Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Manfred Gerwing: Gott – mehr als ein Wort. Grundlagen der Gotteslehre

Der profilierte und inzwischen emeritierte Eichstätter Dogmatiker und Dogmengeschichtler Manfred Gerwing (Jg. 1954) krönt seine Gelehrtenlaufbahn mit dem großen Werk „Gott – mehr als ein Wort“, in dem er systematisch, historisch (nicht historisierend!) und an Porträts orientiert die Grundfrage nach Gott erörtert. Die Darstellung fordert intensives Mitdenken, ist trotz eines hohen und auch oft abstrakten Niveaus verständlich und durch Bezüge zu Quellentexten und konkrete Prüfungsfragen „kompetenzorientiert“, wie es schon im Klappentext heißt.

Der Theologe ist Schüler des bekannten sudetendeutschen Historikers Ferdinand Seibt (1927-2003) und des Bochumer Dogmatikers Ludwig Hödl (1924-2016). Er qualifizierte sich mit gewichtigen mediävistisch-theologischen Arbeiten, die ihm 2002 den Ruf nach...

Michael Hainz: Pilgern. Hineinlaufen in Gottes Gegenwart

Das Buch von Bruder Michael Heinz SJ, Sozialwissenschaftler, Pilgerbegleiter und Jesuit, versteht sich als Einladung, auf den Spuren des Ordensgründers und Mystikers Ignatius von Loyola (1491-1556) zu pilgern. Mit dieser Intention lädt der Verfasser zu einer geistlichen Haltung des Pilgerns ein, macht mit der Spiritualität des Ignatius vertraut und leitet zu entsprechenden Übungen und Haltungen für eigene Pilgerwege an.

Das 95-seitige Buch gliedert sich in vier Kapitel, dem eine Einleitung vorangestellt ist. Das Kapitel 1 „Was ist das?“ versteht sich als eine Hinführung zum Pilgern im Horizont aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen. Dazu wird es in Beziehung zu den vielfältigen Phänomenen des spirituellen Tourismus und der Tourismusforschung gesetzt und unter der Fragestellung...

Stefan Walser (Hg.): Fehlt Gott? Eine Spurensuche

Der Titel des Buches weist auf interessante aktuelle Probleme hin, denen sich sieben Autoren aus unterschiedlichen Perspektiven stellen: Gott ist für immer weniger Menschen in unserer heutigen Gesellschaft selbstverständlich. Bei der Frage danach, ob er fehlt, kann man unterschiedliche Akzente setzen. Diese stellt der Herausgeber des Buches in der Einleitung kurz vor, verbunden mit dem Namen des jeweiligen Autors.

Die Spurensuche beginnt mit dem Fragen. Dessen Bedeutung und unterschiedlichen Inhalt stellt Paul Deselaers mit anschaulichen literarischen Bezügen heraus. Auch die biblische Überlieferung erzählt selbstverständlich davon.

Margareta Gruber führt die vier Bilder aus dem Markusevangelium: Taufe, Verklärung, Kreuzestod und Auferstehung als Weg der Nähe und der Ferne zwischen Vater...

Philipp David: Der Tod Gottes als Lebensgefühl der Moderne

Zu den unthematischen wie thematischen Erlebnistönungen der Moderne gehört eine spezifische Weise des Bewusstseins vom „Tode Gottes“ bzw. von Göttern. Philipp David legt hier ein Buch vor, das einen breiten und differenzierten Blick auf ein wesentliches religionsgeschichtliches und -psychologisches Motiv ermöglicht.

Die Bedeutung des Themas erwächst für den Autor aus der Zeitsituation, in der sich sowohl die aktuelle Philosophie als auch das Alltagsleben weitgehend jenseits der ‚Gotteshypothese‘ eingerichtet haben (4). Unter diesem Gesichtspunkt bedeutet die „Wahrnehmung und Beschreibung des Wortes vom Tod Gottes als ein vielsagendes wie umstrittenes existenzielles Krisenphänomen wahrzunehmen … , theologische, philosophische und literarische Texte durch diese hermeneutische Brille zu...

Christoph Gellner: „Wo Sinn war, ist Suche“ – Spielarten des Spirituellen in der Gegenwartsliteratur

Religion ist immer Thema in der Literatur. Doch wie und warum sie zum Thema wird, welche Fragen sie aufwirft und wie sie sich das im Laufe der Zeit verändert, das ist nicht selbstverständlich. Literatur kann als Seismograf gesellschaftlicher Bewegungen gelesen werden – gerade auch für Dynamiken, die das religiöse Feld betreffen. Sie bildet nicht nur das ab, was schon durch empirische Forschung und soziologische Analysen erkannt wird, sondern bringt neue Perspektiven hervor, oft von unten nach oben und leuchtet ganz unerwartete Winkel aus. Literatur lässt uns die großen Fragen des Lebens anders und bestenfalls neu sehen.

Genau hier setzt Christoph Gellner an. Sein Buch „Wo Sinn war, ist Suche“ untersucht die jüngsten Transformationen, die sich in der Gegenwartsliteratur vollziehen, wenn es...

Jon Fosse: Ein Leuchten

Beim Lesen von Jon Fosses Erzählung „Ein Leuchten" drängt sich der Vergleich mit Franz Kafkas kleiner Fabel von der Maus auf, deren Welt beim Lauf durch Zimmerfluchten mit jedem Tag enger wird, bis sie zuletzt in eine ausweglose und für sie tödliche Situation gerät. In Fosses Erzählung fährt ein Mann ohne Absicht immer tiefer in den Wald, biegt an Weggabelungen mal nach links oder rechts ab, bleibt schließlich mit seinem Wagen in aufgeweichter Erde stecken. Dann beginnt es zu schneien. Der Mann verlässt sein Auto, begibt sich in Kälte und Dunkelheit, läuft ziellos umher und verirrt sich gänzlich. Die Gedanken von Fosses Erzähler kreisen um die Vergeblichkeit, sich aus misslicher Lage zu befreien.

In dieser Erzählung geht es um nichts weniger als um die Frage, ob der Mensch mit seinen...

Jon Fosse: Ich ist ein Anderer. Heptalogie III – V. Roman

Jon Fosses Schreibstil gleicht perpetuierenden Gedankengängen, in die er seine Leser hineinzieht. Daher fehlen in seinem Buch die das Satzende markierenden Interpunktionen. Hinsichtlich seiner Heptalogie lässt sich im klassischen Sinne nicht von einer Romanhandlung sprechen, sondern eher von einer Erzählerbiographie, deren Puzzleteile sich nach und nach zusammenfügen. Die Gedankengänge des Ich-Erzählers Asle springen zwischen Gegenwart und Vergangenem, der lineare Zeitfluss ist aufgehoben. Lebende wie verstorbene Wegbegleiter treten in verwirrender Weise gleichzeitig auf und reihen sich in das Personenkarussell seines Denkens. Zudem wird beim Lesen nicht ganz klar, ob es sich bei dem Ich-Erzähler Asle und seinem Freund gleichen Namens, einem Maler wie er, um sein Alter Ego oder ihn selbst...

Gerhard Mevissen: Senkrechter Gesang

Was ist ein „Senkrechter Gesang“? Mit fortschreitender Lektüre wird deutlich, dass dieses Oxymoron „den gesamten Buchkörper“ durchzieht: Es bindet die Horizontale mit der Vertikalen zusammen; beide Dimensionen begegnen dem Verfasser im „Gesang der Vögel“ und in den „Blütenklängen der Blumen“ (7). Damit sind Fauna und Flora als wesentliche Themen der 46 Texte benannt.

Wegen der Zeilensprünge lässt sich von Gedichten sprechen, zutreffender scheint mir die allgemeinere Bezeichnung „poetische Miniaturen“, die ohne Reim auskommen. In ruhiger, behutsamer Sprache betrachtet der 1956 geborene, auf den Eifelhöhen bei Monschau lebende Gerhard Mevissen Phänomene der Natur. Nirgends wird die Natur zum Objekt menschlichen Verfügens, vielmehr wird sie zum Anlass einer nach innen gewendeten Betrachtung:...