Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Meltem Kulaçatan / Harry Harun Behr (Hg.): Migration, Religion, Gender und Bildung

Der Sammelband „Migration, Religion, Gender und Bildung. Beiträge zu einem erweiterten Verständnis von Intersektionalität“ entstand als Ergebnis der Jahrestagung 2017 des Rates für Migration. In diesem Netzwerk haben sich 160 Migrationswissenschaftlerinnen und Migrationswissenschaftler zusammengeschlossen. Dabei verwahren sich die Herausgeber in Ihrem Vorwort gegen den Vorwurf, „intersektionale Perspektiven seien ‚linke Wissenschaft‘“. Vielmehr trauen sie gerade diesem Ansatz zu, „das menschliche Subjekt in seiner Beunruhigung in den Blick [zu nehmen], und dies in einer Zeit, in der Menschen vermehrt in Merkmalskollektive verpackt werden und in der deren Erfahrungen und Befürchtungen einfach in Abrede gestellt werden“ (11). Daher möchte der Band gesellschaftliche Debatten um das Thema...

Christiane Frey / Uwe Hebekus / David Martyn (Hg.): Säkularisierung

Heinrich Heine schon meinte, das Totenglöckchen für den sterbenden Gott zu hören. „Es ist der alte Jehova selber, der sich zum Tode bereitet“, schrieb er. Und Friedrich Nietzsche sah erstaunt, dass die Menschen immer noch die Kirchen bevölkerten, diese »süßduftenden Höhlen«, die für ihn ja nichts anderes waren als „Grüfte und Grabmäler“ des von ihm totgesagten Gottes. Sie tun es auch heute noch, aber tatsächlich leeren sich die Kirchen zunehmend, zumindest in Europa. Die Religion ist hier seit gut drei Jahrhunderten auf dem Rückzug und einflussreiche Philosophen, Soziologen, Psychoanalytiker und Literaten sitzen am Krankenbett dieses Gottes, eifrig bemüht, Sterbehilfe zu leisten und den Prozess der Säkularisierung immer weiter voranzutreiben, also die Verdrängung der Religion aus der...

Hermann Stinglhammer / Bernhard Kirchgessner (Hg.): Einführung in das Christentum – für heute

Die beiden Herausgeber legen mit „Der Glaube an Gott“ den ersten eines auf drei Bände konzipierten Glaubenskurses vor. Am Apostolischen Glaubensbekenntnis orientiert, sind sie Joseph Ratzingers Buch „Einführung in das Christentum“ verpflichtet, wollen heutigen Adressaten die grundlegenden Inhalte des Glaubens aus unterschiedlichen Perspektiven vermitteln. Sie werden in sechs interessanten Kapiteln als Beiträge verschiedener Autoren klar und übersichtlich dargestellt.

Noch vor ihren Ausführungen steht das Gespräch der beiden Herausgeber mit dem Passauer Bischof Stefan Oster: „Ich glaube, wir glauben“ (13-33): Glaube ist als ein personales Verhältnis zu Jesus Christus zu verstehen, in dessen Heiligem Geist der Einzelne gemeinsam mit anderen in der Beziehung zu Gott, dem Vater, leben kann.

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Agnès Poirier: Notre Dame

Eine Verlusterfahrung besteht darin, dass man bemerkt, was fehlt. Eine Verlustkommunikation liegt in der schieren Unendlichkeit der Klage darüber, dass etwas fehlt und nicht zurückkommt – wie im omnipräsenten Krisen-Sprech unserer Tage angesichts der Covid-19-Pandemie und unserer Sehnsucht nach „neuer Normalität“. Wie aber ist der Vorgang zu bezeichnen, dass man erst dann merkt, was man hatte, wenn es einem zu fehlen beginnt?

Nostalgie ist es nicht, hängt damit aber zusammen. Es ist deshalb keine Nostalgie, weil diese lediglich den Gemütszustand jenes Vorgangs angibt, ihn aber noch nicht qualifiziert. Der Vorgang selbst liegt in einer Gedächtnisfunktion. Genauer gesagt liegt er in der Fähigkeit, den Gedächtnisbesitz zu mobilisieren und verwertbar zu machen – für (mehr oder weniger...

Annettte Hilt / René Torkler / Anna Waczek (Hg.): Erzählend philosophieren – ein Lehr- und Lesebuch

Mit Nachdruck forderte der britische Philosoph Alfred North Whitehead in seiner grundlegenden Abhandlung „Wissenschaft und moderne Welt“ (1925), Philosophen sollten doch beständig und aufmerksam auf die Literatur als eigene Kunstform blicken, um „die innersten Gedanken einer Generation zu erkennen“. Whitehead sprach der Literatur dabei das Potenzial zu, im Modus des Erzählens Erfahrungen zu reflektieren, die nicht einfach als verwässerte philosophische Konzepte zu deklassieren wären. Vielmehr eröffnete die Literatur als Kunst für Whitehead einen weiten Resonanzraum, in dem sich Philosophie, verstanden als die vernunftbegründete Reflexion menschlichen Tuns, verdichtet ereignen würde.

In einem solchen Sinn beleuchten Annette Hilt (Professorin für Philosophie an der Cusanus-Hochschule...

Mehr Demokratie e.V. / BürgerBegehren Klimaschutz e.V. (Hg.): Handbuch Klimaschutz

Dieses Handbuch ist anders – nicht nur in der Größe A4, sondern in der klaren Ausrichtung und konkreten Umsetzung. Die Stimmen der neun Wissenschaftler zu Beginn wecken eine hohe Erwartung an Solidität der Information. Auftraggeber ist „Mehr Demokratie e.V.“, Projektträger das „Bürgerbegehren Klimaschutz e.V.“

Grafiken zu Klima, dem Handeln der Menschen und der Dynamik des Klimawandels geben einen ersten Überblick. Eine Zusammenfassung rundet den Einstieg ab. Fußnoten und wissenschaftliche Hintergrundinformationen wurden ins Internet ausgelagert https://handbuch-klimaschutz.de. Fragekästen am Ende jedes Kapitels regen zum Dialog über die jeweilige Lösung an. Wer noch daran zweifelt, dass eine ambitionierte Klimapolitik der Imperativ für dieses Jahrzehnt ist, profitiert besonders von der...

Roland Knillmann / Michael Reitemeyer (Hg.): Menschliche Gesellschaft 4.0

 

Eine Welt, in der die Digitalisierung alles und der Mensch nichts mehr selbst bestimmen muss, schildern Knillmann und Reitemeyer direkt zu Beginn; dabei bedienen sie sich eines Auszuges aus QualityLand, dem Buch von Marc-Uwe Kling, das eine dystopische Welt aufzeigt. Die Herausgeber des Sammelbandes betrachten dies als Warnung und nehmen daher die menschliche Gesellschaft 4.0 in den Blick. Grundlage für die im Buch enthaltenen Aufsätze ist eine Fachtagung, die im Juli 2019 vom Caritasverband für die Diözese Osnabrück e. V. und dem Ludwig-Windhorst-Haus, der Katholischen Sozialen Akademie des Bistums Osnabrück, initiiert wurde. Dabei sollte das Zentrum der Tagung (und damit des Buches) die Frage sein, wie Christen mit den digitalen Perspektiven umgehen und sich hierzu beraten lassen. Vier...

Die konvivialistische Internationale: Das zweite konvivialistische Manifest

Den Begriff „Konvivialität“ hat der Philosoph und vormalige Jesuit Ivan Illich in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts im Zusammenhang mit seiner Technikkritik geprägt. Er führt damit ein Bewertungskriterium für technologische Errungenschaften ein: Sie dürfen ein Gemeinwesen nicht systematisch überfordern, die Souveränität der Gesellschaft gegenüber der Technik nicht gefährden. Genau in diesem Sinne wurde der Begriff in den letzten Jahren, vor allem im Zusammenhang der Degrowth-Bewegung, wiederentdeckt und entscheidend weiterentwickelt. Andrea Vetter zum Beispiel arbeitet in ihrer ebenfalls im transcript Verlag erschienenen Dissertation („Konviviale Technik“) eine entsprechende Kriteriologie aus: Beziehungsqualität, Verbundenheit mit allem Lebendigen, Zugänglichkeit,...