang besteht zwischen beiden Ereignissen?

Eine erste biografische Verbindung besteht darin, dass Friedrich 1774 in St. Nikolai getauft wurde; er wurde zu dem romantischen Künstler schlechthin. – Für ihre Kirche initiierte die Domgemeinde das Projekt „Dom romantisch“, das einen Ersatz der weißen Kirchenfenster des Chors durch eine farbige Verglasung anstrebte. Um dieses Projekt einordnen zu können, ist ein kurzer Rückblick auf die Baugeschichte erforderlich.

Um 1370/80 entstand im Stil der Backsteingotik die später erweiterte und umgebaute...

Thomas Brose / Philipp W. Hildmann: Glaubensmacht und Politik Geschichte – Konflikte – Konturen

Am 18. Juni 2021 ist Hans Maier 90 Jahre alt geworden. Die Katholische Akademie Berlin hat darum seinerzeit zu einer Veranstaltung eingeladen, mit der sie das Lebenswerk des langjährigen bayrischen Kultusministers, des genauso langjährigen Vorsitzenden des Zentralkomitees der Katholiken und Inhabers des Münchener Guardini-Lehrstuhls würdigt. Die Vorträge dieser Veranstaltung sind mit weiteren Beiträgen im vorliegenden Sammelband dokumentiert.

Ich gestatte mir an dieser Stelle eine persönliche Bemerkung, die eigentlich den Rahmen einer Rezension sprengt. Zum ersten Mal habe ich den Namen Hans Maier im Religionsunterricht meiner Schulzeit an einem Essener Gymnasium gehört, und das muss um das Jahr 1970 herum gewesen sein. Unsere Klasse war im Gefolge der 68er-Bewegung stark politisiert, und...