Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Freiheit und Menschenwürde

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Wir verdanken diese Erklärung der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Es ist heute selbstverständlich geworden, über Würde und Freiheit zu reden, und der Wert der Freiheit ist wohl schon immer bekannt gewesen. So spricht Don Quijote zu seinem Knappen: „Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen. (…) Für die Freiheit wie für die Ehre darf und muß man das Leben wagen.“

Der Kultursommer 2024 in Rheinland-Pfalz stand unter dem Motto „Freiheit und Menschenwürde“. Am gleichnamigen Begleitband der Herausgeber Martin W. Ramb und Holger Zaborowski beteiligten sich siebzehn Beitragende aus den Bereichen Philosophie,...

Barbara Bleisch: Mitte des Lebens. Eine Philosophie der besten Jahre

Die Schweizer Philosophin Barbara Bleisch stellt sich die Frage, welche Gedanken sich zur Lebensmitte formulieren lassen – so beschreibt sie die Motivation für Ihr Buch im Interview mit der TAZ am 18. Dezember des letzten Jahres. Ihr Motiv ist einerseits persönlicher Natur, da sie sich selbst in dieser Phase befindet (zum Zeitpunkt des Interviews war sie 52 Jahre alt). Andererseits ist ihr Interesse fachlich bedingt: Die Philosophie beschäftigte sich seit der Antike vielfach mit Alter, Gebrechlichkeit und nahendem Tod sowie in jüngerer Zeit mit Kindheit und Jugend, thematisierte aber bis auf sehr wenige Ausnahmen die mittleren Jahre kaum. Zudem sind diese durch die Rede von der Midlife-Crisis etwas in Verruf geraten, welche häufig die Anfälligkeit dieser Phase für Bedauern, Reue,...

Veronika Bachmann (Hg.): Ich bin doch da. Herausforderung Demenz

Der vorliegende Sammelband begegnet der Herausforderung Demenz aus spiritueller, theologischer und ethischer Perspektive und gibt praktische Hilfestellungen im Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen bezüglich ihrer spirituellen und religiösen Bedürfnisse. Er stellt eine demenzielle Erkrankung in den Kontext der pastoralen Arbeit der Pfarreien, die idealerweise „Orte der Krisenprophylaxe und Resilienzförderung“ (199) sind, was einen sehr hohen Anspruch darstellt. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: Medizinische und psychosoziale Grundlagen, Demenz im Fokus von Spiritual Care, Ethik und Theologie und ein ausführlicher Teil mit Praxishilfen, der den Schwerpunkt bildet.

Im ersten Teil, der komplett von Irene Bopp-Kistler, der renommierten Züricher...

Helmut Bachmaier/ Bernd Seeberger: Religiosität im Alter

Der vorliegende Sammelband liefert einen eindrucksvollen Überblick und unterschiedliche Perspektiven auf die Frage nach Religion, Spiritualität und Glaube in Kontext des Alterns. Er stellt die noch selten hergestellte Verbindung zwischen Theologie bzw. Religionssoziologie und Gerontologie her und eröffnet daher neue Perspektiven und Zugangsweisen zur Religiosität im Alter.

Zunächst stellt Peter Gross unter dem Titel: „Wiederkehr der Religion? Verlängerte Lebenszeit – Verlust der Ewigkeit“ grundsätzlich die Frage nach dem Stellenwert der Religion in der modernen Gesellschaft, deren heilsgeschichtliches Programm Markt und Demokratie ist. Durch die gewonnene Autonomie muss jeder seine Erlösung selbst in die Hand nehmen. Nicht die Religion im Sinne des christlichen Glaubensbekenntnisses kehrt...

Rolf Schieder: Hegels Gott. Eine Provokation

Der evangelische Theologe Rolf Schieder war von 2002 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2018 Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Leiter des „Program on Religion and Politics“ und als Herausgeber der „Berliner Reden zur Religionspolitik“ beschäftigt er sich seit über 25 Jahren auf prominente Weise mit der Frage nach der gesellschaftlichen Rolle von Religion in den säkularen und demokratischen Gesellschaften der Gegenwart. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur auf den ersten Blick überraschend, wenn Schieder mit einem Buch über die spekulative Philosophie Hegels in Erscheinung tritt. Denn er verortet seine Auseinandersetzung mit Hegel im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher und religionspolitischer Debatten. Schieder...

Benedikt Paul Göcke: Gott existiert

Die von dem menschlichen Denken unabhängige Existenz Gottes ist für Benedikt Paul Göcke von so entscheidender Bedeutung für den christlichen Glauben, dass er es unternimmt, einen eigenen Gottesbeweis zu entwickeln.

Vorbereitend wird darauf hingewiesen, dass das Denken des Menschen immer schon auf einen weltanschaulichen Hintergrund verweist, in dem metaphysische Aussagen eine entscheidende Rolle spielen, deren Gültigkeit in Frage gestellt werden kann und die deshalb auch veränderbar sind. Der Zugang zur Bewährung von Auffassungen von der Wirklichkeit ist die wissenschaftliche Tätigkeit. Das Ziel dieser Tätigkeit, die Wahrheit, verstanden als Übereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit, ist aber selbst mittels der Wissenschaft nicht hinreichend erreichbar, da der Mensch keinen „neutralen“...

Johannes Thome: Immanuel Kant. Philosoph der Vernunft

Johannes Thome, Direktor der psychiatrischen Klinik der Universität Rostock, unternimmt es, auf 40 Seiten in das Werk Immanuel Kants einzuführen. Das Büchlein endet mit dem Appell, Immanuel Kant zu lesen, den der Autor zugleich durch die Warnung konterkariert, der Philosoph wirke „abgehoben und schwer verständlich“.

Warum man sich diese schwere Kost antun soll, begründet Thome mit den Schlagworten, Kant habe eine Philosophie der Vernunft, der Freiheit und des Friedens entworfen und damit die Fragen der Erkenntnistheorie, der Ethik, der Religionsphilosophie und der Anthropologie bearbeitet. Er hebt hervor, dass Kant mit seinem Leser in einen Dialog tritt, um uns den Weg zum Selbstdenken zu zeigen. So verteidigt er ihn zuletzt gegen die Kritik der russisch-amerikanischen Philosophin Autorin...

Julian Baggini: Wie die Welt denkt. Eine globale Geschichte der Philosophie

Unser alltägliches Handeln, Sprechen und Denken ist von ideengeschichtlichen Voraussetzungen bestimmt, die uns oftmals nicht bewusst sind. Das betrifft unser Denken hier im traditionell so bezeichneten Westen wie in anderen Gegenden der Welt. Der britische Philosoph Julian Baggini nennt die Voraussetzungen des Denkens Sedimentschichten – und er möchte sie mit seiner Globalgeschichte der Philosophie sichtbar machen und damit ein Fenster zur dazugehörigen Kultur aufmachen. Dabei bedient er sich sowohl der Lektüre der Klassiker der jeweiligen Kontinentalphilosophien. Er führt aber auch persönliche Interviews. Herausgekommen ist eine breit angelegte Skizze, die in groben Zügen erahnen lässt, wie die Welt denkt. Skizze deshalb, weil der Anspruch einer Globalphilosophie völlig vermessen ist. Das...