Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Jens Palkowitsch-Kühl: Digitale Medien im Religions- und Ethikunterricht

Jens Palkowitsch-Kühl ist Referent für digitale Bildung am Religionspädagogischen Zentrum der Evang.-Luth. Kirche in Bayern. Das vorliegende Buch ist seine Promotionsarbeit, wodurch der wissenschaftliche Schwerpunkt des Werkes definiert ist: Über die Hälfte der Schrift widmet sich der theoretischen Einordnung und Darstellung der Frageordnung, ergänzt vom zweiten Block, der die Methodik der Untersuchung umfasst; auf rund 80 Seiten werden die Untersuchungsergebnisse und eine Diskussion dieser dargestellt. Es zeigt sich somit schon zu Beginn der Rezension, dass das Werk nicht für jede Ethik- bzw. Religionslehrkraft von Relevanz ist, da der wissenschaftliche Zugriff vor dem unmittelbaren unterrichtlichen Mehrwert steht. Nichtsdestoweniger ist die Lektüre für diejenigen Lehrkräfte und Lehrenden...

Michael Felten: „Schwierige“ Schüler

„Schwierige“ Schülerinnen und Schüler gibt es in allen Schulformen und Jahrgangsstufen. Möglicherweise hat ihre Zahl zugenommen und hängt dies mit einer stärkeren Verunsicherung von Eltern zusammen. Wer pädagogisch arbeitet und denkt, weiß: Patentlösungen gibt es nicht. Vermeintlich schnell wirksame „Rezepte“ wirken allenfalls kurzfristig durch Druck, lösen aber selten ein Problem dauerhaft.

Das vorliegende kleine Bändchen in der Reihe „Bildung und Unterricht“ des Reclam-Verlages räumt von vornherein ein, keine Patentrezepte zu haben. Außerdem beteiligt es sich ausdrücklich nicht an der schulpolitischen Diskussion über Rahmenbedingungen, personelle Ausstattung, Klassengrößen etc. Das Augenmerk liegt schlicht auf der Frage: Was kann eine einzelne Lehrkraft (oder vielleicht auch zwei, die...

Anita und Günter Lichtenstein Stiftung (Hg.): Michael Morgner. Existenzbilder

Der Zeichner, Grafiker, Maler, Stahlbildhauer und einstige Aktionskünstler Michael Morgner kann auf ein reiches und vielfältiges Werk zurückblicken. Er bekam mehrfach wichtige Preise wie den Kunstpreis zu Ehren von Karl Schmidt-Rottluff. Anlässlich seines 80. Geburtstags wurde er 2022 u.a. mit einer fulminanten Retrospektive der Kunstsammlungen Chemnitz und einem opulenten Werkverzeichnis seiner Bilder und Plastiken gewürdigt (s. https://www.eulenfisch.de/literatur/literaturmagazin/literaturmagazin-01-2023/#tab-3 ). In diesen Kontext gehört auch das von der „Anita und Günter Lichtenstein Stiftung“ (Göpfersdorf) herausgegebene Buch.

Das Ehepaar Lichtenstein hat die bedeutendste private Sammlung moderner mitteldeutscher Kunst zusammengetragen; sie umfasst etwa 10.000 Zeichnungen, Grafiken...

Georg Habenicht: Der Naumburger Bilderstreich zum Triegel-Cranach-Altar

Wenn ein Autor sich an seiner eigenen Rhetorik befeuert und Spaß an seinen Formulierungen hat, ist das für uns Leser ein Glücksfall. Bei Georg Habenicht kommt hinzu, dass er offenbar mit Vergnügen in Archiven wühlt, um dann ein breites Panorama der Frömmigkeitsgeschichte um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert zu entwerfen. Das Buch – besser gesagt das Büchlein – inszeniert ein Drama in fünf Akten, bei dem es dann aber um einen gegenwärtigen Skandal geht.

Der Autor hatte sich schon beim historisch skandalträchtigen Thema Ablass ausgewiesen, das für Luther und seine Reformation so wichtig gewesen ist. Das moderne Bankwesen, eine Florentiner Erfindung der frühen Neuzeit, hatte seinerzeit auch das theologische Denken infiziert. So war es zu einer Art Bewirtschaftung des Fegefeuers gekommen,...

Jens-Fietje Dwars: Ateliergespräche. Porträts ostdeutscher Bildermacher

Wer als Westdeutscher an „ostdeutsche Bildermacher“ denkt, dem werden zuerst die Vertreter der „Leipziger Schule“ wie Neo Rauch und Michael Triegel in den Sinn kommen. Aber um diese Zelebritäten geht es in den „Ateliergespräche(n)“, die der Verfasser mit 6 Künstlerinnen und 22 Künstlern geführt hat, nicht. Aus welchem Anlass sind diese Porträts entstanden?

Erschienen sind alle im „Palmbaum“, dem, so der Untertitel, „Literarischen Journal aus Thüringen“. Diese 1993 begründete Literaturzeitschrift erscheint zweimal im Jahr unter einem Hauptthema und verbindet neuere Prosa, Lyrik und Essays mit der reichen Geschichte Thüringens; hinzu kommt ein umfangreicher Rezensionsteil. Mit der Übernahme der Chefredaktion durch Jens-Fietje Dwars 2005 kam die bildende Kunst hinzu, denn nun wurden die...

Laura Swan: Die Weisheit der Beginen

Das gängige Schlagwort vom patriarchalischen Christentum verdeckt völlig, welch emanzipatorische Initiativen und Impulse darin bisher schon am Werk waren – angefangen mit der Übernahme des israelitischen Bekenntnisses zur Gottebenbildlichkeit jedes Menschen und deren christologischer Vertiefung. Dass deshalb Frauen und Männer in Christus gleichwürdig sind, ist eine höchst bedeutsame, ja revolutionäre Perspektive, die sich in der bisherigen Geschichte des Christentums vielfältig konkretisiert hat – in der Würdigung der Witwen z.B. in der alten Kirche, in der Geschichte der Orden, in der kirchenrechtlichen Durchsetzung der Ehe als Vertrag unter Gleichberechtigten und nicht zuletzt in Gestalt jener großen Frauenbewegung, die mit der Lebensform der Beginen verbunden ist. Was da Anfang des 13....

Henrike Lähnemann / Eva Schlotheuber: Unerhörte Frauen

Die beiden Mittelalterforscherinnen Henrike Lähnemann (Lehrstuhlinhaberin an der Faculty of Medieval and Modern Languages der University of Oxford) und Eva Schlotheuber (Professorin für Mittelalterliche Geschichte an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) geben mit vorliegender Publikation einen spannenden Einblick in das Alltagsleben norddeutscher Frauenklöster (Braunschweig, Lüneburg, Celle) im Spätmittelalter. Die beiden Autorinnen greifen auf Informationen und einmalige Quellen zurück, die bislang unbekannt und in diesem Sinne „unerhört, ungehört“ waren: eine Briefsammlung der Benediktinerinnen aus dem Kloster Lüne, Andachtsbücher, Weltkarten, Wandteppiche sowie die Tagebuchaufzeichnungen einer anonymen Zisterzienserin aus dem Heilig-Kreuz-Kloster bei Braunschweig, datiert auf die...

Daron Acemoglu / Simon Johnson: Macht und Fortschritt. Unser 1000-jähriges Ringen um Technologie und Wohlstand

Das Buch ist eine wirtschaftshistorische Untersuchung. Bei der gegenwärtigen digitalen Technologieorientierung stellen sich die alten Konflikte verschärft neu. Bei der Einführung neuer Technologien gibt es immer die Optionen Beteiligung am Fortschritt versus Ausbau der bestehenden Machtverhältnisse. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Vision und die Überzeugungsmacht derer, die eine neue Technik einsetzen. Paradigmatisch steht dafür Ferdinand de Lesseps (1805-1894): Der Erfolg beim Bau des Suezkanals half ihm, Geldgeber zu überzeugen, doch sein Beharren auf einem Kanal ohne Schleusen führte zu seinem Scheitern, weil er die Topographie in Panama und die Kritik anderer Ingenieure ignorierte.

Die Untersuchungen von Daron Acemoglu und Simon Johnson konzentrieren sich auf England und die...