Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Hans-Joachim Höhn: Können – Sollen – Dürfen. Religionsphilosophie nach Kant

Mit hoher Einfachheit vermochte Romano Guardini, der sich zeitlebens auf der Scheidelinie von Religionsphilosophie und Theologie bewegte, von 1923 bis 1939 als Gastdozent an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin katholische Weltanschauung zu lehren, bis das NS-Regime seine Lehre für unvereinbar mit der völkischen Ideologie erklärte. Im Gedenken an Guardini besteht seit einigen Jahren eine Stiftungsprofessur an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität.

Hans-Joachim Höhn hielt im Rahmen dieser ehrenvollen Professur Vorlesungen über die Religionsphilosophie nach Kant, über Vernunft und Glaube in der Gegenwart, in einem Zeitalter der „radikalen Säkularität“. Anders als Guardini setzt die Lektüre seines anspruchsvollen Bandes mehr als nur ein philosophisches Interesse voraus....

Byung-Chul Han: Sprechen über Gott. Ein Dialog mit Simone Weil

Man nimmt teil am Zwiegespräch zwischen Freunden: Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han (geb. 1959) spricht in Verehrung und Liebe mit seiner Gesprächspartnerin Simone Weil (1909-43). Dieses spürbare Höchstmaß an Empathie und Einverständnis sagt viel über die Gemeinsamkeit beider und fördert eine Fülle jener bergkristallklaren Aphorismen ans Licht, die sich in der faszinierenden Denklandschaft Weils finden. Han erweist sich als gelehriger Schüler mit reich gefülltem Zettelkasten von Weil-Zitaten, die er systematisierend einordnet und kultur- wie kapitalismuskritisch zuspitzt. Zentralbegriffe Weils werden zu Magnetfeldern, um ihr in der Tat extrem inspirierendes Denken zur Geltung zu bringen. (Sekundärliteratur zu Weil wird kaum berücksichtigt, die Lektüre der französischen Denkerin bezieht...

Simone Weil: Die Illias, oder das Gedicht von der Gewalt

Wie gut, dass dieser große Text zu Krieg und Frieden, präzise übersetzt und hervorragend kommentiert, ins Gegenwartsgespräch eingebracht wird – stehen doch seit dem Beginn des Putin-Krieges und dem Ende der politischen Nachkriegsarchitektur brennend jene Fragen im Raum, die vor hundert Jahren mit dem beginnenden Siegeszug des Nationalsozialismus und des Stalinismus aufbrachen. Wer wollte nicht unbedingt den Frieden, aber wie mit Aggression und Krieg, ja mit Angriff und Vernichtungswillen einer Seite umgehen? Gilt doch die realistische Diagnose des Thukydides, immerhin vor bald 2500 Jahren formuliert: „Durch eine Notwendigkeit der Natur übt jedes, ganz gleich welches Wesen, soweit es kann, all die Macht aus, über die es verfügt.“

Simone Weil, die linke Aktivistin und messerscharfe...

Christian Danz: Einführung in die Theologie Martin Luthers

Einführungen sind beliebt, aber sie zu schreiben, birgt ein gewisses Risiko in sich. Sie stehen in der Gefahr, dem Leser das Gefühl zu geben, er wüsste nun schon alles Wesentliche, obwohl er allenfalls einen ersten Überblick erhalten hat. Aber der Leser könnte auch im Gegenteil den frustrierenden Eindruck bekommen, er müsse noch Dutzende weitere Bücher lesen, um überhaupt im Thema ‚drin‘ zu sein.

Bei dem Thema Luther beide Gefahren zu umschiffen, ist dem Autor Christian Danz gut gelungen. Wer seine Einführung liest, bekommt einen kundigen Über- und Einblick in die wesentlichen Entscheidungen der Theologie Luthers. Ebenso werden die Quellen und weitere Literatur zum Lutherstudium genannt und angehenden Lutherforschern wichtige Informationen zusammengestellt, die ihnen den Einstieg in ihre...

Stefan Hartmann: Mosaike eines Lebens. Autobiographisches Zeugnis eines Theologen

Eine Selbstbiographie, die es in sich hat. Hier beschreibt ein ehemaliger katholischer Priester sein bisheriges, gut siebzigjähriges Leben: Kindheit, Studium, Beruf und seine späte Heirat. Doch wer eine chronologische Darstellung erwartet, wird enttäuscht. Hartmanns Buch ist, wie der Titel andeutet, eine Komposition aus Fragmenten. Als Theologe, der den Diskurs um sein Priesteramt und seine Vaterschaft hautnah erlebte, setzt er sein Leben nicht neu zusammen. Vielmehr teilt er es offen, aber erzählerisch aus verschiedenen Perspektiven mit. Der geschichtstheologische Ansatz Hans Urs von Balthasars wird deutlich: Das „Ganze im Fragment“ wird in seinen Ab- und Aufbrüchen existenziell aufgegriffen.

Dabei nutzt er die Metapher des Mosaiks, das siebenfach präsentiert wird. „Mosaik 1“ beginnt auf...

Christian Heidrich: Warum ich ein Christ bin

Der Gymnasiallehrer, Theologe und Übersetzer Christian Heidrich, 1960 in Bierawa/Polen geboren, legt eine lebendige kleine Bekenntnisschrift vor, die alles andere ist als ein fundamentalistisches Manifest. Dem Leser flattert schon im Vorwort der Sperling einer Parabel entgegen: Der kleine Vogel fliegt in eine warme beleuchtete Festhalle hinein und kurze Zeit später mit ungewissem Ziel in die unbekannte Dunkelheit wieder hinaus. Diese Metapher der Fragilität und Kürze des menschlichen Lebens wurde König Edwin von Northumbria vor mehr als 1400 Jahren als Entscheidungshilfe während seines Zögerns bei der Konversion zum Christentum erzählt, um deutlich zu machen: Die galiläische Religion würde einem ‚etwas mehr an Gewissheit‘ Raum geben.

In drei Großkapiteln – „Die Gabe“, „Bürger wie...

Wilfried Härle: Ja, aber! Ein Streitgespräch zwischen Glauben und Zweifel

Wie kann der christliche Glaube in der Gegenwart intellektuell verantwortet werden? Wie sind seine zentralen Lehren von ihren biblischen Ursprüngen sowie auch von der lutherischen Tradition her zu verstehen? Diesen elementaren Fragen geht der emeritierte Theologe Wilfried Härle im vorliegenden, auch für Nichtfachleute verständlichen Buch nach.

Zunächst wird fundamentaltheologisch auf Kritikpunkte der Aufklärungsphilosophie am Glauben eingegangen – allerdings streng existenziell gewendet, wie es für protestantisch profilierte Überlegungen erwartbar ist. Anschließend kommt es zu einer eingehenden Beleuchtung systematisch-theologischer Aspekte. Härle lässt dazu zwei Personen auftreten, die er, anders als beispielsweise Platon oder Pascal, als innere Stimmen einführt. „A“ vertritt die...

Klaus von Stosch: Trinitätstheologie. Grundlegung und interreligiöse Perspektivierung

Johann Baptist Metz spottete einmal über den trinitätstheologischen Entwurf seines Kollegen Jürgen Moltmann, dieser kenne das Innenleben Gottes besser als das seiner Frau. Auf ähnliche Weise konnte sich Karl Rahner über trinitätstheologische Konzepte echauffieren, die ihm zur göttlichen Eingeweideschau gerieten. Gelte es doch, Gott als Geheimnis zu denken.

Nun darf die Beschwörung der Geheimnishaftigkeit Gottes nicht dazu führen, das Denken abzustellen, und das wollte zweifellos keiner der beiden Theologen sagen. Umso mehr stellt sich die Frage, bis zu welchem Punkt das Denken sich durch den Glauben an den dreifaltigen Gott herausfordern lässt. Dieser Frage nachzugehen ist in besonderer Weise Klaus von Stosch qualifiziert. Als Vertreter einer komparativen Theologe weiß er nicht nur um die...