Claudia Paganini diskutiert die These, ob es nicht plausibel sei, dass die Interaktion zwischen Menschen und KI-Systemen heute eine neue Religion hervorbringen könnte. Anhand der klassischen Gottesprädikate wie Allmacht, Allgegenwart, Allwissenheit oder Gerechtigkeit lotet sie aus, ob wir dabei seien, einen neuen Gott – einen KI-Gott – zu erschaffen, der endlich all jene Prädikate einlösen könne, die dem monotheistischen Gott der abrahamitischen Religionen zugesprochen wurden. Um der These eines neuen KI-Gottes auf die Spur zu kommen, entscheidet sie sich dafür, Religion(en) unter einer funktionalistischen Lesart zu dechiffrieren. Religionen sind für sie Bedürfniserfüller, die Sehnsüchte von Menschen stillen, etwa die Sehnsucht nach Gerechtigkeit, Unsterblichkeit, Leidlosigkeit etc. Dafür...
Was sich der Philosoph Sebastian Ostritsch mit diesem Buch vorgenommen hat, ist nicht weniger als die Heilung des heute lahmenden Flügels der Vernunft, der zusammen mit dem Flügel des Glaubens nach der Enzyklika „Fides et ratio“ von Johannes Paul II. den Geist des Menschen zur Betrachtung der Wahrheit erhebt, die nichts anderes ist als Gott, in dem das absolute Wahre, Schöne und Gute in eins fällt. Eine zeitgeistige Theologie hat in Kapitulation vor dem naturalistischen Denken, dem Relativismus und der Kantianischen Erkenntnistheorie keinen Auftrieb mehr unter dem Flügel der Vernunft. Der rationale Weg zur aufsteigenden Erkenntnis der Existenz Gottes aus seinen Werken ist damit versperrt und in der Folge die Erkenntnis des Willens Gottes in der Schöpfungsordnung als Quelle der Moral.
Was...
Es ist schon erstaunlich, wie der Gottesbeweis von Anselm von Canterbury über Jahrhunderte hinweg bis in die heutige Zeit das Nachdenken anregen kann. In dem vorliegenden Buch gehen die Herausgeber, Bernd Goebel und Christian Tapp, mit großer Präzision dem Gedankengang von Anselm von Canterbury nach. Im ersten Teil werden die relevanten Texte wiedergegeben: Der Gottesbeweis aus dem Proslogion (2-4), die Erwiderung von Gaunilo (Liber pro insipiente) und schließlich Anselms Responsio. Darauf folgt eine ausführliche Kommentierung des Textes und ein umfangreiches Nachwort, das die Biografie Anselms und die Wirkungsgeschichte seines Gottesbeweises nachzeichnet.
Die Übersetzung der Texte stammt von den Herausgebern, für das Verständnis entscheidende Übersetzungsentscheidungen werden...
„Aus dem Wunsch heraus, etwas von dem Wenigen und Armseligen, über das wir verfügen, gemeinsam mit der armen Witwe in den Opferkasten des Herrn zu werfen, haben wir es unternommen, steile Höhen zu erklimmen und ein über unsere Kräfte gehendes Werk auszuführen.“ (65) So beginnt der Prolog des Petrus, der aufgrund seiner Herkunft aus der Gegend von Novara als der Lombarde erinnert werden sollte. Sein zunächst nur für kurze Zeit geplanter Studienaufenthalt in Frankreich führte ihn zunächst nach Reims, wo er mit Unterstützung des Bernhard von Clairvaux studierte, und dann nach Paris, genauerhin an die Abtei von Sankt Viktor, wo er um 1113-1136 seine Studien fortsetzte. Er sollte nur noch besuchsweise nach Italien zurückkehren. Bald schon wurde er Lehrer an der Kathedralschule von Notre Dame in...
Am 31. August 2015 sagte die damalige Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel in der sogenannten Sommerpressekonferenz der Bundesregierung den berühmten Satz „Wir schaffen das“. Er gilt bis heute als Kernaussage des deutschen Konzepts einer Willkommenskultur für Flüchtlinge und sorgte dafür, dass geflüchtete Menschen von 2015 bis 2016 mit großer Wärme und Herzlichkeit aufgenommen wurden. Heute, zehn Jahre später, ist von dieser Atmosphäre und Willkommenskultur fast nichts mehr zu spüren. Stattdessen wird politisch überlegt, wie der Zugang von Flüchtlingen in europäische Staaten hinein effektiv gestoppt werden kann.
Josef M. Könning nimmt diese Situation als Ausgangspunkt für sein Buch und stellt sich die Frage, warum auf der einen Seite im europäisch-politischen Kontext die Fahne der...
Entgegen allen Unkenrufen, die den Niedergang der Geisteswissenschaften beklagen, gibt es auch aktuell in der einschlägigen Publikationslandschaft traditioneller Fächer Leuchttürme, die wie bei dem hier zu besprechenden Buch ungeahnte Erhellung für ein Thema der klassischen Philosophie verschaffen und damit neuen Optimismus rechtfertigen. Nachdem um die Frage nach der Willensfreiheit in den Nuller Jahren des neuen Jahrtausends zum Beispiel durch die Wiederholung der sogenannten Libet-Experimente und Veröffentlichungen der Hirnforscher Wolf Singer und Gerhard Roth eine lebhafte Diskussion entbrannte, die zumindest im deutschen Feuilleton ihren vorläufigen Abschluss in der von dem FAZ-Redakteur Christian Geyer 2004 herausgegebenen Aufsatzsammlung „Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur...
„Ein Zeichen schon erinnert uns, ein ganz leise geflüstertes Wort weckt eine versunkene Welt wieder auf, und ein Duft, den man einst atmete, ist hartnäckiger als der Tod …“, heißt es in Georges Bernanos‘ Erstlingswerk. Und in Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ lässt der Geschmack eines kleinen Sandkuchens beglückende Bilder aus der Kindheit vor dem inneren Auge des Protagonisten auftauchen.
Was damit literarisch beschrieben wird, ist im Buch von Lambert Wiesing Gegenstand einer präzisen phänomenologischen Untersuchung, nämlich die Assoziation, also die Weckung einer Erinnerung oder eines Gefühls bzw. einer Imagination durch einen anderen Bewusstseinsinhalt, der eine Wahrnehmung oder auch selbst eine Erinnerung sein kann. Diese Weckung erfolgt spontan ohne aktives...
In einer Stellungnahme vom Juni 2025 verwehrte sich die Hamburger CARLSEN Verlag GmbH gegen eine häufige Urheberrechtsverletzung bei der bekannten Kinderbuchfigur „Conni“, das Mädchen mit dem Ringelshirt und der roten Schleife im Haar: „Dass Conni so beliebt ist und ihre Geschichten weit verbreitet sind, findet aktuell vermehrt Ausdruck in zahlreichen, größtenteils KI-generierten Memes in sozialen Netzwerken.“ Der Journalist Titus Blome erklärt dazu in seinem Beitrag „Conni knackt das Urheberrecht“ in DIE ZEIT vom 11. Juli 2025: „Besonders während der Coronapandemie waren Conni-Memes ein kollektiver Zeitvertreib für Menschen, die sich etwas zu eingesperrt fühlten und etwas zu sehr online waren. Das Browserfenster zum Hof war oft die einzige Ablenkung und Memes waren der Kitt, der die neue...








