Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Martin Schäuble: Die Geschichte der Israelis und Palästinenser

„Es ist fast unmöglich, über den Konflikt zu sprechen. Was für Aiyub Fakten sind, sind für mich [Elad] keine, und andersherum“ – diese Problematik, wie sie hier gegen Ende des Buches von einer Begegnung zwischen einem palästinensischen und einem israelischen Jugendlichen geschildert wird, ist in Bezug auf den Nahost-Konflikt nach dem 7. Oktober 20023 gerade hochaktuell und auch hier in Deutschland allgegenwärtig. Umso wichtiger sind Werke wie das vorliegende Buch, dem es auf 237 Seiten gelingt, die Komplexität des Nahost-Konflikts der letzten 3000 Jahre bis zum 7. Oktober prägnant darzustellen, dabei viele Zeitzeugen zu Wort kommen und (gekürzte) historische Dokumente sprechen zu lassen, ohne dabei zu bewerten oder einseitig zu berichten.

Der Autor Martin Schäuble, Journalist und selbst...

Viera Pirker / Paula Paschke (Hg.): Religion auf Instagram

Es soll nicht zu „churchy“ sein. Mit dieser Vorgabe starteten Gemeindereferentin Michelle Engel und Pfarrer David Grüntjens 2019 den Instagram-Kanal Frengels&Chef (@diokirche_krefeld). Ihre Beiträge zogen mit der Zeit etliche Menschen an, die mehr über den Alltag und die Zusammenarbeit der beiden wissen wollten oder ihnen Fragen zu religionsbezogenen Themen stellten. Im September 2024 verfügt Frengels&Chef über fast 44.000 Follower, darunter Menschen, die der Kirche den Rücken gekehrt haben oder anderen Konfessionen, sogar anderen Religionen angehören.

Der Kanal zählt somit zu den erfolgreichsten religionsbezogenen Angeboten auf Instagram, das von Millionen Deutschen täglich genutzt wird und die öffentliche und private Kommunikation tiefgreifend verändert hat. Dennoch ist die Plattform –...

Religionslehrer:in im 21. Jahrhundert

Die Entkirchlichung und Entchristlichung Mitteleuropas kann nicht ohne Konsequenzen für den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen bleiben. Vieles an der gegenwärtigen religionspädagogischen, in Teilen auch zivilgesellschaftlichen Diskussion über die Zukunft des Faches ähnelt Überlegungen und Frontstellungen der 1970er Jahre, als es den Kirchen sowie der universitären Religionspädagogik schlussendlich gelungen ist, den RU neu zu begründen und zu stabilisieren. Gegenwärtig stehen v. a. organisatorische Änderungen im Blickpunkt, also die flächendeckende Einführung des konfessionell-kooperativen oder des christlichen RU in Niedersachsen. Im Kern wird hier administrativ allerdings lediglich nachgeholt, was in den Schulen schon längst vorlaufende Praxis ist.

Dass die Organisationsfrage...

Martin W. Ramb / Holger Zaborowski (Hg.): Krieg

„Krieg“ – aktueller kann ein Buchtitel kaum sein. Doch womit kann der noch etwas zögerliche Interessent rechnen: einer fundierten Analysen über Gründe und Verlauf der gegenwärtigen Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen oder vielleicht einem ganz anderen Zugang? Das Cover mit der Zeichnung aneinandergereihter Leichensäcke deutet es schon an: Es geht um eine bildnerische Auseinandersetzung mit dem Phänomen Krieg. Wer das heute wagt, stellt sich – gewollt oder ungewollt – in eine Reihe mit Größen wie Francisco de Goya, Otto Dix oder Pablo Picasso. Was macht die Illustrationen von Drushba Pankow, die im Zentrum des Buches „Krieg“ stehen, sehens- und bedenkenswert?

Drushba Pankow ist ein Grafikkollektiv und besteht aus Alexandra Kardinar (*1972), Professorin für Illustration an der...

Der blaue reiter. Journal für Philosophie: Krieg

Die Ausgabe des Journals für Philosophie „der blaue reiter“ zum Thema „Krieg“ beleuchtet aus zahlreichen Perspektiven Grundfragen um den Themenkreis Krieg und Frieden und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur philosophischen Reflexion. Hintergrundfolie vieler Beiträge ist dabei die Ausweitung der russischen Invasion in die Ukraine vom 24. Februar 2022. Umso irritierender ist, dass Stimmen von direkt von diesem und anderen Kriegen betroffenen Philosophen fehlen.

Die Publikation ist vom Aufbau her stringent. So widmet sich etwa Sebastian Schneider in seinem Beitrag der Begriffsgeschichte des Kriegs und nähert sich einer Definition des Krieges über drei Dimensionen: Krieg als Zustand oder Akt von Gewalt, Intensität und Akteursqualität (8). Dennis Sölch konstatiert in der...

Tomáš Halík: Der Nachmittag des Christentums. Eine Zeitansage

„Eine Wahrheit, die aufhört ein Weg zu sein, ist tot.“ (49) – Mit klaren, verständlichen und im Kontext konkreten Sätzen zur Revision des zeitgenössischen Christentums fesselt der tschechische Priester, Soziologe und ReligionsphilosophTomás Halík von der ersten bis zur letzten Seite seines jüngsten Buches. „Der Nachmittag des Christentums“ erschien auf Tschechisch bereits 2021 und wird in diesen Tagen bei University of Notre Dame Press auf Englisch publiziert, hier jedoch mit der wörtlichen Übersetzung des originalen Untertitels „The Courage to Change“. Der Mut zur Veränderung, das heißt zur Offenheit für andere Konfessionen, Religionen, säkulare Weltanschauungen, sowie der Aufruf zur metanoia, einer inneren Umkehr auch der kirchlichen Institutionen, durchwirkt als Leitmotiv alle 16...

Katharina Greschat: Kirchengeschichte I: Von der Alten Kirche bis zum Hochmittelalter

Mit dem hier zu besprechenden Werk legt Katharina Greschat den zweiten Band zur Kirchengeschichte in der Reihe „Lehrwerk Evangelische Theologie“ vor, der chronologisch demjenigen von Wolf-Friedrich Schäufele aus dem Jahr 2021 (vgl. EF 1/2023, 18f.) vorausgeht. Während Schäufele die Epochen vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart behandelt, widmet Greschat sich der Zeit vom Beginn des Christentums in der Antike bis zum Hochmittelalter.

Bei dem Vorhaben, etwa 1300 Jahre auf knapp 400 Seiten darzustellen, sind notwendigerweise Schwerpunkte zu setzen und eine Auswahl aus der Fülle der möglichen Themen, Akteure und Fragestellungen zu treffen. Diese Aufgabe gelingt Greschat in den elf chronologisch angelegten Kapiteln des Buches überzeugend. Für die Frühphase des Christentums konstatiert die...

Cornelia Steinfeld: Trauer in Formen und Farben

„Trauer in Formen und Farben“ ist bereits das zweite Buch, das Cornelia Steinfeld in diesem Format veröffentlicht. In einem Interview erklärt sie seine Entstehung: Am Anfang dieses Buches standen Stichworte, die ihr zu Trauer eingefallen sind. Trauer ist nicht nur ein episodisches Gefühl, sondern eher so etwas wie eine Atmosphäre, zu der verschiedene Gefühle gehören: Angst, Wut, Verzweiflung, Liebe, Trost; aber auch verschiedene Haltungen und Werte: Akzeptanz, Geduld, Liebe; und Situationen: Abschied, Einsamkeit, Auferstehung, Neubeginn und Ewigkeit. Zu diesen Stichworten hat sie dann Bibeltexte ausgesucht und illustriert sowie verschiedene Autorinnen und Autoren gebeten, sich ein Bild auszuwählen für einen Impuls. Mit beiden Büchern hat sie ein Format entwickelt, das Auge, Geist und...