Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Peter Tewes: Gehirn und Vernunft. Zur Differenz von Neurowissenschaften und Pädagogik

Bei dem vorliegenden Werk stellen sich drei Fragen: Welche Motivation gab es für den Autor, seine Gedankengänge, die auf vier bis fünf Seiten Platz gefunden hätten, in Buchform zu veröffentlichen? Was hat den renommierten Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Volker Ladenthin dazu veranlasst, ein Geleitwort beizusteuern? Können ein Verlag oder ein Autor ernst genommen werden, wenn sie eine 90-seitige Schrift, deren Niveau sich auf dem einer Bachelor-Arbeit bewegt, für knapp 60 Euro anbieten?

Mit dem Titel „Gehirn und Vernunft – Zur Differenz von Neurowissenschaften und Pädagogik“ hätte der Autor Peter Tewes einen wichtigen Beitrag zu einer Debatte liefern können, die von zahlreichen Missverständnissen geprägt ist. Diese lassen sich, darin ist Tewes zuzustimmen, am Begriff des...

Michael Tomasello: Die Evolution des Handelns

Theorien können sich ausweisen, indem sie sich dem gültigen Paradigma verpflichten und dieses in einem Feld (des Wissens) durchbuchstabieren. Sie können auch in der Praxis nützlich sein. Theorien können darüber hinaus bisherige Lösungsstrategien hinterfragen, indem sie Zusammenhänge herstellen und dadurch Probleme neu bearbeiten. Selten gelingt es, allen drei Gütekriterien zu genügen: Praxisrelevanz geht oft zulasten innertheoretischer Qualitäten – und umgekehrt. In der Theologie hat die Rezeption der Philosophie zweifelsohne ihre diskursive Kohärenz gesteigert; die theologische Rezeption der Soziologie war hingegen praxisrelevanter. Gleichwohl steht der empirischen Soziologie die Replikationskrise noch bevor, während Nachbardisziplinen wie die Psychologie dieselbe bereits hinter sich...

Daniel Martin Feige: Kritik der Digitalisierung. Technik, Rationalität und Kunst

Daniel Martin Feige widmet sich in seinem Buch der Aufgabe, die Digitalisierung, die unser Leben mehr und mehr bestimmt, einem kritischen Blick zu unterziehen. Er will aufzeigen, dass die Digitalisierung, in Form von Kommunikations- und Informationstechnologien (KIT) sowie Künstlicher Intelligenz (KI), keine gesellschaftlich und politisch neutrale Technik ist, sondern das Selbstverständnis des Menschen und dessen Zusammenleben stark verändert.

Die Digitalisierung sieht Feige zunächst geschichtlich als einen Schritt, der starke gesellschaftliche Veränderungen zur Folge hat, weist aber Deutungen der Geschichte zurück, in der die Digitalisierung schon früh als Ziel eingeschrieben ist.

Bezogen auf die Praxis ist der Unterschied zwischen analoger und digitaler Technik daran festzumachen, dass...

Philipp Hübl: Moralspektakel. Wie die richtige Haltung zum Statussymbol wurde und warum das die Welt nicht besser macht

Seit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten im November 2024 hat sich die Welt an eine neue Tonart gewöhnen müssen: Öffentliche Äußerungen des Präsidenten und seiner Putztruppe sind an Grobianismus und Schamlosigkeit kaum zu überbieten. Der höfliche Kammerton im diplomatischen Verkehr ist vulgärer Umgangssprache gewichen. Man fragt sich immer wieder, warum dieses aggressive Dominanzverhalten beim Großteil der amerikanischen Wählerschaft immer noch anzukommen scheint.

Philipp Hübl gibt mit seinem Begriff des „Moralspektakels“ eine mögliche Begründung für diese Faszination an die Hand. Obwohl er zunächst die eher linke woke Cancel-Culture eines wirkmächtigen intellektuellen Milieus im Blick hatte, erfasst seine Begriffsprägung auch die neue Politik des republikanischen...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Freiheit und Menschenwürde

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.“ So heißt es in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte 1948. Wir verdanken diese Erklärung der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges. Es ist heute selbstverständlich geworden, über Würde und Freiheit zu reden, und der Wert der Freiheit ist wohl schon immer bekannt gewesen. So spricht Don Quijote zu seinem Knappen: „Die Freiheit, Sancho, ist eine der köstlichsten Gaben, die der Himmel dem Menschen verliehen. (…) Für die Freiheit wie für die Ehre darf und muß man das Leben wagen.“

Der Kultursommer 2024 in Rheinland-Pfalz stand unter dem Motto „Freiheit und Menschenwürde“. Am gleichnamigen Begleitband der Herausgeber Martin W. Ramb und Holger Zaborowski beteiligten sich siebzehn Beitragende aus den Bereichen Philosophie,...

Barbara Bleisch: Mitte des Lebens. Eine Philosophie der besten Jahre

Die Schweizer Philosophin Barbara Bleisch stellt sich die Frage, welche Gedanken sich zur Lebensmitte formulieren lassen – so beschreibt sie die Motivation für Ihr Buch im Interview mit der TAZ am 18. Dezember des letzten Jahres. Ihr Motiv ist einerseits persönlicher Natur, da sie sich selbst in dieser Phase befindet (zum Zeitpunkt des Interviews war sie 52 Jahre alt). Andererseits ist ihr Interesse fachlich bedingt: Die Philosophie beschäftigte sich seit der Antike vielfach mit Alter, Gebrechlichkeit und nahendem Tod sowie in jüngerer Zeit mit Kindheit und Jugend, thematisierte aber bis auf sehr wenige Ausnahmen die mittleren Jahre kaum. Zudem sind diese durch die Rede von der Midlife-Crisis etwas in Verruf geraten, welche häufig die Anfälligkeit dieser Phase für Bedauern, Reue,...

Veronika Bachmann (Hg.): Ich bin doch da. Herausforderung Demenz

Der vorliegende Sammelband begegnet der Herausforderung Demenz aus spiritueller, theologischer und ethischer Perspektive und gibt praktische Hilfestellungen im Umgang mit Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen bezüglich ihrer spirituellen und religiösen Bedürfnisse. Er stellt eine demenzielle Erkrankung in den Kontext der pastoralen Arbeit der Pfarreien, die idealerweise „Orte der Krisenprophylaxe und Resilienzförderung“ (199) sind, was einen sehr hohen Anspruch darstellt. Das Buch ist in drei Hauptteile gegliedert: Medizinische und psychosoziale Grundlagen, Demenz im Fokus von Spiritual Care, Ethik und Theologie und ein ausführlicher Teil mit Praxishilfen, der den Schwerpunkt bildet.

Im ersten Teil, der komplett von Irene Bopp-Kistler, der renommierten Züricher...

Helmut Bachmaier/ Bernd Seeberger: Religiosität im Alter

Der vorliegende Sammelband liefert einen eindrucksvollen Überblick und unterschiedliche Perspektiven auf die Frage nach Religion, Spiritualität und Glaube in Kontext des Alterns. Er stellt die noch selten hergestellte Verbindung zwischen Theologie bzw. Religionssoziologie und Gerontologie her und eröffnet daher neue Perspektiven und Zugangsweisen zur Religiosität im Alter.

Zunächst stellt Peter Gross unter dem Titel: „Wiederkehr der Religion? Verlängerte Lebenszeit – Verlust der Ewigkeit“ grundsätzlich die Frage nach dem Stellenwert der Religion in der modernen Gesellschaft, deren heilsgeschichtliches Programm Markt und Demokratie ist. Durch die gewonnene Autonomie muss jeder seine Erlösung selbst in die Hand nehmen. Nicht die Religion im Sinne des christlichen Glaubensbekenntnisses kehrt...