Auf der Suche nach historischen Einführungs- oder Überblickswerken zu einer bestimmten kirchengeschichtlichen Epoche stößt man noch allzu häufig auf Bücher, die altbekannte Themen mit nur wenigen neuen Einsichten präsentieren. Dazu gehören im Hinblick auf das Mittelalter vor allem die sogenannte Germanenmission, das Verhältnis von weltlicher und geistlicher Macht, Entwicklungen in der Ordensgeschichte, Kreuzzüge und Verfolgung von „Häretikern“ sowie das Verhältnis zu Judentum und Islam. Mit einer gewissen Geschlechtersensibilität wird normalerweise auch die Frauenmystik beleuchtet. Umso mehr überrascht das neue Buch „Die abendländische Christenheit im Mittelalter“ von Martin Kaufhold, das sich in vielerlei Hinsicht wohltuend von der Masse vergleichbarer Darstellungen abhebt. Es erhebt den...
Zunächst einmal ist bei diesem (Jubiläumsjahr-)Sammelband der Hinweis wichtig, dass das Glaubensbekenntnis von Nizäa die wesentliche Grundlage für das Konzil von Chalkedon liefert, dessen Glaubensbekenntnis das „einzige Glaubensbekenntnis ist, das von der römisch-katholischen, evangelischen und orthodoxen Christenheit gemeinsam geteilt wird“ (9).
Es gibt allerdings auch einen anderen wesentlichen Grund. Die mit dem Konzil von Nizäa erstmals explizit kirchlich-gemeinschaftlich formulierte Lehre, dass Jesus von Nazareth als der Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, ist eine geistesgeschichtliche Zäsur. Auf der einen Seite wird die (auf den Mittelmeerraum bezogene) antike ontotheologische Selbstverständlichkeit, dass Gott leidensfrei sei, aufgehoben. Auf der anderen Seite trennt sich...
Es sticht ins Auge, das Büchlein in leuchtendem Pink, mit dem Neugierde weckenden Titel „Gott und die Schönheit“. Und auch der Untertitel macht Lust, hineinzulesen: „Entdeckungen in der atheistischen Gesellschaft“. Justus Geilhufe, promovierter evangelisch-lutherischer Theologe und Pfarrer in Sachsen, macht sich in seinem Essay auf die Suche: nach Gott, dem Glauben, der Schönheit. Sie führt ihn durch denkbar unterschiedliche Gegenden und Milieus, irgendwo zwischen Technoclub und Kloster. Was auf den ersten Blick diametral entgegengesetzt steht, ist die Basis für einen Roadtrip, der in der Taufe seines Freundes Matej mündet.
Kennengelernt haben sich der Journalist und der Theologe bei einer Recherche für einen Artikel über die Zeit der Wende, Ostdeutschland und wie Christen diese Zeit...
Die Zahl philosophischer, soziologischer und kulturwissenschaftlicher Analysen zu Religion und Glaube wächst stetig. Trotz einer säkularen Fokussierung geht es oft nicht mehr um eine religionskritische Abrechnung mit dem Christentum zugunsten eines humanistischen Fortschritts, sondern um den möglichen positiven Beitrag von Religion für Individuum und Gesellschaft. In diese Linie reiht sich auch das vorliegende Buch von Bernd Stegemann ein, der als Professor für Dramaturgie und Kultursoziologie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin tätig ist. Insbesondere der Untertitel lässt aufhorchen. Denn mit „atheistischer Apokalypse“ wird gerade das seit der Aufklärung sich ausbreitende säkulare Zeitalter etikettiert. Stegemann schreibt als katholisch geprägter „Ungläubiger über...
Die „Selbstverwandlung der Theologie in eine Art archäologische Wissenschaft des einstmals Geglaubten“ (50), weil „Gott vielen Theologinnen und Theologen schlicht nicht geheuer“ ist (56), setzt „die Zukunft der Theologie und die Zukunft der evangelischen Kirche“ aufs Spiel (53). Dieses Buch eines protestantischen Theologieprofessors – das der katholische Rezensent durchaus als ökumenisch empfindet – ist ein Einspruch gegen einen „theologisch-moralischen Streichelzoo“ (97), welcher Gottes ungeheuerliche Herrlichkeit aus dem Gottesbild verbannt und ihn damit menschengerecht depotenziert. Unter diesen Vorzeichen sucht das vorliegende Buch, die (evangelische) Theologie von Karl Barth her gegen ihre Selbstrelativierungen – als Anthropologie, als Moral, als Sentimentalität – im Anthropozän in...
Der evangelische Theologe Rolf Schieder war von 2002 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2018 Professor für Praktische Theologie und Religionspädagogik an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Leiter des „Program on Religion and Politics“ und als Herausgeber der „Berliner Reden zur Religionspolitik“ beschäftigt er sich seit über 25 Jahren auf prominente Weise mit der Frage nach der gesellschaftlichen Rolle von Religion in den säkularen und demokratischen Gesellschaften der Gegenwart. Vor diesem Hintergrund erscheint es nur auf den ersten Blick überraschend, wenn Schieder mit einem Buch über die spekulative Philosophie Hegels in Erscheinung tritt. Denn er verortet seine Auseinandersetzung mit Hegel im Kontext gegenwärtiger gesellschaftlicher und religionspolitischer Debatten. Schieder...
Die von dem menschlichen Denken unabhängige Existenz Gottes ist für Benedikt Paul Göcke von so entscheidender Bedeutung für den christlichen Glauben, dass er es unternimmt, einen eigenen Gottesbeweis zu entwickeln.
Vorbereitend wird darauf hingewiesen, dass das Denken des Menschen immer schon auf einen weltanschaulichen Hintergrund verweist, in dem metaphysische Aussagen eine entscheidende Rolle spielen, deren Gültigkeit in Frage gestellt werden kann und die deshalb auch veränderbar sind. Der Zugang zur Bewährung von Auffassungen von der Wirklichkeit ist die wissenschaftliche Tätigkeit. Das Ziel dieser Tätigkeit, die Wahrheit, verstanden als Übereinstimmung von Aussage und Wirklichkeit, ist aber selbst mittels der Wissenschaft nicht hinreichend erreichbar, da der Mensch keinen „neutralen“...
Der emeritierte Tübinger Pastoraltheologe Ottmar Fuchs gehört sicher zu den profiliertesten Vertretern seiner Zunft. Wer sich von diesem Altmeister pastoraltheologischer Reflexion ein abgeklärtes, nach jahrzehntelangem Lehren und Forschen gereiftes Werk erwartet, wird sich wundern. Anstelle von denkerischer Systematik gibt es „Momente“, anstelle von reflexiver Theologie gibt es „Mystik“, anstelle von Sicherheit im Glauben gibt es „Schwebe“. Dabei geht Fuchs ganz in der Manier seines Faches vor, er analysiert die „Welt von heute“, die – so der Untertitel –allerdings ein „Leben in Zeiten des Ungewissen“ darstellt.
Gezwungenermaßen hat das Buch eine Reihenfolge von sieben Kapiteln, die sich immer wieder aufeinander beziehen und so ein „schönes Durcheinander“ (13) bilden. Zu den denkerischen...








