Eulenfisch - Limburger Magazin für Religion und Bildung

Michael Tomasello: Die Evolution des Handelns

Theorien können sich ausweisen, indem sie sich dem gültigen Paradigma verpflichten und dieses in einem Feld (des Wissens) durchbuchstabieren. Sie können auch in der Praxis nützlich sein. Theorien können darüber hinaus bisherige Lösungsstrategien hinterfragen, indem sie Zusammenhänge herstellen und dadurch Probleme neu bearbeiten. Selten gelingt es, allen drei Gütekriterien zu genügen: Praxisrelevanz geht oft zulasten innertheoretischer Qualitäten – und umgekehrt. In der Theologie hat die Rezeption der Philosophie zweifelsohne ihre diskursive Kohärenz gesteigert; die theologische Rezeption der Soziologie war hingegen praxisrelevanter. Gleichwohl steht der empirischen Soziologie die Replikationskrise noch bevor, während Nachbardisziplinen wie die Psychologie dieselbe bereits hinter sich...

Marc Wischnowsky / Michaela Veit-Engelmann: Judit. Mit Kopf, Herz und Hand

Die von der Evangelischen Verlagsanstalt Leipzig herausgegebene Reihe „Biblische Gestalten“ ist mittlerweile auf stolze 35 Bände angewachsen. Im aktuellen Band widmet sich das Autorenpaar Marc Wischnowsky und Michaela Veit-Engelmann – beide arbeiten in religionspädagogischen und gemeindepraktischen Kontexten – der Gestalt der Judit und dem nach ihr benannten Buch.

Beide laden ein, sich auf eine Entdeckungsreise zu machen: „Zu entdecken, was in der Bibel von ihr (Judit, d. Verf.) erzählt wird, welche Zeitfragen sich in dieser Geschichte spiegeln und woran sich die unterschiedlichen Bilder dieser faszinierenden Frauengestalt festmachen.“ (14) Dazu führt das Autorenduo die Leserinnen und Leser fundiert und breit, aber keineswegs zu ausladend an die Gestalt der Judit und an das gleichnamige...

Benedikt Hensel: Das Jonabuch heute lesen

Der von Benedikt Hensel, der an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg lehrt, verfasste Kurzkommentar zum Buch Jona macht das erste Dutzend von Bänden der im Theologischen Verlag Zürich (TVZ) erscheinenden Reihe „bibel heute lesen“ komplett.

In der Einleitung (15-35) legt der Autor den Aufbau des Buches Jona als auch dessen exegetische und damit theologische Leitworte dar – für das breite Lesepublikum insofern angenehm erleichtert, als keine Hebräisch-Kenntnisse notwendig sind. Daneben thematisiert Benedikt Hensel die Fragen der Einheitlichkeit und der Entstehung des Buches Jona. Hensels kurze Ausführungen zur Theologie dieses prophetischen Buches laden ein, diese Spuren auf Grundlage der sich anschließenden Kommentierung zu verfolgen.

Der Autor kommentiert das Buch Jona in...

Cornelia Steinfeld / Rainer Oberthür: Der Kreuzweg in Formen und Farben

„Jesus stirbt am Kreuz“ – das ist das Thema des Titelbildes des neuen Buches von Cornelia Steinfeld „Der Kreuzweg in Formen und Farben“ mit vielfältigen Texten von Rainer Oberthür und informativen und anregenden Erläuterungen von Andreas Thelen-Eiselen. Ein weißes Kreuz liegt mittig auf einem dunkelblauen Dreieck, das den Untergrund bildet und von schwarzen Flächen begrenzt wird. Sofort stellen sich bei der Betrachtung die ersten Fragen ein: Warum sind die Querbalkenseiten unterschiedlich lang? Was hat es mit den schwarzen Flächen auf sich? Warum bildet ein dunkelblaues Dreieck den Untergrund?

Wer die Bücher „Die Bibel in Formen und Farben I und II“ und „Trauer in Formen und Farben“ kennt, weiß um die Wirkung, die die Grafiken von Cornelia Steinfeld haben können. Das reduzierte Angebot...

Kerstin Menzel / Alexander Deeg (Hg.): Diakonische Kirchen(um)nutzungen

Bei diesem Sammelwerk handelt es sich um den zweiten Band des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit mehreren Millionen Euro unterstützten Projekts „Sakralraumtransformationen“ (abgekürzt TRANSARA). Der evangelische Pastoraltheologe Alexander Deeg leitet mit seiner wissenschaftlichen Mitarbeiterin Kerstin Menzel am Institut für Praktische Theologie, Universität Leipzig, das Teilprojekt 2 „Diakonische Kirchen(um)nutzung in Leipzig“. Während der erste Band sich mehr den Sakralraum-Umnutzungen um Aachen widmet, geht es in unserem Band 2 um die besonderen Verhältnisse um Leipzig. Der besondere Aspekt sind die Theorie und die Praxis diakonischer Arbeit. Für Katholiken bieten sich dabei viele Einblicke in eine stark evangelisch geprägte Region. Gleichzeitig ergibt sich dabei auch die...

Peter Zimmerling (Hg.): Ökumenische Spiritualität

Während im römisch-katholischen Bereich „Spiritualität“ längst vertrauter Gegenstand wissenschaftlicher und praktisch-anleitender Bemühung ist (vgl. das mehrbändige „Handbuch der Spiritualität“ von Kees Waajman), nähert sich evangelische Theologie erst seit kürzerer Zeit diesem Begriff, der (verloren gegangen oder bewusst vernachlässigt) wieder zu ihren prägenden Schlagwörtern gerechnet werden will. Wurde sie zuvor noch als geradezu un-evangelisch (weil im diametralen Widerspruch zur Lehre von der Rechtfertigung allein aus Gnade als „articulus stantis et cadentis ecclesiae“) diskreditiert, scheint Spiritualität nunmehr als ureigenes protestantisches Moment im Sinne eines „heilsamen Risses“ (Chr. Möller) nicht nur attraktiv zu sein, sondern (etwa für die Praktische Theologie) immer mehr zu...

Marco Benini: Brannte nicht unser Herz? Die Messe verstehen – Eucharistisch leben

Wir feiern Eucharistie, das heißt auch: Wenn wir eucharistisch leben möchten – so wie Marco Benini empfiehlt –, so leben wir aus der Danksagung. Mystagogische Wege zum Geheimnis des Glaubens zeigt der Trierer Liturgiewissenschaftler auf, der Romano Guardinis gedankenreiche, von existentiellem Ernst kündende Reflexionen aus der Zeit der Liturgischen Bewegung aufnimmt und neu fruchtbar macht für die Gegenwart.

Wissen Gläubige wirklich, wozu sie in der Eucharistie eingeladen und bestellt sind? Erfahren katholische Christenmenschen in der heiligen Messe wahrhaft die Freude am Glauben? Benini spürt den Zeichen der Liturgie nach, erläutert den Römischen Ritus und plädiert für eine hohe Einfachheit der Feier, ohne äußerlich fromm gemeinte Schnörkel und ohne priesterlichen Eigensinn. Unter...

Daniel Martin Feige: Kritik der Digitalisierung. Technik, Rationalität und Kunst

Daniel Martin Feige widmet sich in seinem Buch der Aufgabe, die Digitalisierung, die unser Leben mehr und mehr bestimmt, einem kritischen Blick zu unterziehen. Er will aufzeigen, dass die Digitalisierung, in Form von Kommunikations- und Informationstechnologien (KIT) sowie Künstlicher Intelligenz (KI), keine gesellschaftlich und politisch neutrale Technik ist, sondern das Selbstverständnis des Menschen und dessen Zusammenleben stark verändert.

Die Digitalisierung sieht Feige zunächst geschichtlich als einen Schritt, der starke gesellschaftliche Veränderungen zur Folge hat, weist aber Deutungen der Geschichte zurück, in der die Digitalisierung schon früh als Ziel eingeschrieben ist.

Bezogen auf die Praxis ist der Unterschied zwischen analoger und digitaler Technik daran festzumachen, dass...