Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Sebastian Ostritsch: Serpentinen. Die Gottesbeweise des Thomas von Aquin nach dem Zeitalter der Aufklärung

Was sich der Philosoph Sebastian Ostritsch mit diesem Buch vorgenommen hat, ist nicht weniger als die Heilung des heute lahmenden Flügels der Vernunft, der zusammen mit dem Flügel des Glaubens nach der Enzyklika „Fides et ratio“ von Johannes Paul II. den Geist des Menschen zur Betrachtung der Wahrheit erhebt, die nichts anderes ist als Gott, in dem das absolute Wahre, Schöne und Gute in eins fällt. Eine zeitgeistige Theologie hat in Kapitulation vor dem naturalistischen Denken, dem Relativismus und der Kantianischen Erkenntnistheorie keinen Auftrieb mehr unter dem Flügel der Vernunft. Der rationale Weg zur aufsteigenden Erkenntnis der Existenz Gottes aus seinen Werken ist damit versperrt und in der Folge die Erkenntnis des Willens Gottes in der Schöpfungsordnung als Quelle der Moral.

Was...

Anselm von Canterbury: Der Gottesbeweis im Proslogion und die Debatte mit Gaunilo

Es ist schon erstaunlich, wie der Gottesbeweis von Anselm von Canterbury über Jahrhunderte hinweg bis in die heutige Zeit das Nachdenken anregen kann. In dem vorliegenden Buch gehen die Herausgeber, Bernd Goebel und Christian Tapp, mit großer Präzision dem Gedankengang von Anselm von Canterbury nach. Im ersten Teil werden die relevanten Texte wiedergegeben: Der Gottesbeweis aus dem Proslogion (2-4), die Erwiderung von Gaunilo (Liber pro insipiente) und schließlich Anselms Responsio. Darauf folgt eine ausführliche Kommentierung des Textes und ein umfangreiches Nachwort, das die Biografie Anselms und die Wirkungsgeschichte seines Gottesbeweises nachzeichnet.

Die Übersetzung der Texte stammt von den Herausgebern, für das Verständnis entscheidende Übersetzungsentscheidungen werden...

Petrus Lombardus: Sententiae in quatuor libris distinctae / Vier Bücher der Sentenzen

„Aus dem Wunsch heraus, etwas von dem Wenigen und Armseligen, über das wir verfügen, gemeinsam mit der armen Witwe in den Opferkasten des Herrn zu werfen, haben wir es unternommen, steile Höhen zu erklimmen und ein über unsere Kräfte gehendes Werk auszuführen.“ (65) So beginnt der Prolog des Petrus, der aufgrund seiner Herkunft aus der Gegend von Novara als der Lombarde erinnert werden sollte. Sein zunächst nur für kurze Zeit geplanter Studienaufenthalt in Frankreich führte ihn zunächst nach Reims, wo er mit Unterstützung des Bernhard von Clairvaux studierte, und dann nach Paris, genauerhin an die Abtei von Sankt Viktor, wo er um 1113-1136 seine Studien fortsetzte. Er sollte nur noch besuchsweise nach Italien zurückkehren. Bald schon wurde er Lehrer an der Kathedralschule von Notre Dame in...

Josef M. Könning: Theologische Menschenrechtsethik angesichts der globalen Flüchtlingssituation

Am 31. August 2015 sagte die damalige Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in der sogenannten Sommerpressekonferenz der Bundesregierung den berühmten Satz „Wir schaffen das“. Er gilt bis heute als Kernaussage des deutschen Konzepts einer Willkommenskultur für Flüchtlinge und sorgte dafür, dass geflüchtete Menschen von 2015 bis 2016 mit großer Wärme und Herzlichkeit aufgenommen wurden. Heute, zehn Jahre später, ist von dieser Atmosphäre und Willkommenskultur fast nichts mehr zu spüren. Stattdessen wird politisch überlegt, wie der Zugang von Flüchtlingen in europäische Staaten hinein effektiv gestoppt werden kann.

Josef M. Könning nimmt diese Situation als Ausgangspunkt für sein Buch und stellt sich die Frage, warum auf der einen Seite im europäisch-politischen Kontext die Fahne der...

Dietmar Hübner: Was uns frei macht

Entgegen allen Unkenrufen, die den Niedergang der Geisteswissenschaften beklagen, gibt es auch aktuell in der einschlägigen Publikationslandschaft traditioneller Fächer Leuchttürme, die wie bei dem hier zu besprechenden Buch ungeahnte Erhellung für ein Thema der klassischen Philosophie verschaffen und damit neuen Optimismus rechtfertigen. Nachdem um die Frage nach der Willensfreiheit in den Nuller Jahren des neuen Jahrtausends zum Beispiel durch die Wiederholung der sogenannten Libet-Experimente und Veröffentlichungen der Hirnforscher Wolf Singer und Gerhard Roth eine lebhafte Diskussion entbrannte, die zumindest im deutschen Feuilleton ihren vorläufigen Abschluss in der von dem FAZ-Redakteur Christian Geyer 2004 herausgegebenen Aufsatzsammlung „Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur...

Lambert Wiesing: Assoziationen. Das Erlebnis der Individualität

„Ein Zeichen schon erinnert uns, ein ganz leise geflüstertes Wort weckt eine versunkene Welt wieder auf, und ein Duft, den man einst atmete, ist hartnäckiger als der Tod …“, heißt es in Georges Bernanos‘ Erstlingswerk. Und in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ lässt der Geschmack eines kleinen Sandkuchens beglückende Bilder aus der Kindheit vor dem inneren Auge des Protagonisten auftauchen.

Was damit literarisch beschrieben wird, ist im Buch von Lambert Wiesing Gegenstand einer präzisen phänomenologischen Untersuchung, nämlich die Assoziation, also die Weckung einer Erinnerung oder eines Gefühls bzw. einer Imagination durch einen anderen Bewusstseinsinhalt, der eine Wahrnehmung oder auch selbst eine Erinnerung sein kann. Diese Weckung erfolgt spontan ohne aktives...

Vincent Knopp u.a.: Rechtsextreme Meme

In einer Stellungnahme vom Juni 2025 verwehrte sich die Hamburger CARLSEN Verlag GmbH gegen eine häufige Urheberrechtsverletzung bei der bekannten Kinderbuchfigur „Conni“, das Mädchen mit dem Ringelshirt und der roten Schleife im Haar: „Dass Conni so beliebt ist und ihre Geschichten weit verbreitet sind, findet aktuell vermehrt Ausdruck in zahlreichen, größtenteils KI-generierten Memes in sozialen Netzwerken.“ Der Journalist Titus Blome erklärt dazu in seinem Beitrag „Conni knackt das Urheberrecht“ in DIE ZEIT vom 11. Juli 2025: „Besonders während der Coronapandemie waren Conni-Memes ein kollektiver Zeitvertreib für Menschen, die sich etwas zu eingesperrt fühlten und etwas zu sehr online waren. Das Browserfenster zum Hof war oft die einzige Ablenkung und Memes waren der Kitt, der die neue...

Peter Tewes: Gehirn und Vernunft. Zur Differenz von Neurowissenschaften und Pädagogik

Bei dem vorliegenden Werk stellen sich drei Fragen: Welche Motivation gab es für den Autor, seine Gedankengänge, die auf vier bis fünf Seiten Platz gefunden hätten, in Buchform zu veröffentlichen? Was hat den renommierten Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Ladenthin dazu veranlasst, ein Geleitwort beizusteuern? Können ein Verlag oder ein Autor ernst genommen werden, wenn sie eine 90-seitige Schrift, deren Niveau sich auf dem einer Bachelor-Arbeit bewegt, für knapp 60 Euro anbieten?

Mit dem Titel „Gehirn und Vernunft – Zur Differenz von Neurowissenschaften und Pädagogik“ hätte der Autor Peter Tewes einen wichtigen Beitrag zu einer Debatte liefern können, die von zahlreichen Missverständnissen geprägt ist. Diese lassen sich, darin ist Tewes zuzustimmen, am Begriff des...