Das Buch von Amy-Jill Levine und Marc Zvi Brettler „Hebräische Bibel und Altes Testament – Warum Juden und Christen Texte unterschiedlich lesen“ führt ein in die Welt der Bibel – aber in welche? Völlig zu Recht eröffnen beide ihr Werk mit grundsätzlichen Klärungen und Fragestellungen. Was heißt es, Bibel zu lesen? Was ist eigentlich die Bibel, wie funktioniert Auslegung und was bedeutet es, wenn sie in einer spezifischen Gemeinschaft erfolgt? Gibt es jüdische und christliche Bibeln? Hier finden Lesende eine bibelhermeneutische Grundlegung, die viele Erkenntnisse der vergangenen Jahrzehnte bündelt und zugleich die amerikanisch(-jüdische) Perspektive durchscheinen lässt, die im Buch immer mal wieder aufblitzt und eine Bereicherung der genuin deutschsprachigen Darstellungen sein kann....
Wie der Titel des vorliegenden Werkes ankündigt, versucht der Freiburger Fundamentaltheologe Magnus Striet die „alten Formeln“ des überlieferten Glaubensbekenntnisses für einen lebendigen Glauben der Gegenwart neu zu erschließen. Aus nachvollziehbaren Gründen ist ihm angesichts der heutigen kosmologischen und evolutionsbiologischen Kenntnisse der Glaube an einen paradiesischen Urzustand der Menschheitsgeschichte nicht nachvollziehbar. Genauso wenig nachvollziehbar ist ihm die Vorstellung einer Ursünde, die von Adam auf die Menschheit übergegangen ist. Vielmehr sei der Mensch zuallererst das Ergebnis einer Millionen Jahre währenden Evolutionsgeschichte, das allerdings mit der Fähigkeit ausgestattet sei, durch Akte der Freiheit zur Natur – seiner inneren wie auch der äußeren – in ein...
Der tschechische Soziologe und Theologe Tomáš Halíkgehört sicher zu den produktivsten Autoren der Gegenwart. Der im Untergrund geweihte Priester entzieht sich dabei gängigen Etikettierungen. Seine Werke sind gleichermaßen akademisch fundiert wie spirituell orientiert. So ist auch der „Traum vom neuen Morgen“ beides zugleich. Halík wählt dabei die literarische Gattung des Briefes, wobei er methodisch sich an C.G. Jungs „aktive Imagination“ anlehnt. In zwölf Briefen kommuniziert er Visionen und Träume von einer Zukunft der Kirche an einen fiktiven Papst Raphael. Der Papst seiner Träume ist nicht nur die oberste Lehrautorität der Kirche, sondern auch „geistiger Begleiter, Mystagoge, Hirte und Diener aller geistig offenen, durstigen und suchenden Menschen – sei es innerhalb der religiösen...
Wie der biblische Katechet des Evangeliums, hinter dem sich vielleicht „Matthäus“ selber versteckt, holt der Nestor katholischer Moraltheologie und Sozialethik aus der Schatzkammer seines langen Forschens und Lehrens Altes und Neues hervor (vgl Mt 13,52). In dieser eindrucksvollen Lebensernte werden schon bekannte Texte zusammen mit zahlreichen neuen präsentiert, teils nur entlegen, teils noch gar nicht veröffentlicht, teils länger und grundlegend, teils skizzenhaft und auf konkrete Anlässe bezogen. Das ist deshalb bedeutsam, weil Mieth zweifellos einer der kreativsten deutschen Ethiker der letzten 50 Jahre ist – zeitlebens vorbildlich im Bemühen, christliche Glaubensperspektiven mit aktuellen Lebens- und Überlebensfragen in einen argumentativen Korrelationszusammenhang zu bringen. Weder...
Was ist eigentlich katholisch? In den vergangenen Jahren hat sich diese Frage zumindest für den deutschsprachigen Katholizismus mit einiger Dringlichkeit gestellt. Blicke in katholische Vergangenheiten scheinen da durchaus angebracht. Auf ein oft vernachlässigtes Sujet blickt Florian Baab in seinem Büchlein. Er fragt darin nach katholischen Mentalitäten zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und dem Vorabend der NS-Diktatur, einer Phase, die im Rückblick als „gute alte Zeit“ verklärt wurde.
Der Autor strebt dabei keine Gesamtdarstellung an, sondern liefert ein schmales und gut lesbares Büchlein, das Einblicke und Anstöße zur weiteren Reflexion zu geben vermag. Als strukturierende theoretische Grundlage dienen die Überlegungen des Soziologen Norbert Elias zur Zivilisation, was auf den...
Dorothea Weltecke lehrt Europäische Geschichte des Mittelalters an der Humboldt-Universität zu Berlin. In ihrer jüngst erschienenen Monografie präsentiert sie die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungs- und Lehrtätigkeit im Bereich der transreligiösen und transkulturellen Phänomene des Mittelalters. Sie entwirft darin eine transreligiöse und transkulturelle Geschichte der Religionen Afroeurasiens im Zeitraum „zwischen Antike und Neuzeit“ (11) und macht damit ein alternatives Angebot zu traditionellen eurozentristischen religions- und kirchenhistorischen Entwürfen des Mittelalters. Das geschieht beispielsweise dann, wenn Weltecke die Kirche des Ostens in den Blick nimmt und ihre Angehörigen in der Quellenarbeit zu Wort kommen lässt. Christen gab es im Mittelalter eben auch in Asien und...
Das Exodusbuch ist sicher eines der bedeutendsten Bücher im Alten Testament, da in ihm die zentralen Grunderfahrungen, die Befreiung durch Gott aus Sklaverei und die Wegführung in die Freiheit, thematisiert werden.
Konrad Schmid hat als Autor die Herausforderungen zu bewältigen, verständlich und zugleich knapp in das Exodusbuch einzuführen und mit seiner Auslegung eine breite interessierte Leserschaft mit den Ergebnissen der komplexen Exodusforschung zu erreichen, die vor allem nach der Bedeutung der biblischen Botschaft für heute fragt. Eine Einzelauslegung des Exodusbuches ist aufgrund des begrenzten Umfangs der Buchreihe unmöglich; daher sind die Schwerpunktsetzung und das Konzept bei dieser Kommentierung umso wichtiger. Beides gelingt dem Autor und macht das Buch zu einer spannenden...
Der Autor führt in seinem gut lesbaren, auch zur Meditation einladenden Buch die zentralen Aspekte der Lebensgeschichte, des Auftrags, der Tragik und der heilsgeschichtlichen Bedeutung Johannes des Täufers originell und anschaulich vor Augen. Erwin Mödes spirituelle, meditative Perspektive ermöglicht es, frei von wissenschaftlicher Distanz und belastenden Fußnoten, die Dynamik im Auftreten des Täufers, in seiner Begegnung mit Jesus und in dem ihn ereilenden tragischen Ende so darzustellen, dass dem heutigen Leser jeweils deren existentielle Bedeutung erschlossen wird. Die schrittweise Annäherung geschieht als vorsichtige, vielschichtige Spurensuche.
Das mit dem Titel des Buches assoziierte gängige Bild des rigorosen Asketen vom Jordan, des schonungslosen Pragmatikers mit seinem Ruf zur...








